Mit Brettern ausgelegter Weg als Symbol für den sprichwörtlichen Holzweg

Paradigmenwechsel – so, so.

Heute mache ich es mal kurz.

Verehrte Kontrahenten von der homöopathischen Fraktion und Befürworter wissenschaftlicher Revolutionen. Euch scheint bei der Forderung nach einem „Paradigmenwechsel“ in der Medizin, gar einer wissenschaftlichen Revolution in eurem Sinne, etwas entgangen zu sein.

Es wäre hilfreich, die Realität wahrzunehmen. Wir erleben doch einen großen Paradigmenwechsel in der Medizin, einen grundlegenden, der seit längerem anhält und noch nicht abgeschlossen ist und der durchaus als Revolution im Sinne Thomas S. Kuhns angesehen werden kann:

Nämlich den Paradigmenwechsel von der Medizin als überwiegende Erfahrungswissenschaft hin zu einer kritisch-rationalen Prüfungen standhaltenden (falsifizierbaren) Grundmethodik und deren Integration in ein neues Medizinkonzept. Das realisiert sich in der Evidenzbasierten Medizin, die die Synthese zwischen wissenschaftlicher Fundierung, ärztlicher Kunst und den Belangen und Vorstellungen des Patienten im konkreten Behandlungsfall anstrebt – ganzheitlich im besten Sinne.

1978 bereits markierte der Gesetzgeber im Arzneimittelrecht diesen Paradigmenwechsel und unterstellte Zulassung und Marktzugang von Pharmazeutika dem Wirksamkeits- und Unschädlichkeitsnachweis nach strengen wissenschaftlichen Kriterien. Nur aufgrund massiver Lobbyarbeit blieb damals – unsinnigerweise – Homöopathie davon ausgenommen. Das war schon seinerzeit angesichts der Intention der Neuordnung des Arzneimittelrechts ein absurder Systembruch, geschuldet den damals offenbar noch vermittelbaren (gleichwohl überholten) „idealistischen“ Wissenschaftskonzepten.

Heute nun wieder auf den Zustand vor diesem Zeitpunkt zu rekurrieren und dies als Forderung nach einem allfälligen „Paradigmenwechsel“ ausgeben zu wollen, ist nachgerade grotesk. Das wäre nämlich kein Paradigmenwechsel, keine „Revolution“, sondern nur eine „Restauration“ im schlechtesten Sinne, vergleichbar mit der Restauration gesellschaftlich-politischer Verhältnisse, die in der Folge des Wiener Kongresses Anfang des 19. Jahrhunderts Jahrzehnte der Erstarrung einleitete.

Die Zeit – in unserem Universum jedenfalls – läuft vorwärts. Und das ist ersichtlich gut so.


Bildnachweis: Auf dem Holzweg – Pixabay Lizenz CC0

„Deklaration *) Homöopathie“ – wirklich eine Gegenposition?

Eine Reihe von Personen, großteils mit akademischer Reputation, zusammen mit verschiedenen Institutionen, verbunden durch vitales Interesse an der Homöopathie, haben unter der Federführung von Prof. P.F. Matthiessen eine „Deklaration Homöopathie 2019“ veröffentlicht (erschienen zuerst in der „Zeitschrift für Onkologie“ dort noch als „Stellungnahme“, nun auch, betitelt als „Deklaration“, auf der Webseite des Zentralvereins homöopathischer Ärzte).

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Dissonanzen

Ende September kündigte das Bundesgesundheitsministerium an, dass es die sogenannten Wahltarife in der GKV für Homöopathie und teils andere „komplementäre Medizin“ abzuschaffen gedenke. Ob man dies als winzigen Schritt zur überfälligen Verbannung der Homöopathie aus der GKV werten kann, mag offenbleiben – es ist so oder so eine Marginalie. Betroffen sind keine 600 Versicherten bundesweit. Es geht dabei um Tarife aus grauer Vorzeit, als noch eine „Zusatzversicherung“ neben dem GKV-Regeltarif für solche Dinge möglich war. Mit dem 3. GKV-Versorgungsstrukturgesetz wurde das ab dem 1.1.2012 (weitestgehend) überflüssig, denn ab diesem Zeitpunkt war der Weg für die Kassen frei, per Satzungsleistung generell die Erstattung von Homöopathie anzubieten. Was bekanntlich auf breiter Front geschah. Dass nun die Wahltarife den Weg alles Irdischen gehen sollen, kann man eigentlich als ordentliche Routinearbeit des BMG verbuchen.

Selbst bei Homöopathiekritikern geriet diese kleine Episode eher in Vergessenheit – bis nun so etwas wie ein böses Erwachen folgte.

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„Eingeimpft“: Kein Impfgegner-, eher ein Katastrophenfilm.

Das Impfthema hatte seit jeher auf diesem Blog breiten Raum, ich erinnere an die Beiträge zu Wakefields „Vaxxed“ im ersten Halbjahr 2017. Dass noch einmal eine umfangreiche Befassung mit einem Kinofilm zum Impfthema anstehen würde, hätte ich nicht gedacht – die Arbeit mit dem anthroposophischen Vaxxed-Abklatsch „A Man Made Epidemic“ hatte mir Jan Oude-Aost auf dem Blog „diaphanoskopie“ freundlicherweise abgenommen.

Aber: Aktuelles ist zu betrachten. Zu David Sievekings Buch und Film „eingeimpft – Familie mit Nebenwirkungen“ ist schon sehr viel gesagt worden. Die Presse sieht beides ziemlich einhellig als das an, was man in meiner Heimat als „Schuss in den Ofen“ bezeichnet. Sieveking und seine Berater haben sich offensichtlich gewaltig überhoben mit der Idee, ein gesundheitlich relevantes Thema wie das Impfen als Aufhänger für die bei ihm übliche autobiografische Story zu verwenden. „„Eingeimpft“: Kein Impfgegner-, eher ein Katastrophenfilm.“ weiterlesen

Homöopathie international: Die Reviews / die Statements / die Maßnahmen

 

Teil I:         Übersicht über die veröffentlichen Reviews / Metaanalysen zur Homöopathie (seit 1991)

Teil II:        Stellungnahmen von wissenschaftlichen Organisationen und staatlichen Stellen zur Homöopathie

Teil III:       Gesundheitspolitische / staatliche Maßnahmen zur Homöopathie im Gesundheitswesen (seit 2016)

  

Stand: 9. November 2018  „Homöopathie international: Die Reviews / die Statements / die Maßnahmen“ weiterlesen

Irrungen, Wirrungen

Nein, keine Literatur-Leistungskurs-Aufgabe zu Theodor Fontane wartet hier. Schön wärs…

Dass die Vertreter der Homöopathie-Lobby den Kritikern mit dem Vorwurf eines „Wissenschaftsdogmatismus“ begegnen und ihre Positionen mit einem vorgeblichen Anspruch auf „Wissenschaftspluralismus“ legitimieren wollen, ist nicht neu. Wobei „Wissenschaftspluralismus“ nicht mehr allein den Anspruch enthält, „mehrere Medizinen“ als „pluralistisch“ anzuerkennen, sondern darüber hinaus den, gleich „mehreren Wissenschaften“ eine gleichberechtigte Existenz zuzusprechen.  „Irrungen, Wirrungen“ weiterlesen

Nichtimpfen als okkulte Ideologie – die Schleimspur der „eigenverantwortlichen Impfentscheidung“

I

Auf diesem Blog ist schon reichlich viel zum Thema „Impfen“ erschienen, Grundsätzliches ebenso wie aus aktuellen Anlässen heraus. Ich bilde mir nicht ein, hiermit die Impfgegner-Szene irgendwie beeinflusst, aber vielleicht ein Fünkchen Licht in die Debatte gebracht zu haben

Im Abstand von über einem Jahr zu Andrew Wakefields faktischem Scheitern in Deutschland und Europa mit seinem Machwerk „Vaxxed“ meine ich nun allerdings eine Front der Impfgegnerschaft aktiv werden zu sehen, die aus einer anderen „ideologischen Ecke“ kommt: Aus der der Anthroposophie. „Nichtimpfen als okkulte Ideologie – die Schleimspur der „eigenverantwortlichen Impfentscheidung““ weiterlesen

Der Preis ist heiß!

Die folgende Passage aus einer Pressemitteilung der Fa. Peithner, Österreich, verdient unser Augenmerk:

Wien (pts005/28.03.2018/08:00) – Die Homöopathie erfüllt alle Kriterien der evidenzbasierten Medizin! Zu diesem Ergebnis kommt die Allgemeinmedizinerin Dr. Melanie Wölk, die im Rahmen ihrer Masterarbeit zur Erlangung des akademischen Abschlusses Master of Science im Universitätslehrgang Natural Medicine, Donau-Universität Krems, die Frage untersucht hat, ob die Homöopathie den Regeln der Evidence based Medicine (EbM) entspricht. Für diese Arbeit wurde Wölk mit dem Dr. Peithner Sonderpreis für Forschung in der Homöopathie ausgezeichnet.

Das ist ja mal eine Sensation ersten Ranges, sicherlich höherer Würden wert als der eines schnöden Masterabschlusses und eines lumpigen 3000-Euro-Schecks vom Homöopathie-Fabrikanten Peithner (wie die DHU zum Konzern Willmar Schwabe gehörig). Finde ich übrigens auch ziemlich knausering, in Anbetracht eines derartigen Durchbruchs. Naja, auch Blinddärme können durchbrechen…

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