Handreichung: Aufklärung über Homöopathie, kurz und knapp

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Kritisch denken Du sollst!

Auf gelegentlichen Wunsch hin nachstehend ein knapper Text, mit dem auf noch aufnahmefähige Homöopathie-Geneigte in Diskussionen geantwortet werden kann. Selbstverschuldet Wahrnehmungsblockierte sind damit natürlich nicht erreichbar. Aber die Zielgruppe der unkritisch-unwissenden Interessenten und Konsumenten, die berühmten 80 Prozent der Menschen, die Homöopathie zwar kennen, aber keine Ahnung von den Zusammenhängen haben, die könnte in diesem Rahmen vielleicht angesprochen werden.

Meine Meinung zur Homöopathie? Um Meinung geht es nicht, sondern ganz einfach um Fakten.

In 200 Jahren hat die Homöopathie keinen Nachweis einer Wirkung erbringen können, der über den bei jeder Art von Therapie auftretenden Placeboeffekt, die psychosomatische Wirkung, hinausgeht. Das ist schon zu Hahnemanns Lebzeiten nicht gelungen, ebensowenig zu Zeiten moderner Studien- und Analysemethoden. Die Methode war von Anfang an umstritten und niemals Mittel der ersten Wahl; verschiedentlich ist die Homöopathie sogar verboten gewesen.

Die großen Untersuchungen zur Hömöopathie (Versuchsreihen und zusammenfassende Auswertungen), aktuell das zusammenfassende Review der Australischen Gesundheitsbehörde von 2015 (die größte zusammenfassende Betrachtung von Studien zur Homöopathie, die je durchgeführt wurde)  sind klar zu dem Ergebnis gekommen, dass eine spezifische (d.h. der Methode eigene) Wirksamkeit nicht gegeben ist. An allen diesen Untersuchungen und Reviews haben führende Homöopathen ihrer Zeit selbst mitgewirkt.

Ein anderes Ergebnis kann auch gar nicht erwartet werden. Tragende Aspekte der homöopathischen Methode verstoßen gegen naturgesetzliche Gegebenheiten (z.B. Wirkungszunahme durch „Potenzierung“, Annahme einer „geistigen Lebenskraft“, die es zu beeinflussen gelte). Die Homöopathie als System kann nicht bruchlos in das sich täglich bewährende Gesamtsystem der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse eingegliedert werden. Große Teile des täglich -auch im Alltag- bewährten naturwissenschaftlichen Wissens in Physik, Chemie und Biologie würden unhaltbar sein, träfen die Annahmen der Homöopathie zu. Andere Aspekte der Methode entstammen dem Animismus, der Vorstellung einer „Allbeseeltheit“ einer vorwissenschaftlichen Zeit, die auf reine Spekulationen statt fundierter Erkenntnisse angewiesen war.

Einzelne Studien, die immer wieder ins Feld geführt werden, entpuppen sich bei näherer Betrachtung wieder und wieder als methodisch unbrauchbar oder als fehl- bzw. überinterpretiert. Gleiches gilt für die „homöopathische Grundlagenforschung„, deren Ergebnisse sich entweder als Scharlatanerie entpuppten („Wassergedächtnis“, „Nanopartikel“ in Hochpotenzen) oder aber aus fachfremden Gebieten unverstanden übernommen und uminterpretiert werden (z.B. Wirkung durch „Quanteneffekte“). Kein Wissenschaftler aus diesen Fachgebieten wird diesen Interpretationen eine Stütze geben.

Homöopathie ist keine Naturheilkunde. Sie verwendet als Ursubstanzen beliebig neben Pflanzen und nichtpflanzlichen organischen Stoffen eine Vielzahl von anorganischen Substanzen; chemische Elemente in Reinform wie auch chemische Zusammensetzungen und Dinge aus dem Alltagsleben („Berliner Mauer“). Sanft und nebenwirkungsfrei ist sie nur insofern, als dass sie auch frei von Wirkungen ist. Mittel, die in den Körperstoffwechsel eingreifen und dabei keinerlei nicht gewünschte Wirkungen erzeugen, gibt es nicht.

Homöopathie ist ein reines Glaubenssystem, erfunden und erdacht, nicht entdeckt. Da jede Schein- und auch jede wirksame Therapie zusammen mit dem Placeboeffekt wirkt, muss dieser von jeder spezifischen Wirkung einer Methode bzw. eines Mittels „abgezogen“ werden. Im Falle der Homöopathie (nicht nur dieser) bleibt dann – nichts. Viele Länder haben die Homöopathie deshalb konsequent aus ihren öffentlichen Gesundheitssystemen verbannt.

 

 

Bildnachweis: gemeinfrei

Homöopathie unter Ockhams Rasiermesser

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William Ockham, offensichtlich nach der Rasur. (Titelbild der „Logica“)

Ein wenig Wissenschaftstheorie – keine Angst!

Wissen Sie, lieber Leser, was man unter „Ockhams Rasiermesser“ versteht? Nein, liegt nicht im British Museum. Es ist ein auf William Ockham (1288–1347) einem Philosophen und Naturforscher der späten Scholastik, zurückgehender Begriff, der als einer der wenigen aus so früher Zeit auch heute noch wissenschaftstheoretisch Bedeutung hat. Ockhams Rasiermesser hat sich sehr darin bewährt, pseudowissenschaftliche Streu vom wissenschaftlich interessanten Weizen zu unterscheiden. Nun ja, mit ihrer Pflicht zur Tonsur war das Wissen über ordentliche Rasiermesser zweifellos auch schon in mittelalterlichen klerikalen Kreisen weit verbreitet.

Es wird auch das Prinzip der „Sparsamkeit statt Vielfalt“ genannt. Einer der zugrunde liegenden Gedanken ist, dass die Hinzunahme immer neuer Hypothesen und Variablen eine Theorie immer schwerer verifizierbar macht und diese im Endeffekt im Nebel der Nicht-Verifizierbarkeit entschwindet. Was diejenigen, die eine Behauptung aufstellen, in eine komfortable Situation bringt: Sie versuchen mit dem Hinweis, eine Widerlegung sei ja nicht gelungen, ihre eigene positive Beweispflicht umzukehren. Kommt das jemand bekannt vor?

Ockhams Prinzip kommt in zwei Sätzen zum Ausdruck:

  • Von mehreren möglichen Erklärungen für den gleichen  Sachverhalt ist die einfachste Theorie bis zum expliziten Beweis des Gegenteils allen anderen vorzuziehen.
  • Eine Theorie ist einfach, wenn sie möglichst wenige Variablen und Hypothesen enthält und wenn diese in klaren logischen Beziehungen zueinander stehen, aus denen der zu erklärende Sachverhalt kausal-logisch folgt.

Achtung, Benutzerhinweis: Ockhams Rasiermesser ist kein Kriterium für die Richtigkeit einer Theorie oder Hypothese im Sinne heutiger Wissenschaftlichkeit. Sie ist aber ein sehr wirkungsvolles Instrument,  um auf den Schlüssigkeitsgehalt, die Konsistenz, einer solchen zurückzuschließen, eine der Methoden, um Bullshit von Diskutablem zu unterscheiden, und hat sich dabei außerordentlich bewährt. Die Wissenschaftsgemeinde betrachtet neue Theorien, die offensichtlich allzuviel Nebenannahmen und Variablen anführen, mit äußerstem Misstrauen. Zu Recht.

 

Bitte entspannt sitzenbleiben, wir schreiten zur Rasur!

Die Homöopathie erscheint auf den ersten Blick so schön „ganzheitlich“, so „einfach“, so geschlossen. Einem Test mit Ockhams Rasiermesser hält sie aber nicht stand. Warum?

Es liegt an den Variablen, der Subjektivität und Unverbindlichkeit der Arzneimittelprüfung und der darauf beruhenden Repertorien, der Verzeichnisse, die die Symptombilder und die angeblich dazu gehörenden homöopathischen Mittel enthalten. Sie sind die „undichte Stelle“ der Homöopathie, an der schon die früheste Kritik der Methode ansetzte, als man Hahnemanns Konzepte von der gestörten „geistartigen Lebenskraft“ noch für immerhin diskutabel hielt.

Hahnemann hatte sein schönes Gedankengebäude, vom Similieprinzip bis zur Potenzierung, dogmatisch, auf wenigen Hypothesen beruhend. Man hätte also annehmen können, dass es dem Prinzip der Einfachheit durchaus genügte. Was die Hypothesen betrifft. Aber das waren ja nur die Hypothesen, das noch leere Gefäß, dass mit den Variablen gefüllt werden musste, mit denen überhaupt erst eine Relevanz für die Praxis der „einzig wahren Heilkunst“ gegeben war.

Hahnemann und seine Jünger begannen dann damit, alle möglichen und unmöglichen Stoffe im Rahmen von Arzneimittelprüfungen am Gesunden zu „testen“. Schon dieser „Blindflug“ nach dem Motto „Masse statt Klasse“ bzw. „Irgendwas wird schon rauskommen“ fällt Ockhams Rasiermesser zum Opfer. Diese Vorgehensweise infiziert nämlich das schöne Gedankengebäude der Homöopathie mit dem Virus der Beliebigkeit, man könnte auch sagen, der Grenzenlosigkeit. Denn es geht ja erst einmal davon aus, dass unendliche viele Prüfstoffe mehr oder weniger unendlich viele Symptombilder ergeben können.

Ja, und das tun sie auch. Das kommt dann in den immer dicker werdenden Repertorien zum Ausdruck. Die werden nicht nur deshalb immer dicker, weil sich die Homöopathen nach wie vor mangels Kriterien auf jeden neuen Stoff stürzen, dessen sie habhaft werden können (Plutonium, Berliner Mauer, Weltraum-Vakuum), sondern auch daher, dass die Symptombeschreibungen bei den Arzneimittelprüfungen völlig unspezifisch sind. So tauchen z.B. „leichte Magenbeschwerden“ zusammen mit „Träumen von Feen“ auf, bei einem anderen „Träumen von Feen“ zusammen mit andauerndem Kopfschmerz, bei einem dritten der andauernde Kopfschmerz zusammen mit einem deutlichen Unwohlsein bei schlechtem Wetter. Da werden dann Symptomsammlungen in den Repertorien kombiniert und differenziert, was das Zeug hält. Und es wird immer mehr. Eine Flut von Variablen, geradezu ein Meer. Potenziell unendlich. Wo bleibt hier die Begrenzung der Variablen, die in klaren, logischen Beziehungen zueinander stehen, aus denen der zu erklärende Sachverhalt -in diesem Fall Diagnose und Therapie am homöopathischen Patienten- logisch folgt? Von Widersprüchlichkeiten ganz abgesehen.

Es kommt aber noch schöner. Prokop (Der moderne Okkultismus, Voltmedia / Urban & Fischer, 2006) weist darauf hin, welche Unlogik der Tatsache innewohnt, dass man auch schon das eine oder andere homöopathische Mittel „aufgegeben“ hat, obwohl dieses doch erst durch Ergebnisse der Arzneimittelprüfung mit angeblich klarer Symptomatik in die Repertorien gelangt ist!?! Genau wie die anderen, die man belassen hat! Wie kann das sein? Haben sie keine Wirkung gezeigt? Sind bei erneuten Arzneimittelprüfungen andere Symptome herausgekommen? Na, das wären ja dann schöne Beweise gegen das ganze Konzept der Homöopathie… Das ultimative Rasiermesser, sozusagen.

 

Wie war das noch mit dem Ausspruch Einsteins über die Unendlichkeit?

Die einzigen, die mit potenziell unendlichen Variablen in der Wissenschaft arbeiten, sind meines Wissens die Astrophysiker. Aber die sind sehr vorsichtig mit ihren Aussagen, so lange nur mathematische Modelle ohne Bestätigung durch wiederholte Beobachtung vorliegen. Im Gegensatz zu den Homöopathen, die kein Problem damit haben, ihre „Heilkunst“ potenziell ins Unendliche ausdehnen.

Nach Einstein gibt es nur zwei potenziell unendliche Phänomene. Eins davon ist das Universum. Zudem sind wir heute schon weiter als Einstein. Wir wissen, dass beide Phänomene sich trotz ihrer potenziellen Unendlichkeit immer weiter ausdehnen.

 

 

Bildnachweis:

1: Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=457963

El Cid und die Homöopathie II

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Da wohnen noch welche drin…

Hier nun die angekündigte Fortsetzung der Moritat vom Leben und vom langem Tod der Homöopathie…

… wobei in Ergänzung zu Teil 1 noch erwähnt werden soll, dass es schon recht früh im 19. Jahrhundert ganz ordentlich konzipierte Versuche gab, die Wirkung der Homöopathie zu verifizieren. Mit nicht sehr schmeichelhaften Ergebnissen für Hahnemanns Methode. Zum Beispiel:

  • 1834: Seidlitz / Gödecken, St. Petersburg: Die ersten Versuche gegen echte Placebos. Ergebnis für die Homöopathie: Negativ. Gleiche Effekte bei Leerpräparaten und bei homöopathischen Mitteln.
  • 1834: Trousseau / Gouard, Paris. Ausschließliche Gabe von Scheinpräparaten. „Gute Erfolge“ bei Phtisis (Schrumpfung und Atropie des Augapfels) nach Beurteilung von homöopathischen Ärzten, die von einer Einnahme homöopathischer Präparate ausgingen.
  • 1834: Andral (Pitié, Paris). Erprobung von fünf hahnemannschen Standardpräparaten. Ergebnis für die Homöopathie: negativ. Keine spezifische Wirkung feststellbar.
  •  1835: „Nürnberger Kochsalzversuch“ an 55 Probanden, bei dem potenziertes Kochsalz gegen potenzierte Holzkohle geprüft wurde. Das Ergebnis für die Homöopathie: Negativ. Keine Spezifika in den Symptombildern bei den Prüfgruppen erkennbar.
  • 1837: Stürmer, Civilhospital St. Petersburg. Behandlung unterschiedlicher syphilitscher Symptome. Ergebnis für die Homöopathie: negativ. Eine Behandlung mit „Brotpillen“ ergab gleiche Ergebnisse wie die mit homöopathischen Präparaten.

Quelle: O.u.L. Prokop, Homöopathie und Wissenschaft, Enke, Stuttgart 1957

So ist es kein Wunder, dass die Homöopathie in den zahlreichen medizinischen Handbüchern dieser Zeit nirgendwo mehr als einen Platz am Rand einnahm. Niemals den als lege artis.

So, nun aber.

Post mortem

Trotz ihres leisen Todes etwa um die 1850er Jahre hatten sich die Anhänger und Ausübenden der Homöopathie Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts relativ unbehelligt in ihrer Nische eingerichtet. Homöopathische Praxen gab es erstaunlicherweise in erheblicher Zahl, damals durchweg von approbierten Ärzten betrieben (den „Heilpraktiker“ gab es damals ja noch nicht). Übrigens flankiert von einer Reihe sogenannter „homöopathischer Laienvereine“.

Diese Zeit, etwa von der Mitte des 19. bis Anfang der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts, war diejenige,  in der die rasante wissenschaftliche Entwicklung an den Homöopathen vorbeizog, ohne die notwendige Einsicht in den schon erfolgten Tod der Methode zu bewirken. Ein Effekt des Nicht-Wahrhaben-Wollens, des Leugnens aus Gründen der Selbsterhaltung und des Selbstbildes, der zudem die Begrifflichkeit der „alternativen“ oder „komplementären“ Medizin hervorbrachte. Man kann dem Ganzen vielleicht zugute halten, dass die Konsolidierung der Medizin als zunehmend objektivierte Naturwissenschaft bei Vielen gar nicht ins Bewusstsein eindrang und immer noch auf „Erfahrungsmedizin“ gesetzt wurde. Vielleicht ist es gar nicht so ein großer Zufall, dass in diese Zeit auch die Konzepte von Freud und Jung zum Verdrängungsmechanismus entwickelt wurden. Nicht nur auf dem Gebiet der Medizin veränderte sich die Welt wie nie zuvor. Die Zeit war reif, und nicht jeder konnte folgen.

Anfang der 20er Jahre wurde von rührigen Propagandisten, allen voran August Bier, die Einrichtung eines Lehrstuhls für Homöopathie an der Medizinischen Fakultät der Berliner Universität erreicht. Nicht zuletzt dadurch ausgelöst, plante das Reichsgesundheitsamt (RGA) ab 1925, die Behauptungen und Versprechungen der Homöopathen in einer groß angelegten objektiven Untersuchung auf universitären Niveau, aber konzipiert und begleitet von den Homöopathen selbst, auf ihre Stichhaltigkeit zu überprüfen.

Da gut Ding bekanntlich immer Weile haben will und sich der bekannte Zentralverein homöopathischer Ärzte (der stolz darauf hinweist, die älteste deutsche Ärztevereinigung in Deutschland zu sein, aber unterschlägt, dass er nur die Aufgabe hatte, über die Reinheit der Hahnemannschen Lehre zu wachen) auch nicht so recht bequemen konnte oder wollte, dauerte die ganze Sache. Bis von unerwarteter Seite Schub in die Angelegenheit kam.

 

Der Donner-Report und die Protokolle der Untersuchung durch das Reichsgesundheitsamt
1936 – 1939

Eins sei vorausgeschickt. Diese Untersuchung und ihre Ergebnisse sind völlig unverdächtig, irgendwie mit nationalsozialistischer Ideologie zusammenzuhängen. Es gibt nicht den mindesten Grund, sie etwa aus dieser Sicht zu diskreditieren. Im Gegenteil, die NS-Ideologen hatten auf ganz andere Ergebnisse gesetzt, als die, die hinterher zu konstatieren waren. Es handelt sich bei den Aktivitäten des RGA wohl um die fundiertesten und objektivsten Untersuchungen, die jemals zur Homöopathie durchgeführt worden sind.

Wie so vieles andere, fanden die Nationalsozialisten in den Schubladen des Gesundheitsministeriums auch die Vorüberlegungen zu der lange angedachten Großstudie über Wirkungskraft und Wirkungsweise (ja, das wollte man auch wissen) der Homöopathie. Dies verband sich nun mehr oder weniger mit dem sehr typischen NS-Gedanken, so etwas wie eine „deutsche Medizin“, weltweit überlegen und ideologisch unterfüttert, zu etablieren. Könnte das nicht die Homöopathie sein? Gesagt, getan.

Das Reichsgesundheitsamt meint es ernst

Nun muss man wissen, dass die Fachleute des Reichsgesundheitsamtes zum ganz überwiegenden Teil nicht Bürokraten oder Verwaltungsjuristen waren, sondern gestandene medizinische Fachleute, die ihren Job äußerst ernst nahmen. Eine Expertise irgendeines Verbandes oder „externer Sachverstand“, wie er heute üblich ist und immer die Gefahr von Lobbyismus und Verzerrungen der Ergebnisse in sich birgt, war damals nicht nötig. Das besorgten die Fachleute des RGA alles selbst. Sie öffneten dem Zentralverein der Homöopathen ihre Tore, stellten Ressourcen zur Verfügung, ließen ihm freie Hand bei Konzeption und Durchführung der einzelnen Prüfvorhaben und schauten kritisch zu. Bekannte Praktiker der homoöpathischen Szene wurden zur Begutachtung und Erklärung hinzugezogen – zu diesen gehörte auch Dr. Fritz Donner, der damals klinischer Homöopath an der Rudolf-Virchow-Klinik in Berlin war und kritische Praxiserfahrung schon aus dem Stuttgarter Homöopathischen Krankenhaus mitgebracht hatte.

„Der größte Tag in der Geschichte der Homöopathie“

Die Eröffnungstagung im Herbst 1937 feierten die Homöopathen schon als den „größten Tag in der Geschichte der Homöopathie“ (Dr. Stiegele, Direktor des homöopathischen Krankenhauses Stuttgart, nach Donner). Verständlich, in der Aussicht auf „hunderte Millionen Reichsmark“ Forschungs- und Unterstützungsgelder und die offizielle Etablierung der Homöopathie als herausgehobener Teil des Gesundheitswesens. Leider sorgte bereits gleich zu Anfang ausgerechnet der damalige Chef des DZVhÄ, Rabe, für eine gewisse Irritation, indem er im Überschwang der Begeisterung per Zwischenruf mal gleich klarstellte, dass die Homöopathie auf einer ganz anderen Ebene anzusiedeln sei als die schnöde Schulmedizin, was man an den „mit Sicherheit“ eintretenden Symptombildern beispielsweise bei Digitalis in Potenzierungen von C200 oder gar C1000 erkenne. Leider bezweifelte gleich an Ort und Stelle einer der führenden deutschen Pharmakologen höflich, aber bestimmt diese Aussage unter Hinweis darauf, dass gerade Digitalis die wohl (damals) am intensivsten erforschte Droge sei, er sich aber gerne so schnell wie möglich von Rabes hochgesteckten Versprechungen überzeugen lassen möchte. Was, da der im Brustton der Überzeugung versprochene klare Beweis ausblieb, gleich mal eine nette Peinlichkeit war.

Diese Szene sollte sich als geradezu symptomatisch für den Fortgang des Projektes erweisen. Rabe wollen wir das mal nicht so übelnehmen, er war zwar Präsident des Zentralvereins, aber vorher Allgemeinmediziner gewesen und hatte nach einem vierwöchigen Homöopathiekurs kurzentschlossen seine Praxis voll auf Hahnemann ausgerichtet. Donner beschreibt seine Wissenslücken durchaus als peinlich. Er wird uns später nochmals begegnen.

Die Autopsie beginnt

Donner beschreibt umfangreich, wie die Homöopathen im Rahmen der Planungsphase der konkreten klinischen Prüfungen bereits mit angeblichen Evidenzen nur so um sich warfen, die er aus seiner Praxis als selbstkritischer und langjährig erfahrener Homöopath gegenüber den Vertretern des RGA, die ihn dazu befragten, ständig zurechtrücken musste. So kam es dann, wie es kommen musste.

apis
Apis D1 auf cape margeruite D1  – Test

Die Homöopathen konnten sich weder auf Arzneimittelbilder noch auf Arzneimittelprüfverfahren einigen, endlose Diskussionen gingen den konkreten Versuchen voraus. Dabei musste von vornherein viel ausgeschieden werden, was längst auch unter Homöopathen als unhaltbar galt. Das Reichsgesundheitsamt zeigte sich dabei offen und ging so ziemlich auf alles ein, was die Homöopathen vorschlugen. Um sich eine Vorstellung vom Umfang des Projektes zu machen, hier ein Auszug aus Donners Bericht:

„Es war geplant, dass, falls sich in den ersten Jahren eindeutig erweisen sollte, dass an der Homöopathie tatsächlich etwas dran ist, dann sämtliche Universitätsinstitute und Kliniken sowie alle führenden Krankenanstalten herangezogen werden sollten, um die Homöopathie zu erforschen. An jeder Universität sollte eine Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus einem Homöopathen, einem Internisten und einem Pharmakologen, aufgestellt werden, die dann Arzneiprüfungen und therapeutische Untersuchungen durchführen werden. An Prüfpersonen bestehe kein Mangel, da u.a. alle Mitglieder homöopathischer Laienverbände dazu aufgefordert werden können. Bei den jeweiligen Prüfungen dürften die homöopathischen Ärzte nur angeben, welche Art von Prüfpersonen sie hier für besonders geeignet halten. Wünschen sie etwa Frauen in den Wechseljahren für eine Sepiaprüfung, dann wird man eben Frauen in den gewünschten Altersstufen dafür gewinnen. Es wurden also der Homöopathie Möglichkeiten geboten, wie sie sie seit ihrem Bestehen noch nie gehabt hat.

Damals betrug die Zahl der medizinischen Fakultäten und Akademien in Deutschland rund 26; da man für große Universitäten nicht nur eine, sondern zwei Arbeitsgruppen plante, so kam man auf 30 Stellen für die Überprüfung der Homöopathie. Werden Arzneiprüfungen sowohl im Sommer- wie auch im Wintersemester durchgeführt, dann könnten 60 Mittel pro Jahr durchgenommen werden. Auch wenn man die ‚Großen Mittel‘ zweimal oder gar dreimal nachprüfen will, dann konnte man damit rechnen, dass in etwa 6 Jahren 250 der wichtigsten homöopathischen Medikamente jeweils an einer großen Zahl von Prüfpersonen mit allen heutzutage üblichen Kautelen überprüft sein werden.“

Donners Bericht enthält so viel Hinweise auf Fehler und Missdeutungen der damals tätigen Homöopathen, dass man kaum glauben mag, dass er zu diesem Zeitpunkt selbst als homöopathischer Kliniker tätig war. Seine Skepsis wuchs während der Überprüfungen mehr und mehr. Sein Bericht ist mehr als lesenswert, er steht unter http://www.kwakzalverij.nl/behandelwijzen/homeopathie/der-donner-bericht/
zum Lesen zur Verfügung. Die Rechte daran hält das Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung, ein PDF des Donner-Berichts für persönliche Zwecke kann jedoch dort heruntergeladen werden. An dieser Stelle kann naturgemäß nur ein kleiner Teil des Inhalts wiedergegeben werden.

Hurra, wir kapitulieren!

Die dort berichteten Vorgänge sprechen für sich. Nach anderthalb Jahren an Testreihen und Therapien stellten die Vertreter des RGA als Zwischenergebnis fest, man müsse wahrheitsgemäß erklären, „dass bei der Arzneiprüfung nichts herausgekommen ist und dass bei den klinischen Versuchen bei keinem einzigen Patienten eine irgendwie für eine therapeutische Wirkung der eingesetzten Arzneien sprechende Reaktion eingetreten ist.“ Donner bat, dies zunächst noch nicht an den Präsidenten des RGA zu berichten und noch weitere Untersuchungen abzuwarten.

Nach den Erörterungen, wie man sinnvollerweise weiter vorgehen solle und der ungebrochenen Bereitschaft des RGA, den Homöopathen notfalls für die Untersuchungen ganze Klinikabteilungen einzurichten und mit Kranken zu belegen, kam es dann zu einer entscheidenden Äußerung des DZVhÄ-Präsidenten Rabe gegenüber Donner:

„Als anschließend H. Rabe mit mir das Krankenhaus verließ, überraschte er mich mit der Bemerkung, er müsse jetzt dringend sehen, wie er diese Überprüfungen sabotieren könne. Einen stichhaltigen Grund habe er zwar noch nicht gefunden, da alles so überaus korrekt und kollegial ihm gegenüber durchgeführt worden wäre. Hoffentlich falle ihm noch etwas ein, denn sonst müsse er zum Reichsgesundheitsführer Dr. Conti gehen und ihn dringend auffordern, die Überprüfungen der Homöopathie sofort abbrechen zu lassen, denn ‚wir können doch das gar nicht, was wir behaupten‘ (wörtlich gesagt!!). Aber nach all dem, was er mit Conti, Rudolf Hess und Prof. Reiter in Sachen Homöopathie vorgebracht habe, könne er doch letzteres kaum tun. Er fuhr dann fort, dass es doch ‚heller Wahnsinn‘ von den Beauftragten des RGA wäre, ‚das ernst zu nehmen, was wir, die wir doch nur kleine Praktiker sind, so sagen oder in unseren Zeitschriften veröffentlichen‘ und sie einer wissenschaftlichen Überprüfung zu unterziehen […] 

Auch über die vorgesehenen Arzneinachprüfungen und die damit zusammenhängenden Fragen äußerte er sich eindeutig: Wir sind einfache Praktiker, deren Interesse vor allem dem gilt, was man einem ins Sprechzimmer gekommenen Kranken gegen die von ihm geklagten Beschwerden geben soll. Und nun erwarte man, dass er Auskunft darüber geben könne, wie dieses oder jenes Mittel seiner Zeit geprüft worden ist und ob wir die darauf aufgebauten Arzneidarstellungen in diesem Falle für einigermaßen verlässlich und in jenem für in höchstem Grade fragwürdig ansehen. […] Möglicherweise sind alle in den Arzneimittellehren gebrachten (Sepia)symptome reine Phantasiegebilde! […] Den Beauftragten des RGA habe er immer die Homöopathie so vorgetragen, wie die homöopathischen Praktiker sich die Dinge vorstellen. Man konnte doch nicht ahnen, dass sie die Prüfungsquellen parat haben und somit vergleichen konnten, was tatsächlich gewesen ist und inwieweit die Realitäten von den Vorstellungen der Homöopathen divergieren. […]“
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Eine Kapitulation erster Klasse, gestützt durch die letztlich verheerenden Ergebnisse der klinischen Arbeitsgruppen von 1937 bis zum Kriegsausbruch 1939, der das Projekt jäh stoppte.

Damit war das einzige Ergebnis, dass aus dieser Autopsie der Leiche namens Homöopathie herauskam, die Frage, ob sie überhaupt jemals gelebt hat.

Donner beschreibt, wie nach seiner Meinung Unzulänglichkeiten hätten ausgeräumt werden können und die Homöopathie eventuell doch noch eine Basis für verlässliche Ergebnisse gewinnen könnte. Völlig abgekehrt hatte er sich damals noch nicht. Allerdings, als 1946 frühere Kollegen sich mit dem Gedanken einer Wiederaufnahme der Untersuchungen an ihn wandten, zog man doch gemeinsam das Fazit, „dass abgesehen von gewissen pharmakologischen Arbeiten bisher bei den Überprüfungen nichts Positives für die Homöopathie herausgekommen wäre, es sei denn, dass einwandfrei klargestellt worden ist, dass viele Ansichten, auch die ‚kritischer Ärzte‘ auf Wunschvorstellungen basieren. Inzwischen habe aber die homöopathische Ärzteschaft ein Jahrzehnt Zeit gehabt, sich zu besinnen. Es wäre eine bedauerliche und für das Weiterbestehen einer Homöopathie gefährliche Illusion, wenn die homöopathischen Ärzte glaubten, sie könnten ruhig in derselben Weise weitermachen, wie sie es vor dem Kriege getan haben.

Donner wandte sich völlig von der Homöopathie ab und wurde angesehener Leiter einer internistischen Abteilung eines renommierten Krankenhauses. Die Universitäten trennten sich von den homöopathischen Fakultäten, die von Bier initiierte Berliner Fakultät wurde explizit geschlossen, weil sie keinerlei positive Leistungen vorzuweisen hatte. Rabe, auch nach dem Krieg noch Leiter des DZVhÄ, weigerte sich geradezu, sich jemals im Verband nochmals für Überprüfungen stark zu machen und dann „die Suppe nochmal auslöffeln“ zu müssen.

Die Erkenntnisse aus der Großaktion des Reichsgesundheitsamtes werden übrigens durchaus noch flankiert durch weitere, die Homöopathie diskreditierende Untersuchungen. Beispielsweise hat Prof. Dr. Paul Martini, der spätere erste Präsident der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), die Schlüssigkeit und Aussagefähigkeit der Hahnemannschen Arzneimittelprüfung untersucht – mit ebenfalls für die Homöopathie eindeutig negativem Ergebnis.

 

Nach dem Krieg – endlich Ruhe?

Unmittelbar nach Kriegsende und in den frühen 50er Jahren der jungen Bundesrepublik galt die Homöopathie -ganz der hier gezeichneten Entwicklung entsprechend-  als ernstzunehmende medizinische Methode nicht nur als tot, sondern als töter. Zu Recht, wie der geneigte Leser vielleicht nach der Lektüre auch finden wird. Die ersten öffentlichen Äußerungen zur Homöopathie sind denn auch von einer ganz neuen Tonlage:

  • 1955 urteilt der Bundesgerichtshof, dass „jedenfalls Potenzen ab D23 als jenseits einer Wirkungsmöglichkeit liegende Verdünnung“ anzusehen sind und bei Vorliegen der subjektiven Voraussetzungen gegebenenfalls wegen fahrlässiger Tötung zu verurteilen sei (BGH, Urteil vom 30.09.1955, 2 StR 206/55).
  • 1958 erklärte nach Beratung über eine mögliche Wiederbelebung der universitären Homöopathie die medizinische Fakultät der Humboldt-Universität Berlin:
    „Die medizinische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin gibt folgende Erklärung ab:
    Auf Grund der wissenschaftlichen Erkenntnisse ist die Homöopathie weder klinisch noch prophylaktisch in der Behandlung von schweren, insbesondere Organerkrankungen anwendbar.“
    Prokop berichtet, dass die Ursprungsfassung statt „weder … noch… anwendbar“ die Formulierung „ohne jeden Wert“ enthalten habe. In wissenschaftlicher Redlichkeit habe man diese Formulierung mit Rücksicht auf einen eventuellen psychosomatischen Gehalt der Methode, der allerdings allen Scheintherapien innewohnt, verworfen.
  • 1992 (zu einer Zeit, in der trotz allem die Homöopathie schon wieder als aufpolierte Leiche durchgereicht wird), gibt der Fachbereich Humanmedizin der Philipps-Universität zu Marburg eine scharfe Erklärung gegen Pläne ab, die Homöopathie wieder zum prüfungsrelevanten Inhalt des medizinischen Studiums zu machen:
    „... Der Fachbereich Humanmedizin der Philipps-Universität Marburg verwirft die Homöopathie als eine Irrlehre. Nur als solche kann sie Gegenstand der Lehre sein. […]  Wir sehen jedoch die Gefahr, dass man von uns „Neutralität“ und „Ausgewogenheit“ in diesem Stoffgebiet fordern wird, und sind nicht bereit, unseren dem logischen Denken verpflichteten Standpunkt aufzugeben zugunsten der Unvernunft. Wir betrachten die Homöopathie nicht etwa als eine unkonventionelle Methode, die weiterer wissenschaftlicher Prüfung bedarf. […] Oft wird behauptet, der Homöopathie liege ein „anderes Denken“ zugrunde. Dies mag so sein. Das geistige Fundament der Homöopathie besteht jedoch aus Irrtümern („Ähnlichkeitsregel“; „Arzneimittelbild“; „Potenzieren durch Verdünnen“). Ihr Konzept ist es, diese Irrtümer als Wahrheit auszugeben. Ihr Wirkprinzip ist Täuschung des Patienten, verstärkt durch Selbsttäuschung des Behandlers. […].

Endlich Rationalität !?

Was für Dokumentationen der Rationalität! Was für ein Erfolg – endlich, möchte man sagen. Und doch. Der Grund, weshalb ich all dieses schreibe, ist die Entstehung einer wirk- und ressourcenmächtigen Homöopathielobby in Deutschland mit Ursprung in den 70er Jahren, die inzwischen weltweite homöopathische Glaubensgemeinschaften befeuert und der es gelungen ist, trotz des eigentlich unübersehbaren Leichenodiums ihrer Methode die Politik für sich zu gewinnen mit dem Ergebnis, als „besondere Therapieeinrichtung“ unter Befreiung von Wirkungsnachweisen anerkannt zu werden und mit dem Segen des Gesetzgebers sogar die Krankenkassen für sich zu instrumentalisieren. Mit großem Aufwand verbreitet sie eine auf den ersten Blick eindrucksvolle „Aura der Scheinwissenschaftlichkeit“, die sich aber ebenso als Leichenschminke entpuppt wie alle bisherigen Beweisversuche. Hierzu verweise ich auf die vielfältigen Informationen der Blogs aus meiner Blogroll und auch auf meine vorausgegangenen eigenen Artikel in diesem Blog. Dort findet sich alles, was derzeit zur Homöopathielobby und ihren Bemühungen, Hömöopathie als Wissenschaft zu etablieren, zu sagen ist.

Wie war das möglich? Nun, Vergessen, Verdrängen und Wunschdenken sind natürlich nicht einfach verschwunden. Und dann trat wunderbarer- und unerwarteterweise Frau Dr. Veronica Carstens auf den Plan, damals Gattin des amtierenden Bundespräsidenten, und sammelte Sympathien für natürliche, sanfte Therapieverfahren, was ihr mit dem persönlichen Charisma und der Rolle der First Lady der Bundesrepublik nicht allzu schwer fiel. Eine völlig neue Taktik.

DCF 1.0
Ex. canis ist untendrunter, aber Plutonium find ich nicht…

Niemals zuvor war die Homöopathie derart als Naturmedizin und Gänseblümchentherapie propagiert worden als in der Ära von Frau Dr. Carstens.  Jubel, Tränen und Freudenschreie überall. Enge Beziehungen zur Politik auch nach der Amtszeit von Carl Carstens waren natürlich auch nicht von Nachteil. Das Ehepaar Carstens hat sein Vermögen 1982 in die Carl und Veronika Carstens-Stiftung  zur Förderung von Naturheilkunde und Homöopathie eingebracht, die inzwischen zusammen mit dem Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte und  der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie e.V. eine Lobbygemeinschaft von nie dagewesener Schlagkraft bildet.

Aber auch das, dieses mit einem gewaltigen Aufwand betriebene neue Schauspiel, konnte und kann Tote nicht wiedererwecken. Das heutige Fazit lässt sich nämlich kurz so zusammenfassen:

Nach Angaben der British Homeopathic Association existierten nach dem Stand von Ende 2014 weltweit insgesamt 189 auswertbare randomisierte Vergleichsstudien zur Homöopathie. Das bisher größte systematische Review unter Einbeziehung von 176 dieser Vergleichsstudien hat die Australische Gesundheitsbehörde NHMRC 2015 veröffentlicht. Dieses Review war ungewöhnlich umfangreich und präzise und gab den Homöopathen umfassend Gelegenheit, ihre Einwände einzubringen.  Das NHMRC kam zu dem eindeutigen Ergebnis, dass eine spezifische Wirksamkeit homöopathischer Mittel nicht belegt werden konnte, hat die Methode aus dem öffentlichen Gesundheitswesen verbannt und hat folgende Empfehlung veröffentlicht:

Die Homöopathie sollte nicht für Beschwerden eingesetzt werden, die chronisch oder gefährlicher Natur sind oder gefährlich werden können. Menschen, die sich für die Homöopathie entscheiden, könnten ihre Gesundheit riskieren, falls sie Behandlungen zurückweisen oder aufschieben, für deren Wirksamkeit und Sicherheit belastbare Evidenz existiert.

Oder so: In 200 Jahren intensiver Bemühungen ist es nicht gelungen, einen belastbaren spezifischen Wirkungsnachweis für die homöopathische Methode zu erbringen. Nie. Nirgends.

Ist das das endgültige Begräbnis? Jedenfalls sollte all das Anlass für die Politik sein, ihre schützende Hand von einer eindeutig nachweislich unwirksamen Scheintherapie abzuziehen und ihr die Adelung durch einen Anteil am öffentlichen Gesundheitssystem schnellstens wieder zu nehmen. Aus Gründen der Pietät der Homöopathie gegenüber und aus Gründen der Ehrlichkeit und Redlichkeit gegenüber den Patienten im öffentlichen Gesundheitswesen.
Ruhe in Frieden, Homöopathie. Und du, Hahnemann, genieße deinen Ruhestand im medizinhistorischen Panoptikum. Du warst ein Mensch Deiner Zeit, der sich ernsthaft bemüht hat und auch ein Rädchen im großen Uhrwerk des Fortschritts war. Stur wie ein Panzer und dogmatisch wie der Papst, aber wer wollte Dir das verdenken. Du verdienst es zumindest, Dein Kind, die Homöopathie, endlich anständig zu beerdigen.

Damit wären wir wieder beim Helden und seinem treuen Pferd des Anfangs:

pferdchen

 

 

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