Favete linguis! *

*) „Enthaltet euch unheiliger Rede, schweigt!“ (Horaz)

Der 121. Deutsche Ärztetag ist inzwischen Geschichte. Die novellierte Muster-Weiterbildungsordnung ist verabschiedet.

Warum das wichtig ist? Wir erinnern uns: Anfang März dieses Jahres veröffentlichte der Münsteraner Kreis sein „Münsteraner Memorandum Homöopathie“, auf diesem Blog wurde ausführlich dazu kommentiert.  Es stellte einen wohlbegründeten Appell an den Ärztetag dar, bei der Novellierung der Musterweiterbildungsordnung die Streichung der „ärztlichen Zusatzbezeichnung Homöopathie“ zu beschließen. In einer auf Wissenschaftlichkeit verpflichteten Ärzteschaft könne eine nach nahezu einhelliger Auffasssung der weltweiten Wissenschaftscommunity wissenschaftlich nicht begründbare Methode keinen Platz haben.

Dazu ist es nicht gekommen. Es gab auf dem Ärztetag keinen Beschlussantrag zu einer Streichung der Zusatzbezeichnung Homöopathie, über den abzustimmen gewesen wäre. Es ist schlicht und einfach nichts anderes passiert, als dass die unverändert in der vorgelegten Beschlussvorlage enthaltene Zusatzbezeichnung unangetastet geblieben ist. Ich kann und will das an dieser Stelle nicht kommentieren und nicht bewerten – ich war nicht dabei und fühle mich nicht berufen, hierzu Interpretationen und Spekulationen zu liefern.

Favete linguis! * weiterlesen

Münsteraner Memorandum Homöopathie – und ein Echo.

Evidenzbasierte Medizin

Ein überfälliges Thema für die Ärzteschaft

Am 9. März 2018 hat der „Münsteraner Kreis“ sein zweites Grundsatzpapier, das „Münsteraner Memorandum Homöopathie“ , veröffentlicht. Es stellt einen Appell an den im Mai d.J. stattfindenden 121. Deutschen Ärztetag dar, im Rahmen der dort anstehenden Diskussion über die Weiterbildungsregelungen der Ärzteschaft zu einer ersatzlosen Streichung der „Zusatzbezeichnung Homöopathie“ zu kommen.

Ein wohlüberlegter Schritt, will mir scheinen. Da es ja -entgegen dem voraussehbaren „Verständnis“ mancher – nicht um eine Abschaffung, ein Verbot der Homöopathie oder um eine „Einschränkung von Therapiefreiheit und Patientenautonomie“ geht und von der Politik jedenfalls ein kurzfristiges Handeln nicht zu erwarten ist, sollte zumindest die der wissenschaftlichen Medizin verpflichtete Ärzteschaft endlich einsehen, dass ihr Selbstverständnis mit dem Festhalten an einer unwirksamen Scheintherapie längst nicht mehr vereinbar ist. Ganz sicher nicht auch noch mit der Privilegierung durch eine „ärztliche Zusatzbezeichnung“, die dem Patienten ja nicht nur eine besondere Qualifikation der Ärztin / des Arztes vermittelt, sondern auch die Validität und Seriosität der Methode mehr als suggeriert.

Münsteraner Memorandum Homöopathie – und ein Echo. weiterlesen

Geht’s noch? Mal wieder Katastrophen der Woche

DCF 1.0
Oh Mann…

Ehrlich gesagt, ich weiß kaum, wo ich anfangen soll bei all dem irrealen Zeug, das derzeit so auf einen einprasselt. Deshalb heute mal wieder ein Überblick mit den Linkhits des Tages – zum Lesen und Staunen.

 

Krankenkassen zur Homöopathie

Man könnte glauben, die Krankenkassen würden anfangen, sich bezüglich ungehemmter Werbung für und Falschinformationen zur Homöopathie absprechen. Um nicht gleich wieder eine ganze Handvoll von Links anzubieten, hier ein Beitrag des geschätzten Joseph Kuhn bei den scienceblogs, der sich mit den aktuellen Unfassbarkeiten bei der DAK beschäftigt. Weiter unten dort mein Kommentar, der das Thema noch ein wenig weiter ausdehnt.

 

Homöopathie im Kuhstall

Der BR leistet sich mal wieder einen redaktionellen Beitrag, der sich ausgerechnet des unsäglichen Themas der Tierhomöopathie im Nutztierbereich annimmt. Dazu habe ich mich ja früher schon klar positioniert. Bitte festhalten beim Lesen, die Kommentare darunter machen allerdings auch wieder ein wenig Mut.

 

Impfen ist pöhse und gefehrlich

Wer den Knaller hier noch nicht kennt, der kann mal zur Kenntnis nehmen, dass es die Toggenburger Zeitung gibt. Perlen des Lokaljournalismus.

Alles, was dazu zu sagen ist, hat der immer wieder beliebte Prof. Beda Stadler in diesem Interview kurz und knapp zusammengefasst.

 

Alternative Notfallmedizin: Wie man einen Herzinfarktpatienten noch vor Eintreffen des Rettungsdienstes umbringt

Ja. Vielleicht der Knaller des Tages überhaupt. Ich stieß auf diesen wahnwitzigen Beitrag auf der bekannt schrägen Seite „Bewusst vegan froh“ und kommentierte bei FB dazu:

16681650_1336651193108436_64688110418915580_n

Ich hätte das „sorry“ mal weglassen sollen. Warum, ratet mal, habe ich wohl hier statt eines Links ein Bild gepostet? Richtig. Weil sowohl mein Kommentar (nicht nur meiner) gelöscht ist als auch ich auf der Seite gesperrt wurde. Nicht nur ich. Alle anderen kritischen Kommentare sind auch verschwunden.

Wenn jemand Lust hat… Bei FB einfach nach „Bewusst vegan froh“ suchen. Übrigens bin ich gespannt, die Seite wurde wegen Verbreitens von (gemeingefährlichen) Falschaussagen gemeldet.

Noch einer?

 

Heilpraktiker in Brüggen-Bracht (wir erinnern uns – Todesfälle)

Die Staatsanwaltschaft und die Polizei stehen auf dem Schlauch bei den Ermittlungen. Und warum? Ganz einfach. Weil sie merken, dass sie einer Situation gegenüber stehen, die nach dem Motto „erlaubt ist, was nicht verboten ist“ beurteilt werden muss.
Jeder approbierte Mediziner wäre längst aus dem Verkehr gezogen und stünde vermutlich vor Gericht, wenn er -wie der HP hier- eigenmächtig ein Mittel verwendet hätte, das nicht nur nicht zugelassen ist, sondern noch nicht einmal die B-Phase der Testung durchlaufen hat. Die Kausalität zum Tod der PatientInnen wäre da erstmal nachrangig.

Und die Politik kapiert es einfach nicht. Es geht nicht in die Köpfe. Man kann es immer wieder erklären, man kann im Einzelfall mal aufgerissene Augen und ungläubiges Staunen über die Fakten zum Heilpraktikerwesen sehen – aber politisch bewegt sich gar nichts und der Stand dieses Blogbeitrages ist so aktuell wie je zuvor.

 

Und aktuell:

Kennedys und de Niros 100.000-Dollar-Schwachsinn

Das Forbes-Magazin benennt Kennedy schon Anwärter für die Auslobung. Mit den Erfahrungen von Dr. David Bardens im Lanka-Fall bin ich persönlich eher der Meinung, mal sollte ihnen erklären, warum ihre Auslobung bescheuert ist und es dabei belassen. Die warten doch -genau wie Lanka- nur auf die Möglichkeit, ein Feuerwerk zu entfachen, sofern jemand auf sie ernsthaft eingeht. Deshalb habe ich dort kommentiert:

„Kennedy and de Niro will have their own definition of „safe“. I guess, they would not accept medical statistics.

Otherwise, a look at Cochrane reviews would suffice, for example:
Cochrane (http://www.cochrane.org/…/ARI_using-combined-vaccine…) writes:
„Results from two very large case series studies involving about 1,500,000 children who were given the MMR vaccine containing Urabe or Leningrad-Zagreb strains show this vaccine to be associated with aseptic meningitis; whereas administration of the vaccine containing Moraten, Jeryl Lynn, Wistar RA, RIT 4385 strains is associated with febrile convulsion in children aged below five years (one person-time cohort study, 537,171 participants; two self controlled case series studies, 1001 participants). The MMR vaccine could also be associated with idiopathic thrombocytopaenic purpura (two case-controls, 2450 participants, one self controlled case series, 63 participants).
We could assess no significant association between MMR immunisation and the following conditions: autism, asthma, leukaemia, hay fever, type 1 diabetes, gait disturbance, Crohn’s disease, demyelinating diseases, or bacterial or viral infections.“ …

Best to handle Kennedys and de Niros offer: Don’t feed the troll.“

Kennedy und die evidenzbasierte Forschung

Für Kennedy zählt nicht zur Wissenschaft, was das CDC (Center for Disease Control and Prevention) und das NIH (National Institutes of Health) sagen, sondern nur, was auf PubMed steht. Auch nicht, was der Doktor sagt. Aha.

Nun, erstens steht auf PubMed nicht alles, was es so gibt, denn PubMed ist schlicht nicht die einzige Forschungsdatenbank. Zweitens dient PubMed der Veröffentlichung wissenschaftlicher Ergebnisse, die dann zur Falsifizierung und ggf. für Metastudien oder zusammenfassende Reviews zur Verfügung stehen und ihre Evidenz erst einmal genau dadurch beweisen müssen. Da gerät auch Zweifelhaftes dazwischen. Es gibt so einige Schrottstudien auf PubMed, die mit Verachtung gestraft werden (mir fällt da gerade so eine Homöopathen-Studie über Nanopartikel in Hochpotenzen ein, die deshalb drin sind, weil sie sich bei den Potenzierungen alle an der Oberfläche sammeln und sich aneinander festhalten).

Merke: PubMed ist nicht das gesammelte und gesicherte medizinische Wissen der Welt, was Mr Kennedy fest zu glauben scheint.

Und was Mr Kennedy völlig übersieht: Bei PubMed erscheinen die CDC 55.000 mal und das NIH 115.000 mal. Wie sollte es auch anders sein. Beide Institutionen veröffentlichen jede Menge ihrer Studien und Reviews auf PubMed.

Tja, Mr Kennedy. Von einem amerikanischen Staranwalt hätte ich nun doch nicht erwartet, dass er sich eine derartige Blöße gibt. Und von der Cochrane Collaboration hat er noch nie was gehört, nehme ich an.

kennedys-pubmed
Jetzt lassen wir es mal gut sein für heute. Es liegt noch genug an.

Bildnachweise:

1 – Eigenes Bild

2 – Facebook: Bewusst-vegan-froh

3 – Facebook: Refutation to Anti-Vaccine Memes

 

Nur ganz kurz…

klopftherapie

Jetzt weiß ich, was Alternativmedizin ist:

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/england-diabetikerin-stirbt-nach-chinesischer-pruegeltherapie-a-1121182.html

Leider nicht kommentierbar. Deshalb vielleicht auf diesem Wege die Bitte an den Spiegel, künftig das Wort „Alternativmedizin“ zu vermeiden und in derartigen Zusammenhängen nur noch von „Pseudomedizin“ (oder von Kriminalfällen) zu sprechen.

Der Duden gibt folgende Bedeutungen für „alternativ“ an:

freie, aber unabdingbare Entscheidung zwischen zwei Möglichkeiten; das Entweder-oder;
zweite, andere Möglichkeit; Möglichkeit des Wählens zwischen zwei oder mehreren Dingen

Alternativ in unseren Fällen also die Wahl zwischen bewährter medizinischer Behandlung andererseits, von der schon Millionen profitiert haben, und völlig ungewisser, nicht beurteilbarer Methoden, die zudem richtig teuer sind, auf der anderen Seite. Als Ausdruck des Menschenrechts, die Freiheit zur Entscheidung für den eigenen Untergang treffen zu dürfen.
Ich vergaß – in Deutschland ja seit einiger Zeit durch § 217 StGB ziemlich eingeschränkt. Aber nicht bei der Inanspruchnahme von Scharlatanerie jeder Art. Da fällt mir ein – könnte man diese Leute nicht im Bedarfsfall nach § 217 StGB in Deutschland wegen geschäftsmäßiger Beihilfe zum Suizid belangen?

Um jedem Vorwurf der Unvergleichbarkeit mit der Geschichte im Link vorzubeugen: Der Unterschied ist gradueller Art. Im Falle homöopathischer oder heilpraktischer „Behandlung“ ernster Erkrankungen sind diese potenziell genauso gefährlich.

Demnächst an dieser Stelle wieder längere Beiträge von mir (ist keine Drohung).. Vielleicht auch mal zu der Frage, was Menschen dazu bringt, sich freiwillig in solche „Alternativen“ zu begeben.

Nachtrag, auf Anregung einer treuen Leserin:

Klopftherapie in allen erdenklichen Formen, mit oder ohne Bezug fernöstliche Weisheiten, ist im Programm jedes besseren Heilpraktikers gleich um die Ecke. Deshalb kriegt dieser Beitrag auch noch einen Tag zum Begriff „Heilpraktiker“. Passt ja zu meinen sonstigen Auslassungen zu diesem Spezialthema. Und ein Beitragsbild gibt es auch noch dazu: Google-Ergebnis zu Klopftherapie, Stand heute abend, 20:40 Uhr.

____________________________________________

Bitte beachten: Neuer Menüpunkt oben im Hauptmenü: Das Informationsnetzwerk Homöopathie hat seinen kleinen Shop eröffnet!

Warum Rationalität? Eine kleine Polemik.

himmelerde

Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde…

Mag ja sein, mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar. Sehe ich auch so. Aber darüber wissen wir alle nichts. Weder die Wissenschaft, noch diejenigen, die sich auf diesen Satz ständig berufen. Erstere vielleicht sogar ein wenig mehr als die anderen.

Der Grund, warum so viele Menschen die unterschiedlichsten Formen von Pseudomedizin und -psychologie fasziniert, liegt in einem Hang zum Geheimnisvollen, im Willen zu „glauben“ und einer instinktiven Abneigung gegenüber dem „Wissen“, der Neigung, eher blind zu vertrauen (notfalls dem eigenen „Bauchgefühl“) als sich unvoreingenommen zu informieren. Kurz gesagt, in einer Geringschätzung von Rationalität. Diese Kräfte sind gewaltig, aber auch höchst erstaunlich – sie würden, auf alle Dinge angewandt, das praktische Leben nahezu unmöglich machen, worauf ich weiter unten noch eingehe.. Ich nehme hier gerne mein Zentralthema, die Homöopathie, zum Kronzeugen. Die weltweite Wissenschaftsgemeinde ist sich einig: Nix drin, nix dran. Und wie sieht es tatsächlich aus, hier bei uns? Dreistellige Millionenumsätze, ein Heer von Praktizierenden dieser Scheinmethode, in der Bevölkerung durchaus angesehen, politisch akzeptiert unter Verleihung von Sonderrechten im öffentlichen Gesundheitswesen und mit dem Anspruch auftretend, wissenschaftliche Relevanz für sich einzufordern. Das ist praktizierte Irrationalität. Praktiziert nicht nur von wenig bis nicht informierten Laien, sondern ebenso von akademisch ausgebildeten Menschen. Wobei es unter Letzteren einige geben mag, die das gegen besseres Wissen tun – was die Sache anders, aber nicht besser macht.

Hier soll einmal gar nicht die Rede sein von den näheren Ursachen für so etwas. Vielmehr möchte ich einmal verdeutlichen, warum wir uns eine solche Haltung überhaupt nicht leisten können.

Komplexe Welt

Die Welt ist so komplex geworden, hört man allenthalben. Gewiss zu Recht. Aber kann das eine Rechtfertigung, auch nur eine Begründung dafür sein, sich auf die sogenannten einfachen Lösungen zurückzuziehen, sich der Realität zu verweigern, Vertrauen in Dinge und Menschen zu setzen, gar in die eigene Unzulänglichkeit, die einfachste Auswege aus dem Dilemma der scheinbaren eigenen Unmündigkeit oder Unwissenheit anbieten?

Ganz sicher nicht. Das Schlüsselwort heißt – Vertrauen. Aber richtig eingesetztes Vertrauen. Wir leben schon eine ganze Weile in einer arbeitsteiligen Welt. Seitdem der einzelne Mensch nicht mehr autonom für sich und seine Familie sorgte, braucht es zum Funktionieren des alltäglichen Lebens Vertrauen. Vertrauen in die Fertigkeiten des Schmieds, des Bäckers, des Schneiders, des Installateurs, des Fernsehtechnikers, des PC-Fachmanns. Von all diesen Leuten erwarten wir zu Recht Professionalität. Wir vertrauen ihnen, weil sie Meisterprüfungen abgelegt, ihr Fach mit Erfolg studiert haben und sich in der Praxis bewähren. Auslese durch Empfehlung oder Kritik tut das ihre. Ohne dieses grundlegende Vertrauen in die Fähigkeiten, aber auch in die Redlichkeit anderer würde unser Zusammenleben ebensowenig funktionieren wie unser privates Dasein. Dieses Vertrauen ist Ausdruck eines notwendigen rationalen Denkens. Bei einer bis vor einiger Zeit laufenden Werbung für ein Infoportal wurde das ganz klar zum Ausdruck gebracht: Nach dem Scheitern, professionelle Aufgaben durch eigenes Herumprobieren zu erledigen, hieß es: Vielleicht hätte er jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt. Beifälliges Lächeln war wohl die Reaktion von 99 Prozent der Zuschauer dieses Spots.

Blinder Fleck – Ratio weg

So weit, so gut. Nur leider gibt es in dieser rationalen, jedem einleuchtenden Weltsicht offenbar bei Vielen ein gewaltigen blinden Fleck: Im Bereich des eigenen Wohlergehens, der eigenen physischen und psychischen Gesundheit.

Ja, auch da ist die Welt komplex. Komplexer als bei der Kunst, Backwaren herzustellen oder auch einen PC zu reparieren. Seltsamerweise gibt es aber sehr viele Menschen, die sich in diesem Bereich auf einmal nicht mehr an die rationalen Regeln halten, die sonst eine gewisse Garantie für ein einigermaßen funktionierendes Leben in einer arbeitsteiligen Gesellschaft bieten.

Wir haben hier einen professionellen Berufsstand, dessen Ausbildung und Auslese so umfangreich, langdauernd und professionell ist wie nur wenige andere im akademischen Bereich: Die Ärzte. Sie stehen aufgrund unserer weitgehenden Absicherung in den Sozialsystemen praktisch jedem kostenlos zur Verfügung. Wir haben sogar die freie Arztwahl, wir haben einen Anspruch auf Aufklärung über die empfohlenen Behandlungsmethoden und entscheiden aufgrund der Möglichkeit, uns eine fundierte Meinung bilden zu können, selbst darüber, ob und welche Behandlung wir über uns ergehen lassen wollen. Es steht uns sogar frei, bei ernsteren Angelegenheiten auf Kosten der Sozialversicherung eine zweite Meinung einzuholen, um eine rationale Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Behandlungsmethode treffen zu können. Dazu muss ich mir allerdings die Mühe machen, mich mit der Aufklärung durch den Arzt, die zu dessen Hauptpflichten gehören, auch auseinanderzusetzen.

Diese Entscheidungsfreiheit habe ich nicht mal beim Fernsehmechaniker. Wenn der sagt, kaputt, muss ein neuer her, werden wir das in aller Regel seufzend so hinnehmen. Trotz eines gewissen Grundmisstrauens wird kaum jemand eine „zweite Meinung“ einholen, schon deshalb nicht, weil das das eigene Geld kostet.

Fernseher wichtig, Gesundheit egal?

So weit, so gut. Und jetzt kommt das Phänomen, dass viele Menschen trotz des Angebotes praktisch kostenloser Gesundheitsversorgung, ausgeübt von lange theoretisch und praktisch ausgebildeten, durch -zig Prüfungen gegangenen, zu ständiger Fortbildung verpflichteten Menschen, vor deren Approbation -dem Loslassen auf die Menschheit- auch noch die Ärztekammern stehen, dieses Angebot zu großen Teilen geradezu verachten? Und in Scharen zu Menschen laufen, die die Profession der Heilkunst weder studiert haben noch irgendwelchen wissenschaftlichen oder ethischen Standards verpflichtet sind, bei denen eine Absicherung gegen „Behandlungsfehler“ rechtlich de facto nicht vorhanden ist und die Methoden weitgehend nach eigenem Gusto anwenden? Die über Risiken ihrer Methoden überhaupt nicht aufklären können, denn entweder sind diese unwirksam (und haben dann auch keine Nebenwirkungen und Risiken) oder es gibt gar keine belastbaren Erkenntnisse über Risiken?

Nein, das können wir uns nicht erlauben. Diese Form von Irrationalität ist ein Vergehen gegen sich selbst, gegen die Alltagsrationalität, die uns ansonsten recht gut leben lässt. Wer würde es begrüßen, wenn sich unterhalb der professionell tätigen Bäcker, Klempner, Informatiker und Kfz-Mechatroniker, nicht-handwerkliche Berufe wie Steuerberater oder Buchhalter natürlich ebenso, eine Szene bilden würde, die mit den nichtärztlichen „Ausübenden der Heilkunst“ (so stehts im Heilpraktikergesetz von 1939) vergleichbar wäre, also keine geregelte Ausbildung vorweisen kann, bei Beginn der Tätigkeit niemals einen Teig, einen offenen Fernseher oder ein kaputtes Klo gesehen haben muss, sich aber darauf beruft, eigene, geradezu unfehlbare Methoden zu haben, die denen der professionell tätigen mindestens ebenbürtig sind? Bei denen sich die Kundschaft ohne nähere Nachfragen mit einem nahezu grenzenlosen Vertrauen auf großartige Versprechungen einfangen lässt? Was da passieren würde, darauf gab es vor wenigen Jahren einen Vorgeschmack, als der Gedanke aufkam, die Qualifikationsvoraussetzungen für bestimmte Handwerksberufe abzusenken – sprich die Meisterprüfung abzuschaffen. Empörung ging durch die Reihen.

Aber im Gesundheitswesen soll es das geben? Ach nein -gibt es ja bereits, mit dem Stand der Heilpraktiker, mit der Adelung der Homöopathie als Teil des Gesundheitswesens… Noch eine Etage tiefer mit der praktisch unbeschränkten Szene der „Lebenshelfer“, Gurus, Fernheiler und sonstigen Rumprobierer am Menschen? Da schreit doch schon einfachste Logik laut : Irrational!

Der Mensch ist schwach

Ja, ich kann es nachvollziehen, aber wirklich verstehen oder gar gutheißen kann ich es nicht, die Einstellung zur Irrationalität, gerade wenn es um einen selbst, das körperliche und das geistig-seelische Wohlbefinden geht. Instinktiv wird das „mechanistische“ Bild von Medizin und Therapie abgelehnt, als mehr oder weniger unangemessen für eine so komplexe Entität wie den Menschen. Und das, obwohl in der Fachwelt das klassische Bild der mechanistischen Medizin längst als ausgedient gilt und die „soziale Medizin“ Forschungsgegenstand weltweit ist (worauf die Sozialversicherungssysteme allerdings erst einmal reagieren müssten).

Die alte Vorstellung von Leib-Seele-Dualismus, die in den meisten Menschen auch heute noch mehr oder weniger herrscht, spielt dabei eine große Rolle. Diese stets mitschwingende Vorstellung ist wohl in der Hauptsache verantwortlich dafür, dass die Ratio plötzlich in Bezug auf sich selbst nicht mehr funktioniert und -gefühlsmäßig scheinbar angemessen, aber irrational- auf Menschen und deren Methoden gesetzt wird, die uns glauben machen wollen, sie verstünden etwas von den „Dingen zwischen Himmel und Erde“, von dem, was über die rationale Betrachtung unserer menschlichen Möglichkeiten hinausgeht, auch und gerade beim Menschen selber. Tun sie aber nicht.

Was dem Menschen nachweislich hilft, wird von der Medizin und den sie umgebenden Humanwissenschaften auch aufgenommen und entwickelt, damit es in den Kanon der Wissenschaftlichkeit eingeht. Den „Wissenden“ über die Dinge zwischen Himmel und Erde bleiben zwangsläufig im günstigsten Falle unwirksame und im ungünstigsten Falle schädigende „Methoden“. Wir schließen uns Spekulanten an, wenn wir dem folgen. Spekulanten auf Kosten unseres leiblichen und seelischen Wohlergehens – und auf Kosten unseres Bankkontos.

Jeder sollte einmal darüber nachdenken, mit wie viel Vertrauen in die Fähigkeiten und die Integrität anderer wir jeden Tag durchs Leben gehen. Und sich dann Rechenschaft darüber ablegen, ob es vor sich selbst verantwortbar ist, diese Form der Rationalität genau dann, wenn es um uns selbst oder um Menschen in unserer Umgebung, für die wir in der einen oder anderen Form Verantwortung tragen, auszublenden.

Rationalität ist Verantwortung – Irrationalität kann Verantwortungslosigkeit sein

Niemand kann alles wissen und können. In jeder Sparte gibt es schwarze Schafe. Natürlich kann ich mich als Patient bei einem Arzt auch unverstanden und unwohl fühlen. Selbstverständlich ist es nicht schön, auch nur eine Zeitlang von der vielgeschmähten Apparatemedizin abhängig zu sein. Nur – wo ist die rationale, die sinnvoll begründbare Alternative? Wir sollten unsere materiellen und ideellen Ressourcen, unsere Fähigkeit, uns in der heutigen Welt zu orientieren, nicht dem Fetisch der Irrationalität opfern. Das dürfte, wenn sich diese Haltung ausbreitet, unsere Zukunft konkret gefährden.

Dieser Appell, der sich bis hierher an den Einzelnen richtete, gilt aber ebenso und vielleicht in noch höherem Maße für unsere politischen Entscheidungsträger. Ich kann diesen den Vorwurf nicht ersparen, durch Indifferenz (wir erleben es gerade wieder in der Heilpraktikerdiskussion), aber auch durch aktive Förderung (Homöopathie und anthroposophische Medizin im Gesundheitswesen!) die von mir hier kritisierte Irrationalität geradezu zu befördern.

Ich unterliege nicht der Illusion -und bin insofern rational- zu glauben, politische Entscheidungen und Diskurse würde im Sinne der aufklärerischen Ideale immer zu einem rationalen und nicht emotional bestimmten Ergebnis führen. Dies hieße, auch die Person des politischen Entscheiders zu überfordern. Aber von einer vernunftgesteuerten Politik kann erwartet werden, dass sie mit ihren Entscheidungen nicht einen kompletten Bruch mit der Rationalität in klar entscheidbaren Sachfragen -nicht etwa bei Richtungs- oder Prognoseentscheidungen, das ist etwas anderes- riskiert oder gar herbeiführt. In Bezug auf das Gesundheitswesen ist es aber leider so – was es schwermacht, den Einzelnen dazu aufzurufen, seine persönliche Neigung zur Irrationalität hintanzustellen. Ich sehe hier ein schweres Versagen der Politik, das zu korrigieren sie sich bald aufraffen sollte.

 

Subjektivismus ist ein dünnes Eis für die Entscheidungen eines demokratischen Gemeinwesens. Noch mehr ein Subjektivismus, der von Fakten weitgehend unberührt bleibt. Kants Kategorischer Imperativ, der unausgesprochen der Leitstern aller demokratischen Systeme ist,  beruht auf der Voraussetzung von Rationalität, ja, ist geradezu eine Gebrauchsanweisung, um zu weitgehend rationalen Entscheidungen zu kommen. Das Staatsziel von Kant und der Aufklärer, das „Wohlergehens möglichst vieler“ erfordert einen auf Ratio gestützten Abwägungs- und Entscheidungsprozess. Nicht Subjektivität.

Leute, strengt euch an. Einfache Lösungen und Wege habe ich nicht anzubieten. Aber fallt nicht auf jeden Sirenengesang herein, der euch auf eurem Lebensweg erreicht. Lasst euch lieber -wie Odysseus- am Mast festbinden, bis die Versuchung vorbei ist. Das gilt auch für die Entscheidungsträger der Politik.

 

odysseus-001Bildnachweis:

1: Eigenes Bild
2: gemeinfrei

Zum Kuckuck! Ein Aufschrei aus aktuellem Anlass.

1002925.tif

 

Mir klingeln die Ohren. Wunderbar, dass die Debatte über die unsägliche Pseudomedizin in Deutschland endlich in Gang kommt. Wenn auch aus traurigem Anlass. Aber die Parolen, die so durch die Medien rauschen, rauben mir manchmal den letzten Nerv.

Deshalb hier ein kleines Vademecum der mich am meisten ärgernden „Argumente“ und Schlagworte mit meiner unmaßgeblichen Meinung dazu. Unter Heilpraktiker fasse ich summarisch die Anwender von Methoden außerhalb der wissenschaftsbasierten Medizin, also auch Homöopathen (selbst wenn sie Ärzte sind).

 

Politik: Die Prüfung für Heilpraktiker muss verschärft werden.

Nein. Es gibt überhaupt keine Kriterien, nach denen diese Prüfung verschärft werden könnte. Die Kriterien gibt es deshalb nicht, weil es keine festgelegten Ausbildungsinhalte und -gänge gibt. Aus diesem Grund ist Heilpraktiker auch kein Beruf. Die bisherige Prüfung ist genau aus diesem Grund keine mit einem Examen vergleichbare Prüfung, sondern lediglich ein Frage-Antwort-Spiel, das einen Eindruck davon verschaffen soll, ob der Proband womöglich doch eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt.

 

Heilpraktikerverband: Die Prüfung muss keineswegs verschärft werden, denn sie ist jetzt schon waaahnsinnig schwer, das sieht man daran, dass 80 Prozent durchfallen.

Quatsch. Die Prüfung ist für jemanden, der ernsthaft auf kranke und hilfesuchende Menschen losgelassen werden soll, ein dummer Witz. Sie erhebt ja nicht einmal den Anspruch, Heilwissen abzufragen und kann zudem beliebig oft wiederholt werden. Jede Prüfung hat zwei Seiten – die Prüfungsaufgaben und die Prüflinge. Ich spare mir mal, deutlich auszusprechen, auf welcher Seite ich die Unzulänglichkeiten verorte, auf denen die berühmten 80 Prozent beruhen.

 

Politik: Die Heilpraktikerausbildung muss reformiert werden.

Wie denn? Wo denn? Was denn? Es gibt keine Ausbildung, weil es keine Inhalte gibt. Kein Prüfling ist verpflichtet, vorher eine „Heilpraktikerschule“ besucht zu haben.  Eine halbe Stunde Google zeigt, dass durch die Bank die „Heilpraktikerschulen“ neben dem Einbimsen von Prüfungsbögen völlig uneinheitliche, vielfach ins eindeutig esoterische abgleitende Inhalte anbieten, die dann hinterher den Gemischtwarenladen der Heilpraktikerszene beherrschen. Evidenzbasiertes? Fehlanzeige. Mal abgesehen von Phytotherapie und Reizbehandlungen wie Kneippsche Anwendungen (die Phytotherapie als teilweise hochwirksame Arzneimitteltherapie gehört auch allein in ärztliche Hände!) Im schlimmsten Falle kommen noch selbstgebastelte Eigenkreationen an „Therapien“ dazu. Nichts kann man nicht reformieren.

 

Heilpraktiker, Homöopathen und Politik (teilweise): Die Praktizierung alternativer und komplementärer Methoden wird von der Bevölkerung gewünscht und gibt vielen Trost und Hilfe!

„Wünsch Dir was“ ist im Deutschen Fernsehen schon 1992 eingestellt worden. Seit wann kommt es bei der Anwendung von Mitteln und Methoden, zumal im Gesundheitswesen, darauf an, was sich der Patient „wünscht“? Soll „Wohlfühlmedizin“ ernstlich den Vorrang vor Wirksamkeit bekommen?

 

Heilpraktikerverband: Die Heilpraktiker in Deutschland sind ein wichtiger Teil der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung!

Sie sind höchstens der entzündete Wurmfortsatz an der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung. Würden sie sich auf kleinere Befindlichkeitsstörungen beschränken und durch sinnvolle Gespräche den Patienten stabilisieren, gleichzeitig ein scharfes Auge auf die Notwendigkeit einer evidenzbasierten Behandlung beim Arzt haben, ginge das ja noch alles an. Ist aber nicht so. Die Leute maßen sich an, ernsteste Organerkrankungen mit großenteils nachgewiesen unwirksamen Mitteln zu behandeln und sind keineswegs so bescheiden, sich auf eine Beratung der Hilfesuchernden zu beschränken. Eine Folge der seit 1939, dem Jahr des Inkrafttretens des Heilpraktikergesetzes, völlig ungeregelten Wildwuchses auf diesem Sektor. Wie konnte man das zulassen?

 

Heilpraktiker und Lobbyisten der Szene: Die Schulmedizin….

Fällt dieses diskriminierende Unwort, höre ich gar nicht mehr weiter hin. Die Heilpraktikerszene diffamiert ständig die wissenschaftsbasierte Medizin als „Schulmedizin“. Was für eine Arroganz! Die Szene tut so, als gebe es eine „zweite Medizin“ neben der vielgeschmähten „Schulmedizin“. Gibt es eine zweite Physik, eine zweite Chemie, eine zweite Biologie? Früher mag es angegangen sein, im mehr oder weniger spekulativen Raum Prozeduren und Therapieformen zu entwickeln und anzuwenden, als es noch keine wissenschaftlichen Prüfmethoden und keine tieferen Einblicke in Ätiologie und Pathologie gab. Da war die Medizin, wenn überhaupt, eine reine Erfahrungswissenschaft. Ein Beispiel dafür ist die Homöopathie.
Heute ist die Medizin zwar auch Erfahrungswissenschaft, aber viel, viel mehr reine Naturwissenschaft als noch vor 90, 100 oder mehr Jahren. Sie ist in der Lage, ihre Erfahrungen zu testen und zu verifizieren. Sie entwickelt sich ständig durch schrittweise Verbesserung.
Und da redet die Schwurbelszene von Schulmedizin? Was ist denn dann die Tätigkeit der Heilpraktiker, die für einen Multiple-Choice-Test büffeln, stur ein paar Bögen ausfüllen und dann in ihre private Welt entlassen werden, ohne auch nur im Geringsten zu so etwas wie Fortbildung verpflichtet zu sein? Also bitte.

 

Heilpraktiker: Äh, Grundrechte… Berufsfreiheit… und so .. 

Erstens ist -wie schon gesagt- der Heilpraktiker kein Beruf. Zweitens folgende Überlegung: Die akademische Profession des Rechtsanwaltes, der sich auf Studium, praktische Ausbildung und Erfahrungswissen stützt, schützt der Gesetzgeber dadurch, dass er per Rechtsberatungsgesetz Laien und Privatpersonen, selbst Menschen, die beispielsweise Wirtschaftsjura studiert haben, bei Strafe von der rechtlichen Beratung von Mandanten ausschließt. Der damit verfolgte Zweck ist -jedenfalls offiziell- die Interessen des Mandanten vor unzureichender Sachkunde im Zivilrecht wie im Strafverfahren zu schützen. Die akademische Profession des Arztes, der sich auf Studium, lange praktische Ausbildung und erworbenes Erfahrungswissen stützt, schützt der Gesetzgeber vergleichbar – überhaupt nicht. Und damit vor allem nicht den Patienten. Ist dem Gesetzgeber folglich das Vermögensinteresse eines Mandanten im Zivilprozess als Schutzgut wichtiger als die Gesundheit seiner Bürger? Bitte mal zu Ende denken!

Ein Zitat von Prof. Otto Prokop, Doyen der deutschen Gerichtsmedizin:
„Wenn … darauf hingewiesen wird, für Ärzte gebe es einen höheren Grad der Voraussehbarkeit als für Heilpraktiker (weil der erstere entsprechend ausgebildet und examiniert ist), also könne man letzteren nicht so schnell einen Schuldvorwurf machen wie etwa Ärzten, die den gleichen Fehler machen, so ergibt sich aus einer solchen Interpretation, dass es der Staat, der Personen zu solchen Praktiken ohne besondere Auflagen zulässt, mit der Gesundheit seiner Bürger nicht ernst nimmt.“

 

Die ganze Szene: Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde…

Klar. Näheres darüber wissen aber auch die Heilpraktiker nicht. Außerdem hat sich niemand die Mühe gemacht, mal nachzuschauen, in welchen Kontext Shakespeare diesen Ausspruch Hamlets zu Horatio gestellt hat. Es war schon zu Shakespeares Zeit anrüchig, einen Geist in der Handlung eines Stückes vorkommen zu lassen, da er aber den Geist von Hamlets Vater dramaturgisch brauchte, hat er Hamlet diesen Satz quasi entschuldigend gegenüber dessen deutlich rational gezeichneten Freund Horatio in den Mund gelegt.

___________________

Ceterum censeo: Wir brauchen keine strengeren Prüfungen, wir brauchen keine „Reformen“ des Heilpraktikerwesens und seiner Ausbildung. Wir brauchen überhaupt keine Heilpraktiker, denn es gibt keine „alternative“ und keine „komplementäre“ – es gibt nur die wissenschaftsbasierte Medizin. Man könnte allenfalls darüber nachdenken, ihnen im Rahmen streng gefasster Befugnisse und nachgewiesener Fähigkeiten so etwas wie den Status von „Gesundheitsassistenten“ zuzuweisen, wenn man sich nicht dazu durchringen kann, im Interesse einer modernen und glaubwürdigen Gesundheitspolitik tabula rasa zu machen.

___________________

Wird bei Bedarf und Anlass fortgesetzt.

 

 

 

 

 

 

Die Inkonsistenz der Homöopathie II

Verwitterte grau-braune BretterwandScheinwissenschaftlicher Anstrich – die Farbe blättert

Was geschieht, wenn man auf einem uralten, verwitterten Grund versucht, einen neuen Anstrich anzubringen, womöglich den soundsovielten? Der neue Anstrich wird schnell abblättern und der Untergrund wird davon auch nicht besser. So kommen mir die „modernen“ Versuche vor, die Homöopathie auf verschiedene Art und Weise als eine in der heutigen Zeit existenzberechtigte, akzeptable medizinische Methode darstellen zu wollen.

Wir wollen dabei unterscheiden zwischen dem, was die „offiziellen“ Vertreter der Homöopathie so aufbieten, früher schon  als „Aura von Scheinwissenschaftlichkeit“ bezeichnet und den vielfachen Ansätzen, vor allem bei Heilpraktikern, Herstellern homöopathischer Mittel und arglosen „Heimanwendern“, an Hahnemanns Methode -die sie offenbar gar nicht wirklich kennen oder aber gar nicht ernst nehmen- herumzubasteln.

Eines haben all diese Ansätze aber gemeinsam: Sie berufen sich auf Hahnemanns Lehre und führen sie durch ihre Bemühungen gleichzeitig ad absurdum. Verschlimmbesserung sagt man zu so etwas dort, wo ich herkomme.

Hahnemann hat, das sei zugestanden, unter den Prämissen seiner Grundannahmen ein in sich recht schlüssiges System aufgebaut, nicht völlig widerspruchsfrei, aber im Wesentlichen systematisch und konsistent. Gerade diese Systematik seiner Methode hat sicher zu ihrem früheren Ansehen beigetragen und mit verhindert, dass sie auf dem Friedhof der anderen abstrusen Hypothesen der Medizingeschichte gelandet ist. Allerdings ist diese Systematik auch nur schöner Schein – sie macht die Homöopathie inhaltlich nicht richtiger.

 

Wenden wir uns zunächst den „Offiziellen“ zu, der

Artillerie: Deutscher Zentralverein Homöopathischer Ärzte, Carl und Veronika Carstens-Stiftung, Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie e.V. (WissHom), klinisch-akademische homöopathische Forscher et.al.

Ancient cannon on wheels isolated on white

Diese Vereinigungen und Personen, die eng zusammenarbeiten und auch institutionell teilweise miteinander verflochten sind, stellen die finanz- und personalstarke Lobby dar, die es nach der Renaissance der Homöopathie seit den 70er Jahren geschafft hat, diese nicht nur im Bewusstsein der Öffentlichkeit, sondern auch in der Gesundheitspolitik mit einem positiven Image zu verankern.

Wie nun stehen diese Proponenten zur Kritik an der Homöopathie? Nun, sie behaupten durchweg deren Wirksamkeit und -dem Zeitgeist nun doch Tribut zollend- ihre naturwissenschaftliche Relevanz. Kritiker und Opponenten sind teuflische Ignoranten. Man versucht eifrig, aus Studien, die sich mit der Homöopathie beschäftigen, mit allen Mitteln Evidenzen herauszubuchstabieren, also unmittelbar nachvollziehbare, klar erbrachte Nutzennachweise. Nach Ansicht des allergrößten Teils der weltweiten Wissenschaftsgemeinschaft sind sie allerdings dabei erfolglos geblieben, nur nach ihrer eigenen Meinung nicht. Bemerkenswert ist, dass sie Zuflucht suchen bei der sogenannten homöopathischen Grundlagenforschung, die bemüht ist, einen Wirkungsmechanismus auf naturwissenschaftlicher Basis zu postulieren (Stichwort Wassergedächtnis) – was ohne den ausstehenden Beweis, dass überhaupt eine Wirkung vorhanden ist, mir so vorkommt wie die Sache mit dem Hasen und dem Igel, nur in der Variante, dass der Hase gar nicht erst losrennt.

Ich fühle mich an dieser Stelle nicht berufen, über Details der Studienlage zu referieren. Der geneigte Leser findet beispielsweise in Dr. Norbert Austs Blog „Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie“ zu diesem Thema mehr als fundierte Information (siehe Blogroll). Mir geht es eher um einen grundsätzlichen Aspekt.

Hahnemann hat die Homöopathie im Sinne einer Arzneimittellehre etabliert, die nicht auf physiologischen Zusammenhängen (materielle Einwirkung von Stoff zu Körper, Dosis-Wirkungs-Beziehung) beruht. Vielmehr soll die „geistartige Substanz“ im potenzierten Mittel auf die verstimmte „geistige Lebenskraft“ des Erkrankten eben in einem geistig-immateriellen Sinne einwirken und die „verstimmte Lebenskraft“ wieder geraderücken. Mit dieser Idee untrennbar verbunden sind Hahnemanns Grundlagen seiner Lehre: Das Simileprinzip als „magische“ Annahme, dass Ähnlichkeiten in der Natur „geistartig“ etwas zu bedeuten hätten und die Potenzierung, die ohne die Annahme einer Übertragung „geistartiger Kräfte“ des Urstoffs auf das Lösungsmittel auch Hahnemann selbst wohl suspekt erschienen wäre -immerhin war er auch Chemiker, der übrigens auch eine vielverwendete Testmethode erfunden hat.

Und jetzt kommen die großen Homöopathie-Proponenten und wollen mit aller Gewalt den Beweis antreten, dass die Homöopathie heutigen naturwissenschaftlichen Grundsätzen standhält? Dass es sehr wohl eine materielle, physiologische Grundlage für die angebliche Wirkung homöopathischer Mittel gibt? Dass Nanotechnologie, Quantenphysik und mehr die Grundlage für die wissenschaftslogische Erklärung eines homöopathischen Wirkungsmechanismus sein sollen?

Merken die denn nicht, dass sie damit den Boden der Hahnemannschen Lehre verlassen und damit sozusagen ins Leere stürzen? Weil sie, wenn sie die Hahnemannsche Wirkung der „geistartigen Kraft“ in den homöopathischen Arzneimitteln mit aller Gewalt durch materielle Wirkungen ersetzen wollen,  damit einerseits Hahnemanns Grundannahmen zusammenfallen lassen wie ein Kartenhaus und andererseits eben doch nicht den Ansprüchen der Wissenschaftlichkeit gerecht werden, weil sie den von ihnen gewünschten Nachweis eben doch gar nicht erbringen können? bruchbudeDie ganzen Bemühungen, das Gebäude der Homöopathie auf den Sockel der modernen Naturwissenschaften zu heben, kommen mir vor, als würde man ein altes, auf unsicherem Grund stehendes Holzhaus in dem Bemühen, es vor dem Verfall zu retten, auf die Oberfläche eines Sees zu stellen versuchen.

All diese Bemühungen sind nach meiner Ansicht nicht nur Pseudowissenschaft, sondern sogar Pseudohomöopathie. Das verstehe ich unter der „Inkonsistenz“ der heutigen Homöopathieszene.

 

An der Unterminierung der Hahnemannschen Lehre arbeiten aber auch andere. Mit naiverer Herangehensweise, eher kreativ, aber im Ergebnis genauso destruktiv.

Es gibt hier gleitende Übergänge, insbesondere was die Hersteller von Homöopathie betrifft, aber insgesamt zählen wir diese Gruppe zur

Soldier man and woman in military uniform

Infanterie: Homöopathie-Hersteller, Apotheker, Heilpraktiker, Fans und Anwender

Hier finden sich reichlich Privatvarianten der Homöopathie, die Hahnemann zweifellos aufs Äußerste aufgebracht hätten, achtete er doch schon zu Lebzeiten auf die Einhaltung seiner reinen Lehre und betrachtete alle Abweichler als persönliche Gegner. Was alles nun finden wir in dieser Szene, was als Homöopathie verkauft wird, aber ihr massiv widerspricht und eigentlich nur Ergebnisse freischwebender Fantasie sind? Nur eine Auswahl:

 

Komplexmittel. Die Hersteller homöopathischer „Arzneimittel“ haben inzwischen einen soliden Vertrieb sogenannter Komplexmittel aufgebaut, womit Präparate mit mehr als einem Wirkstoff gemeint sind. Wie das? Postulierte Hahnemann nicht das „eine“ Mittel, das die besondere „Verstimmung der Lebenskraft“ des Patienten wieder zurechtrückt? Hat er nicht überdeutlich gemacht, dass es aufgrund des gesamten individuellen Symptombilds gilt, das „eine“ Mittel zu finden, das genau die Verstimmung dieses einen Patienten wieder ins Lot bringt? Ja, das ist ein ganz wesentlicher Grundpfeiler des Hahnemannschen Systems, der Gedanke der „Umstimmung der geistartigen Lebenskraft“ steht und fällt mit der Auswahl des einen, genau richtigen Mittels.
Macht man einmal Hersteller solcher Komplexmittel, die diese ungeniert als „homöopathische Arzneimittel“ kennzeichen, hierauf aufmerksam, kann es auch mal heiter werden. So erhielt der Verfasser dieser Zeilen unter anderem die Auskunft, schließlich habe sich die Homöopathie ja weiterentwickelt (!) und man habe dabei die Erfahrung (!) gemacht, dass Komplexmittel noch (!) wirksamer seien. Sehr interessant fand ich auch die Auskunft, die unterschiedlichen Wirkstoffe würden sich in dem Mittel „gegenseitig weiterpotenzieren“. Da staunt der Laie und Hahnemann  ist sprachlos.

Belegzitat aus Dr. Hahnemanns Organon (§ 273):

    In keinem Falle von Heilung ist es nöthig und deßhalb allein schon unzulässig, mehr als eine einzige, einfache Arzneisubstanz auf einmal beim Kranken anzuwenden. Es ist nicht einzusehen, wie es nur dem mindesten Zweifel unterworfen sein könne, ob es naturgemäß und vernünftiger sei, nur einen einzelnen wohl gekannten Arzneistoff auf einmal in einer Krankheit zu verordnen, oder ein Gemisch von mehreren, verschiednen. In der einzig wahren und einfachen, der einzig naturgemäßen Heilkunst, in der Homöopathie, ist es durchaus unerlaubt, dem Kranken zwei verschiedne Arzneisubstanzen auf einmal einzugeben.

 

Selbstmedikation. Wohl mehr als die Hälfte aller homöopathischen Mittel gehen zur Selbstmedikation ohne eine Verordnung durch einen „Heilkundigen“ über die Apothekentheke. Auch hier würde Hahnemann wohl „dreynfahren, dass es die Narren kuriere“. Denn: Die homöopathische Methode, so unwirksam sie ist, beruht auf einem aufwendigen Verfahren. Das beginnt bei der Arzneimittelprüfung am Gesunden, findet einen Höhepunkt in der homöopathischen Anamnese, die dem „Heilkundigen“ auch das kleinste Fitzelchen der Befindlichkeit des Patienten offenbaren soll und endet dann erst bei der Verordnung des laut Repertorium passenden Mittels. Dabei bedient sich der Homöopath riesiger Symptom- und Mittelverzeichnisse (die Repertorien), wenn er nach vielen Mühen ein Symptombild des Patienten gefunden hat, das er für diesen als individuell ansieht und auch -sogar vorrangig- den „Geistes- und Gemüthszustand“ berücksichtigt hat.

vonne-omma
Alles noch von unser Omma!

Und da soll die Selbstmedikation mit Homöopathika nach der Empfehlung von Oma Liese ihrer Handarbeitsfreundin der ihren Sohn, dem es schon mal geholfen hat, irgendeinen Sinn machen? Auch die Empfehlung des Apothekers,  mal eben so über die Theke, muss nach Hahnemanns Grundsätzen völlig ins Leere laufen. Selbst für den „Heilkundigen“ gilt nach § 257 des Organon:

     Der ächte Heilkünstler wird es zu vermeiden wissen, sich Arzneien vorzugsweise zu Lieblingsmitteln zu machen, deren Gebrauch er, zufälliger Weise, vielleicht öfterer angemessen gefunden und mit gutem Erfolge anzuwenden Gelegenheit gehabt hatte. Dabei werden seltener angewendete, welche homöopathisch passender, folglich hülfreicher wären, oft hintangesetzt.

Für Hahnemann wäre die Selbstmedikation demnach, in seinem Duktus, „eine Dummheit von Unwissenden, befördert durch elendige Geschäftsmacherey“.

 

„Komplementäre“ Behandlung zur wissenschaftlichen Medizin. Die Etablierung der Homöopathie als Komplementärmedizin muss nicht nur nach den Hahnemannschen Grundsätzen geradezu als Häresie erscheinen, sondern ist auch eine besonders perfide Methode zur Absicherung der Zuckerkugeltherapie.
Bekanntlich war Hahnemann den „Allopathen“, also den aus damaliger Sicht „herkömmlich“ praktizierenden Medizinern, spinnefeind und setzte ihnen -aus durchaus aus seiner Sicht nachvollziehbaren Gründen- seine Methode diametral entgegen. Niemals wäre er auf die Idee gekommen, aus der Beobachtung von Patienten, die gleichzeitig (!) allopathisch und homöopathisch behandelt werden, einen Beleg für seine Methode herauszulesen. Er wäre der Ansicht gewesen, dass jede allopathische Behandlung, die er eh für schädlich hielt, den homöopathischen Effekt zunichte machen würde. Das nahm er schon für vergleichsweise harmlose Sachen wie Kaffee oder Tee an.
Was heutige „klinische Forscher“ nicht von derartigen Versuchen abhält. Und sie -man höre und staune- dazu befähigt, aus der Beobachtung von doppelt behandelten und nur wissenschaftlich therapierten Vergleichsgruppen Signifikanzen zugunsten einer homöopathischen Begleittherapie herauszulesen. Man kann Hahnemann kaum stärker widersprechen. Was übrigens von solchen Studien zu halten ist, darüber kann man sich beispielsweise anhand der sogenannten Sepsis-Studie des Homöopathie-Propagandisten Prof. Frass von der Uni Wien informieren. Ergebnis: Für mein Begriffe schlicht null. Freundlich ausgedrückt. Für Interessierte mehr auf dem Blog von Dr. Norbert Aust
(http://www.beweisaufnahme-homoeopathie.de/?p=2939).

Ach ja, von wegen Absicherung: Was ist noch gleich eine Standardausrede des Heilpraktikers und womöglich des homöopathischen Arztes, wenn der Patient berichtet, die Globuli hätten aber gar nicht angeschlagen? „Sie haben bestimmt irgendwelche Medikamente dazu genommen, nicht wahr? Dann kann das nicht wirken!“ In Hahnemanns Sinne haben sie damit recht. Aber erstens ist das ja eine wunderbare Ausrede und zweitens hält das die Szene nicht davon ab, fleißig „Komplementärmedizin“ zu betreiben und dazu zu „forschen“…

 

Prophylaktische (vorbeugende) Homöopathie. Tja. Ein – Scherz, würde Oberstleutnant Sanftleben alias Georg Schramm sicherlich dazu sagen.

senftleben
Landsleute, Homöopathie ist nichts für uns. Mit Kleinigkeiten haben wir uns noch nie zufrieden gegeben.

In der Tat. Hahnemann will die „Verstimmung der geistigen Lebenskraft“ korrigieren, die sich nach außen durch Symptome bemerkbar macht. So wie man einen kleinen Baum oder Strauch geraderückt, der sich im Erdreich gelöst hat. Dazu muss aber erst einmal eine solche Verstimmung, die sich durch Symptome bemerkbar macht, vorhanden sein. Ansonsten würde man nach Hahnemanns Lehre durch eine Arzneigabe eine solche Verstimmung ja hervorrufen! Beziehungsweise dem Baum, der schön geradesteht, einen Ruck versetzen, der ihn krumm zurücklässt. Eine schöne Prophylaxe! Das wäre dann keine vorbeugende Behandlung, sondern ein homöopathischer Arzneimitteltest…  In diesem Fall dürfte Hahnemann sprachlos sein.
Nur am Rande: Eine Suche nach „Homöopathie Prophylaxe“ bei Google ergibt für den deutschsprachigen Raum rund 359 000 Treffer…

 

Tierhomöopathie. Auch Tierquälerei genannt. Man weiß heute, dass Hahnemann die Anwendung der Homöopathie an Tieren wohl einmal angedacht hat (eine kurze Ausführung dazu findet sich in einem Manuskript, das einen Entwurf für einen wahrscheinlich nie gehaltenen Vortrag darstellt). Er ist aber niemals darauf zurückgekommen. Er wird gewusst haben, warum. Zweifellos hat er eingesehen, dass seine Anforderungen an die homöopathische Anamnese, die nach Möglichkeit die kleinste Befindlichkeitsstörung sowie den Zustand von „Geist und Gemüth“ erfassen soll, beim Gespräch mit Ackerpferd Hulda und Hofhund Bello nicht erfüllt werden könnten. Allenfalls vom sprechenden Pferd Mr. Ed aus den sechziger Jahren, mir ist ein Versuch mit dem aber nicht bekannt geworden.

mr-ed
Und jetzt zu Geist und Gemüth…

Mal wieder hat es seine selbsternannten Exegeten nicht davon abgehalten, Tierhomöopathie zu etablieren und allen Ernstes anzufangen, sogar Arzneimittelprüfungen an gesunden Tieren vorzunehmen. Ihnen reicht die eigene Beobachtung, zusätzlich die des Tierhalters, völlig aus. Notfalls wird auf die Symptom- und Mittelverzeichnisse für Menschen zugegriffen -„Interpolieren“ wird das genannt und wenn alle Stricke reißen, muss es die berühmte Erfahrung des Therapeuten richten. Es gibt sogar einen Namen für diesen gesteigerten Unsinn: Anamnese per proxy. Das ist, selbst gemessen an den Anforderungen bei der Humanhomöopathie, grotesk.

Es gibt noch viele andere Gründe -pathologische wie ätiologische- dafür, weshalb humanbezogene Mittel und Methoden ohnehin nicht einfach auf die Tierwelt übertragen werden können, ein Beleg dafür ist die eigenständige, besondere Profession des Veterinärs mit einem eigenen speziellen Studiengang. Das ficht aber die Legion der Tierhomöopathen nicht an – sie betreiben ihre systematische Misshandlung kranker Tiere auf breiter Basis. Google ergibt zu Tierhomöopathie im deutschsprachigen Raum über 73 000 Treffer…

 

Pflanzenhomöopathie. Äh… ja. Nur zur Klarstellung: Ich meine damit nicht homöopathische Mittel, deren Urstoff pflanzlicher Provenienz ist. Ich meine damit tatsächlich die Anwendung homöopathischer Mittel auf Pflanzen…
Und zwar keineswegs gegen Pflanzenkrankheiten, sonst hätte ich das auch zusammen mit der Tierhomöopathie abhandeln können. Nein, keineswegs, sondern zur Beförderung von Wachstum und Ertrag…

pflanzenGlauben Sie nicht? Können Sie sich nicht vorstellen? Doch, doch. Schon 2004 wurden Steuermittel dafür ausgegeben, eine Studie der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in Bonn zu finanzieren, die bioenergetisch und homöopathisch betriebene Zierpflanzenwirtschaft in allerhöchsten Tönen preist. Wer es sich zutraut, das zu lesen, kann den Link gerne von mir erhalten… aus Rücksicht auf nicht so nervenstarke Leser stelle ich ihn nicht direkt ein.

In jüngster Zeit ist sogar eine höchst renommierte Firma dabei, ihre Produkte mit homöopathischem Unsinn zu diskreditieren und unglaubwürdig zu machen:
http://www.neudorff.de/pflanzenwissen/homoeopathie.html

Überzeugen Sie sich selbst.

 

________________

Wer nun glaubt, wir hätten uns bereits Lichtjahre von Hahnemann entfernt und irrer ginge es doch gar nicht mehr, der staune über einen kleinen letzten Exkurs über

Zauberei und Hexenwerk. Auch gern mal als „evolutionäre Homöopathie“ bezeichnet. Sind schon die vorhergehenden Beispiele Beleg genug dafür, dass die Homöopathie wegen ihres fehlenden Wirkungsnachweises und mangels naturgesetzlich haltbarer Erklärungen eine Spielwiese für Geschäftemacher und Selbstdarsteller geworden ist, so gilt dies erst recht für einige Perlen des Esoterik- und Paramedizinmarktes, die sich inzwischen auch des armen Hahnemann angenommen haben.

Eine der schwierigsten Aufgaben für den homöopathisch Heilkundigen ist ja die komplizierte Mittelfindung, die Suche nach dem einen, einzigen Mittel, ganz individuell. Da gibt es ganz neue, revolutionäre Ansätze, die zweifellos geeignet sind, dieses Problem dauerhaft und nachhaltig zu lösen. Ich darf vorstellen: Mittelfindung per Farbvorliebe und Mittelfindung per Aufstellung nach Hellinger!

Ich beschränke mich zur Farbenlehre hier mal auf ein einschlägiges Zitat:

„Die Farbtrilogie des bekannten Kölner Arztes und Forschers H.V. Müller ist bereits ein Klassiker. Er entdeckte, was moderne Homöopathen immer wieder bestätigen: Die Farbvorliebe bietet Sicherheit beim Finden eines homöopathischen Mittels, das nicht nur oberflächliche Symptome abdeckt. (Schon ganz falsch, ätsch…)
Die Farbvorliebe kann uns als Rubrik im Farbrepertorium erste Hinweise auf aussichtsreiche Mittel liefern, oder sie kann bei der Differenzierung der Mittel nach der üblichen Repertorisation helfen. Die Farbe liefert uns den emotionalen Hintergrund, auf dem sich die meisten Erkrankungen abspielen.
Auch lassen sich durch Farbgruppen Arzneimittelbeziehungen klären und Gemeinsamkeiten auffinden. Laut Müller haben z. B. „die Blauen“ einen Hang zur Glorifizierung der Vergangenheit und sind zuverlässig, während „die Roten“ eher revolutionär veranlagt sind und nicht unbedingt zur Treue neigen. Die Übereinstimmung von Farbgruppen konnte Müller anhand tausender von Fällen erforschen und bestätigen.“

(Werbetext des Narayana-Verlags zum Buch „Die Farben als Hilfe zur homöopathischen Mittelfindung – Band 1“ von Hugbald Volker Müller – 
http://www.narayana-verlag.de/Die-Farben-als-Hilfe-zur-homoeopathischen-Mittelfindung-Band-1-Hugbald-Volker-Mueller/b17645)

dog_

In letzter Zeit geht auch die unselige „Familienaufstellung nach Hellinger“, eine nicht ungefährliche, höchst umstrittene psychisch beeinflussende Methode, eine (Schein-)Ehe mit der Homöopathie ein.
So lässt man beispielsweise im Rahmen einer Aufstellung den „Vertreter“ entweder der Symptomatik oder den des Probanden selbst „intuitiv“ aus einer Reihe verschiedener homöopathischer Mittel das „Richtige“ heraussuchen… Auch für die wortreiche Darlegung dieser Erkenntnisse unter dem Titel „Systemische Homöopathie mit Familienaufstellung“ (mal bei Amazon suchen, bei Interesse) mussten bereits unschuldige Bäume in der Papierproduktion ihr Leben lassen.:

Ein Zitat der Autoren: „Es gibt nicht die Realität an sich, sondern nur Sichtweisen von Beobachtern. Eine objektive Welt gibt es demnach nicht, sondern jeder Beobachter schafft sich seine eigene Welt.“ Tja, kann man so sehen. Nur mit Wissenschaft hat das leider nichts zu tun. Nur mit einem selbstausgestellten Freibrief für Beliebigkeit.

 

dog_

Noch einer? Elektronische Homöopathie…

„Elektronische Homöopathie und die Klassische Homöopathie sind nur im Ergebnis gleich. Im Herstellungsverfahren und der Philosophie, die dahinter steckt, weichen sie zum Teil vollkommen voneinander ab. (Eine schöne Bestätigung meiner These von der Demontage der Homöopathie durch ihre Anhänger.)
Ein wichtiger Unterschied ist, dass die Klassische Homöopathie eher davon ausgeht, dass ein Mittel über den ganzen Potenzierungs- und Potenzbereich dem ursprünglichen und eigentlichen Arzneimittelbild verhaftet bleibt, während die Elektronische Homöopathie – geprägt von Radionik, insbesondere aber auch der Bioresonanz- und Frequenztherapie – meint, dass sich völlig verschiedenartige Wirkungen aus den Potenzbereichen ergeben können. 
Besonders interessant: Die Elektronische Homöopathie kann das Ergebnis gleich als passende Schwingung per handelsüblichem PC zur Verfügung stellen. (Na, da kommt Hahnemann natürlich nicht mit.)

(Begleittext zu: „Elektronische Homöopathie – Mittelfindung, Schwingungsgenerierung und Ausgabe mittels Personal Computer für Bioresonanz und Radionik“ von Hans Otfried Ditmmer –  https://www.amazon.de/Elektronische-Homöopathie-Mittelfindung-Schwingungsgenerierung-Bioresonanz/dp/3837062589/ref=sr_1_3?s=books&ie=UTF8&qid=1474742054&sr=1-3&keywords=Dittmer%2C+Hans+Otfried)

dog_
Die ultimative Vereinfachung jedoch, dem heutigen hektischen Zeitgeist optimal angepasst -denn bei Hahnemann ging es doch noch eher gemütlich zu- ist aber die Entdeckung der „Homöopathie zum Aufmalen“.

Einfach mal nach „Medizin zum Aufmalen“ bei Amazon suchen.

Aus einem Begleittext zum Buch „Medizin zum Aufmalen – Heilen durch Informationsübertragung und Neue Homöopathie / Praxiserfahrungen mit den Körbler’schen Zeichen“ von Neumayer / Stark:

„Seit jeher nutzten indianische Völker Zeichen und Symbole, um Kraft und Mut zu stärken. Auch auf dem berühmten Eismenschen „Ötzi“ fand man auftätowierte Striche an verletzten Körperteilen, und der Scanner an der Supermarktkasse erkennt das Produkt am Strichcode… Symbole, einfache Striche und Zeichen werden seit Urzeiten und in zahlreichen Kulturen eingesetzt, um Informationen zu übermitteln und die Selbstheilungskräfte zu mobilisieren.
Mitte der 1980er Jahre belebte der Wiener Elektrotechniker (! – Ich hätte auf einen Malermeister getippt…) Erich Körbler dieses Wissen neu. Demnach kann der menschliche, tierische und pflanzliche Organismus auf Körper-, Seele- und Geistebene durch geometrische Formen und Zeichen heilbringend beeinflusst werden. Die Zeichen wirken wie Antennen auf der Haut und verändern von dort aus das Energiesystem des Körpers. Sie werden auf schmerzende Stellen oder Akupunkturpunkte aufgemalt; mit ihrer Hilfe können Informationen auch auf Wasser oder Heilsteine übertragen werden.
Viele Laien und Therapeuten haben dieses Heilsystem inzwischen erprobt und weiterentwickelt, geben ihr Wissen weiter und wenden es in der täglichen Praxis an – mit teilweise erstaunlichen Erfolgen.
Ein umfassender Ratgeber für Alltag und Therapie – mit anschaulichen Fallbeispielen und Praxisberichten!“

polynesier

Sagt der Polynesier zum Homöopathen: Herr Doktor, bei mir hilft nichts mehr! (ähem…)

_______________________________________

So macht die Homöopathie nur noch den Eindruck eines ehemals einigermaßen eindrucksvollen, aber längst durchgesessenen Sofas, das irgendwo in der Landschaft steht, seltsamerweise von niemand entsorgt wird, an dem jeder weiter herumfleddern darf und damit dessen weiteren Verfall befördert.

Bald Head Island, North Carolina, USA --- Old victorian sofa outside on beach --- Image by © Unlisted Images/Corbis

So. Nun genug der Beispiele, es ist hier doch lang geworden. Der besseren Lesbarkeit halber erscheint ein Epilog zu diesem Thema als gesonderter Beitrag.

 

 

 

__________________

Bildnachweise:
1 – 5, 9 – 11:   fotolia
6, 13: Eigene Bilder
7: Wikimedia Commons
8: Geschäftsstelle Bundesprogramm Ökologischer Landbau – Lizenzfreie Veröffentlichung
12: Gottfried Lindauer, Tamati Waka Nene (Maori, 19. Jh.)
Auckland Art Gallery Toi o Tāmakia,
in accordance with the New Zealand Copyright Act 1994

 

Die Inkonsistenz der Homöopathie I

odtssey2001_16
Der unbewegte Monolith der Homöopathie unbeeindruckt vom Fluss der wissenschaftlichen Erkenntnis

Wer weiß, was ein Kanon ist? Nein, nicht wohlorganisierter Kindergesang. Ich meine den Kanon, der in der Wissenschaft die Summe anerkannter Erkenntnisse oder Regeln bedeutet, beispielsweise den Kanon der wissenschaftlich abgesicherten medizinischen Mittel und Methoden.

Der Kanon der wissenschaftlichen Medizin ist der jeweils gültige Bestand der gesicherten Erkenntnisse. Entsprechend der wissenschaftlichen Methode der Falsifikation ist der Kanon niemals feststehend, sondern steht ständig auf dem wissenschaftlichen Prüfstand. Methoden werden verbessert, Neues wird hinzugefügt, Widerlegtes verworfen und aus dem Kanon ausgeschieden. Der Kanon muss zudem in sich konsistent sein, womit gemeint ist, dass keine Widersprüche in ihm enthalten sein dürfen – solche sind Anlass zu weiterer Aufklärung. Man kann geradezu nicht mehr von einem „Kanon“ sprechen, wenn er sich widersprechende Erkenntnisse und Methoden enthält.

Merke: Der jeweilige Kanon wissenschaftlicher Mittel und Methoden, auch und gerade in der Medizin, ist eine Momentaufnahme, der den aktuellen Stand des wissenschaftlichen Prozesses wiedergibt. Er mag Lücken und Irrtümer enthalten, die aber nach der wissenschaftlichen Methode der Falsifikation, des Versuchs der Widerlegung und Verbesserung, der Aufklärung früher oder später anheimfallen. Falsifikation führt immer dann zu Fortschritt, wenn eine Beobachtung einer bisherigen Erkenntnis (Theorie) widerspricht oder sich widersprechende Annahmen aufgelöst werden. Sie garantiert ein offenes, selbstreferenzierendes System.

Ein Beispiel für dieses erkenntnisoffene System ist der Fall der lange zum Kanon gehörenden Hormontherapie für Frauen nach der Menopause. Angesichts vieler Behandlungserfolge bezogen auf die typischen Wechseljahresbeschwerden hatte sich diese Methode als Standard etabliert. Durch die kritisch-falsifizierende Forschung geriet diese scheinbar fest im Kanon verankerte Therapie ins Wanken.

Die Ergebnisse der britischen „One Million Study“, einer der weltweit größten Untersuchungen zur Hormonbehandlung für Frauen nach der Menopause, zwang zum Umdenken. Sie bestätigte eine deutliche Erhöhung des Brustkrebsrisikos durch eine solche Hormonbehandlung, und zwar umso mehr, je länger die Behandlung andauerte. Eine weitere Studie, die „Woman‘ s Health Initiative“, konnte nicht über die vorgesehene Zeit von acht Jahren durchgeführt werden – sie wurde wegen der überdeutlichen Zunahme von Brustkrebserkrankungen schon bei den Zwischenergebnissen abgebrochen.

Somit flog die generelle Empfehlung zu einer postmenopausalen Hormontherapie aus dem wissenschaftlich-medizinischen Kanon. Sie wurde zunächst durch eine im Anwendungsbereich und in der Anwendungsdauer stark beschränkte Empfehlung ersetzt. Derzeit hat die laufende Forschung detaillierte neue Ergebnisse erbracht, die in eine neue, sehr differenzierte Leitlinie münden werden.

So weit, so gut. Eine Form der Qualitätskontrolle, die das Vertrauen in die wissenschaftsbasierte Medizin eigentlich massiv stärken müsste.

Jetzt aber die Gretchenfrage:

Wie sieht es mit alledem bei der Homöopathie aus?

Nun, die Homöopathie verfügt auch über einen Kanon. Der heißt „Organon der Heilkunst“, stammt vom berühmten Samuel Hahnemann und ist inzwischen 200 Jahre alt, ohne dass ihn etwas von der wissenschaftlichen Methode des Falsifizierens, des Verwerfens von Unhaltbarem und des Einbaues neuer Erkenntnisse berührt hätte. Im Gegenteil, den sogenannten klassischen Homöopathen gilt er als sakrosankt, als Dogma – was sich durchaus damit verträgt, dass er ein Gedankengebäude, eine Erfindung (keine Entdeckung!), eine auf vorwissenschaftlichen Vorstellungen beruhende Konstruktion ist.

Hahnemann war der Begriff der Empirie, der Erfahrungswissenschaft, zwar nicht unbekannt – es fehlten ihm jedoch jegliche Mittel und Methoden, empirische Ergebnisse einordnen und bewerten zu können. Ein Beispiel dafür ist der vielzitierte Chinarindenversuch. Hahnemann war darauf angewiesen, seine Erkenntnisse -zum Beispiel, dass die Methoden seiner Ärztekollegen eher zum Ab- als zum Weiterleben der Patienten führten- in einem reinen Gedankengebäude zu verarbeiten. Teils griff er dabei auf Gedanken des Animismus -der Vorstellung einer allseits belebten und bedeutungsvollen Welt- zurück (daraus entstand das Simileprinzip), teils erfand er ihm schlüssig erscheinende Hypothesen wie die Potenzierung (die ursprünglich nur Giftstoffe unschädlich machen sollte, dann aber von Hahnemann zu einer tragenden Säule seiner Lehre ausgebaut wurde). Als Grundprinzip lehrte Hahnemann, dass jede Krankheit eine „Verstimmung der geistartigen Lebenskraft“ sei, die durch die Symptome sichtbar werde. Die Symptome wiederum seien der Anhalt dafür, mit hoch- und höchstverdünnten („potenzierten“) Mitteln, die ihrerseits eine „geistartige Kraft“ besäßen und vermitteln, diese „geistartige Lebenskraft“ des Kranken wieder zurechtzurücken.

Diese Annahmen konnten auch deshalb Platz greifen, weil damals noch keine Vorstellung von Ätiologie, also der Lehre von Krankheitsentstehung und -verläufen, bestand. Es sollte einsichtig sein, dass ohne Ätiologie jede medizinische Behandlung immer nur ein „Stochern im Nebel“ sein konnte.

Nun kommen die klassischen Homöopathen her und behaupten allen Ernstes die volle Gültigkeit dieses starren, von keinem zwischenzeitlichen Fortschritt der medizinischen Wissenschaft beeinflussten Kanons. Ungeachtet der Entdeckung der Krankheitsgenese auf Zellebene (Zellularpathologie), der Biochemie des Körpers, der Entdeckung von Viren und Bakterien, der Entwicklung diagnostischer Methoden, der Wandlung der Medizin von der Symptom- zur Ursachenbekämpfung, der modernen Pharmakologie  und vielem mehr. All dies, obwohl noch zu Hahnemanns Lebzeiten bahnbrechende Entdeckungen gemacht wurden und die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts allgemein als die Zeit des großen Durchbruchs der wissenschaftsbasierten Medizin gilt. Sie etablieren damit so etwas wie eine „zweite Medizin“.

Also bitte – das ist eine Beleidigung jeglicher normaler Intelligenz. Oder sind Sie, lieber Leser, in der Lage, diesen Befund schulterzuckend hinzunehmen? Na also.

Im Bestreben, zu retten, was zu retten ist, suchen die Homöopathen ihr Heil in scheinbaren „Weiterentwicklungen“ und -dies vor allem die großen Propagandaorganisationen wie die Carstens-Stiftung und der Deutsche Zentralverein Homöopathischer Ärzte- in dem Versuch, die Homöopathie in eine modern und neuzeitlich scheinende Aura von Scheinwissenschaftlichkeit zu hüllen. Von beiden untauglichen, teilweise grotesken Versuchen wird  mein nächster Blogbeitrag handeln.

Halten wir fest: Der Kanon der wissenschaftsbasierten Medizin ist in ständigem Fluss begriffen, seine ihm inhärente Methode der Selbstkritik sorgt für den Fortschritt der Erkenntnis. Der Kanon der Homöopathie ist ein zweihundert Jahre altes Buch, damals zwar nach bestem Vermögen geschrieben, dessen Grundaussagen von den Ergebnissen wissenschaftlicher Erkenntnis aber vollständig unberührt geblieben sind. Ein gut erhaltenes Fossil, aber ein Fossil.

fossil
Interessant – aber Fossil.

 

_________

Bildnachweis:

1, 2: fotolia