Geht’s noch? Die Katastrophen der Woche. Zum Anklicken.

Erstmals heute auf diesem Blog: Aktuelle Links zum Lesen und Staunen.

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Echt jetzt?

http://news.doccheck.com/de/149600/zahnungspraeparate-giftige-globuli/?tag_id=245&context=post_tag

Wie unangenehm… passiert mal eine Panne bei der Herstellung und es ist relevanter Wirkstoff in den Globuli, wirken sie tatsächlich… Wie war das mit dem Umkehrschluss? 

„Sorry, aber wir können leider für die völlige Wirkungslosigkeit unserer Präparate nicht in jedem Fall garantieren. Ihre homöopathische Pharmazeutik.“

 

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https://www.pressetext.com/news/20161019007

Aus unserem Nachbarland, das ja immer die Tendenz hat, uns Piefkes noch zu überholen. „Parlamentarische Bürgerinitiative“ für die Zementierung der Homöopathie im Gesundheitswesen! Demokratie ist natürlich auch, Unsinn fordern zu dürfen. Ebenfalls Demokratie ist, den Unsinn öffentlich Unsinn nennen zu dürfen. Die Truppe wird angeführt vom bekannten Homöopathie-Propagandisten Prof. Frass. Angeführt…

 

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http://www.augsburger-allgemeine.de/aichach/Neue-Praxis-fuer-Homoeopathie-id39433517.html

Nur eine kleine Meldung aus einem regionalen Blatt. Die Homöopathin zieht um! Und alle Honoratioren sind da! Da freuen wir uns aber über die kostenlose Werbung im Lokalblatt. Wieder ein Globuli mehr auf den Zuckerhut der Begeisterung. Damit er weiter wächst.

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http://www.regiotrends.de/de/vorschau-anmeldungen/index.news.322924.fortbildungsveranstaltung-prophylaktische-behandlungsmoeglichkeiten-von-milchkuehen-durch-homoeopathie—anmeldungen-bis-27.-oktober-2016.html

Tierhomöopathie ist Unsinn und zudem Tierquälerei (http://www.netzwerk-homoeopathie.eu/kurz-erklaert/135-argument-tierhomoeopathie-funktioniert). Homöopathische Prophylaxe ist gesteigerter Unsinn. Wie erst kürzlich in diesem Blog dargelegt wurde (Homöopathie und Impfen). Beides zusammen ist hochpotenzierter Unsinn. Vulgo Schwachsinn. Naja, Aus- und Fortbildung kann ja nie schaden. Aber man sollte erst einmal bei den Ausbildern anfangen. 

 

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http://m.morgenpost.de/incoming/article208430093/Mit-der-Kraft-der-heilenden-Haende.html

Der erste Satz reicht schon völlig. „Osteopathie ist eine ganzheitliche Medizin.“ Wir brauchen gar nicht näher in die Osteopathie einsteigen, mit „ganzheitlich“ ist sie ausreichend abqualifiziert. (Trotzdem werde ich mich dieser Methode wohl auch noch annehmen müssen.)
Prof. Edzard Ernst meint zum Ganzheitlichkeitsargument unter anderem:

„Die Suggestion der Vorstellung, dass alternative Medizin sich des „ganzen Menschen“ annimmt, ist ein höchst attraktiver und leistungsfähiger Trick. Es spielt dabei gar keine Rolle, dass nichts von „Ganzheitlichkeit“ weiter entfernt sein könnte, als eine isolierte Methode wie zum Beispiel die Diagnose aller möglichen Dinge aus der Betrachtung der Iris  oder die Fokussierung auf die Wirbelsäule (Chiropraktik, Osteopathie) oder Massieren der Fußsohlen (Fußreflexzonenmassage). … 

Und es ist offenbar ebenso egal, dass andererseits jede Art von guter konventioneller Medizin per Definition ganzheitlich ist. Was (bei der Pseudomedizin) zählt, ist das Etikett, und „ganzheitlich“ ist in der Tat ein höchst attraktives und wünschenswertes. Nichts verkauft Quacksalberei besser als das Etikett der ‚Ganzheitlichkeit‘.

Mein Rat: Bietet Ihnen Ihr Therapeut seine Methode als „ganzheitlich“ an – nehmen Sie es nicht so wörtlich.“
(http://edzardernst.com/2016/07/the-tricks-of-the-quackery-trade-part-2/)

 

Der Interviewte in dem Morgenpost-Artikel schreit nach einer Adelung der Methode durch universitäre Anerkennung. Also dann: Glückwunsch, Dr. schwurb. ost., gaudeamus igitur!

 

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https://www.meine-krankenkasse.de/naturheilkunde/?pk_campaign=facebook_Q4_2016&pk_kwd=baum_naturheilkunde_ads_03

Demnächst wird es Krankenkassen geben, die im Dunklen leuchten. Und der Patient des Jahres kriegt einen nächtlichen Besenritt auf den Brocken spendiert.

„Werden Sie Naturheilkunde.“  Was für ein Satz. Schnell ein Nux vomica einwerfen gegen „Überempfindlichkeit gegen sinnliche Eindrücke“.

 

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Nee, reicht für heute. Nur ein kleiner Griff in die große Überraschungskiste des Internets.

Bis bald!

 

Bildnachweis: Eigene Bilder

 

 

Aktion 10:23: „Informationen“ über die Homöopathie von einem Apotheker

Hier ein Erlebnisbericht aus Österreich über die Vorbereitung auf den 23.10., den Hochpotenzentag…
Der Wahnsinn ohne jede Methode. Immer mehr steht bei meinen Überlegungen im Vordergrund, was solche Haltungen erzeugt wie bei diesem Apotheker. Wenn bei dem die Voraussetzungen für eine kritische Haltung nicht gegeben sind, bei wem denn dann?
Es wird schon pseudoreligiös, anscheinend steht hier der Angstmechanismus dahinter, der gerade bei Debatten über Religion und Glauben zu massiver Abwehr führt, weil das Gegenüber tief innen fühlt -und vielleicht sogar weiß- dass die andere Seite recht hat. Die Aufgabe der verinnerlichten Inhalte ist dann aber zu schmerzhaft.

Ich habe da Glück mit meiner Apotheke, ich weiß, wo ich bei ihr dran bin und umgekehrt. Ich habe für den 23.10. -bin in Hamburg dabei- Arsenicum album und Aconitum C30 geordert, zur Begeisterung der dort tätigen homöopathischen „Beraterin“. Beim Abholen fragte sie, ob ich mit der Anwendung vertraut sei. Ja, habe ich geantwortet, beide Fläschchen hintereinander ganz weg!🙂

Homöopathie – Kurz zerlegt. Ein Zwischenruf.

riesenglobuli
Riesenglobuli – aufgepumpt durch 200 Jahre heißer Luft…

Die in diesem Blog bisher veröffentlichten Beiträge speziell zur Homöopathie umfassen bereits ein recht großes Spektrum. In Gesprächen und anderen Rückmeldungen dazu konnte ich feststellen, dass vielen Interessenten aber der konzentrierte Überblick über die Frage, was Homöopathie denn eigentlich sei und wo die „Knackpunkte“ liegen, fehlt. Gerne verweise ich auf die Informationssammlung beim Informationsnetzwerk Homöopathie, der eigentlich kaum etwas hinzuzufügen ist. Ich möchte aber die freundlichen Anregungen aufnehmen und auch an dieser Stelle einen solchen konzentrierten Überblick liefern. Es wird dabei zwangsläufig zu Wiederholungen von Dingen kommen, die ich bereits anderswo angesprochen habe, aber sie hier nochmals in den Gesamtzusammenhang zu stellen, ist sicher nicht falsch. Ich möchte dabei  versuchen, so grundlegend und damit so einfach wie möglich eine Vorstellung von der homöopathischen Methode zu vermitteln.

Also, auf geht’s. Wir stützen uns hier auf die Hahnemannsche Lehre, wie er sie in seinem Organon der Heilkunst niedergelegt hat. Die Verwicklungen und Verirrungen seiner Exegeten bis heute, die -nach den Worten des gern zitieren Prof. Otto Prokop- „gescheiterten Versuche, durch Angleichung des homöopathischen Systems an die Schulmeinungen an den Universitäten allgemeine Anerkennung zu erlangen“, waren teilweise schon Gegenstand in diesem Blog und werden -versprochen!- auch später noch genauer beleuchtet und entzaubert werden.

Was ist Homöopathie?

Homöopathie ist eine Arzneimittellehre, die nicht den Anspruch erhebt, „Krankheiten“ heilen zu wollen. „Heilen“ als homöopathischer Begriff bezieht sich auf den Patienten, nicht auf Krankheiten. Ärgerlicherweise wird dieser Umstand immer als Beleg für die „Ganzheitlichkeit“ (was ist das?) der homöopathischen Methode herangezogen. Nichts könnte falscher sein. Hahnemanns Methode ist rein symptombezogen, er strebte an, eine von ihm angenommene „verstimmte geistige Lebenskraft“, die sich durch Symptome -und nur durch Symptome!- bemerkbar macht, per Arzneimittelgabe wieder richtig zu „stimmen“ und damit den Patienten zu „heilen“.

Woraus sich die Frage ergibt,

Wie sieht die Homöopathie Krankheiten?

Nach Hahnemann kann niemand etwas über die „Krankheit“ eines Patienten wissen, denn sie ist ja die „Verstimmung“ der individuellen (wichtig!) „geistigen Lebenskraft“ des Patienten. Nur die Symptome werden nach außen sichtbar. Logischerweise benannte Hahnemann auch keine Krankheiten. Da er die Existenz bestimmter, wiederkehrender Krankheiten abstritt, kam es ihm (nur) darauf an, mit größtmöglicher Genauigkeit ein Gesamtbild der Symptome, im wörtlichen Sinne das individuelle „Symptombild“ des Patienten zu ermitteln – ein Bild der Verstimmung der „geistigen Lebenskraft“.. Über die Ursachen von Krankheiten äußerte Hahnemann sich nicht, dies war für ihn unwesentlich.

Deshalb ist es geradezu grotesk, von der Homöopathie als einer „ursachenbeseitigenden“ und von der wissenschaftlichen Medizin als einer „nur symptombekämpfenden“ Methode zu sprechen. Der umgekehrte Fall trifft zu.

Das führt zu der Frage:

Auf welche Weise soll den diese „verstimmte geistige Lebenskraft“ des Patienten wieder korrigiert werden?

Durch Hahnemanns Arzneimittellehre. Sie stützt sich wiederum auf eine gesonderte Grundannahme, nämlich, dass „Ähnliches durch Ähnliches“ geheilt werden könne. So sucht die „Arzneimittelprüfung“, der „Blindtest“ von allen möglichen Substanzen, organischer wie anorganischer, an Gesunden Symptome, die nach der Einnahme auftreten. Gefahndet wird dabei nach allen nur denkbaren Erscheinungen beim Probanden, auch den kleinsten, die nach der Einnahme der homöopathischen Stoffe auftreten – häufig noch viele Tage, gar Wochen, danach. Das sind die Symptombilder, die die Grundlage für die Behandlung gleicher Symptombilder beim Kranken herangezogen werden. Die Sammlung dieser Ergebnisse stellt die „Materia medica“ der Homöopathen dar. Die Symptombilder aus den Arzneimittelprüfungen werden in umfangreichen Nachschlagewerken, den Repertorien, festgehalten.Jeder Versuch mit neu hinzukommenden Mitteln lässt die Repertorien weiter anschwellen.

Der grundlegende Irrtum besteht in der Gleichsetzung von Krankheit und Symptom. Vergegenwärtigt man sich nur die simple Alltagserfahrung, muss dieses Hahnemannsche Dogma doch absonderlich erscheinen. Eine Lebensmittelvergiftung mag die gleichen Symptome hervorrufen wie ein Magenkarzinom eines bestimmten Stadiums. Wie will der Homöopath behandeln? Da er nur die Symptome sieht, mag er zu dem Ergebnis kommen, dass in beiden Fällen die Gabe beispielsweise von homöopathisch aufbereitetem verdorbenem Fleisch (das gibt es!) als Simile, also als „symptomenähnliches“ Mittel, anzuraten sei. So sähe die Praxis aus. Noch Fragen?
Ebenso kann ein und dieselbe Erkrankung bei verschiedenen Patienten durchaus unterschiedliche Symptombilder hervorrufen.
Zudem ist die Arzneimittelprüfung völlig subjektiv. Aus dem gleichen Versuch an Gesunden gehen -zwangsläufig, da nicht ursächlich mit der Mittelgabe verknüpft- alle möglichen Symptombilder hervor. Alles wird gesammelt und in der Materia Medica zusammengefasst. Wo soll da noch eine verlässliche Basis sein?
Die umfangreichen Studien von Prof. Martini, dem nachmaligen  Präsidenten der Gesellschaft für Innere Medizin, haben mit unterschiedlichsten Untersuchungsmethoden ein klares Ergebnis erbracht: Die Ergebnisse der Hahnemannschen Arzneimittelprüfungen sind wertlos.
Übrigens hat Hahnemann bei seinem Chinarindenversuch sage und schreibe 1143 Einzelsymptome an sich festgestellt… Für Pulsattilla (Kuh- oder Küchenschelle), eines der am häufigsten eingesetzten homöopathischen Mittel, wurden in mehreren Arzneimittelprüfungen mehrere tausend großenteils völlig unterschiedliche Symptome berichtet…
Wobei, man kann das in den Materia Medica nachlesen, die meisten Beschreibungen aus Arzneimittelprüfungen gar keine „Symptome“, sondern Befindlichkeitsschilderungen aufgrund völlig subjektiver, von äußeren Umständen jeweils abhängiger persönlicher Dispositionen sind.
(Quelle: O. Prokop / L. Prokop, Hömöopathie und Wissenschaft, Stuttgart 1957)

Das führt uns zur

Homöopathischen Anamnese

als der entscheidenden Säule für die homöopathischen Therapie. Ihre Basis ist das vielgelobte therapeutische Gespräch beim Homöopathen. Dies wird aber keineswegs mit dem Ziel einer persönlichen Zuwendung mit besonderer Empathie dem Patienten gegenüber geführt, wenn dieses Empfinden auch sicher eine wesentliche Bedingung für den homöopathischen „Heilerfolg“ und den „guten Ruf“ der Methode ist. Das Zuhören und gegebenenfalls das ergänzende „Ausfragen“ mag subjektiv beim Patienten den Eindruck der persönlichen Zuwendung und des Interesses erwecken, es hat aber einen völlig anderen Zweck.  Die homöopathische Anamnese stellt sozusagen das Spiegelbild der Arzneimittelprüfung am Gesunden dar, denn sie ist darauf aus, ein Symptombild ausfindig zu machen, das mit einem (oder mehreren) Symptombildern aus den Repertorien in Deckung gebracht werden kann. Geschieht dies -die Leistung dabei ist eher eine gedächtnistechnische –  so hat man das Gegenmittel gefunden.

Eine sehr feinsinnige gedankliche Konstruktion auf der Basis der Ähnlichkeitsregel, zweifellos. Aber eben nur eine Verfeinerung einer aus vorwissenschaftlichen Zeiten stammenden, magischem Denken angehörenden Vorstellung mit Wurzeln in der Frühantike. Die Ähnlichkeitsregel der Homöopathie konnte nie bewiesen, aber vielfach widerlegt werden. Schon Hahnemanns nie erfolgreich reproduzierter Chinarindenversuch ist eine Widerlegung der Regel: Niemals konnte beobachtet werden, dass Chinin Malariasymptome hervorruft. Weder als Urstoff noch als Verdünnung. Zudem wird kaum jemand ernsthaft annehmen, dass z.B. eine Vergiftung durch die weitere Gabe des Giftes -verdünnt oder nicht- behoben werden könnte. Oder eine akute Infektion durch eine Erhöhung der Erregerzahl. Die Beispiele sind Legion. Die sachlogischen Argumente dagegen ebenfalls.
Man bedenke: Mit der Ähnlichkeitsregel steht und fällt das Hahnemannsche Gedankengebäude! Obwohl selbst das bereiis von Hahnemannschen Exegeten relativiert wurde, als die Brüchigkeit des Gebäudes nicht mehr zu leugnen war.

Aber wie verhält es sich denn mit dieser sogenannten

Potenzierung?

Erst einmal die -offenbar notwendige- Klarstellung: Die Homöopathie benutzt den Begriff entgegen dem normalen Wortsinn, der ja eine Steigerung, eine Erhöhung bezeichnet. Die Potenzierungsmethode der Homöopathie ist jedoch eine massive Verdünnung des Wirkstoffs in einem Lösungsmittel. Sie will mit dem Begriff der Potenzierung zum Ausdruck bringen, dass die geringere Lösungskonzentration eine immer höhere Wirksamkeit entfalte. Hahnemann verband mit der Potenzierung nicht nur die reine Verdünnung, er verlangte, um der Wirkungssteigerung „sicher“ zu sein, rituelle Herstellungsvorschriften: Statt einfacher Verdünnung „Potenzierung“ in Zehnerschritten, Verreiben und Verschütteln der Ursubstanz, Schlagen der verdünnten Lösungen in bestimmter Art und Zahl auf bestimmte Untergründe…Er warnte bei einigen Mitteln sogar davor, dass zehn Schüttelschläge ein tödlich wirkendes Gift, zwanzig aber die gewünschte Medizin ergeben würden.

Wobei die Kernthese Hahnemanns ist, dass eine Arznei um so intensiver wirkt, desto höher sie „potenziert“ wird. Er warnte ausdrücklich vor der voreiligen Anwendung von Hochpotenzen, die er bei falscher Anwendung geradezu für tödliche Mittel hielt. Gegen Ende seines Lebens erwog er sogar noch eine ungeheure Erweitetung der Potenzierungsgrade über das bislang Übliche hinaus – wobei selbst dieses „Übliche“ bereits Verdünnungen erreichte, die einem Stück Würfelzucker auf alle Galaxien des Universums entsprachen.

Hier wird noch einmal die Nähe Hahnemanns zu vorwissenschaftlichen, mystischen Vorstellungen deutlich. Er selbst war auch Chemiker, für seine Zeit kein schlechter. Trotzdem ging er von der Richtigkeit seiner Potenzierungslehre aus. Das ist nur dadurch zu erklären, dass er wirklich nicht von einer physiologischen Wirkung, also einer Wechselwirkung zwischen Substanz und menschlichem Körper ausging, sondern ernsthaft glaubte, es ginge um die Beeinflussung der „geistartigen Lebenskraft“, bei der eine Wirkung der ebenfalls „geistigen Kräfte“ des eingesetzten Mittels – wobei die extreme Potenzierung dem (würde man heute in Eso-Kreisen sagen) „feinstofflichen Wirkungsmechanismus“ eben angemessen sei.
Die Behauptung der Wirksamkeit solcher „potenzierten Arzneien“, bei denen sich ab einer bestimmten Verdünnung mehr Lösungsmittelverunreinigungen als Ursubstanz in der Lösung befinden, irgendwann die Nachweisgrenze des Urstoffs überschritten wird und ab einer Verdünnung von 10^23 (durchaus üblich) keine Moleküle der Ursubstanz mehr in der Lösung vorhanden sind, ist eine der hauptsächlichsten Bemühungen der „homöopathischen Forschung“. Vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis heute. Außer Behauptungen, das Problem sei gelöst (die gab es schon um 1840, zuletzt 2016…) gab es aber nichts Substanzielles. Das hat auch niemand, der mit physikalisch-chemischen und pharmakologischen Grundlagen vertraut ist, erwartet.  

Und wenn’s nicht hilft?

Dann hat man doch noch nicht das richtige Mittel gefunden und setzt ein anderes an (die Repertorien sind ja dick genug…). Oder der Patient hat bei der Einnahme einen Fehler gemacht, entweder nicht richtig eingenommen oder etwas „Schädliches“ zu sich genommen, das die homöopathische Wirkung behindert. Möglicherweise ist der arme Patient auch von der „Schulmedizin“ vorher schon so traktiert worden, dass die Homöopathie nicht mehr hilft. Was dann gern mit einer Rücküberweisung zur „Schuldmedizin“ quittiert wird. Man sieht, Misserfolge der Hömöopathie kann es praktisch gar nicht geben. Zudem lässt die homöopathische Therapie den Krankheiten Zeit genug, sich abzuschwächen oder gar ganz zu verschwinden. Das tun nämlich gut und gerne achtzig Prozent der Krankheiten eh.

Also eine eher „lexikalische“ statt medizinische Methode, aufbauend nicht auf belastbarer Empirie, sondern ausschließlich als Gedankengebäude auf der Grundlage unhaltbarer Axiome und Spekulationen. Kurz gesagt – Nix drin, nix dran.

Die Kunst des Schreibens besteht bekanntlich im Weglassen. Was mir schwerfällt. Ich hoffe, die Mühe des Weglassens von näheren Erläuterungen und Abschweifungen macht diesen kleinen Beitrag zu einem informativen Quell für alle, die bislang nicht, nur unvollständig oder falsch über die Grundlagen der Homöopathie informiert waren – und bereit sind, sich mit der Kraft ihres Verstandes unvoreingenommen mit ihr auseinanderzusetzen. Sapere aude!

Ansonsten gilt für weiter Interessierte: Immer mal hier vorbeischauen!

Warum Rationalität? Eine kleine Polemik.

himmelerde

Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde…

Mag ja sein, mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar. Sehe ich auch so. Aber darüber wissen wir alle nichts. Weder die Wissenschaft, noch diejenigen, die sich auf diesen Satz ständig berufen. Erstere vielleicht sogar ein wenig mehr als die anderen.

Der Grund, warum so viele Menschen die unterschiedlichsten Formen von Pseudomedizin und -psychologie fasziniert, liegt in einem Hang zum Geheimnisvollen, im Willen zu „glauben“ und einer instinktiven Abneigung gegenüber dem „Wissen“, der Neigung, eher blind zu vertrauen (notfalls dem eigenen „Bauchgefühl“) als sich unvoreingenommen zu informieren. Kurz gesagt, in einer Geringschätzung von Rationalität. Diese Kräfte sind gewaltig, aber auch höchst erstaunlich – sie würden, auf alle Dinge angewandt, das praktische Leben nahezu unmöglich machen, worauf ich weiter unten noch eingehe.. Ich nehme hier gerne mein Zentralthema, die Homöopathie, zum Kronzeugen. Die weltweite Wissenschaftsgemeinde ist sich einig: Nix drin, nix dran. Und wie sieht es tatsächlich aus, hier bei uns? Dreistellige Millionenumsätze, ein Heer von Praktizierenden dieser Scheinmethode, in der Bevölkerung durchaus angesehen, politisch akzeptiert unter Verleihung von Sonderrechten im öffentlichen Gesundheitswesen und mit dem Anspruch auftretend, wissenschaftliche Relevanz für sich einzufordern. Das ist praktizierte Irrationalität. Praktiziert nicht nur von wenig bis nicht informierten Laien, sondern ebenso von akademisch ausgebildeten Menschen. Wobei es unter Letzteren einige geben mag, die das gegen besseres Wissen tun – was die Sache anders, aber nicht besser macht.

Hier soll einmal gar nicht die Rede sein von den näheren Ursachen für so etwas. Vielmehr möchte ich einmal verdeutlichen, warum wir uns eine solche Haltung überhaupt nicht leisten können.

Komplexe Welt

Die Welt ist so komplex geworden, hört man allenthalben. Gewiss zu Recht. Aber kann das eine Rechtfertigung, auch nur eine Begründung dafür sein, sich auf die sogenannten einfachen Lösungen zurückzuziehen, sich der Realität zu verweigern, Vertrauen in Dinge und Menschen zu setzen, gar in die eigene Unzulänglichkeit, die einfachste Auswege aus dem Dilemma der scheinbaren eigenen Unmündigkeit oder Unwissenheit anbieten?

Ganz sicher nicht. Das Schlüsselwort heißt – Vertrauen. Aber richtig eingesetztes Vertrauen. Wir leben schon eine ganze Weile in einer arbeitsteiligen Welt. Seitdem der einzelne Mensch nicht mehr autonom für sich und seine Familie sorgte, braucht es zum Funktionieren des alltäglichen Lebens Vertrauen. Vertrauen in die Fertigkeiten des Schmieds, des Bäckers, des Schneiders, des Installateurs, des Fernsehtechnikers, des PC-Fachmanns. Von all diesen Leuten erwarten wir zu Recht Professionalität. Wir vertrauen ihnen, weil sie Meisterprüfungen abgelegt, ihr Fach mit Erfolg studiert haben und sich in der Praxis bewähren. Auslese durch Empfehlung oder Kritik tut das ihre. Ohne dieses grundlegende Vertrauen in die Fähigkeiten, aber auch in die Redlichkeit anderer würde unser Zusammenleben ebensowenig funktionieren wie unser privates Dasein. Dieses Vertrauen ist Ausdruck eines notwendigen rationalen Denkens. Bei einer bis vor einiger Zeit laufenden Werbung für ein Infoportal wurde das ganz klar zum Ausdruck gebracht: Nach dem Scheitern, professionelle Aufgaben durch eigenes Herumprobieren zu erledigen, hieß es: Vielleicht hätte er jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt. Beifälliges Lächeln war wohl die Reaktion von 99 Prozent der Zuschauer dieses Spots.

Blinder Fleck – Ratio weg

So weit, so gut. Nur leider gibt es in dieser rationalen, jedem einleuchtenden Weltsicht offenbar bei Vielen ein gewaltigen blinden Fleck: Im Bereich des eigenen Wohlergehens, der eigenen physischen und psychischen Gesundheit.

Ja, auch da ist die Welt komplex. Komplexer als bei der Kunst, Backwaren herzustellen oder auch einen PC zu reparieren. Seltsamerweise gibt es aber sehr viele Menschen, die sich in diesem Bereich auf einmal nicht mehr an die rationalen Regeln halten, die sonst eine gewisse Garantie für ein einigermaßen funktionierendes Leben in einer arbeitsteiligen Gesellschaft bieten.

Wir haben hier einen professionellen Berufsstand, dessen Ausbildung und Auslese so umfangreich, langdauernd und professionell ist wie nur wenige andere im akademischen Bereich: Die Ärzte. Sie stehen aufgrund unserer weitgehenden Absicherung in den Sozialsystemen praktisch jedem kostenlos zur Verfügung. Wir haben sogar die freie Arztwahl, wir haben einen Anspruch auf Aufklärung über die empfohlenen Behandlungsmethoden und entscheiden aufgrund der Möglichkeit, uns eine fundierte Meinung bilden zu können, selbst darüber, ob und welche Behandlung wir über uns ergehen lassen wollen. Es steht uns sogar frei, bei ernsteren Angelegenheiten auf Kosten der Sozialversicherung eine zweite Meinung einzuholen, um eine rationale Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Behandlungsmethode treffen zu können. Dazu muss ich mir allerdings die Mühe machen, mich mit der Aufklärung durch den Arzt, die zu dessen Hauptpflichten gehören, auch auseinanderzusetzen.

Diese Entscheidungsfreiheit habe ich nicht mal beim Fernsehmechaniker. Wenn der sagt, kaputt, muss ein neuer her, werden wir das in aller Regel seufzend so hinnehmen. Trotz eines gewissen Grundmisstrauens wird kaum jemand eine „zweite Meinung“ einholen, schon deshalb nicht, weil das das eigene Geld kostet.

Fernseher wichtig, Gesundheit egal?

So weit, so gut. Und jetzt kommt das Phänomen, dass viele Menschen trotz des Angebotes praktisch kostenloser Gesundheitsversorgung, ausgeübt von lange theoretisch und praktisch ausgebildeten, durch -zig Prüfungen gegangenen, zu ständiger Fortbildung verpflichteten Menschen, vor deren Approbation -dem Loslassen auf die Menschheit- auch noch die Ärztekammern stehen, dieses Angebot zu großen Teilen geradezu verachten? Und in Scharen zu Menschen laufen, die die Profession der Heilkunst weder studiert haben noch irgendwelchen wissenschaftlichen oder ethischen Standards verpflichtet sind, bei denen eine Absicherung gegen „Behandlungsfehler“ rechtlich de facto nicht vorhanden ist und die Methoden weitgehend nach eigenem Gusto anwenden? Die über Risiken ihrer Methoden überhaupt nicht aufklären können, denn entweder sind diese unwirksam (und haben dann auch keine Nebenwirkungen und Risiken) oder es gibt gar keine belastbaren Erkenntnisse über Risiken?

Nein, das können wir uns nicht erlauben. Diese Form von Irrationalität ist ein Vergehen gegen sich selbst, gegen die Alltagsrationalität, die uns ansonsten recht gut leben lässt. Wer würde es begrüßen, wenn sich unterhalb der professionell tätigen Bäcker, Klempner, Informatiker und Kfz-Mechatroniker, nicht-handwerkliche Berufe wie Steuerberater oder Buchhalter natürlich ebenso, eine Szene bilden würde, die mit den nichtärztlichen „Ausübenden der Heilkunst“ (so stehts im Heilpraktikergesetz von 1939) vergleichbar wäre, also keine geregelte Ausbildung vorweisen kann, bei Beginn der Tätigkeit niemals einen Teig, einen offenen Fernseher oder ein kaputtes Klo gesehen haben muss, sich aber darauf beruft, eigene, geradezu unfehlbare Methoden zu haben, die denen der professionell tätigen mindestens ebenbürtig sind? Bei denen sich die Kundschaft ohne nähere Nachfragen mit einem nahezu grenzenlosen Vertrauen auf großartige Versprechungen einfangen lässt? Was da passieren würde, darauf gab es vor wenigen Jahren einen Vorgeschmack, als der Gedanke aufkam, die Qualifikationsvoraussetzungen für bestimmte Handwerksberufe abzusenken – sprich die Meisterprüfung abzuschaffen. Empörung ging durch die Reihen.

Aber im Gesundheitswesen soll es das geben? Ach nein -gibt es ja bereits, mit dem Stand der Heilpraktiker, mit der Adelung der Homöopathie als Teil des Gesundheitswesens… Noch eine Etage tiefer mit der praktisch unbeschränkten Szene der „Lebenshelfer“, Gurus, Fernheiler und sonstigen Rumprobierer am Menschen? Da schreit doch schon einfachste Logik laut : Irrational!

Der Mensch ist schwach

Ja, ich kann es nachvollziehen, aber wirklich verstehen oder gar gutheißen kann ich es nicht, die Einstellung zur Irrationalität, gerade wenn es um einen selbst, das körperliche und das geistig-seelische Wohlbefinden geht. Instinktiv wird das „mechanistische“ Bild von Medizin und Therapie abgelehnt, als mehr oder weniger unangemessen für eine so komplexe Entität wie den Menschen. Und das, obwohl in der Fachwelt das klassische Bild der mechanistischen Medizin längst als ausgedient gilt und die „soziale Medizin“ Forschungsgegenstand weltweit ist (worauf die Sozialversicherungssysteme allerdings erst einmal reagieren müssten).

Die alte Vorstellung von Leib-Seele-Dualismus, die in den meisten Menschen auch heute noch mehr oder weniger herrscht, spielt dabei eine große Rolle. Diese stets mitschwingende Vorstellung ist wohl in der Hauptsache verantwortlich dafür, dass die Ratio plötzlich in Bezug auf sich selbst nicht mehr funktioniert und -gefühlsmäßig scheinbar angemessen, aber irrational- auf Menschen und deren Methoden gesetzt wird, die uns glauben machen wollen, sie verstünden etwas von den „Dingen zwischen Himmel und Erde“, von dem, was über die rationale Betrachtung unserer menschlichen Möglichkeiten hinausgeht, auch und gerade beim Menschen selber. Tun sie aber nicht.

Was dem Menschen nachweislich hilft, wird von der Medizin und den sie umgebenden Humanwissenschaften auch aufgenommen und entwickelt, damit es in den Kanon der Wissenschaftlichkeit eingeht. Den „Wissenden“ über die Dinge zwischen Himmel und Erde bleiben zwangsläufig im günstigsten Falle unwirksame und im ungünstigsten Falle schädigende „Methoden“. Wir schließen uns Spekulanten an, wenn wir dem folgen. Spekulanten auf Kosten unseres leiblichen und seelischen Wohlergehens – und auf Kosten unseres Bankkontos.

Jeder sollte einmal darüber nachdenken, mit wie viel Vertrauen in die Fähigkeiten und die Integrität anderer wir jeden Tag durchs Leben gehen. Und sich dann Rechenschaft darüber ablegen, ob es vor sich selbst verantwortbar ist, diese Form der Rationalität genau dann, wenn es um uns selbst oder um Menschen in unserer Umgebung, für die wir in der einen oder anderen Form Verantwortung tragen, auszublenden.

Rationalität ist Verantwortung – Irrationalität kann Verantwortungslosigkeit sein

Niemand kann alles wissen und können. In jeder Sparte gibt es schwarze Schafe. Natürlich kann ich mich als Patient bei einem Arzt auch unverstanden und unwohl fühlen. Selbstverständlich ist es nicht schön, auch nur eine Zeitlang von der vielgeschmähten Apparatemedizin abhängig zu sein. Nur – wo ist die rationale, die sinnvoll begründbare Alternative? Wir sollten unsere materiellen und ideellen Ressourcen, unsere Fähigkeit, uns in der heutigen Welt zu orientieren, nicht dem Fetisch der Irrationalität opfern. Das dürfte, wenn sich diese Haltung ausbreitet, unsere Zukunft konkret gefährden.

Dieser Appell, der sich bis hierher an den Einzelnen richtete, gilt aber ebenso und vielleicht in noch höherem Maße für unsere politischen Entscheidungsträger. Ich kann diesen den Vorwurf nicht ersparen, durch Indifferenz (wir erleben es gerade wieder in der Heilpraktikerdiskussion), aber auch durch aktive Förderung (Homöopathie und anthroposophische Medizin im Gesundheitswesen!) die von mir hier kritisierte Irrationalität geradezu zu befördern.

Ich unterliege nicht der Illusion -und bin insofern rational- zu glauben, politische Entscheidungen und Diskurse würde im Sinne der aufklärerischen Ideale immer zu einem rationalen und nicht emotional bestimmten Ergebnis führen. Dies hieße, auch die Person des politischen Entscheiders zu überfordern. Aber von einer vernunftgesteuerten Politik kann erwartet werden, dass sie mit ihren Entscheidungen nicht einen kompletten Bruch mit der Rationalität in klar entscheidbaren Sachfragen -nicht etwa bei Richtungs- oder Prognoseentscheidungen, das ist etwas anderes- riskiert oder gar herbeiführt. In Bezug auf das Gesundheitswesen ist es aber leider so – was es schwermacht, den Einzelnen dazu aufzurufen, seine persönliche Neigung zur Irrationalität hintanzustellen. Ich sehe hier ein schweres Versagen der Politik, das zu korrigieren sie sich bald aufraffen sollte.

 

Subjektivismus ist ein dünnes Eis für die Entscheidungen eines demokratischen Gemeinwesens. Noch mehr ein Subjektivismus, der von Fakten weitgehend unberührt bleibt. Kants Kategorischer Imperativ, der unausgesprochen der Leitstern aller demokratischen Systeme ist,  beruht auf der Voraussetzung von Rationalität, ja, ist geradezu eine Gebrauchsanweisung, um zu weitgehend rationalen Entscheidungen zu kommen. Das Staatsziel von Kant und der Aufklärer, das „Wohlergehens möglichst vieler“ erfordert einen auf Ratio gestützten Abwägungs- und Entscheidungsprozess. Nicht Subjektivität.

Leute, strengt euch an. Einfache Lösungen und Wege habe ich nicht anzubieten. Aber fallt nicht auf jeden Sirenengesang herein, der euch auf eurem Lebensweg erreicht. Lasst euch lieber -wie Odysseus- am Mast festbinden, bis die Versuchung vorbei ist. Das gilt auch für die Entscheidungsträger der Politik.


Bildnachweis: Eigenes Bild

Homöopathie und Impfen

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Wirklich nichts Homöopathisches???

Äh… echt jetzt?

Aber ja! Wusstet ihr noch nicht, dass die Homöopathen das Impfen erfunden haben und dass das Impfen sogar die Homöopathie beweist?

Nein? Dann impformier ich euch mal:

Similia similibus curentur. Ähnliches heilt ähnliches. Der Grundstein der homöopathischen Lehre. 

Ja seht ihr, ihr ignoranten Allopathen, da haben wir es doch! Ihr impft doch genau mit dem, was die Krankheit erzeugt, vor der ihr schützen wollt! Sagt ihr doch selbst! Also bitte – oder vielmehr danke, denn damit bestätigt ihr Hahnemann ja wohl komplett. Mit dem nach eurer eigenen Aussage erfolgreichsten Methode der „modernen Medizin“. Wir impfen ja auch, homöopathisch! Na, und jetzt?

Gemach, lieber Homöopath.

Es gibt keine homöopathische Prophylaxe und es kann keine geben.

Ich hätte da gleich zu Anfang einen klitzekleinen Einwand, der eigentlich schon reichen dürfte, eure schöne zuckersüße Wunschwelt zum Einsturz zu bringen. Nämlich:
Der Impfende „heilt“ nicht. Er betreibt medizinische Prophylaxe, womit ihr Homöopathen nix, aber auch gar nix zu tun habt.

Laut Hahnemann ist die Homöopathie eine Heilkunst auf der Grundlage einer Arzneimittellehre. Einen näheren Begriff von Krankheit, von deren Entstehung und Verlauf, hatte Hahnemann nicht. Im Gegenteil, er war klar der Auffassung, dass von der „Krankheit“, der „verstimmten Lebenskraft“, nur die Summe der außen sichtbaren Symptome „zu wissen sei“, mehr nicht. Um möglichst viel über die „verstimmte Lebenskraft“ zu erfahren, hielt er seine Jünger an, den Kranken (!) bis ins letzte Detail zu seiner Befindlichkeit zu befragen, damit nur ja das Mittel gefunden werden könne, das der verstimmten Lebenskraft exakt entgegenwirken möge. Akutbehandlung sozusagen (§ 17 und 18 Organon).

Wo bitte soll in diesem Modell ein Platz für eine Prophylaxe, eine medizinische Vorbeugung vor Erkrankungen sein? Wo der Meister doch postulierte, dass die Krankheit „an sich“ nichts anderes sei als die „verstimmte geistige Lebenskraft“, von der nicht mehr als das Symptombild am Kranken erkennbar sei? Wenn ich etwas geraderücken will, muss es erst mal schief sein. Sollte klar sein. Also, merken: In der Homöopathie gibt es keinerlei Raum für eine vorbeugende Behandlung. Ähnlich wie bei anderen zeitgenössischen „Therapien“, wie dem Mesmerismus. All diese Dinge machen sich am Akutzustand des Erkrankten fest, Ätiologie -die Lehre von Entstehung und Verlauf von Krankheiten- spielt weder bei der Homöopathie noch beim Mesmerismus eine Rolle.

Bei dem Wort Immunisierung wäre Hahnemann vermutlich eh schon dem Schlagfluss erlegen. Denn die Krankheit als solche kennt man nicht, und gegen Symptome immunisiert man nicht. Nebenher: Falls jemand sauer ist, dass man die seriöse Hahnemannsche Methode mit dem magnetischen Mesmerismus, diesem okkulten Blödsinn, vergleicht: Hahnemann fand das echt gut. Eng verwandt mit seinen Vorstellungen. So eng, dass er selbst homöopathische Prüfungen mit Magneten betrieb, eine Unmenge von „Symptomen“ fand und die auch noch unterschiedlich nach Nord- und Südpol. Lang und breit zu finden im Organon des Meisters, §§ 286 ff.  Bis so weit hinten scheint kaum jemand zu lesen…

Zudem bleibt bei der Annahme, die Impfung sei der Homöopathie ähnlich und auch die Homöopathie könne impfen, das Prinzip der Individualität bei Hahnemann unbeachtet. Er verwarf jede Ätiologie, jede systematische Lehre von Ursachen und Verlauf von Krankheiten, zugunsten der höchst individuellen „Verstimmung der geistigen Lebenskraft“ im einzelnen Patienten. Wo sollte da geimpft oder vorgebeugt werden? in § 54 des Organon kritisiert er die Allopathen scharf und ausdrücklich dafür, dass „man die Krankheiten für Zustände ausgab, die immer auf ziemlich gleiche Art wieder erschienen.“ Na, wenn es keine „auf ziemlich gleiche Art“ wiederkehrenden Krankheiten gibt, dann kann man ja jede vorbeugende Impfung eh vergessen…

Ein paar winzige Details noch, und wir sind schon fertig…

Kommen wir noch mal auf das similibus hocuspocus zurück. Wer so argumentiert wie unser stolzer Homöopath zu Anfang, der hat den Impfmechanismus entweder gar nicht oder aber grundsätzlich missverstanden.

Die Impfdosis, das Mittel, das verabreicht wird, wirkt selbst nicht schützend. Es löst vielmehr eine Immunreaktion im Körper aus, veranlasst diesen, Antikörper gegen die ins Auge gefasste Erkrankung – und gegen die Impfdosis! zu bilden. ANTIkörper. Die „wirken“ dann „gegen“ die später vielleicht in den Körper gelangenden Krankheitserreger. Nun, was sagte Hahnemann doch gleich über die bösen Allopathen, die mit „Anti“-Mitteln die Menschen vergifteten?

Es überzeugt uns aber jede reine Erfahrung und jeder genaue Versuch, daß von entgegengesetzten Symptomen der Arznei (in der antipathischen, enantiopathischen oder palliativen Methode) anhaltende Krankheitssymptome so wenig aufgehoben und vernichtet werden, daß sie vielmehr, nach kurzdauernder, scheinbarer Linderung, dann nur in desto verstärkterem Grade wieder hervorbrechen und sich offenbar verschlimmern (siehe § 58 – 62 und 69).“ (§ 23 Organon).

Der richtig betrachtete Impfmechanismus ist deshalb kein Zeuge und auch kein Bundesgenosse für die Homöopathie, sondern einer der zahlreichen Kronzeugen gegen sie.

Ein wenig historischer Exkurs muss noch sein.

Gelegentlich weisen die Hahnemann-Jünger auch auf dessen Erwähnung der Jennerschen Pockenimpfung im Organon hin. Dies lässt jedoch keine anderen Schlüsse zu als die oben ausgeführten. Wir wollen eine Antwort aber auch hier nicht schuldig bleiben.

Hahnemann waren die frühen Versuche, mit Kuhpocken zu impfen, durchaus bekannt. Er erwähnt Jenner und seine Erfolge durchaus, erkennt aber -tragischerweise- nicht den darin steckenden Ansatz einer sinnvollen Ätiologie und verfolgt Jenners Gedanken nicht weiter, ja, geht erstaunlicherweise ohne Umschweife über ihn hinweg – zugunsten einer fragwürdigen Begründung seiner Ähnlichkeitsregel mit „Heilung durch Krankheit“. Er entwickelt nicht etwa den Gedanken einer Immunisierung weiter, sondern ihm geht es um etwas ganz anderes. Dies zeigt die Erwähnung einer Reihe anderer Erkrankungen neben den Pocken ausschließlich im Zusammenhang, mit  der vorgeblichen Heilung oder Linderung von Symptomen, die der ausgebrochenen Krankheit ähnlich sind, aber schon vorher da waren. Hahnemann führt in § 46 des Organon, der auch die Erwähnung Jenners enthält, eine Reihe von Beispielen auf, etwa die „homöopathische Heilung“ von alten Hautaffektionen, Blindheit, ruhrähnlicher Zustände und sogar Hodenquetschungen durch die Pocken, Wechselfieber, Keuchhusten und fleckenartige Hautausschläge durch Masern (ihm waren bei den Masern „ätiologisch“ nur die Hautausschläge, die er als Hauptsymptom ansah, wichtig).

Nein, Hahnemann kann bei alledem ganz sicher nicht als einer der Väter der modernen Immunologie, auf der die Schutzimpfungen beruhen, gesehen werden. Im Gegenteil – er hat Jenners Ergebnisse nicht aufgenommen und nicht weitergedacht. Er begann statt dessen mit den „Blindversuchen“ bei der Arzneimittelprüfung am Menschen, wahllos alle möglichen und unmöglichen Stoffe durchzuprobieren (was seine Jünger heute noch tun) – was zeigt, dass er den Jennerschen Gedanken, dass die Auslöser einer (Infektions-)Krankheit im Kranken, bei der Krankheit, zu suchen seien, überhaupt nicht in Betracht zog.

Gleichwohl betrachtete er, wenn man ihn fragte, die Vaccination mit Kuhpockenlymphe als „Homöopathie“ – hatte also offensichtlich seine eigenen Maßstäbe nicht recht durchdacht. An begeisterten bis unkritischen Jüngern hat es Hahnemann nie gefehlt, und so kam es dazu, dass auch August Bier, der rührige Homöopath, der an der Universität Berlin einen homöopathischen Lehrstuhl durchgesetzt hatte (der später wegen fehlender positiver Ergebnisse wieder geschlossen wurde), dies ebenfalls für Homöopathie hielt und propagierte. Schon 1930 ließ sich die Münchner Medizinische Wochenschrift darüber folgendermaßen vernehmen:

Würde Bier einen Pockenkranken vaccinieren – entsprechend dem Similia similibus- wäre das Ergebnis vielleicht katastrophal. Es ist also für den Similebegriff entstellend, die Allergielehre (gemeint ist die Immunologie, die damals noch in dem Begriff Allergielehre aufging, UE) auf dem oben geschilderten Umweg der Homöopathie zunutze machen zu wollen, so als wäre Prophylaxe gleichbedeutend mit Therapie. Gemäß dem Similia similibus curantur soll doch ein Leiden oder ein Krankheitszustand – nicht ein Gesunder behandelt werden. Offensichtlich wollen die Homöopathen durch Inanspruchnahme serologischer Phänomene nur die Wirksamkeit kleiner und kleinster Dosen beweisen. Die Gedankengänge sind hier von ihnen weit gespannt worden.“

Mist. Wieder nix.

Immunsystem = Hahnemanns „geistartige Lebenskraft“?

Und kommt mir jetzt bloß nicht noch mit der Gleichsetzung des Immunsystems mit Hahnemanns „geistiger Lebenskraft“. Dann seid ihr aber richtig draußen. Zunächst einmal ist das Immunsystem nichts „Geistartiges“, sondern ganz handfest materiell und interagiert -auch bei der Impfung- auf materieller Basis. Das Immunsystem ist eine sehr komplexe Teilfunktion des Körpers, die aber keineswegs die Eigenschaften hat, die Hahnemann in seiner Vorstellung dem „Princip der geistigen Lebenskraft“ zuschrieb:

Der materielle Organism, ohne Lebenskraft gedacht, ist keiner Empfindung, keiner Thätigkeit, keiner Selbsterhaltung fähig; nur das immaterielle, den materiellen Organism im gesunden und kranken Zustande belebende Wesen (das Lebensprincip, die Lebenskraft) verleiht ihm alle Empfindung und bewirkt seine Lebensverrichtungen.“ (§ 10 Organon)

Macht doch euren Hahnemann nicht kaputt, sag ich doch immer.

Noch einen obendrauf…

Hahnemann wollen wir mal gar nicht in die Verantwortung nehmen für diese Irrwege des „homöpathischen Impfens“. Wie beispielsweise auch bei der Homöopathie für Tiere, ist das eine Entwicklung von Exegeten, die offenbar die Homöopathie zum „Stein der Weisen“ -dem alles heilenden und verbessernden Mittel- hochstilisieren wollten.

Die homöopathische Impfung ist  von einem Doktor Lux schon in den 1820er Jahren „erfunden“ worden. Er kombinierte die Immunisierung nach Jenner mit dem homöopathischen Prinzip. Unbekümmert um die Unmöglichkeit einer homöopathischen Prophylaxe stellte er nach homöopathischen Grundsätzen -also durch Potenzierung- Mittel aus Blut und Ausscheidungsprodukten kranker Tiere her, die er dann verabreichte. Kurz darauf prägte der amerikanische Arzt Hering für diese besondere Form der „homöopathischen Zubereitung“ den Begriff „Nosoden“ (nach dem griechischen Wort für Krankheit). Es gibt heute serologische wie pathologische Nosoden (aus Sekreten oder aus Organen gewonnene), dazu auch die Sonderform der Eigenblutnosode.  „Nosodenimpfung“ erfolgt meist in der Form von C200-Globuli nach „Impfplänen“. Es wird sogar die Nosodenimpfung gegen Tropenkrankheiten empfohlen, ebenso die parallele Anwendung zu Pflichtimpfungen, auf diese soll mit der „Nosodenimpfung“ „vorbereitet“ werden.

Es sei als Groteske am Rande erwähnt, dass die Hersteller die Ungefährlichkeit ihrer Nosodenpräparate betonen, indem sie darauf hinweisen, dass „dank der homöopathischen Aufbereitung bereits in Tiefpotenz von C6 das Vorkommen eines einzigen Erregers in der Nosode unwahrscheinlich ist, so dass der Erreger sich unter keinem denkbaren Umstand mehr reproduzieren könnte“ (Paracelsus-Magazin, 03/2009). Zudem sei durch die Sterilisierung (sic!) bei der Herstellung die Erkrankungsgefahr ausgeschlossen. Womit klar ist: Auch hier geht es nicht um eine physiologische, sondern wieder einmal um die „geistartige“ Wirkung. Keine Angst, wir garantieren für die völlige Wirkungslosigkeit!

So richtig verstanden scheint das Impfprinzip in Homöopathiekreisen auch gar nicht zu sein. So schreibt das Paracelsus-Magazin (aaO): „Eine homöopathische Nosoden Prophylaxe verhindert nicht ein Ausbrechen der Krankheit wie es beispielsweise die schulmedizinischen Impfungen versprechen, vielmehr wird der Organismus auf die entsprechende Erkrankung eingestimmt, sodass er bei einer Infektion zielgerichtet reagieren kann.“ Ach. Ich hatte das eher umgekehrt im Kopf… man lernt nie aus.

Kurz: Die Kombination einer von vornherein unwirksamen Methode (Homöopathie) mit einer falsch angewandten, unwirksam gemachten Methode (Immunologie, Serologie). Nicht nur „Nix drin, nix dran“, sondern sogar „Alles muss raus“.

 

Das war’s dann wohl.

Seht ihr? Ist nichts mit der Erfindung der Impfung durch die Homöopathie und auch nicht mit der Impfung als Beweis für deren Richtigkeit. Genauso könntet ihr behaupten, von 1949 bis 1960 wären in der ehemaligen DDR keine Impfungen notwendig gewesen, weil der Staatspräsident Wilhelm Pieck hieß…

Insgesamt ein krasses Beispiel dafür, wie durch nicht reflektierte Analogieschlüsse (immer gefährlich, da der Mensch zum Denken in Ähnlichkeiten neigt) in Verbindung mit unkritischem Wunschdenken Aussagen entstehen, die dem unvoreingenommenen Leser oder Zuhörer zunächst recht plausibel erscheinen. Aber Descartes‘ berühmter Ausspruch heißt ja auch „Ich denke, also bin ich“ und nicht „Mir fällt was ein, ich hab recht!“


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Zum Kuckuck! Ein Aufschrei aus aktuellem Anlass.

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Mir klingeln die Ohren. Wunderbar, dass die Debatte über die unsägliche Pseudomedizin in Deutschland endlich in Gang kommt. Wenn auch aus traurigem Anlass. Aber die Parolen, die so durch die Medien rauschen, rauben mir manchmal den letzten Nerv.

Deshalb hier ein kleines Vademecum der mich am meisten ärgernden „Argumente“ und Schlagworte mit meiner unmaßgeblichen Meinung dazu. Unter Heilpraktiker fasse ich summarisch die Anwender von Methoden außerhalb der wissenschaftsbasierten Medizin, also auch Homöopathen (selbst wenn sie Ärzte sind).

 

Politik: Die Prüfung für Heilpraktiker muss verschärft werden.

Nein. Es gibt überhaupt keine Kriterien, nach denen diese Prüfung verschärft werden könnte. Die Kriterien gibt es deshalb nicht, weil es keine festgelegten Ausbildungsinhalte und -gänge gibt. Aus diesem Grund ist Heilpraktiker auch kein Beruf. Die bisherige Prüfung ist genau aus diesem Grund keine mit einem Examen vergleichbare Prüfung, sondern lediglich ein Frage-Antwort-Spiel, das einen Eindruck davon verschaffen soll, ob der Proband womöglich doch eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt.

 

Heilpraktikerverband: Die Prüfung muss keineswegs verschärft werden, denn sie ist jetzt schon waaahnsinnig schwer, das sieht man daran, dass 80 Prozent durchfallen.

Quatsch. Die Prüfung ist für jemanden, der ernsthaft auf kranke und hilfesuchende Menschen losgelassen werden soll, ein dummer Witz. Sie erhebt ja nicht einmal den Anspruch, Heilwissen abzufragen und kann zudem beliebig oft wiederholt werden. Jede Prüfung hat zwei Seiten – die Prüfungsaufgaben und die Prüflinge. Ich spare mir mal, deutlich auszusprechen, auf welcher Seite ich die Unzulänglichkeiten verorte, auf denen die berühmten 80 Prozent beruhen.

 

Politik: Die Heilpraktikerausbildung muss reformiert werden.

Wie denn? Wo denn? Was denn? Es gibt keine Ausbildung, weil es keine Inhalte gibt. Kein Prüfling ist verpflichtet, vorher eine „Heilpraktikerschule“ besucht zu haben.  Eine halbe Stunde Google zeigt, dass durch die Bank die „Heilpraktikerschulen“ neben dem Einbimsen von Prüfungsbögen völlig uneinheitliche, vielfach ins eindeutig esoterische abgleitende Inhalte anbieten, die dann hinterher den Gemischtwarenladen der Heilpraktikerszene beherrschen. Evidenzbasiertes? Fehlanzeige. Mal abgesehen von Phytotherapie und Reizbehandlungen wie Kneippsche Anwendungen (die Phytotherapie als teilweise hochwirksame Arzneimitteltherapie gehört auch allein in ärztliche Hände!) Im schlimmsten Falle kommen noch selbstgebastelte Eigenkreationen an „Therapien“ dazu. Nichts kann man nicht reformieren.

 

Heilpraktiker, Homöopathen und Politik (teilweise): Die Praktizierung alternativer und komplementärer Methoden wird von der Bevölkerung gewünscht und gibt vielen Trost und Hilfe!

„Wünsch Dir was“ ist im Deutschen Fernsehen schon 1992 eingestellt worden. Seit wann kommt es bei der Anwendung von Mitteln und Methoden, zumal im Gesundheitswesen, darauf an, was sich der Patient „wünscht“? Soll „Wohlfühlmedizin“ ernstlich den Vorrang vor Wirksamkeit bekommen?

 

Heilpraktikerverband: Die Heilpraktiker in Deutschland sind ein wichtiger Teil der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung!

Sie sind höchstens der entzündete Wurmfortsatz an der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung. Würden sie sich auf kleinere Befindlichkeitsstörungen beschränken und durch sinnvolle Gespräche den Patienten stabilisieren, gleichzeitig ein scharfes Auge auf die Notwendigkeit einer evidenzbasierten Behandlung beim Arzt haben, ginge das ja noch alles an. Ist aber nicht so. Die Leute maßen sich an, ernsteste Organerkrankungen mit großenteils nachgewiesen unwirksamen Mitteln zu behandeln und sind keineswegs so bescheiden, sich auf eine Beratung der Hilfesuchernden zu beschränken. Eine Folge der seit 1939, dem Jahr des Inkrafttretens des Heilpraktikergesetzes, völlig ungeregelten Wildwuchses auf diesem Sektor. Wie konnte man das zulassen?

 

Heilpraktiker und Lobbyisten der Szene: Die Schulmedizin….

Fällt dieses diskriminierende Unwort, höre ich gar nicht mehr weiter hin. Die Heilpraktikerszene diffamiert ständig die wissenschaftsbasierte Medizin als „Schulmedizin“. Was für eine Arroganz! Die Szene tut so, als gebe es eine „zweite Medizin“ neben der vielgeschmähten „Schulmedizin“. Gibt es eine zweite Physik, eine zweite Chemie, eine zweite Biologie? Früher mag es angegangen sein, im mehr oder weniger spekulativen Raum Prozeduren und Therapieformen zu entwickeln und anzuwenden, als es noch keine wissenschaftlichen Prüfmethoden und keine tieferen Einblicke in Ätiologie und Pathologie gab. Da war die Medizin, wenn überhaupt, eine reine Erfahrungswissenschaft. Ein Beispiel dafür ist die Homöopathie.
Heute ist die Medizin zwar auch Erfahrungswissenschaft, aber viel, viel mehr reine Naturwissenschaft als noch vor 90, 100 oder mehr Jahren. Sie ist in der Lage, ihre Erfahrungen zu testen und zu verifizieren. Sie entwickelt sich ständig durch schrittweise Verbesserung.
Und da redet die Schwurbelszene von Schulmedizin? Was ist denn dann die Tätigkeit der Heilpraktiker, die für einen Multiple-Choice-Test büffeln, stur ein paar Bögen ausfüllen und dann in ihre private Welt entlassen werden, ohne auch nur im Geringsten zu so etwas wie Fortbildung verpflichtet zu sein? Also bitte.

 

Heilpraktiker: Äh, Grundrechte… Berufsfreiheit… und so .. 

Erstens ist -wie schon gesagt- der Heilpraktiker kein Beruf. Zweitens folgende Überlegung: Die akademische Profession des Rechtsanwaltes, der sich auf Studium, praktische Ausbildung und Erfahrungswissen stützt, schützt der Gesetzgeber dadurch, dass er per Rechtsberatungsgesetz Laien und Privatpersonen, selbst Menschen, die beispielsweise Wirtschaftsjura studiert haben, bei Strafe von der rechtlichen Beratung von Mandanten ausschließt. Der damit verfolgte Zweck ist -jedenfalls offiziell- die Interessen des Mandanten vor unzureichender Sachkunde im Zivilrecht wie im Strafverfahren zu schützen. Die akademische Profession des Arztes, der sich auf Studium, lange praktische Ausbildung und erworbenes Erfahrungswissen stützt, schützt der Gesetzgeber vergleichbar – überhaupt nicht. Und damit vor allem nicht den Patienten. Ist dem Gesetzgeber folglich das Vermögensinteresse eines Mandanten im Zivilprozess als Schutzgut wichtiger als die Gesundheit seiner Bürger? Bitte mal zu Ende denken!

Ein Zitat von Prof. Otto Prokop, Doyen der deutschen Gerichtsmedizin:
„Wenn … darauf hingewiesen wird, für Ärzte gebe es einen höheren Grad der Voraussehbarkeit als für Heilpraktiker (weil der erstere entsprechend ausgebildet und examiniert ist), also könne man letzteren nicht so schnell einen Schuldvorwurf machen wie etwa Ärzten, die den gleichen Fehler machen, so ergibt sich aus einer solchen Interpretation, dass es der Staat, der Personen zu solchen Praktiken ohne besondere Auflagen zulässt, mit der Gesundheit seiner Bürger nicht ernst nimmt.“

 

Die ganze Szene: Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde…

Klar. Näheres darüber wissen aber auch die Heilpraktiker nicht. Und deshalb ist es unehrlich und unredlich, die Lücke „zwischen Himmel und Erde“ mit unbelegten Behauptungen und Versprechungen zu füllen. Möchten die Heilpraktiker das trotzdem tun, müssten sie in der Liste der Professionen nur ein wenig tiefer rutschen: Auf die Position „Hellseher“.

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Ceterum censeo: Wir brauchen keine strengeren Prüfungen, wir brauchen keine „Reformen“ des Heilpraktikerwesens und seiner Ausbildung. Wir brauchen überhaupt keine Heilpraktiker, denn es gibt keine „alternative“ und keine „komplementäre“, auch keine „integrative“ – es gibt nur die wissenschaftsbasierte Medizin, die einen validen Nachweis ihrer Wirksamkeit führen kann. Man könnte allenfalls darüber nachdenken, Heilpraktikern mit ausreichender Qualifikation (klar gibt es Unterschiede dabei) im Rahmen streng gefasster Befugnisse und nachgewiesener Fähigkeiten so etwas wie den Status von „Gesundheitsassistenten“ zuzuweisen, wenn man sich schon nicht dazu durchringen kann, im Interesse einer modernen, glaubwürdigen und verlässlichen Gesundheitspolitik tabula rasa zu machen.

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Nachtrag, Dezember 2017:

Dass die Reformbemühungen weiterhin in homöopathischen Dosen stehenbleiben und lediglich Spiegelfechterei auf nicht einmal hohem Niveau beitrieben wird, zeigt dieser Anschlussbeitrag zu den Plänen zu „einheitlichen Ausbildungsvoraussetzungen“ für Heilpraktiker.


Bildnachweis: Pixabay Creative Commons Lizenz CC0

 

 

 

 

 

Die Inkonsistenz der Homöopathie – Epilog

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Nun mag man ja sagen, gut und schön, einleuchtende Beispiele, aber was spricht denn grundsätzlich gegen den Versuch, eine alte Hypothese mit neuzeitlichen Kenntnissen beweisen zu wollen?

Anschläge auf Samuel Hahnemann

Nun, es spricht dann Grundsätzliches dagegen, wenn die „Beweise“ oder „Weiterentwicklungen“ die zu beweisende Hypothese in sich und in ihrem Zusammenhang zerstören. Hahnemanns homöopathische Lehre ist ein relativ schlüssiges, wenn auch auf falschen Prämissen beruhendes Gedankengebäude. Es macht insofern nur Sinn, von Homöopathie zu sprechen, wenn die Schlüssigkeit -die Konsistenz- dieses Gebäudes nicht aufgebrochen und ganz oder teilweise in Frage gestellt wird. Genau dazu führen aber alle Versuche von „Beweisen“ einzelner Theorieteile und „Weiterentwicklungen“ nach den Grundsätzen freien Künstlertums. Dies sind nämlich nur untaugliche Versuche, Hahnemanns Hypothese mit einzelnen Bedeutungsinhalten zu unterfüttern, die er selbst ohne Zweifel entrüstet zurückgewiesen hätte. Nicht etwa die Ausbildung einer sich konsistenten Weiterentwicklung.

„Forschung“ als Rosinenpickerei

Nehmen wir doch die -sämtlich gescheiterten oder unbewiesen gebliebenen – Versuche, ein „Wassergedächtnis“ nachzuweisen, in Verdünnungen oberhalb 10^23 „Nanopartikel“ zu finden, elektromagnetische „Schwingungen“ zwischen zwei benachbarten potenzierten Lösungen zu detektieren, womöglich unter Anrufung der Quantentheorie, und manches mehr. Denkt man einmal über diese Ansätze nach, kommt man zu dem Ergebnis, dass sie eigentlich Angriffe auf Hahnemanns Homöopathie darstellen. Es wird ja geradezu angestrebt, beispielsweise durch Nachweisversuche materieller Wirkungen die gedankliche Grundlage Hahnemanns, die Regulierung der geistigen Lebenskraft mit ebenso geistartigen Kräften im homöopathischen Mittel, zu widerlegen. Von einer wissenschaftlichen Beweisführung zugunsten von Hahnemanns Hypothesen sind diese Versuche meilenweit entfernt. Hier wird doch nicht versucht, im wissenschaftlichen Sinne eine Theorie durch Falsifizierung und Erkenntnisgewinn weiterzuentwickeln – vielmehr wird an die Grundlagen von Hahnemanns Gedanken die Axt angelegt. Damit hat doch das ganze Gebäude mit der Bezeichnung „Homöopathie“ gar keine Existenzberechtigung mehr. Was für ein Irrweg! „Forschung“ als Rosinenpickerei auf Kosten des Kuchens. Eher Widerlegung als Bestätigung.

Samuel, die machen alles kaputt!

Auf einem niedrigeren Niveau finden wir das Gleiche bei den Komplexmittelverfechtern, bei den Selbstbehandlern, bei den komplementären Homöopathen, bei den Tierhomöopathen – alle brechen, wie gezeigt wurde, mit wesentlichen Teilen der Hahnemannschen Systematik, und verwandeln sie damit in eine Abbruchbaustelle. Sie nutzen Hahnemanns Homöopathie nur noch als Folie für ihre Fantastereien – und merken es wohl nicht einmal.

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Steht noch, aber…

An die Stelle einer wissenschaftlichen Weiterentwicklung durch das Erkennen von Irrtümern und deren Ersetzen durch neuere Erkenntnisse tritt eine Beliebigkeit, die mich an die Nutzung des Colosseums durch die römische Bevölkerung der Spätantike als Steinbruch erinnert. Jede Bruchbude wurde stolz als Weiterentwicklung des Colosseums verkauft, aber mit dem Colosseum selbst war nichts mehr anzufangen…

Die Statik reicht einfach nicht

Letzten Endes ist auch das -und hier schließt sich der Kreis- ein Beleg dafür, dass die Homöopathie als Theoriegebäude eben nicht entwicklungsfähig ist, denn ihre Grundannahmen und deren untrennbarer Zusammenhang erweisen sich nicht als trag- oder ausbaufähig. Beweisversuche, wie sie die Homöopathie-Lobby seit geraumer Zeit unternimmt, zielen im Grunde darauf ab, einzelne Teile des Gebäudes dadurch zu stützen, indem man andere preisgibt – und damit das ganze Haus unbrauchbar macht. Nur mal angenommen, es würden tatsächlich physiologisch wirksame Bestandteile in potenzierten Lösungen nachgewiesen – wo bleibt dann das Konzept der Regulierung der geistigen Lebenskraft durch immaterielle Wirkungen? Können das Simile-Prinzip, die Arzneimittelfindung und die Potenzierung weiter erhalten bleiben? Muss die Berufung auf Hahnemann womöglich ganz aufgegeben werden? Oder landet man womöglich im Ergebnis schlicht nur bei einer leichten Modifizierung der modernen Pharmakologie? Das wäre ein Ding…

Ach ja, bevor wir es vergessen: Homöopathie wirkt nicht. Egal ob mit oder ohne „Forschung“ und „Weiterentwicklung“.

Die Inkonsistenz der Homöopathie II

Verwitterte grau-braune BretterwandScheinwissenschaftlicher Anstrich – die Farbe blättert

Was geschieht, wenn man auf einem uralten, verwitterten Grund versucht, einen neuen Anstrich anzubringen, womöglich den soundsovielten? Der neue Anstrich wird schnell abblättern und der Untergrund wird davon auch nicht besser. So kommen mir die „modernen“ Versuche vor, die Homöopathie auf verschiedene Art und Weise als eine in der heutigen Zeit existenzberechtigte, akzeptable medizinische Methode darstellen zu wollen.

Wir wollen dabei unterscheiden zwischen dem, was die „offiziellen“ Vertreter der Homöopathie so aufbieten, früher schon  als „Aura von Scheinwissenschaftlichkeit“ bezeichnet und den vielfachen Ansätzen, vor allem bei Heilpraktikern, Herstellern homöopathischer Mittel und arglosen „Heimanwendern“, an Hahnemanns Methode -die sie offenbar gar nicht wirklich kennen oder aber gar nicht ernst nehmen- herumzubasteln.

Eines haben all diese Ansätze aber gemeinsam: Sie berufen sich auf Hahnemanns Lehre und führen sie durch ihre Bemühungen gleichzeitig ad absurdum. Verschlimmbesserung sagt man zu so etwas dort, wo ich herkomme.

Hahnemann hat, das sei zugestanden, unter den Prämissen seiner Grundannahmen ein in sich recht schlüssiges System aufgebaut, nicht völlig widerspruchsfrei, aber im Wesentlichen systematisch und konsistent. Gerade diese Systematik seiner Methode hat sicher zu ihrem früheren Ansehen beigetragen und mit verhindert, dass sie auf dem Friedhof der anderen abstrusen Hypothesen der Medizingeschichte gelandet ist. Allerdings ist diese Systematik auch nur schöner Schein – sie macht die Homöopathie inhaltlich nicht richtiger.

 

Wenden wir uns zunächst den „Offiziellen“ zu, der

Artillerie: Deutscher Zentralverein Homöopathischer Ärzte, Carl und Veronika Carstens-Stiftung, Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie e.V. (WissHom), klinisch-akademische homöopathische Forscher et.al.

Ancient cannon on wheels isolated on white

Diese Vereinigungen und Personen, die eng zusammenarbeiten und auch institutionell teilweise miteinander verflochten sind, stellen die finanz- und personalstarke Lobby dar, die es nach der Renaissance der Homöopathie seit den 70er Jahren geschafft hat, diese nicht nur im Bewusstsein der Öffentlichkeit, sondern auch in der Gesundheitspolitik mit einem positiven Image zu verankern.

Wie nun stehen diese Proponenten zur Kritik an der Homöopathie? Nun, sie behaupten durchweg deren Wirksamkeit und -dem Zeitgeist nun doch Tribut zollend- ihre naturwissenschaftliche Relevanz. Kritiker und Opponenten sind teuflische Ignoranten. Man versucht eifrig, aus Studien, die sich mit der Homöopathie beschäftigen, mit allen Mitteln Evidenzen herauszubuchstabieren, also unmittelbar nachvollziehbare, klar erbrachte Nutzennachweise. Nach Ansicht des allergrößten Teils der weltweiten Wissenschaftsgemeinschaft sind sie allerdings dabei erfolglos geblieben, nur nach ihrer eigenen Meinung nicht. Bemerkenswert ist, dass sie Zuflucht suchen bei der sogenannten homöopathischen Grundlagenforschung, die bemüht ist, einen Wirkungsmechanismus auf naturwissenschaftlicher Basis zu postulieren (Stichwort Wassergedächtnis) – was ohne den ausstehenden Beweis, dass überhaupt eine Wirkung vorhanden ist, mir so vorkommt wie die Sache mit dem Hasen und dem Igel, nur in der Variante, dass der Hase gar nicht erst losrennt.

Ich fühle mich an dieser Stelle nicht berufen, über Details der Studienlage zu referieren. Der geneigte Leser findet beispielsweise in Dr. Norbert Austs Blog „Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie“ zu diesem Thema mehr als fundierte Information (siehe Blogroll). Mir geht es eher um einen grundsätzlichen Aspekt.

Hahnemann hat die Homöopathie im Sinne einer Arzneimittellehre etabliert, die nicht auf physiologischen Zusammenhängen (materielle Einwirkung von Stoff zu Körper, Dosis-Wirkungs-Beziehung) beruht. Vielmehr soll die „geistartige Substanz“ im potenzierten Mittel auf die verstimmte „geistige Lebenskraft“ des Erkrankten eben in einem geistig-immateriellen Sinne einwirken und die „verstimmte Lebenskraft“ wieder geraderücken. Mit dieser Idee untrennbar verbunden sind Hahnemanns Grundlagen seiner Lehre: Das Simileprinzip als „magische“ Annahme, dass Ähnlichkeiten in der Natur „geistartig“ etwas zu bedeuten hätten und die Potenzierung, die ohne die Annahme einer Übertragung „geistartiger Kräfte“ des Urstoffs auf das Lösungsmittel auch Hahnemann selbst wohl suspekt erschienen wäre -immerhin war er auch Chemiker, der übrigens auch eine vielverwendete Testmethode erfunden hat.

Und jetzt kommen die großen Homöopathie-Proponenten und wollen mit aller Gewalt den Beweis antreten, dass die Homöopathie heutigen naturwissenschaftlichen Grundsätzen standhält? Dass es sehr wohl eine materielle, physiologische Grundlage für die angebliche Wirkung homöopathischer Mittel gibt? Dass Nanotechnologie, Quantenphysik und mehr die Grundlage für die wissenschaftslogische Erklärung eines homöopathischen Wirkungsmechanismus sein sollen?

Merken die denn nicht, dass sie damit den Boden der Hahnemannschen Lehre verlassen und damit sozusagen ins Leere stürzen? Weil sie, wenn sie die Hahnemannsche Wirkung der „geistartigen Kraft“ in den homöopathischen Arzneimitteln mit aller Gewalt durch materielle Wirkungen ersetzen wollen,  damit einerseits Hahnemanns Grundannahmen zusammenfallen lassen wie ein Kartenhaus und andererseits eben doch nicht den Ansprüchen der Wissenschaftlichkeit gerecht werden, weil sie den von ihnen gewünschten Nachweis eben doch gar nicht erbringen können? bruchbudeDie ganzen Bemühungen, das Gebäude der Homöopathie auf den Sockel der modernen Naturwissenschaften zu heben, kommen mir vor, als würde man ein altes, auf unsicherem Grund stehendes Holzhaus in dem Bemühen, es vor dem Verfall zu retten, auf die Oberfläche eines Sees zu stellen versuchen.

All diese Bemühungen sind nach meiner Ansicht nicht nur Pseudowissenschaft, sondern sogar Pseudohomöopathie. Das verstehe ich unter der „Inkonsistenz“ der heutigen Homöopathieszene.

 

An der Unterminierung der Hahnemannschen Lehre arbeiten aber auch andere. Mit naiverer Herangehensweise, eher kreativ, aber im Ergebnis genauso destruktiv.

Es gibt hier gleitende Übergänge, insbesondere was die Hersteller von Homöopathie betrifft, aber insgesamt zählen wir diese Gruppe zur

Soldier man and woman in military uniform

Infanterie: Homöopathie-Hersteller, Apotheker, Heilpraktiker, Fans und Anwender

Hier finden sich reichlich Privatvarianten der Homöopathie, die Hahnemann zweifellos aufs Äußerste aufgebracht hätten, achtete er doch schon zu Lebzeiten auf die Einhaltung seiner reinen Lehre und betrachtete alle Abweichler als persönliche Gegner. Was alles nun finden wir in dieser Szene, was als Homöopathie verkauft wird, aber ihr massiv widerspricht und eigentlich nur Ergebnisse freischwebender Fantasie sind? Nur eine Auswahl:

 

Komplexmittel. Die Hersteller homöopathischer „Arzneimittel“ haben inzwischen einen soliden Vertrieb sogenannter Komplexmittel aufgebaut, womit Präparate mit mehr als einem Wirkstoff gemeint sind. Wie das? Postulierte Hahnemann nicht das „eine“ Mittel, das die besondere „Verstimmung der Lebenskraft“ des Patienten wieder zurechtrückt? Hat er nicht überdeutlich gemacht, dass es aufgrund des gesamten individuellen Symptombilds gilt, das „eine“ Mittel zu finden, das genau die Verstimmung dieses einen Patienten wieder ins Lot bringt? Ja, das ist ein ganz wesentlicher Grundpfeiler des Hahnemannschen Systems, der Gedanke der „Umstimmung der geistartigen Lebenskraft“ steht und fällt mit der Auswahl des einen, genau richtigen Mittels.
Macht man einmal Hersteller solcher Komplexmittel, die diese ungeniert als „homöopathische Arzneimittel“ kennzeichen, hierauf aufmerksam, kann es auch mal heiter werden. So erhielt der Verfasser dieser Zeilen unter anderem die Auskunft, schließlich habe sich die Homöopathie ja weiterentwickelt (!) und man habe dabei die Erfahrung (!) gemacht, dass Komplexmittel noch (!) wirksamer seien. Sehr interessant fand ich auch die Auskunft, die unterschiedlichen Wirkstoffe würden sich in dem Mittel „gegenseitig weiterpotenzieren“. Da staunt der Laie und Hahnemann  ist sprachlos.

Belegzitat aus Dr. Hahnemanns Organon (§ 273):

    In keinem Falle von Heilung ist es nöthig und deßhalb allein schon unzulässig, mehr als eine einzige, einfache Arzneisubstanz auf einmal beim Kranken anzuwenden. Es ist nicht einzusehen, wie es nur dem mindesten Zweifel unterworfen sein könne, ob es naturgemäß und vernünftiger sei, nur einen einzelnen wohl gekannten Arzneistoff auf einmal in einer Krankheit zu verordnen, oder ein Gemisch von mehreren, verschiednen. In der einzig wahren und einfachen, der einzig naturgemäßen Heilkunst, in der Homöopathie, ist es durchaus unerlaubt, dem Kranken zwei verschiedne Arzneisubstanzen auf einmal einzugeben.

 

Selbstmedikation. Wohl mehr als die Hälfte aller homöopathischen Mittel gehen zur Selbstmedikation ohne eine Verordnung durch einen „Heilkundigen“ über die Apothekentheke. Auch hier würde Hahnemann wohl „dreynfahren, dass es die Narren kuriere“. Denn: Die homöopathische Methode, so unwirksam sie ist, beruht auf einem aufwendigen Verfahren. Das beginnt bei der Arzneimittelprüfung am Gesunden, findet einen Höhepunkt in der homöopathischen Anamnese, die dem „Heilkundigen“ auch das kleinste Fitzelchen der Befindlichkeit des Patienten offenbaren soll und endet dann erst bei der Verordnung des laut Repertorium passenden Mittels. Dabei bedient sich der Homöopath riesiger Symptom- und Mittelverzeichnisse (die Repertorien), wenn er nach vielen Mühen ein Symptombild des Patienten gefunden hat, das er für diesen als individuell ansieht und auch -sogar vorrangig- den „Geistes- und Gemüthszustand“ berücksichtigt hat.

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Alles noch von unser Omma!

Und da soll die Selbstmedikation mit Homöopathika nach der Empfehlung von Oma Liese ihrer Handarbeitsfreundin der ihren Sohn, dem es schon mal geholfen hat, irgendeinen Sinn machen? Auch die Empfehlung des Apothekers,  mal eben so über die Theke, muss nach Hahnemanns Grundsätzen völlig ins Leere laufen. Selbst für den „Heilkundigen“ gilt nach § 257 des Organon:

     Der ächte Heilkünstler wird es zu vermeiden wissen, sich Arzneien vorzugsweise zu Lieblingsmitteln zu machen, deren Gebrauch er, zufälliger Weise, vielleicht öfterer angemessen gefunden und mit gutem Erfolge anzuwenden Gelegenheit gehabt hatte. Dabei werden seltener angewendete, welche homöopathisch passender, folglich hülfreicher wären, oft hintangesetzt.

Für Hahnemann wäre die Selbstmedikation demnach, in seinem Duktus, „eine Dummheit von Unwissenden, befördert durch elendige Geschäftsmacherey“.

 

„Komplementäre“ Behandlung zur wissenschaftlichen Medizin. Die Etablierung der Homöopathie als Komplementärmedizin muss nicht nur nach den Hahnemannschen Grundsätzen geradezu als Häresie erscheinen, sondern ist auch eine besonders perfide Methode zur Absicherung der Zuckerkugeltherapie.
Bekanntlich war Hahnemann den „Allopathen“, also den aus damaliger Sicht „herkömmlich“ praktizierenden Medizinern, spinnefeind und setzte ihnen -aus durchaus aus seiner Sicht nachvollziehbaren Gründen- seine Methode diametral entgegen. Niemals wäre er auf die Idee gekommen, aus der Beobachtung von Patienten, die gleichzeitig (!) allopathisch und homöopathisch behandelt werden, einen Beleg für seine Methode herauszulesen. Er wäre der Ansicht gewesen, dass jede allopathische Behandlung, die er eh für schädlich hielt, den homöopathischen Effekt zunichte machen würde. Das nahm er schon für vergleichsweise harmlose Sachen wie Kaffee oder Tee an.
Was heutige „klinische Forscher“ nicht von derartigen Versuchen abhält. Und sie -man höre und staune- dazu befähigt, aus der Beobachtung von doppelt behandelten und nur wissenschaftlich therapierten Vergleichsgruppen Signifikanzen zugunsten einer homöopathischen Begleittherapie herauszulesen. Man kann Hahnemann kaum stärker widersprechen. Was übrigens von solchen Studien zu halten ist, darüber kann man sich beispielsweise anhand der sogenannten Sepsis-Studie des Homöopathie-Propagandisten Prof. Frass von der Uni Wien informieren. Ergebnis: Für mein Begriffe schlicht null. Freundlich ausgedrückt. Für Interessierte mehr auf dem Blog von Dr. Norbert Aust
(http://www.beweisaufnahme-homoeopathie.de/?p=2939).

Ach ja, von wegen Absicherung: Was ist noch gleich eine Standardausrede des Heilpraktikers und womöglich des homöopathischen Arztes, wenn der Patient berichtet, die Globuli hätten aber gar nicht angeschlagen? „Sie haben bestimmt irgendwelche Medikamente dazu genommen, nicht wahr? Dann kann das nicht wirken!“ In Hahnemanns Sinne haben sie damit recht. Aber erstens ist das ja eine wunderbare Ausrede und zweitens hält das die Szene nicht davon ab, fleißig „Komplementärmedizin“ zu betreiben und dazu zu „forschen“…

 

Prophylaktische (vorbeugende) Homöopathie. Tja. Ein – Scherz, würde Oberstleutnant Sanftleben alias Georg Schramm sicherlich dazu sagen.

senftleben
Landsleute, Homöopathie ist nichts für uns. Mit Kleinigkeiten haben wir uns noch nie zufrieden gegeben.

In der Tat. Hahnemann will die „Verstimmung der geistigen Lebenskraft“ korrigieren, die sich nach außen durch Symptome bemerkbar macht. So wie man einen kleinen Baum oder Strauch geraderückt, der sich im Erdreich gelöst hat. Dazu muss aber erst einmal eine solche Verstimmung, die sich durch Symptome bemerkbar macht, vorhanden sein. Ansonsten würde man nach Hahnemanns Lehre durch eine Arzneigabe eine solche Verstimmung ja hervorrufen! Beziehungsweise dem Baum, der schön geradesteht, einen Ruck versetzen, der ihn krumm zurücklässt. Eine schöne Prophylaxe! Das wäre dann keine vorbeugende Behandlung, sondern ein homöopathischer Arzneimitteltest…  In diesem Fall dürfte Hahnemann sprachlos sein.
Nur am Rande: Eine Suche nach „Homöopathie Prophylaxe“ bei Google ergibt für den deutschsprachigen Raum rund 359 000 Treffer…

 

Tierhomöopathie. Auch Tierquälerei genannt. Man weiß heute, dass Hahnemann die Anwendung der Homöopathie an Tieren wohl einmal angedacht hat (eine kurze Ausführung dazu findet sich in einem Manuskript, das einen Entwurf für einen wahrscheinlich nie gehaltenen Vortrag darstellt). Er ist aber niemals darauf zurückgekommen. Er wird gewusst haben, warum. Zweifellos hat er eingesehen, dass seine Anforderungen an die homöopathische Anamnese, die nach Möglichkeit die kleinste Befindlichkeitsstörung sowie den Zustand von „Geist und Gemüth“ erfassen soll, beim Gespräch mit Ackerpferd Hulda und Hofhund Bello nicht erfüllt werden könnten. Allenfalls vom sprechenden Pferd Mr. Ed aus den sechziger Jahren, mir ist ein Versuch mit dem aber nicht bekannt geworden.

mr-ed
Und jetzt zu Geist und Gemüth…

Mal wieder hat es seine selbsternannten Exegeten nicht davon abgehalten, Tierhomöopathie zu etablieren und allen Ernstes anzufangen, sogar Arzneimittelprüfungen an gesunden Tieren vorzunehmen. Ihnen reicht die eigene Beobachtung, zusätzlich die des Tierhalters, völlig aus. Notfalls wird auf die Symptom- und Mittelverzeichnisse für Menschen zugegriffen -„Interpolieren“ wird das genannt und wenn alle Stricke reißen, muss es die berühmte Erfahrung des Therapeuten richten. Es gibt sogar einen Namen für diesen gesteigerten Unsinn: Anamnese per proxy. Das ist, selbst gemessen an den Anforderungen bei der Humanhomöopathie, grotesk.

Es gibt noch viele andere Gründe -pathologische wie ätiologische- dafür, weshalb humanbezogene Mittel und Methoden ohnehin nicht einfach auf die Tierwelt übertragen werden können, ein Beleg dafür ist die eigenständige, besondere Profession des Veterinärs mit einem eigenen speziellen Studiengang. Das ficht aber die Legion der Tierhomöopathen nicht an – sie betreiben ihre systematische Misshandlung kranker Tiere auf breiter Basis. Google ergibt zu Tierhomöopathie im deutschsprachigen Raum über 73 000 Treffer…

 

Pflanzenhomöopathie. Äh… ja. Nur zur Klarstellung: Ich meine damit nicht homöopathische Mittel, deren Urstoff pflanzlicher Provenienz ist. Ich meine damit tatsächlich die Anwendung homöopathischer Mittel auf Pflanzen…
Und zwar keineswegs gegen Pflanzenkrankheiten, sonst hätte ich das auch zusammen mit der Tierhomöopathie abhandeln können. Nein, keineswegs, sondern zur Beförderung von Wachstum und Ertrag…

pflanzenGlauben Sie nicht? Können Sie sich nicht vorstellen? Doch, doch. Schon 2004 wurden Steuermittel dafür ausgegeben, eine Studie der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in Bonn zu finanzieren, die bioenergetisch und homöopathisch betriebene Zierpflanzenwirtschaft in allerhöchsten Tönen preist. Wer es sich zutraut, das zu lesen, kann den Link gerne von mir erhalten… aus Rücksicht auf nicht so nervenstarke Leser stelle ich ihn nicht direkt ein.

In jüngster Zeit ist sogar eine höchst renommierte Firma dabei, ihre Produkte mit homöopathischem Unsinn zu diskreditieren und unglaubwürdig zu machen:
http://www.neudorff.de/pflanzenwissen/homoeopathie.html

Überzeugen Sie sich selbst.

 

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Wer nun glaubt, wir hätten uns bereits Lichtjahre von Hahnemann entfernt und irrer ginge es doch gar nicht mehr, der staune über einen kleinen letzten Exkurs über

Zauberei und Hexenwerk. Auch gern mal als „evolutionäre Homöopathie“ bezeichnet. Sind schon die vorhergehenden Beispiele Beleg genug dafür, dass die Homöopathie wegen ihres fehlenden Wirkungsnachweises und mangels naturgesetzlich haltbarer Erklärungen eine Spielwiese für Geschäftemacher und Selbstdarsteller geworden ist, so gilt dies erst recht für einige Perlen des Esoterik- und Paramedizinmarktes, die sich inzwischen auch des armen Hahnemann angenommen haben.

Eine der schwierigsten Aufgaben für den homöopathisch Heilkundigen ist ja die komplizierte Mittelfindung, die Suche nach dem einen, einzigen Mittel, ganz individuell. Da gibt es ganz neue, revolutionäre Ansätze, die zweifellos geeignet sind, dieses Problem dauerhaft und nachhaltig zu lösen. Ich darf vorstellen: Mittelfindung per Farbvorliebe und Mittelfindung per Aufstellung nach Hellinger!

Ich beschränke mich zur Farbenlehre hier mal auf ein einschlägiges Zitat:

„Die Farbtrilogie des bekannten Kölner Arztes und Forschers H.V. Müller ist bereits ein Klassiker. Er entdeckte, was moderne Homöopathen immer wieder bestätigen: Die Farbvorliebe bietet Sicherheit beim Finden eines homöopathischen Mittels, das nicht nur oberflächliche Symptome abdeckt. (Schon ganz falsch, ätsch…)
Die Farbvorliebe kann uns als Rubrik im Farbrepertorium erste Hinweise auf aussichtsreiche Mittel liefern, oder sie kann bei der Differenzierung der Mittel nach der üblichen Repertorisation helfen. Die Farbe liefert uns den emotionalen Hintergrund, auf dem sich die meisten Erkrankungen abspielen.
Auch lassen sich durch Farbgruppen Arzneimittelbeziehungen klären und Gemeinsamkeiten auffinden. Laut Müller haben z. B. „die Blauen“ einen Hang zur Glorifizierung der Vergangenheit und sind zuverlässig, während „die Roten“ eher revolutionär veranlagt sind und nicht unbedingt zur Treue neigen. Die Übereinstimmung von Farbgruppen konnte Müller anhand tausender von Fällen erforschen und bestätigen.“

(Werbetext des Narayana-Verlags zum Buch „Die Farben als Hilfe zur homöopathischen Mittelfindung – Band 1“ von Hugbald Volker Müller – 
http://www.narayana-verlag.de/Die-Farben-als-Hilfe-zur-homoeopathischen-Mittelfindung-Band-1-Hugbald-Volker-Mueller/b17645)

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In letzter Zeit geht auch die unselige „Familienaufstellung nach Hellinger“, eine nicht ungefährliche, höchst umstrittene psychisch beeinflussende Methode, eine (Schein-)Ehe mit der Homöopathie ein.
So lässt man beispielsweise im Rahmen einer Aufstellung den „Vertreter“ entweder der Symptomatik oder den des Probanden selbst „intuitiv“ aus einer Reihe verschiedener homöopathischer Mittel das „Richtige“ heraussuchen… Auch für die wortreiche Darlegung dieser Erkenntnisse unter dem Titel „Systemische Homöopathie mit Familienaufstellung“ (mal bei Amazon suchen, bei Interesse) mussten bereits unschuldige Bäume in der Papierproduktion ihr Leben lassen.:

Ein Zitat der Autoren: „Es gibt nicht die Realität an sich, sondern nur Sichtweisen von Beobachtern. Eine objektive Welt gibt es demnach nicht, sondern jeder Beobachter schafft sich seine eigene Welt.“ Tja, kann man so sehen. Nur mit Wissenschaft hat das leider nichts zu tun. Nur mit einem selbstausgestellten Freibrief für Beliebigkeit.

 

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Noch einer? Elektronische Homöopathie…

„Elektronische Homöopathie und die Klassische Homöopathie sind nur im Ergebnis gleich. Im Herstellungsverfahren und der Philosophie, die dahinter steckt, weichen sie zum Teil vollkommen voneinander ab. (Eine schöne Bestätigung meiner These von der Demontage der Homöopathie durch ihre Anhänger.)
Ein wichtiger Unterschied ist, dass die Klassische Homöopathie eher davon ausgeht, dass ein Mittel über den ganzen Potenzierungs- und Potenzbereich dem ursprünglichen und eigentlichen Arzneimittelbild verhaftet bleibt, während die Elektronische Homöopathie – geprägt von Radionik, insbesondere aber auch der Bioresonanz- und Frequenztherapie – meint, dass sich völlig verschiedenartige Wirkungen aus den Potenzbereichen ergeben können. 
Besonders interessant: Die Elektronische Homöopathie kann das Ergebnis gleich als passende Schwingung per handelsüblichem PC zur Verfügung stellen. (Na, da kommt Hahnemann natürlich nicht mit.)

(Begleittext zu: „Elektronische Homöopathie – Mittelfindung, Schwingungsgenerierung und Ausgabe mittels Personal Computer für Bioresonanz und Radionik“ von Hans Otfried Ditmmer –  https://www.amazon.de/Elektronische-Homöopathie-Mittelfindung-Schwingungsgenerierung-Bioresonanz/dp/3837062589/ref=sr_1_3?s=books&ie=UTF8&qid=1474742054&sr=1-3&keywords=Dittmer%2C+Hans+Otfried)

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Die ultimative Vereinfachung jedoch, dem heutigen hektischen Zeitgeist optimal angepasst -denn bei Hahnemann ging es doch noch eher gemütlich zu- ist aber die Entdeckung der „Homöopathie zum Aufmalen“.

Einfach mal nach „Medizin zum Aufmalen“ bei Amazon suchen.

Aus einem Begleittext zum Buch „Medizin zum Aufmalen – Heilen durch Informationsübertragung und Neue Homöopathie / Praxiserfahrungen mit den Körbler’schen Zeichen“ von Neumayer / Stark:

„Seit jeher nutzten indianische Völker Zeichen und Symbole, um Kraft und Mut zu stärken. Auch auf dem berühmten Eismenschen „Ötzi“ fand man auftätowierte Striche an verletzten Körperteilen, und der Scanner an der Supermarktkasse erkennt das Produkt am Strichcode… Symbole, einfache Striche und Zeichen werden seit Urzeiten und in zahlreichen Kulturen eingesetzt, um Informationen zu übermitteln und die Selbstheilungskräfte zu mobilisieren.
Mitte der 1980er Jahre belebte der Wiener Elektrotechniker (! – Ich hätte auf einen Malermeister getippt…) Erich Körbler dieses Wissen neu. Demnach kann der menschliche, tierische und pflanzliche Organismus auf Körper-, Seele- und Geistebene durch geometrische Formen und Zeichen heilbringend beeinflusst werden. Die Zeichen wirken wie Antennen auf der Haut und verändern von dort aus das Energiesystem des Körpers. Sie werden auf schmerzende Stellen oder Akupunkturpunkte aufgemalt; mit ihrer Hilfe können Informationen auch auf Wasser oder Heilsteine übertragen werden.
Viele Laien und Therapeuten haben dieses Heilsystem inzwischen erprobt und weiterentwickelt, geben ihr Wissen weiter und wenden es in der täglichen Praxis an – mit teilweise erstaunlichen Erfolgen.
Ein umfassender Ratgeber für Alltag und Therapie – mit anschaulichen Fallbeispielen und Praxisberichten!“

polynesier

Sagt der Polynesier zum Homöopathen: Herr Doktor, bei mir hilft nichts mehr! (ähem…)

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So macht die Homöopathie nur noch den Eindruck eines ehemals einigermaßen eindrucksvollen, aber längst durchgesessenen Sofas, das irgendwo in der Landschaft steht, seltsamerweise von niemand entsorgt wird, an dem jeder weiter herumfleddern darf und damit dessen weiteren Verfall befördert.

Bald Head Island, North Carolina, USA --- Old victorian sofa outside on beach --- Image by © Unlisted Images/Corbis

So. Nun genug der Beispiele, es ist hier doch lang geworden. Der besseren Lesbarkeit halber erscheint ein Epilog zu diesem Thema als gesonderter Beitrag.

 

 

 

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Bildnachweise:
1 – 5, 9 – 11:   fotolia
6, 13: Eigene Bilder
7: Wikimedia Commons
8: Geschäftsstelle Bundesprogramm Ökologischer Landbau – Lizenzfreie Veröffentlichung
12: Gottfried Lindauer, Tamati Waka Nene (Maori, 19. Jh.)
Auckland Art Gallery Toi o Tāmakia,
in accordance with the New Zealand Copyright Act 1994