Was wäre wenn…

Was wre wenn - wach auf

Wenn die Wirkungszunahme durch Potenzierung wahr wäre…

… dann würde eine Plörre aus viel Wasser und dem restlichen Kaffemehl aus der Dose weitaus anregender wirken als ein doppelter Espresso (ja, ja, meinetwegen auch mit Schütteln oder Schlagen des Filters auf einen Lederbuchrücken).

 

Wenn das Simileprinzip (Ähnliches heilt Ähnliches) zuträfe…

… dann müsste man akute Vergiftungen mit noch mehr Gift heilen können.

 

Wenn die Arzneimittelprüfung am Gesunden eine funktionierende Methode wäre…

… dann müsste es Mittel geben, die im Rahmen der Arzneimittelprüfung auch Dinge wie Tumorerkrankungen, Diabetes, endokrinologische Fehlfunktionen, aber auch Dinge wie Platzwunden und Infektionen durch die Einnahme von potenzierten Prüfstoffen hervorrufen würden. Nebenbei, würde man solche Arzneimittelprüfungen wirklich durchführen wollen?

 

Wenn die Homöopathen die erklärte Absicht Hahnemanns, eine Arzneimittellehre zur Behandlung von Krankheiten zu schaffen, ernst nehmen würden… 

… dann würden sie nicht Dinge wie homöopathische Prophylaxe und Nosoden“impfung“ praktizieren.

 

Wenn die Homöopathen das Prinzip einer Korrektur der verstimmten geistigen Lebenskraft des Patienten durch die geistige Kraft der potenzierten Mittel ernst nehmen würden…

… dann würden sie mit den krampfhaften Bemühungen aufhören, per „homöopathischer Grundlagenforschung“ doch irgendwie noch einen materiellen Wirkungsnachweis zu erbringen.

 

Wenn die Homöopathen die Forderungen Hahnemanns zur Arzneimittelprüfung (die genaueste Erfassung aller Symptome -bei der Arzneimittelprüfung- bzw. aller Befindlichkeiten des Patienten -bei der Therapiefindung- ernst nehmen würden…

… dann gäbe es so einen Unsinn wie Tierhomöopathie gar nicht.

 

Wenn die Homöopathie eine „ganzheitliche Methode“ wäre…

… dann würden die Homöopathen nicht ausschließlich mit Symptombildern anstelle von Krankheiten arbeiten, sondern sich mit dem Krankheitsbegriff und mit Ätiologie beschäftigen.

 

Wenn Symptome ein untrügliches Zeichen für eine bestimmte Erkrankung wären…

… dann wäre die Symptomatik einer Erkrankung völlig unabhängig vom Patienten, seinem Allgemeinzustand und seiner Vorgeschichte, was jeglicher medizinischer Erfahrung widerspricht. Einerseits wären Differenzialdiagnosen überflüssig, andererseits könnte man keine zwei Erkrankungen unterscheiden, die in bestimmten Stadien gleiche Symptome zeigen, aber unterschiedliche Behandlung erfordern.

 

Wenn die Homöopathie „Naturmedizin“ wäre…

… dann würde sie nicht Stoffen wie Graphit, Schwefel, Plutonium, Berliner Mauer, Arsen, Blei und Chlor „Heilkräfte“ zuschreiben.

 

Wenn die Homöopathen hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Interessen ehrlich wären…

… dann würden sie selbst nicht so tun, als gehe es um den ultimativen Überlebenskampf gegenüber Big Pharma, deren Teil sie selbst sind.

 

Wenn homöopathisch überzeugte studierte Ärzte selbstkritischer wären…

… würden sie die Unvereinbarkeit der homöopathischen und der wissenschaftlich-evidenzbasierten Methode erkennen und die eine oder eben die andere Konsequenz ziehen.

 

Wenn die Homöopathieszene kritik- und diskursfähig wäre…

… das Leben könnte so schön sein. Ach ja.

 

Wird gelegentlich fortgesetzt.

 

 

 

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Höherer Blödsinn

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Willkommen im neuen Jahr, liebe Blogleserinnen und -leser. Ich hoffe, dass alle die große Zahl von Feiertagen unbeschadet überstanden haben und die Bereitschaft, sich gelegentlich mit den Auswüchsen der Pseudomedizin kritisch zu beschäftigen, nicht gelitten hat.

Deshalb gleich zum Jahresbeginn ein Beitrag zu einem Thema, das mich immer wieder außerordentlich ärgert, wenn ich darauf stoße: Die Berufung der selbsternannten Heilsbringer der Menschheit auf Erkenntnisse der neueren Physik, insbesondere der Quantenphysik, von denen diese garantiert noch weniger verstanden haben als ich. Ich bin weiß Gott niemand, der von sich behaupten könnte, er habe die physikalisch-mathematischen Grundlagen der Quantenphysik verstanden, aber ich behaupte, dass ich immer noch in der Lage bin, unsinnige Argumentationen und Beweislagen von Evidenz zu unterscheiden. Eben Bullshit von frischer Luft.

Deshalb seien Sie, liebe Leser, erst einmal versichert: Diejenigen, die sich für pseudomedizinische Methoden bzw. deren Wirksamkeitserklärung auf Quantenphysik und dergleichen (hierzu gehört auch jegliches Geschwurbel von Feinstofflichkeit und Energie) berufen, sind auch genau diejenigen, denen man guten Gewissens bauernfängerische Absicht unterstellen darf. Denn: Hätten sie die Grundlagen der Quantenphysik verstanden, würden sie sie nicht als Evidenzbeleg anführen. Und haben sie sie nicht verstanden, ist es unredlich, sie ins Feld zu führen – dann operieren sie offensichtlich mit einer Scheinargumentation.

Dass es sich hier nicht um eine gelegentlich hier und da einmal auftretende Exotenargumentation handelt, zeigen die Google-Treffer: Unter „Quantenheilung“ sind es sage und schreibe 318.000. Darin rund 1.000 speziell mit dem Begriff „Quantenhomöopathie“ – interessanterweise vielfach unter direkter Berufung auf Samuel Hahnemann…

Dass sich die Homöopathie hier anfällig zeigt, ist sogar irgendwie verständlich, denn auch bei ihr geht es um Wirkungen im „Kleinsten“, in hoher und höchster Potenzierung, womit der gedankliche Kurzschluss, dies könne irgendwie mit der Physik des Allerkleinsten, dem atomaren und subatomaren Bereich, zusammengebracht werden, für ein heiteres und unbelastetes Gemüt naheliegen mag. Folglich wird von Begriffen wie „Informationsübertragung auf quantenmechanischer Ebene“, dem berühmten „Wassergedächtnis“,  und dergleichen frei fantasiert. Auch und vor allem in der sogenannten homöopathischen Grundlagenforschung. Es ist und bleibt aber Bullshit – niemand hat bisher eine irgendwie plausibel darlegen können, wie das eine mit dem anderen konkret zusammenhängen soll. Es ist gar so weit gekommen, dass der einschlägig wohlbekannte Prof. Harald Walach, ehemals Lehrstuhlinhaber in Hogwarts an der Oder, mehr oder weniger eine eigene Quantentheorie zurechtgezimmert hat, um sie für homöopathische „Beweisführungen“ nutzbar zu machen. Leider auch hier mal wieder mit wenig bis keinem zustimmenden Echo in der Fachwelt. Der physikalisch-wissenschaftlichen natürlich, nicht der homöopathisch-pseudomedizinischen.

Wobei wir schon bei der Erkenntnis angekommen sind, dass sich auf der ganzen großen weiten Welt bislang nicht ein einziger Teilchenphysiker vom Fach gefunden hat, der den wirren Fantasien über den Zusammenhang von neuesten physikalischen Erkenntnissen und pseudomedizischen Zwangs- … äh Wunschvorstellungen irgendeine Grundlage gegeben hätte. Es sei hier nur der weltweit angesehene Quantenphysiker Prof. Anton Zeilinger angeführt, der zu den Versuchen, ihn für die Propaganda der Quantenheiler-Fraktion in Anspruch zu nehmen, äußerte:

„Dass ein Bezug zwischen meiner Arbeit und der Homöopathie hergestellt wird, ist wissenschaftlich unbegründet. Ich bedaure es sehr, dass mein Name damit in Verbindung gebracht wird. Dafür dass ein Wirkstoff Informationen in einer Lösung hinterlässt, in der er selbst nicht mehr enthalten ist, gibt es keinerlei wissenschaftliche Beweise. Homöopathie ist in meinen Augen ein reiner Placeboeffekt.” (Süddeutsche Zeitung vom 7.3.2012).

Kurz gesagt: Wo nichts mehr von einem Stoff ist, ist auch nix mehr mit Quantenphysik. Nix drin, nix dran. Nicht mal mehr Quanteneffekte. Oder so.

Mein Tipp für Debatten: Keine physikalischen Details erörtern, davon verstehen wir nicht nur nicht genug, es verunsichert nur das Publikum. Es hilft die dialektische Methode, siehe oben. Hast Du es verstanden? Dann kannst Du unmöglich Quantenheilung propagieren. Hast Du es nicht verstanden? Dann operierst Du unredlich mit einem Scheinargument.

Quantenphysik in der Pseudomedizin ist ein argumentum ad verecundiam, ein Autoritäts- oder Ehrfurchts“beweis“. In diesem Fall nicht einmal mit Ehrfurcht vor einer personalen Autorität, sondern vor einem Wort, einem Begriff, wo gerade auf das Nichtverstehenkönnen als Autoritätshintergrund abgehoben wird. Wie billig.

Fachlich weitaus versierter als ich gemeiner Dialektiker hat das heutige Thema der geschätzte Dr. Holm Hümmler in einem aktuellen Artikel seines Blogs Relativer Quantenquark behandelt. Lesebefehl!

 

 

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Homöopathie als Flüchtlingshilfe: Ein ethisches Problem?!

Das „Gutmenschentum“ der „Homöopathen ohne Grenzen“ (eine einigermaßen unverschämte Okkupation des guten Namens der „Ärzte ohne Grenzen“) stieß bekanntlich vor nicht allzulanger Zeit sogar in Westafrika auf kritischen Verstand, weshalb sie dort mit ihrem Ansinnen, Ebola mit Homöopathie behandeln zu wollen, gleich wieder auf den nächsten Seelenverkäufer in Richtung Europa verfrachtet wurden. Was diese Truppe von weiteren Aktivitäten nicht abhält (wer hätte das auch erwartet…). Und zwar vor Ort. Auch hier unter dem Etikett humanitärer Hilfe.

Unter der Flagge Homöopathie für Flüchtlinge in Deutschland bewerben die „Homöopathen ohne Grenzen“ zusammen mit der Initiative „Homöopathie in Aktion“ ein Netzwerk von Homöopathieangeboten, bundesweit, für die „Behandlung von Geflüchteten“.

Eine ähnliche Aktion des Projekts „Asyl Fürstenfeldbruck“, einer verdienstvollen Initiative vor Ort, ist dem Autor dieser Zeilen schon vor einiger Zeit bekannt geworden. Hier hat sich eine Homöopathin „ohne Grenzen“ der Initiative angeboten und „behandelt“ dort ebenfalls traumatisierte Flüchtlinge – vor dem Hintergrund des guten Namens von „Asyl Fürstenfeldbruck“. Leider hatte eine direkte Intervention dort keinerlei Reaktion zur Folge.

Auch die Süddeutsche Zeitung berichtete Anfang dieses Monats über ein Angebot homöopathischer Behandlungen für Flüchtlinge im Raum München.

Woraus gefolgert werden darf, dass es hier nicht nur um Einzelfälle geht.

Ganz abgesehen von allen bekannten Argumenten contra Homöopathie im Hinblick auf Unwirksamkeit, fehlende Evidenz et. al.:

Ergibt sich hier nicht ganz konkret ein ethisches Problem? Das sich auch -einmal mehr- an die Politik adressiert? Fakt ist: Hilfsbedürftige Menschen, die nun wirklich nicht als „mündige Patienten“ angesehen werden können, werden für homöopathische „Methoden“ regelrecht akquiriert. Menschen, die in aller Regel schwere Traumaschäden zu verarbeiten haben – was durchaus wohl auch im Vordergrund all dieser „homöopathischen Initiativen“ steht. Um Husten, Schnupfen, Heiserkeit dürfte es hier kaum gehen. Keine Frage: All diese Menschen psychologisch und psychotherapeutisch fachgerecht zu versorgen, ist eine fast unlösbare Aufgabe. Aber das Angebot einer Scheintherapie kann doch wohl keine Lösung sein! Bei traumatisierten Menschen, oft Kindern?

Abgesehen von der ethischen Unvertretbarkeit -gerade unter diesen Umständen-, eine unwirksame Methode anzubieten: Sicher wird sich der eine oder andere vordergründige „Erfolg“ einstellen, gerade wegen der psychologisch besetzten Gesamtsituation. Aber eine nicht fachgerechte Behandlung psychischer Störungen, zumal von Gewalttraumata, löst nie das Problem. Weder wird nachhaltig etwas für den Patienten getan, noch gewinnt man Erkenntnisse über eventuelle Fremd- oder Eigengefährdungen aufgrund der psychischen Störung. Wir erinnern uns, unseligen Angedenkens, der Behandlung des Attentäters von Ansbach mit einer völlig unzulänglichen „Therapie“ – hier durch einen Heilpraktiker, einen laut Gesetz gar „Ausübenden der Heilkunde“. Auch hierhin gehört meiner Meinung nach der Fall aus dem Beitrag von Spiegel.TV Wissen, bei dem ein höchstwahrscheinlich traumatisch-psychosomatisch erkranktes Kind rein symptomatisch per Phosporicum-Globuli „behandelt“ wurde.

Ich muss leider zugeben, dass ich ebenso verzweifelt wie hilflos vor dieser Geschichte stehe. Es dürfte kaum eine rechtliche Handhabe geben, dies hier zu unterbinden. Und warum nicht? Weil die Homöopathie durch den unsäglichen Binnenkonsens von der Politik „geadelt“ wurde. Und weil ja laut Bundesgesundheitsministerium  „in einem durch Freiberuflichkeit, Selbstverwaltung und Pluralität geprägten Gesundheitswesen“ die Bewertung von Behandlungsmethoden „nicht in der Zuständigkeit des Ministeriums, sondern bei den dieses Gesundheitswesen repräsentierenden Institutionen und Einrichtungen liege“.
Was uns offenbar von den Staaten Westafrikas unterscheidet.

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Es ist zum schreiend Weglaufen.

 

 

 

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Homöopathie – Heilung oder Humbug? Rhetorische Frage von spiegel.tv Wissen am 15.11.2016

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Blümchen und Sonnenschein überall… Der Eindruck täuscht nicht.

Mit einiger Erwartung habe ich diesem Beitrag, der gestern im Pay-TV lief und bald wohl auch kostenfrei verfügbar sein wird, entgegengesehen. Wenn auch nicht mit Optimismus. Letztlich habe ich mich dann über den Film derart geärgert, dass ich die Redaktion von spiegel.tv Wissen angeschrieben habe (als ob ich sonst nichts zu tun hätte).

Nachfolgend der Text meiner Kritik. Auch dem Leser, der den TV-Beitrag nicht gesehen hat, dürfte er einen gewissen Eindruck von dessen Tenor und Inhalt vermitteln können:

 

An die Redaktion spiegel.tv Wissen / 16.11.2016

Von einem Beitrag mit dem Titel „Homöopathie – Heilung oder Humbug?“ hätte ich mir gerade auf spiegel.tv Wissen nun doch eine Antwort auf die Titelfrage oder zumindest die klare Darstellung der jeweiligen Argumente erwartet, die dem Zuschauer einen wirklichen Anhalt zur Beantwortung dieser Frage gegeben hätte. In dieser Hinsicht war meine Enttäuschung umfassend.

Gleich zu Anfang die vielleicht wichtigste Kritik: Der Beitrag war insgesamt, bis hin zur optischen Darstellung, darauf ausgelegt, die Homöopathie als sanfte, schonende pflanzenbasierte Naturheilkunde darzustellen. Mehrfach wurde dies auch explizit geäußert, ohne dass irgendeine Klarstellung erfolgte.

Und damit haben sie mit dem Filmbeitrag gleich eines der größten Zerrbilder über die Homöopathie überhaupt nicht etwa geradegerückt, sondern auch noch unterstrichen. Schlechte Recherche? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, mit Frau Natalie Grams haben Sie eine anerkannte Expertin auf diesem Gebiet zur Verfügung gehabt, die ihnen über die Einordnung der Methode Homöopathie Fundiertes zu sagen gehabt hätte. Was dann? Falsche Ausgewogenheit, die keinen Unterschied beim Informationswert von Standpunkten macht, auch wenn der eine höchstmögliche und der andere geringstmögliche Evidenz für sich geltend machen kann? Und das -wie im Falle der Homöopathie- ohne Beachtung des Konsens der überwältigenden Mehrheit der weltweiten Wissenschaftsgemeinde, die die Homöopathie als spezifisch arzneilich unwirksam einstuft? Auch das will ich nicht hoffen, denn derartige Gleichmacherei ist gleichzusetzen mit der Propagierung von Unsinn.

Nein, Homöopathie ist KEINE Naturheilkunde. Sie ist auch KEINE Phytotherapie -also Pflanzenheilkunde. Eine einfache Begründung für beides ist, dass die Homöopathie -von Hahnemann so definiert- eine Arzneimittellehre ist, genauso wie die moderne Pharmazie auch. Sie setzt keineswegs auf pflanzliche Urstoffe. Sie verwendet ebenso anorganische Stoffe wie z.B. Quecksilber, Arsen, metallisches Kupfer, Meteoritstein, Berliner Mauer, Plutonium und metallisches Uran wie auch organische Stoffe nichtpflanzlicher Herkunft, beispielsweise verfaulendes Fleisch oder Eiter von Tripperkranken. Was hat das mit Naturheilkunde zu tun? Oder auch mit der -durchaus großteils in der evidenzbasierten Medizin anerkannten- Pflanzenheilkunde? Überhaupt nichts.

Allein durch die Vermittlung dieses Bildes geht der ganze Beitrag in eine völlig falsche, unhaltbare Richtung. Sie stützen dies auch noch massiv durch die Einbeziehung des Herrn Hevert als Partei „pro Homöopathie“, worauf ich weiter unten noch einmal zurückkommen möchte. Und Sie negieren durch den gesamten Tenor des Beitrags  die fundierten Aussagen von Frau Grams, der sie in ihrem Beitrag offenbar lediglich die Rolle der netten, sympathischen Außenseiterin zugedacht haben, obwohl sie zweifellos an Wissen und Erfahrung -und vor allem an Einsicht und Ehrlichkeit – den beiden anderen Protagonisten haushoch überlegen sein dürfte.

Zu den anderen Protagonisten:

Der Homöopath Dr. Schreiber konnte seine beiden Fälle recht eindrucksvoll aus seiner Sicht darstellen. Wo blieb hier ein kritischer, relativierender Kommentar? Obwohl es aufgrund dessen eigener Äußerungen hierzu allen Anlass gegeben hätte. Er hat ja selbst ausgeführt, dass eine spezifische Wirkung der homöopathischen Arznei nicht angenommen werden, dafür eine geistartige Wirkung (wie Hahnemann dies auch postulierte) gegeben sein müsse. Wo blieb denn da das Bild der sanften Arzneimittelkunde? (Wobei die erwähnte Gabe von Phosphoricum das Bild der sanften Naturmedizin nur unwesentlich beeinträchtigt haben dürfte…) Seine Erklärung und Demonstration von Repertorien und Materia Medica hätte doch hier eines kritischen Kommentars bedurft! Es verbleibt der Eindruck beim unbefangenen Zuschauer: Tatsächlich, die Homöopathie kann alles und ist auch noch individuell!

Andere Erklärungsmodelle für die „Heilungen“ der beiden Patientinnen wurden nicht einmal ansatzweise dargestellt. Wobei der ständige Hinweis auf „Zeit“ und „Geduld“ als „Grundvoraussetzung“ der Homöopathie ja allein schon eine solche Erklärung im Ansatz liefern würde. Dass die kleine Dame zu Anfang offenbar in einer traumatisch-psychosomatischen Schleife steckte und durch die regelmäßige Zuwendung des homöopathischen Therapeuten langsam wieder herausfand, liegt sehr nahe. Aber kein kritisches Wort dazu. Nun könnte man ja meinen, „wer heilt hat Recht“. Dieses dumme Argument geht allerdings nicht nur deshalb fehlt, weil nur der Heiler recht hat, der den kausalen Zusammenhang zwischen seiner Methode und der „Heilung“ nachweisen kann. In diesem Fall wäre sicher eine fachlich fundierte Kinderpsychotherapie angezeigt gewesen, allein deshalb, weil sich diese nicht mit dem einfachen Verschwinden der Symptomatik zufriedengegeben hätte.

Kommen wir zu Herrn Hevert und seiner Firma. Ein Schelm, der Böses dabei denkt, dass gerade die Firma Hevert ausschließlich pflanzenbasierte Homöopathika herstellt, die Grundstoffe aus dem eigenen Kräutergarten bezieht und eigentlich gar nicht zum Thema gehört, weil sie fast nur Niederpotenzen herstellt, die noch chemisch nachweisbare Stoffe enthalten und unter Umständen eine gewisse therapeutische Wirkung entfalten können. Das passt zwar wunderbar zu dem eingangs kritisierten Grundtenor Ihres Beitrags, aber nicht zur eigentlichen Homöopathie. Die spielt sich nämlich -wie erwähnt- auf der Grundlage nahezu beliebiger organischer und anorganischer Ursubstanzen im Bereich der Mittel- und Hochpotenzen ab. Und auf diesen Sektor zielt die weltweite Ablehnung der Homöopathie durch die Wissenschaftsgemeinde. Zu dieser Debatte hatte Herr Hevert außer einigen Unwahrheiten durchaus nichts beizutragen.

Ja. Unwahrheiten. Er hat sich allen Ernstes -in Opposition zur Beurteilung der weltweiten Forschergemeinde- zu der Aussage verstiegen, die Forschungen zur Wirksamkeit der Homöopathie würden diese auf die gleiche Evidenzstufe stellen wie die wissenschaftsbasierte Medizin (das Wort Schulmedizin, das von Hahnemann als abwertende Bezeichnung eingeführt wurde, verwende ich nicht). Das ist eine glatte Unwahrheit, was sich mit vielen Nachweisen belegen lässt. Nur eine wichtige Quelle dazu, die unbedingt in einem kritischen Beitrag zur Homöopathie hätte erwähnt werden müssen: Das Review der Australischen Gesundheitsbehörde NHRMC aus dem Jahre 2015. Und ganz aktuell gerade heute auf dem Portal sciencebasedmedicine.org:

“Unsurprisingly, rigorous clinical trials have shown that homeopathic potions in fact do not work.”  (https://www.sciencebasedmedicine.org/ftc-homeopathy-win/)

Alleine mit dem Stehenlassen der ungeheuerlichen Behauptung von Herrn Hevert ist Ihr Filmbeitrag bereits völlig entwertet.

Vielleicht aus den Ausführungen von Herrn Hevert noch zu erwähnen, dass er seine Fertigung als derart aufwendig und teuer darstellt, dass der Nachteil der Forschungs-, Entwicklungs- und Zulassungskosten für pharmazeutische Arzneimittel -die er nicht zu tragen hat- praktisch aufgehoben würde. Wenn ich mal die im Filmbeitrag enthaltene Information, die Fa. Hevert erziele einen Jahresumsatz von rund 400 Mio. Euro weltweit zugrunde lege -Umsatz wohlgemerkt!- dann dürfte dieser Betrag in der Pharmaforschung vielleicht knapp reichen, um beispielsweise ein weiterentwickeltes Statin auf den Markt zu bringen. Für Dinge wie Krebsmedikamente, AIDS-Pharmaka, neuartige Impfstoffe z.B. gegen Tropenkrankheiten kann man an diesen Betrag -wohlgemerkt, den Umsatz von Hevert, nicht den Gewinn- getrost eine Null anhängen. Vor diesem Hintergrund ist dieses Statement von Herrn Hevert ein Fall für verzweifeltes Kopfschütteln.

Hier fehlt es an Recherche, um Klarstellung im Verhältnis zu eindeutigen Fakten. Leider gibt der Beitrag den Proponenten der Homöopathie eine fröhliche und farbenfrohe Plattform, wo nichts, aber auch gar nichts von ihren Äußerungen und Ansichten relativiert wird. Wie erwähnt- Sie hatten mit Natalie Grams jemand zur Verfügung, die zu weitaus fundierteren Statements in der Lage und bereit gewesen wäre als zu denen, mit denen sie im Film zu Wort gekommen ist.

Wie gesagt, ich bin enttäuscht. Sehr enttäuscht. Denn dieser, durch seinen Titel als kritisch angekündigte Beitrag trägt nichts dazu bei, dem potenziellen Patienten eine sachlich fundierte Entscheidungshilfe zu geben. Im Gegenteil. Der „positive Touch“ pro Homöopathie durchzieht den gesamten Beitrag. Ich bedauere das sehr.

 

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Bildnachweis: Screenshot spiegel.tv wissen

Nur ganz kurz…

klopftherapie

Jetzt weiß ich, was Alternativmedizin ist:

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/england-diabetikerin-stirbt-nach-chinesischer-pruegeltherapie-a-1121182.html

Leider nicht kommentierbar. Deshalb vielleicht auf diesem Wege die Bitte an den Spiegel, künftig das Wort „Alternativmedizin“ zu vermeiden und in derartigen Zusammenhängen nur noch von „Pseudomedizin“ (oder von Kriminalfällen) zu sprechen.

Der Duden gibt folgende Bedeutungen für „alternativ“ an:

freie, aber unabdingbare Entscheidung zwischen zwei Möglichkeiten; das Entweder-oder;
zweite, andere Möglichkeit; Möglichkeit des Wählens zwischen zwei oder mehreren Dingen

Alternativ in unseren Fällen also die Wahl zwischen bewährter medizinischer Behandlung andererseits, von der schon Millionen profitiert haben, und völlig ungewisser, nicht beurteilbarer Methoden, die zudem richtig teuer sind, auf der anderen Seite. Als Ausdruck des Menschenrechts, die Freiheit zur Entscheidung für den eigenen Untergang treffen zu dürfen.
Ich vergaß – in Deutschland ja seit einiger Zeit durch § 217 StGB ziemlich eingeschränkt. Aber nicht bei der Inanspruchnahme von Scharlatanerie jeder Art. Da fällt mir ein – könnte man diese Leute nicht im Bedarfsfall nach § 217 StGB in Deutschland wegen geschäftsmäßiger Beihilfe zum Suizid belangen?

Um jedem Vorwurf der Unvergleichbarkeit mit der Geschichte im Link vorzubeugen: Der Unterschied ist gradueller Art. Im Falle homöopathischer oder heilpraktischer „Behandlung“ ernster Erkrankungen sind diese potenziell genauso gefährlich.

Demnächst an dieser Stelle wieder längere Beiträge von mir (ist keine Drohung).. Vielleicht auch mal zu der Frage, was Menschen dazu bringt, sich freiwillig in solche „Alternativen“ zu begeben.

Nachtrag, auf Anregung einer treuen Leserin:

Klopftherapie in allen erdenklichen Formen, mit oder ohne Bezug fernöstliche Weisheiten, ist im Programm jedes besseren Heilpraktikers gleich um die Ecke. Deshalb kriegt dieser Beitrag auch noch einen Tag zum Begriff „Heilpraktiker“. Passt ja zu meinen sonstigen Auslassungen zu diesem Spezialthema. Und ein Beitragsbild gibt es auch noch dazu: Google-Ergebnis zu Klopftherapie, Stand heute abend, 20:40 Uhr.

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Homöopathie wirkt nicht? Die Wikipedia ist schuld!

wikipedia
Plattform für Skeptiker und Verschwörer! Buuuuh!

Auf der Seite homoeopathie-online.info des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte wird derzeit wieder ein Artikel aus dem Jahre 2015 promoted, der den ganzen Jammer der Homöopathie-Fraktion über die hinterhältigen Vernichtungsstrategien der Rationalisten auf den Punkt bringt. Jens Behnke beklagt darin ebenso wort- wie tränenreich, welch schlechte, falsche und auch ungerechte Behandlung die Homöopathie im Online-Lexikon Wikipedia erfährt. Und zwar aufgrund hinterhältiger Verschwörungen der Skeptiker-Szene.

Da mich Ungerechtigkeiten stets auf den Plan rufen, habe ich aktuell noch einmal den Wikipedia-Artikel zur Homöopathie eingehend studiert. Wobei ich -allerdings, voreingenommen wie ich bin- keine Anzeichen für irgendwelche Parteilichkeit feststellen konnte. Zweifellos haben im Zeitraum von Februar 2015 -Datum von Herrn Behnkes Artikel- bis zuletzt am 30.10.2016 etliche Änderungen stattgefunden, aber laut Versionsvergleich kein „Umschreiben“ des Artikels, ich darf deshalb mit Recht davon ausgehen, dass ich in etwa den gleichen Beitrag gelesen habe, der so harsch vom DZVhÄ kritisiert wird.

Der Homöopathieartikel hat bei Wikipedia im Übrigen seit 2010 das Prädikat „lesenswert“, aber das nur am Rande. Für mich jedenfalls ist er ein Musterbeispiel eines sachlich-neutralen Beitrags. Er stellt über rund zwei Drittel seines Umfangs in mustergültiger Neutralität das Gedankengebäude der Homöopathie, basierend auf Hahnemanns Verlautbarungen und unter Einbeziehung wesentlicher „Lehrmeinungen“, dar. Aber dann… dann kommt es, woran sich der Eifer des DZVhÄ entzündet: Die Ziffern 7 (Kritik an der Homöopathie) und 8 (Risiken der Homöopathie). Na, die hätte man doch wohl weglassen können!

Eigentlich könnte ich hier Schluss machen, denn damit ist im Grunde das Verschwörungsgezeter der Homöopathiefraktion für jeden, der sich ganz einfach selbst überzeugt (siehe Links oben), bereits als Propaganda deutlich geworden. Um die Denkweise des Zentralvereins aber einmal näher kennenzulernen, gehen wir auf einige Aussagen im Artikel von homoeopathie-online doch noch ein.

Gleich oben im Teaser steht der Satz

Was geschieht, wenn wissenschaftliche Fakten auf Weltanschauungen treffen?

Ganz einfach: Dann kommen solche Artikel wie der von Herrn Behnke heraus. Es könnte allerdings im Bereich des Möglichen liegen, dass Herr Behnke etwa der Meinung ist, die Homöopathie stehe auf der Seite der wissenschaftlichen Fakten und die Kritiker auf der Seite der Weltanschauungen!?  Das allerdings wäre nun doch sehr, sehr hoch gegriffen und überfordert deutlich mein allgemeines Vertrauen in die Tatsachen des Lebens. Da muss schon mehr kommen (kommt aber nicht). Um mit Bertrand Russell zu sprechen: Sir, why did you not give me better evidence?

Der Beitrag beginnt mit einer höchst selektiven Zitatwahl.

Kein Wunder, soll doch der nachfolgenden Verschwörungstheorie der Boden bereitet werden. Einige einleitende Sätze zur den Kapiteln 7 und 8 aus der Wikipedia – zu Kritik und Risiken- werden demonstrativ angeführt und damit die Kapitel 1 bis 6, die sich ausführlich mit dem homöopathischen Lehrgebäude -in gebotener Neutralität und großer Ausführlichkeit- befassen, einfach unterschlagen. Das bezeichne ich mal als unredlich und manipulativ – genau das, was dem Wikipedia-Artikel -zu Unrecht, wie ich meine- vorgeworfen wird.

Das Hohelied der Konsensbildung

… folgt anschließend. Mal eben im Vorbeigehen wird erläutert, dass außerhalb „unstrittiger Themen“ die Wikipedia letztendlich ausgewogene Informationen bereitstellen soll; die Urteilsbildung werde dem Leser überlassen. Es wird beklagt, dass eben dies nicht geschehe. Breit wird entfaltet, wie die Homöopathie-Gegner genau diesen Artikel bei der Wikipedia unterlaufen haben und sogar die Administratoren ganz offensichtlich zu den Mitverschwören gegen die Zuckerkugelindustrie gehören. Unterfüttert mit der Behauptung, dass sogar der Artikel „eingefroren“ worden sei, d.h. für weitere Bearbeitung gesperrt. Was allerdings an der Versionsgeschichte auf der Wikipedia nicht erkennbar ist – wie dem auch sei, bleibt offen, wer und warum eine solche Sperrung ausgelöst haben mag.

Was nun die Forderung nach Konsens bei umstittenen Themen angeht – ist Wikipedia wirklich eine Plattform zur Aushandlung von Kompromissen? Widerspricht doch schon der zitierten Aussage, dass „die Urteilsbildung dem Leser überlassen bleibe“ (was selbstverständlich ebenfalls Unsinn ist). Und „ausgewogene “ Darstellung ist zweifellos eher eine Untugend, die im Journalismus weit verbreitet ist und mit der die Propaganda für Unsinn gern verbrämt wird. Ein wissenschaftlicher Anspruch, wie er von den Homöopathen so gern -auch hier- reklamiert wird, fordert die Darstellung der Lehrmeinung bzw. der Ausgangshypothese unter Anführung von abweichenden Standpunkten. Genau dem folgt der Wikipedia-Artikel – geradezu formvollendet.

Es folgt das große Mimimi:

„Wikipedia ist in Bezug auf die Homöopathie eine Plattform, auf der eine Gruppe von Menschen ihre persönliche Überzeugung unter dem Deckmantel der Wissenschaft vorträgt. Mutmaßlich handelt es sich hierbei um Mitglieder der sog. „Skeptikerbewegung“, einer Organisation, die in dogmatischer Art und Weise eine materialistische Weltanschauung verficht und sämtliche Phänomene zu leugnen versucht, die sie mit ihr im Konflikt sieht. Für die aus den USA stammende Ursprungsbewegung sind zudem Verbindungen zur Pharmaindustrie aufgezeigt worden.“

Umgekehrt wird ein Schuh draus. Kein weiterer Kommentar. Höchstens, dass alle Plattformen, auf denen die Homöopathie gepriesen wird, Musterbeispiele für das Vortragen persönlicher Überzeugungen unter dem Deckmantel der Wissenschaft sind. Siehe auf diesem Blog -auch zur Vermeidung von Wiederholungen- beispielsweise hierhier und auch hier. Und immerhin ist bemerkenswert, dass die Homöopathiehersteller -in den USA wie auch hier- Bestandteil der Pharmaindustrie sind, allen ihren Vereinigungen und Verbänden angehören und -wie kürzlich zu vernehmen war- diese Verbände und Vereinigungen sich deutlich GEGEN eine Einschränkung der Homöopathie als Kassenleistung aussprechen… Honi soit qui mal y pense.

Danach wird es richtig langweilig.

Das Studienthema wird wieder aufgewärmt, selbst der „homöopathische Arzt Dana Ullman“ beklage deren miese Beachtung in der Wikipedia. War das nicht derjenige, der vor kurzem ernsthaft versuchte, eine „Studie“ zu promoten, die in Höchstpotenzen „Nanopartikel“ nachgewiesen haben wollte… ? All diese Studien sind -wie auf diesem Blog schon mehrfach erläutert wurde- wertlos für einen evidenten Wirkungsnachweis der Homöopathie. Und wenn sie, wie Herr Behnke erwähnt, in „Fachkreisen“ hoch gehandelt werden, so handelt es sich bei diesen „Fachkreisen“ um weniger als ein Prozent der weltweiten Wissenschaftsgemeinde.

Ganz sachlich: Die geäußerte Ansicht, auch der darstellende Teil des Wikipedia-Artikels sei manipulativ, falsch dargestellt und weitgehend belegfrei, teile ich nicht. Der Artikel verweist auf sage und schreibe 265 Einzelnachweise, dazu auf Literatur und Quellen erheblichen Umfanges, darin die homöopathischen Lobbyverbände. Man könnte es auch viel kürzer machen, was vielleicht bei unerfahrenen Lesern viel eher zu einer kritischen Haltung gegenüber der Homöopathie führen würde als die vorliegende umfangreiche Darstellung. Aber nein, man ist einfach mit nichts wirklich zufrieden…

Kurz gesagt, halte ich den Artikel auf homoeopathie-online geradezu für eine Verleumdung der Wikipedia, bei der natürlich nicht alles Gold ist, was glänzt. Aber das hier…

Versöhnlicher Ausklang?!?

Nun, zum Schluss kann man lesen:
„Glücklicherweise scheint die Meinungsmache im Internet keinen bedeutenden Einfluss auf die Patienten zu haben: Die Homöopathie steigt nach wie vor in der Beliebtheit der Bevölkerung. [15] Kein Wunder, denn ihre Heilerfolge lassen sich nicht wegdiskutieren!“

Ja, wie schön! Und was soll das Ganze dann? Es ist der Ruf nach wissenschaftlicher Reputation, danach, den hier schon oft zitierten „scheinwissenschaftlichen Anstrich“ doch noch in eine anständig haftende Deckschicht zu verwandeln. Der menschliche, allzumenschliche Ruf nicht nur nach Erfolg, sondern auch nach Anerkennung. Wird aber nichts draus.

Wenn wir schon bei versöhnlichen Schlussworten sind, auch eines von mir, das Motto dieses Blogs:

„Es ist immer dasselbe: Wenn Paramediziner von ‚Wissenschaft‘ reden, meinen sie in Wahrheit ihren eigenen Aberglauben.“

Prof. Dr. med.  Dr. med.h.c.mult. Otto Prokop

 

 

Ach ja, einen Änderungsvorschlag hätte ich auch noch für die Wikipedia: Bitte ersetzt doch durchgängig den Begriff „Alternativmedizin“ durch „Pseudomedizin“.

 

Och nee… Schon wieder Heilpraktiker(reformen)…

jonglieren
Fröhliches Paragrafenjonglieren

Neues von der Heilpraktikerreformfront. Wie das Ärzteblatt berichtet, ist man in Berlin offenbar dabei, einen gewaltigen Anlauf zu einer grundlegenden Reform des Heilpraktikerwesens zu nehmen (zum Thema in diesem Blog siehe hier, hier und auch noch hier.

Worauf dürfen sich nun Skeptiker und Kritiker freuen, die in den letzten Wochen vielfach fundierte Kritik am Heilpraktikerwesen, diesem Wurmfortsatz am öffentlichen Gesundheitswesen, geäußert haben? Nun, ich zitiere das Ärzteblatt

„Die Gesundheitsämter können die Erlaubnis versagen, „wenn sich aus einer Überprü­fung der Kenntnisse und Fähigkeiten des Antragstellers ergibt, dass die Ausübung der Heilkunde durch den Betreffenden eine Gefahr für die Volksgesundheit bedeuten wür­de“, heißt es in den Leitlinien. Gemäß Änderungsanträgen von Union und SPD soll künf­tig eine Erlaubnis auch dann versagt werden können, wenn die Überprüfung ergibt, dass die Ausübung der Heilkunde durch den Betreffenden eine Gefahr für jeden einzelnen Pa­tienten bedeuten würde.“

Aha. Soso. Darum geht’s. Ich erlaube mir mal, das als belangloses Wortgeklingel abzutun. Doch halt: Der juristische Instinkt in mir spürt: Hier stimmt doch was nicht…

Rein sprachlogisch: Wie soll denn festgestellt werden, dass jemand für jeden einzelnen Patienten, den er in Zukunft haben wird, eine Gefahr darstellt? Das ist doch kompletter Unsinn. Ungefähr der umgekehrte Fall des alten Problems, wie man feststellt, warum eine bestimmte Einrichtung einen gewaltigen Besucherschwund aufweist: Gar nicht, denn die Leute, die weg sind, kann man ja nicht mehr fragen. Und: Es liegt ja auf der Hand, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit Wohlfühl-Patienten erscheinen werden, die entweder gar keine oder eine selbstlimitierende, harmlose Erkrankung haben und denen ein paar Globuli oder eine Pendelsitzung, meinetwegen auch eine anthroposophische Kräutermischung, sicher nicht gefährlich werden. Damit könnte dieser Ausschlussgrund niemals wirklich zum Tragen kommen.

Damit ist die geplante „Neuregelung“ schon mal eine unnötige und unwirksame Leerformel. Vermutlich schielt der Bund mit einem Auge darauf, dass die Länder per Durchführungsbestimmung dieses schöne Produkt intensiven gesetzgeberischen Nachdenkens schon noch irgendwie mit Inhalt füllen werden. Nur: Siehe den vorhergehenden Absatz. Der Unterschied zwischen Leerlauf und Stillstand besteht lediglich im Energieverbrauch, für die Fortbewegung ist er unwesentlich.

Wie soll vor einem solchen Hintergrund eine rechtssichere, einem verwaltungsgerichtlichen Verfahren standhaltende „Prüfung“ stattfinden? Eine derart unsinnig-verquaste Regelung wird eher dazu führen, dass die Prüfenden, da ihnen die Kriterien entgleiten, mit Aussicht auf unfruchtbare Widerspruchs- und Rechtsmittelverfahren eher mal Fünfe gerade sein lassen als bisher. Und das wäre schlimm, sehr schlimm.

Fazit: Ich gehe mal -in dubio pro legislator- davon aus, dass das nicht alles sein kann, was den Fraktionen zur „Reform“ des Heilpraktikerwesens einfällt. Das hier ist allerdings schon mal eine klassische Nullnummer.

Ich stelle fest: Keinen Schritt vor, einen halben zur Seite.

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Den Begleitchor zu den aktuellen „Reformbestrebungen“ gibt unter anderem der Verband klassischer Homöopathen Deutschlands e.V. (VKHD), der übrigens unter dem Motto „ganz Homöopathie – ganz Heilpraktiker“ steht und damit einmal mehr beweist, dass Homöopathie und Heilpraktiker symbiotisch zusammen gehören. Klar, ist doch die Homöopathie schon deshalb im Schatzkästlein der Heilpraktiker und als Aushängeschild unverzichtbar, weil sie -zu Unrecht- vergleichsweise am Wenigsten im Ruf einer halbseidenen esoterischen Methode steht.

Die aktuelle Pressemitteilung des VKHD ist betitelt mit „Viele Gesetze regeln den Heilpraktikerberuf  – Heilpraktiker bereichern das Gesundheitswesen und unterliegen strengen gesetzlichen Regelungen“. Klar, man möchte der letztlich doch beunruhigenden Erkenntnis entgegenwirken, dass der Heilpraktikerstand mehr oder weniger ungeregelt vor sich hinwerkelt. Was finden wir hier außer den üblichen Beteuerungen zur Wichtigkeit, ja Unverzichtbarkeit und Seriosität des Heilpraktikerstandes?

„Das Behandlungsspektrum von Heilpraktikern wird zum Beispiel durch den sogenannten Arztvorbehalt eingeschränkt, wie es u.a. im Infektionsschutz-,  Arzneimittel-,  Zahnheilkunde- und Betäubungsmittelgesetz geregelt ist. So darf ein Heilpraktiker beispielsweise weder Zahnheilkunde ausüben noch bestimmte übertragbare Erkrankungen behandeln oder rezeptpflichtige Arzneien verordnen.

Heilpraktiker müssen sich auch an die Vorgaben des Patientenrechtegesetzes, des Medizinprodukterechts und Arzneimittel- sowie des Infektionsschutz- und Heilmittelwerbegesetzes halten. Der öffentliche Auftritt eines Heilpraktikers wird darüber hinaus noch durch das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) geregelt. Zudem gelten auch für sie dieselben Haftungs-, Sorgfalts-, Aufklärungs-, Dokumentations- und Fortbildungspflichten wie für Ärzte. Neben der Schweigepflicht müssen Heilpraktiker auch die berufsgenossenschaftlichen Vorschriften, die gängigen Anforderungen an Hygiene (RKI-Hygienerichtlinie) und an Biologische Arbeitsstoffe (TRBA 250) einhalten.“

Ah ja. Wie mir scheint, eher eine quantitative Aufzählung. Dazu sei die Bemerkung erlaubt, dass sich Otto Normalstaatsbürger noch einer weitaus größeren Menge an zu beachtenden Regelungen gegenübersieht, vom Strafgesetzbuch bis zur örtlichen Lärmschutzregelung. Auch der Bäckermeister, der Kfz-Mechaniker, der Maurerpolier sehen sich einer vergleichbaren Regelungsfülle gegenüber. Aber: All das sind Rahmen- und Ordnungsregeln. Nicht mehr. Wo aber finde ich hier das Gebot, dass die Heilpraktiker ausschließlich im Rahmen wissenschaftlicher Standards „behandeln“ dürfen? Wo finde ich eine Positiv- oder Negativliste zugelassener bzw. ausgeschlossener Mittel und Methoden? Wo finde ich etwas zum „Heilen“ oder zur „Praxis“? Zudem wage ich zu bezweifeln, ob all diese aufgezählten Einzelaspekte tatsächlich praktische Bedeutung für den Heilpraktiker entfalten. Gerade der Aspekt der Haftungs-, Sorgfalts-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten würde für sich einer eingehenden Betrachtung bedürfen. Und Fortbildungspflicht? Es gibt ja nicht einmal eine Ausbildungspflicht, geschweige denn Ausbildungsinhalte, an die eine Fortbildung anknüpfen könnte! Die Beliebigkeitsfortbildung, wie sie die Heilpraktikerschulen anbieten, soll doch wohl nicht mit der Pflichtfortbildung der Ärzteschaft gleichgesetzt werden…

Potemkinsche Dörfer. Kulisse, die das Eigentliche verdeckt, nämlich die unter dem Begriff der „Therapiefreiheit“ weitestgehende Beliebigkeit bei der Ausübung der „Heilkunde“ durch nicht wissenschaftlich ausgebildete Menschen.

 

Bildnachweis:  dreamstime_xs_35303352

Vor der Unwirksamkeit der Homöopathie wird ausdrücklich gewarnt! Ein (mehr oder weniger heiterer) Zwischenruf.

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Hamburg, Jungfernstieg, 23.10.2016, 16.00 Uhr

In Berlin, Hamburg und München, in Österreich (St. Pölten) und in der Tschechischen Republik (u.a. in Prag) fanden in diesem Jahr wieder die „10^23-Aktionen – Homöopathie: Nix drin, nix dran“ statt. An der Veranstaltung der Hamburger Regionalgruppe der GWUP am 23.10. am Jungfernstieg hatte ich die Ehre und das Vergnügen, teilzunehmen. Übrigens stand die Veranstaltung in Hamburg unter dem Motto „Verdünnisiert euch aus den Apotheken!“, der Forderung, Pseudomedizin nicht auch noch durch eine Apothekenpflicht zu adeln. Ist doch bescheiden, oder?

Der Autor hat die Einnahme eines Globuli-Fläschchens Arsenicum album C30 völlig klaglos überstanden, er fühlte sich weder besser noch schlechter danach. Nur der Mund wollte ausgespült werden, das ganze Zuckerzeug ist schon übel… Vertreter von „Die Partei“ standen zu diesem Zweck übrigens mit homöopathischem Bier bereit – ein Tropfen auf 0,5 Liter Mineralwasser. Gut geschüttelt. Schmeckte und wirkte aber – wie Mineralwasser…

Schon im Vorfeld (!) gab es harsche Kritik an dieser netten Veranstaltung. Der bekannte und beliebte Deutsche Zentralverein der homöopathischen Ärzte (es sei hier mal die ausgeschriebene Fassung verwendet) hat eine Stellungnahme herausgegeben, die wohl als Grundlage für einen … äh, etwas unentschiedenen Artikel in der TAZ gedient hat. Zur Ehre der TAZ sei erwähnt, dass sie bei der Aktion vor Ort war und sich umfassend  hat informieren lassen. Vielleicht kommt da noch mal ein Artikel?

Wie dem auch sei, an dieser Stelle soll die Pressemitteilung des DZVhÄ nicht ohne eine kleine, teilweise auch ernsthafte Analyse davonkommen. Fangen wir mal an.

Der DZVhÄ bezeichnet die 10^23-Veranstaltungen als „aus medizinischer Sicht komplett sinnfrei“. Dem stimme ich gerne zu. Natürlich ist die Einnahme wirkungsloser Zuckerkugeln aus medizinischer Sicht völlig sinnfrei, was denn sonst? Und zwar ganz egal, ob als einzelner Globulus oder als ganzes 10-Gramm-Fläschchen. Null plus Null ist Null, und Null mal Null nun mal auch. Mit der medizinisch komplett sinnfreien Aktion soll ja gerade auf die komplette medizinische Sinnfreiheit der Homöopathie hingewiesen werden. Dem DVZhÄ scheint sich also weder die Logik der Aktion noch die in ihr zweifellos vorhandene feine Ironie offenbart zu haben… schade.

Nun begründet der DVZhÄ die „medizinische Sinnfreiheit“ aber aus seiner Sicht, nämlich aus der Sicht desjenigen, der die Homöopathie für eine wirkungsvolle Arzneimitteltherapie hält. Wir wollen das nicht übergehen, sondern uns damit einmal näher auseinandersetzen.

Zitat: „Bei der Einnahme von homöopathischen Hochpotenzen ist die Häufigkeit der Einnahme von Bedeutung, nicht die Menge. Die Aktion bringt keinen Erkenntnisgewinn.“

Aha. Nach Hahnemann, dem großen Altmeister, ist eine „Häufigkeit“, also eine Wiederholung der homöopathischen Gabe, nicht vorgesehen. Die erste Gabe -immer unterstellt, der „Heilkundige“ hat das richtige Mittel gewählt – stimmt die „geistige Lebenskraft“ bei erster Einnahme bereits um. Eine weitere Gabe trifft also auf einen veränderten Zustand der „geistigen Lebenskraft“ und kann damit nur als Störfaktor wirken:

Jede, in einer Cur merklich fortschreitende und auffallend zunehmende Besserung ist ein Zustand der, so lange er anhält, jede Wiederholung irgend eines Arznei-Gebrauchs durchgängig ausschließt, weil alles Gute, was die genommene Arznei auszurichten fortfährt, hier seiner Vollendung zueilt. Dies ist in acuten Krankheiten nicht selten der Fall; bei etwas chronischen Krankheiten hingegen, vollendet zwar auch bei langsam fortgehender Besserung, zuweilen Eine Gabe treffend gewählter, homöopathischer Arznei die Hülfe, die dieses Mittel in solchem Falle seiner Natur nach auszurichten im Stande ist, in einem Zeitraum von 40, 50, 60, 100 Tagen.

Hahnemann war das so wichtig, dass er sich auch angesichts des -verständlichen- Wunsches, zu einer möglichst schnellen Heilung zu gelangen, nicht zu einer wiederholten Gabe verstehen konnte. Nach seinem Gedankenmodell konsequent. Er fand einen „Ausweg“, indem er auf der Grundlage der Vorstellung , dass höhere Potenzen viel größere Wirkung ausüben, auf weit höhere „Potenzierungen“ auswich, als er jemals vorher in Betracht gezogen hatte (6. Auflage des „Organon“):

Aber theils ist dies sehr selten der Fall, theils muß dem Arzte, so wie dem Kranken viel daran liegen, daß, wäre es möglich, dieser Zeitraum bis zur Hälfte, zum Viertel, ja noch mehr abgekürzt und so weit schnellere Heilung erlangt werden könnte.

Und dieß läßt sich auch, wie neueste, vielfach wiederholte Erfahrungen mich gelehrt haben, recht glücklich ausführen, unter folgenden Bedingungen: erstens, wenn die Arznei mit aller Umsicht recht treffend homöopathisch gewählt war – zweitens, wenn sie hoch potenzirt, in Wasser aufgelöst und in gehörig kleiner Gabe in, von der Erfahrung als die schicklichsten, ausgesprochenen Zeiträumen zur möglichsten Beschleunigung der Cur gereicht wird, doch mit der Vorsicht, daß der Potenz-Grad jeder Gabe von dem der vorgängigen und nachgängigen Gaben um Etwas abweiche, damit das, zur ähnlichen Arzneikrankheit umzustimmende Lebensprincip, nie zu widrigen Gegenwirkungen sich aufgeregt und empört fühlen könne, wie bei unmodificirt erneuerten Gaben, vorzüglich schnell nach einander wiederholt, stets geschieht.

Was natürlich die Problematik, ob unterschiedliche Potenzen der gleichen Ursubstanz eine unterschiedliche Wirkung haben oder nicht und wenn ja, eine qualitativ oder quantitativ unterschiedliche, aufreißt.

Eine gewaltige Nuss für Hahnemanns Exegeten, die sich widersprechenden und gar gegenseitig ausschließenden Meinungen zu diesem Problem sind Legion. Allerdings – die Behauptung des DZVhÄ, „bei der Einnahme von homöopathischen Hochpotenzen ist die Häufigkeit der Einnahme von Bedeutung, nicht die Menge“ gehört in die Abteilung der „Kaputtdeutungen“ von Hahnemanns Konzept, sie hat mit dessen Gedankengebäude nichts mehr zu tun. Ich schrieb ja schon in einem anderen Beitrag , dass die Geschichte der Homöopathie letztlich eine Geschichte des Auseinandernehmens und wieder falsch Zusammensetzens ist, die das gedankliche Grundgebäude Hahnemanns letztlich in Trümmern zurücklässt.

Was den Erkenntnisgewinn betrifft: Größer könnte er gar nicht sein, denn -ganz im Sinne wissenschaftlicher Maßstäbe- ist doch die Hypothese der Skeptiker, es werde keinerlei Wirkung durch die Aktion eintreten, durch das Experiment glänzend bestätigt worden. Zudem bei einer Vielzahl von Teilnehmern und breit gestreuter Mittelauswahl. Das müssen die Homöopathievertreter erst mal nachmachen…

Weiteres Zitat: „Ebenfalls wird außer Acht gelassen, dass die Homöopathie auf dem Ähnlichkeitsprinzip basiert: ‚Würden die Aktionisten ihre individuellen Beschwerden einem homöopathischen Arzt schildern, könnte dieser ein heilendes Homöopathikum für den Einzelnen finden, eine Arzneigabe – ohne Bezug zum Beschwerdebild des Patienten – ist gar keine Homöopathie‘.“

Ochnee. Das macht ja gar keinen Spaß mehr. Auch hier fehlt es dem DZVhÄ am Verständnis für das wohldurchdachte Anliegen und den feinsinnigen Grundgedanken der Aktion. Niemand will bei einer 10^23 Aktion eine „Behandlung“ durchführen. Es soll lediglich gezeigt werden, dass homöopathische Mittel, gleichgültig, ob man die „stärkere Wirkung bei Verdünnung“ annimmt oder dem wissenschaftlichen Grundsatz der Dosis-Wirkungs-Beziehung folgt (der nur für die Homöopathen keine Geltung hat) keinerlei Wirkung haben, weder positive noch negative. Will man den Vorgang, der bei einer 10:23-Aktion stattfindet, in das Gedankengebäude der Homöopathie einordnen, so müsste man sie als „Arzneimittelprüfung am Gesunden“ ansehen, die keine Symptome zum Verschwinden bringt wie bei der Therapie, sondern sie -im Gegenteil- hervorrufen müsste. Dass genau dies nicht geschieht, wie jeder Teilnehmer an einer solchen Aktion bestätigen wird, ist ein Beweis für die Unhaltbarkeit der Methode und für die suggestive Subjektivität, die zu den „Ergebnissen“ bei den Arzneimittelprüfungen führt.

Ja, die Menge. Nun, was bei den Arzneimittelprüfungen gegeben wurde und wird, ist eh sehr unterschiedlich. Hahnemann ging anfangs noch von Niederpotenzen aus, die nur höher verdünnt wurden, wenn es um toxische Stoffe ging. Aber macht es denn überhaupt einen Unterschied, ob ich einen Globulus C30 nehme oder zehn Gramm davon? Mal ganz ketzerisch: Wenn in den Globuli die „Information“ gespeichert ist, die aus der Ursubstanz stammt und die „verstimmte geistige Lebenskraft“ umstimmen soll, dann ist es doch völlig egal, wie viele Globuli man nimmt – es gibt doch nur eine „Information“. So führt doch die ganze Potenziererei im Grunde den Hahnemannschen Gedanken der „geistigen Lebenskraft“ ad absurdum, weil ich von „Mengen“ und „Häufigkeit“ doch nur bei materiellen Wirkprozessen sprechen kann – was Hahnemanns Gedankengebäude völlig fremd war… Und schon sind wir wieder mittendrin im bunten Reich der Widersprüchlichkeit.

Meine C30-Kügelchen hatten einen Potenzierungsgrad von 1:10^60. Sehen wir einmal ganz davon ab, dass kein Molekül der Ausgangssubstanz überhaupt noch vorhanden ist und nehmen ein „Restvolumen“ an Wirkstoff an (au, tut das weh…).. Wenn ich 200 Stück davon auf einmal einnehme – macht das in Anbetracht des praktisch nicht mehr darstellbaren Volumens irgendeinen Unterschied? Die 200-fache Menge an „Wirkstoff“ würde sowieso immer noch Lichtjahre von der „Stärke“ der nächsten üblichen Potenz entfernt sein.Damit ist die 10:23-Aktion durchaus eine „Arzneimittelprüfung“ im Hahnemannschen Sinne.

Ich habe Arsenicum album C30 genommen. Wer sich dafür interessiert, mag die „Indikationen“ gängiger Repertorien hier und hier einmal nachlesen und vergleichen, denn sie decken sich durchaus nicht (es gibt noch weitaus mehr abweichende Indikationslisten).

Bei aller großen Auswahl – ich vermelde ein absolut negatives Testerlebnis. Wobei ich natürlich zu Babydurchfall und gynäkologischen Problemen nichts sagen kann… Warum einmal ins Repertorium schauen? Um das Absurde der „Arzneimittelbilder nach Arzneimittelprüfung am Gesunden“ noch einmal ganz deutlich zu machen. Systemlose Subjektivität wohin man schaut. Abweichungen zum Teil gravierendster Art. Von den Krankheitsbildern „Leukämie“ und „Magenkrebs“ mal ganz zu schweigen.  Will man wirklich annehmen, eine Arzneimittelprüfung mit Arsenicum habe Symptomatiken (womöglich akute Erkrankungen?) von Magenkrebs und Leukämie ursächlich hervorgebracht? An einen Homöopathen, der eine Perikarditis oder Scharlach mit Arsenicum behandeln will, möchte ich auch nicht geraten. Übrigens gehen hier, entgegen Hahnemann, für den nur Symptome wichtig waren und der nie Krankheiten namentlich bezeichnete, Symptom- und Krankheitsbezeichnungen wild durcheinander.

Angesichts solcher Absurditäten kann ich -Entschuldigung- über die Äußerung des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), „aus [seiner] Sicht tragen Aufrufe, Arzneimittel in Überdosierungen einzunehmen, nicht zur Aufklärung und Sensibilisierung von Patientinnen und Patienten bei“, nur traurig den Kopf schütteln. Niemand startet Aufrufe zur Einnahme von Arzneimitteln in Überdosierungen. Dies tun von der Widersinnigkeit der Homöopathie Überzeugte, die wissen, dass Globuli mit Ausnahme von Niederpotenzen keine Arzneimittel sind, von ganz allein, denn sie haben das positive Wissen über die völlige Harmlosigkeit des Verzehrs wirkungsloser Zuckerkugeln. In Anbetracht des vernichtenden Urteils, das die weltweite Wissenschaftsgemeinschaft über die Homöopathie längst gefällt hat, ist es vielmehr bedauerlich, dass das BfArM und seine vorgesetzte Dienststelle, das BMG, es ihrerseits nach wie vor an einer Aufklärung und Sensibilisierung von Patientinnen und Patienten fehlen lassen, siehe hier. Korrekterweise muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass das Zitat der BfArM aus dem Jahre 2011 stammt und bereits damals von der Carstens-Stiftung thematisiert wurde; damals war sogar die Rede von einer möglichen Genehmigungspflicht der Aktionen … und das vor dem Hintergrund, dass sich die Homöopathie selbst des Privilegs erfreut, innerhalb des Gesundheitssystems von jeglicher neutralen Wirkungsprüfung befreit zu sein. Absurdistan ließ grüßen, aktuell jedenfalls habe ich kein erneutes Statement des BfArM finden können. Die Erkenntnis schreitet eben fort.

Und über die furchtbare Misshandlung von Kindern bei der Aktion 2011 mag sich der geneigte Leser sein Urteil selbst bilden, wozu er zweifellos nach dieser Lektüre in der Lage sein wird. Klar ist nach einer solchen Aktion natürlich: Heute keine Süßigkeiten mehr. Und wegen der  üblichen Behauptungen des DVZhÄ zur angeblich positiven Studienlage brauchen wir an dieser Stelle den Artikel wirklich nicht weiter in die Länge zu ziehen.

Ceterum censeo: Homöopathie ist unwirksam. Und der Placeboeffekt ist kein Verdienst der Homöopathie. Er ist nur so freundlich, auch bei einem homöopathischen Behandlungsset vorbeizuschauen.

 

 

Bildnachweis: Regionalgruppe Hamburg der GWUP / Elkin Fricke