Zwei Meldungen des Tages…

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… die zusammenpassen wie die Faust auf das berühmte Auge.

Nummer eins:

Wie sicher schon viele aus den Medien erfahren haben, hat die Russische Akademie der Wissenschaften die Homöopathie offiziell als Pseudomedizin eingestuft und dem dortigen Gesundheitsministerium nahegelegt, Maßnahmen zu ergreifen mit dem Ziel, die Homöopathie aus dem öffentlichen Gesundheitssystem zu entfernen. Das Ministerium hat wohl bereits zugesagt, entsprechend zu verfahren. Ich zitiere hier die Pressemitteilung der Akademie der Wissenschaften:

Pressemitteilung
Die Kommission zur Bekämpfung von Pseudowissenschaften am Präsidium der Russischen Akademie der Wissenschaften (RAS) hat ein Memorandum „Über die Pseudowissenschaft Homöopathie“ herausgegeben (http://klnran.ru/2017/02/memorandum02-homeopathy/).
Das Dokument besagt: „Die Behandlung mit ultraniedrigen Dosen in homöopathischen Mitteln hat keine wissenschaftliche Grundlage und damit keine Rechtfertigung.“ Die Kommission empfahl dem Ministerium für Gesundheit, alle homöopathischen Arzneimittel aus öffentlichen Kliniken zurückzuziehen und über Maßnahmen des Kartellamtes die Bürger davor zu schützen, dass ihnen das Vorhandensein „therapeutischer Eigenschaften“ solcher Mittel suggeriert wird. Das Gesundheitsministerium hat zugesagt, auf die Argumente des Memorandums zu reagieren, sobald sie diese auf offiziellem Wege erhalten hat.

Das ist insofern nicht nur von hoher, sondern von höchster Bedeutung auch für das Grundanliegen dieses Blogs, als dass das Memorandum mit Gutachten exakt der Argumentationslinie der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft folgt und auch die wesentlichen Belege, die zur international weitestgehend konformen Einstufung der Homöopathie als Scheintherapie führen, seiner eigenen Argumentation zugrunde legt. Demzufolge wäre es auch völlig unangemessen, das russische Statement etwa als exotisch abzutun: Es ist auf der Höhe der wissenschaftlichen Erkenntnis, argumentiert völlig zutreffend und tritt damit an die Seite der Länder, die längst die fälligen Konsequenzen für ihre Gesundheitssysteme gezogen haben.

Bemerkenswert ist zudem, dass damit in Russland eine seit rund 20 Jahren existierende Verankerung der Homöopathie im öffentlichen Gesundheitssystems ausdrücklich rückgängig gemacht wird, unter Hinweis darauf, dass es bereits damals an einer wissenschaftlich haltbaren Begründung für eine solche Etablierung gefehlt hat. Hut ab.

In Kürze wird das Informationsnetzwerk Homöopathie auf seiner Webseite weitergehend berichten und eine deutsche Übersetzung des Memorandums und des zugehörigen Gutachtens einer hochkarätigen Wissenschaftskommission vorstellen. Lesebefehl!

 

Wie gesagt, höchst bemerkenswert. Wie steht es nun angesichts dessen um die Aussichten, die bislang gezeigte völlige Unempfindlichkeit gegen Fakten bei den deutschen Verantwortlichen zu beeinflussen? Damit kommen wir, bevor ich mich in längst dargelegten Ansichten zu diesem Thema erneut ergehe, zu

Nummer zwei:

Der Deutsche Zentralverein Homöopathischer Ärzte lädt ein zum 72. Homöopathischen Weltärztekongress unter dem Motto NETWORKING IN MEDICAL CARE – Ärztliche Zusammenarbeit zum Wohle der Patienten, vom 14. bis 17. Juni 2017, Kongresshalle Leipzig.

Schlimm genug. Aber jetzt ratet mal, wer laut DZVhÄ die Schirmherrschaft bei dieser Luftblase übernehmen wird, die zweifellos die doch eher leicht provinzielle Veranstaltung des DVZhÄ in Bremen 2016 aber mal so richtig überstrahlen soll (Schirmherrin damals, trotz Protestaktion der GWUP: Die Bremer Wissenschaftssenatorin, Pädagogin von Beruf und Anhängerin von Pluralismus). Na?

Schirmherrschaft: Annette Widmann-Mauz, Staatssekretärin beim Bundesministerium für Gesundheit.

Warum nicht gleich gar Herr Gröhe persönlich? Ah ja, ich erinnere mich dunkel, es gab mal Äußerungen von ihr, dass sie mit Homöopathie gute Erfahrungen gemacht habe und dass es doch so viele positive Studien gebe… oder so.

Wie taub, blind und ignorant muss man eigentlich sein, sich hierauf als politische Amtsträgerin der höchsten Gesundheitsbehörde des Landes einzulassen und sich womöglich auch noch geehrt zu fühlen? Das alles angesichts der mehr und mehr national wie international klar artikulierten Einstufung der Homöopathie als Scharlatanerie, siehe auch oben die erste Meldung? Geht es noch? Wer soll denn alles noch ermuntert werden, diesen ganzen Unsinn weiter ernst zu nehmen, Krankenkassen dafür zahlen und Apothekenkunden das Geld aus der Tasche ziehen zu lassen? Und vor allem, in Kauf zu nehmen, dass Behandlungen verschleppt oder verunmöglicht werden? Womöglich noch bei Kindern?

Liebes Gesundheitsministerium, liebe Frau Widmann-Mauz: NEIN. Das liegt außerhalb jeglicher Toleranzgrenze. Für mich jedenfalls.

Für euch auch?

Twitter: @BMG_Bund      @AWidmannMauz

Mail: poststelle@bmg.bund.de

 

 

 

 

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Was sind die besonderen Stärken der Homöopathie? Eine Aufklärung.

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Der bekannte Homöopathiekritiker Sisyphos beim unermüdlichen Versuch, die Mutter aller Globuli zu beseitigen.

Ich zitiere heute mal was:

„Was sind die besonderen Stärken der Homöopathie?

Homöopathie behandelt den ganzen Menschen und nicht nur ein bestimmtes Krankheitssymptom. Sie aktiviert die Selbstheilungskräfte im Körper, denn sie geht davon aus, dass jeder Körper eine Krankheit aus eigener Kraft überwinden kann. Der Körper braucht oft eben nur den entsprechenden Reiz von außen. So kann sie auch Krankheiten heilen, bei denen die Schulmedizin lediglich versucht, die Symptome zu lindern. Homöopathie beugt vor: sie kann einen Menschen „auffangen“, bevor er richtig krank wird

Bei welchen Erkrankungen kann Homöopathie helfen?

Homöopathie kann man bei allen Krankheiten einsetzen, die keiner chirurgischen oder intensivmedizinischen Behandlung bedürfen. Selbst schwere akute oder chronische Erkrankungen, wie zum Beispiel Asthma, Migräne, Colitis, Neurodermitis oder Rheuma sind mit Homöopathie heilbar. Wichtig ist: Der Organismus muss zu einer Reaktion auf die Arznei fähig sein. Wenn Organe, Knochen, Gewebe allerdings dauerhaft geschädigt sind, können homöopathische Mittel nicht heilen. Helfen können sie aber auch in solchen Fällen. Zum Beispiel um die Begleiterscheinungen dieser Schäden – oder der Therapie dagegen – zu lindern und den Patienten seelisch zu stützen und seine Konstitution zu stärken.

An ihre Grenzen kommt die Homöopathie wenn ein Patient keine individuellen Symptome hat oder diese nicht beschreiben kann. In so einem Fall kann die Ähnlichkeitsregel – Ähnliches mit Ähnlichem heilen – nicht greifen.“

 

Und so weiter…

Und jetzt, liebe Leser, raten Sie mal: Wo findet sich wohl diese ebenso falsche wie irreführende Propaganda pro Homöopathie? In einer Pressemitteilung der Carstens-Stiftung vielleicht? Oder doch eher in einer Broschüre eines Herstellers von homöopathischen Remedia? Oder gar in einer Buchveröffentlichung mit dem Tenor „Selbstbehandlung mit Homöopathie – der risikofreudige Patient“?

Alles falsch.

Es handelt sich um Auszüge aus einem Artikel über „Häufige Fragen zur Homöopathie“ einer gesetzlichen Krankenkasse. Jawohl. Einer gesetzlichen Krankenkasse, der es zwar (leider) erlaubt ist, Homöopathie als Satzungsleistung anzubieten, die aber für meine Begriffe völlig ins Klo greift und ihre Sorgfaltspflichten gegenüber ihren Mitgliedern grob verletzt, wenn sie eine derartige, durch nichts belegte und zudem auch noch großteils inhaltlich falsche „Patienteninformation“ betreibt. Kein kritisches Wort. Kein einziges. Statt dessen die offene unkritische Behauptung, die Homöopathie könne schwere, chronische Erkrankungen „heilen“.

Was zuviel ist, ist zuviel. Es dürfte hier das Verbot von Heilungsversprechen nach dem Heilmittelwerbegesetz zwar nicht direkt greifen, weil die Krankenkasse hier keine Werbung mit dem Ziel des Absatzes von Produkten betreibt. Aber ist das hier nicht noch viel schlimmer, als wenn ein Mittelhersteller sich erlaubt, mit einer Indikation für ein einzelnes homöopathisches Mittel zu werben?

Das Gesundheitsministerium des Landes Rheinland-Pfalz und das Bundesgesundheitsministerium haben von mir den nachfolgenden Text per Mail erhalten:

 

„Sehr geehrte Damen und Herren,

ich nehme Bezug auf die „Bewerbung“ der Homöopathie auf der Webseite der BKK Pfaff , die in meiner Ansicht nach unverantwortlicher Weise irregeleitete und sachlich falsche „Informationen“ für deren Versicherte enthält. Dies ist nun zwar nichts grundsätzlich Neues auf einer Krankenkassenseite, die Intensität und Absolutheit der unhaltbaren Aussagen bei der BKK Pfaff zur Homöopathie sind aber von bisher nicht gekannter „Qualität“. Insbesondere enthalten die dortigen Ausführungen auch unmittelbare Aussagen zur „Heilung“ von Krankheiten, was weder wissenschaftlich haltbar noch ethisch zu verantworten ist. Ich beschränke mich auf die meiner Ansicht nach wesentlichsten Beispiele:

„Homöopathie behandelt den ganzen Menschen und nicht nur ein bestimmtes Krankheitssymptom. Sie aktiviert die Selbstheilungskräfte im Körper, denn sie geht davon aus, dass jeder Körper eine Krankheit aus eigener Kraft überwinden kann. Der Körper braucht oft eben nur den entsprechenden Reiz von außen. So kann sie auch Krankheiten heilen, bei denen die Schulmedizin lediglich versucht, die Symptome zu lindern. Homöopathie beugt vor: sie kann einen Menschen „auffangen“, bevor er richtig krank wird.“

Allein dieser erste Absatz ist insofern ein Kunstwerk, als dass er gleich eine ganze Reihe von unzutreffenden Aussagen in sich vereinigt.

Homöopathie ist keineswegs eine „ganzheitliche“ Methode (was ist das überhaupt?), ganz im Gegenteil. Sie ist laut Hahnemann eine rein symptombezogene Arzneimittellehre, da man -wie im Organon nachzulesen ist- dort gar keine Krankheiten kennt, ja sogar das Vorhandensein gleichförmiger wiederkehrender Krankheiten leugnet. Alles, was nach der homöopathischen Lehre von einer Krankheit erkannt und gewusst werden kann, sind die individuellen Symptome. Insofern ist gleich der erste Satz der „Patienteninformation“ der BKK Pfaff grundlegend falsch. Dementsprechend ist es eine unglaubliche Anmaßung, ja eine Unverschämtheit, wenn eine Krankenkasse behauptet, die „Schulmedizin“ (von Hahnemann abwertend gemeint) lindere „nur“ Symptome. Dies alles stellt die Tatsachen auf den Kopf und ist bereits geeignet, Patienten zu verunsichern und zu deren Nachteil zu beeinflussten. Indoktrination nennt man das wohl. Unglaublich.

Dann kommt noch die völlig verstiegene Aussage dazu, dass Homöopathie einen Menschen „auffangen“ könne, bevor er krank wird. Das ist pure Esoterik und wiederum ein grober Verstoß gegen homöopathische Grundannahmen. Denn Homöopathie will die „verstimmte Lebenskraft“ des Patienten wieder „geradestimmen“, setzt also eine akute oder chronische Krankheit als vorhanden voraus. Eine irgendwie geartete Prophylaxe oder gar eine „Stärkung des Immunsystems“ (was ohnehin blanker Unsinn ist) ist dem Denkmodell der Homöopathie völlig fremd.

„Homöopathie kann man bei allen Krankheiten einsetzen, die keiner chirurgischen oder intensivmedizinischen Behandlung bedürfen. Selbst schwere akute oder chronische Erkrankungen, wie zum Beispiel Asthma, Migräne, Colitis, Neurodermitis oder Rheuma sind mit Homöopathie heilbar. Wichtig ist: Der Organismus muss zu einer Reaktion auf die Arznei fähig sein. Wenn Organe, Knochen, Gewebe allerdings dauerhaft geschädigt sind, können homöopathische Mittel nicht heilen. Helfen können sie aber auch in solchen Fällen. Zum Beispiel um die Begleiterscheinungen dieser Schäden – oder der Therapie dagegen – zu lindern und den Patienten seelisch zu stützen und seine Konstitution zu stärken.

An ihre Grenzen kommt die Homöopathie wenn ein Patient keine individuellen Symptome hat oder diese nicht beschreiben kann. In so einem Fall kann die Ähnlichkeitsregel – Ähnliches mit Ähnlichem heilen – nicht greifen.“

Das ist -mit Verlaub- verantwortungsloser Unsinn. Die Homöopathie ist durch die weltweite Wissenschaftsgemeinde als unwirksame Scheintherapie eingestuft und in vielen Ländern aus dem öffentlichen Gesundheitssystem verbannt (siehe z.B. hier). Dass die Homöopathie-Lobby in Deutschland außerordentlich stark ist, ändert an diesem objektiven Befund nicht das Geringste. Vor diesem Hintergrund seitens einer Krankenkasse die Heilung von Asthma, Colitis, Neurodermitis, Rheuma mit Homöopathie in Aussicht zu stellen, ist sicher nicht nur nach meiner Ansicht nicht hinnehmbar. Derartige Propaganda von Seiten einer Krankenkasse halte ich für einen veritablen Skandal, für eine direkte „Gefährdung der Volksgesundheit“.

Es folgt noch eine ganze Reihe von Schwurbelkram, die -leider- davon zeugt, dass hier nicht einfach nur die üblichen Werbebotschaften für eine junge, zahlungskräftige und eher wellnessorientierte Klientel verbreitet werden, sondern dass hier offenbar ein überzeugter Jünger der homöopathischen Methode sein Wissen… Entschuldigung, seinen Glauben verbreitet – und das offenbar auch noch mit beschränkten Kenntnissen über die Grundlagen der Homöopathie.  Aber darauf kommt es gar nicht mehr an.

Ich bin der Ansicht, dass hier ein nicht hinnehmbarer Verstoß gegen die von einer Krankenkasse zu erwartenden Sorgfaltspflichten vorliegt, insbesondere dadurch, dass konkret die Heilungsmöglichkeit von schweren chronischen Erkrankungen durch Homöopathie in Aussicht gestellt wird. Sollte dies so stehenbleiben, werden wir uns wohl über kurz oder lang von der Orientierung auf eine wissenschaftsbasierte Medizin verabschieden können, wenn man die auch andernorts überall aufsprießenden Irrationalitäten im Gesundheitsbereich mit berücksichtigt. Ich bitte Sie daher dringend, in Ihrer Rolle als Aufsichtsbehörde auf die BKK Pfaff mit dem Ziel einzuwirken, diese unsäglichen „Informationen“ aus deren Webseite zu entfernen.

Ich wäre Ihnen für eine kurze Mitteilung über das von Ihnen Veranlasste dankbar.“

 

Jetzt wollen wir doch mal sehen, mit welchen Fadenscheinigkeiten die offiziellen Aufsichtsbehörden über die GKV diesmal kommen werden, um ihr Nichtstun zu bemänteln… Wetten? Wenn überhaupt eine Antwort kommt. Was allerdings die x-te Bankrotterklärung des „pluralistisch organisierten Gesundheitswesens“ wäre.

 

 

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Was wäre wenn…

Was wre wenn - wach auf

Wenn die Wirkungszunahme durch Potenzierung wahr wäre…

… dann würde eine Plörre aus viel Wasser und dem restlichen Kaffemehl aus der Dose weitaus anregender wirken als ein doppelter Espresso (ja, ja, meinetwegen auch mit Schütteln oder Schlagen des Filters auf einen Lederbuchrücken).

 

Wenn das Simileprinzip (Ähnliches heilt Ähnliches) zuträfe…

… dann müsste man akute Vergiftungen mit noch mehr Gift heilen können.

 

Wenn die Arzneimittelprüfung am Gesunden eine funktionierende Methode wäre…

… dann müsste es Mittel geben, die im Rahmen der Arzneimittelprüfung auch Dinge wie Tumorerkrankungen, Diabetes, endokrinologische Fehlfunktionen, aber auch Dinge wie Platzwunden und Infektionen durch die Einnahme von potenzierten Prüfstoffen hervorrufen würden. Nebenbei, würde man solche Arzneimittelprüfungen wirklich durchführen wollen?

 

Wenn die Homöopathen die erklärte Absicht Hahnemanns, eine Arzneimittellehre zur Behandlung von Krankheiten zu schaffen, ernst nehmen würden… 

… dann würden sie nicht Dinge wie homöopathische Prophylaxe und Nosoden“impfung“ praktizieren.

 

Wenn die Homöopathen das Prinzip einer Korrektur der verstimmten geistigen Lebenskraft des Patienten durch die geistige Kraft der potenzierten Mittel ernst nehmen würden…

… dann würden sie mit den krampfhaften Bemühungen aufhören, per „homöopathischer Grundlagenforschung“ doch irgendwie noch einen materiellen Wirkungsnachweis zu erbringen.

 

Wenn die Homöopathen die Forderungen Hahnemanns zur Arzneimittelprüfung (die genaueste Erfassung aller Symptome -bei der Arzneimittelprüfung- bzw. aller Befindlichkeiten des Patienten -bei der Therapiefindung- ernst nehmen würden…

… dann gäbe es so einen Unsinn wie Tierhomöopathie gar nicht.

 

Wenn die Homöopathie eine „ganzheitliche Methode“ wäre…

… dann würden die Homöopathen nicht ausschließlich mit Symptombildern anstelle von Krankheiten arbeiten, sondern sich mit dem Krankheitsbegriff und mit Ätiologie beschäftigen.

 

Wenn Symptome ein untrügliches Zeichen für eine bestimmte Erkrankung wären…

… dann wäre die Symptomatik einer Erkrankung völlig unabhängig vom Patienten, seinem Allgemeinzustand und seiner Vorgeschichte, was jeglicher medizinischer Erfahrung widerspricht. Einerseits wären Differenzialdiagnosen überflüssig, andererseits könnte man keine zwei Erkrankungen unterscheiden, die in bestimmten Stadien gleiche Symptome zeigen, aber unterschiedliche Behandlung erfordern.

 

Wenn die Homöopathie „Naturmedizin“ wäre…

… dann würde sie nicht Stoffen wie Graphit, Schwefel, Plutonium, Berliner Mauer, Arsen, Blei und Chlor „Heilkräfte“ zuschreiben.

 

Wenn die Homöopathen hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Interessen ehrlich wären…

… dann würden sie selbst nicht so tun, als gehe es um den ultimativen Überlebenskampf gegenüber Big Pharma, deren Teil sie selbst sind.

 

Wenn homöopathisch überzeugte studierte Ärzte selbstkritischer wären…

… würden sie die Unvereinbarkeit der homöopathischen und der wissenschaftlich-evidenzbasierten Methode erkennen und die eine oder eben die andere Konsequenz ziehen.

 

Wenn die Homöopathieszene kritik- und diskursfähig wäre…

… das Leben könnte so schön sein. Ach ja.

 

Wird gelegentlich fortgesetzt.

 

 

 

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Höherer Blödsinn

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Willkommen im neuen Jahr, liebe Blogleserinnen und -leser. Ich hoffe, dass alle die große Zahl von Feiertagen unbeschadet überstanden haben und die Bereitschaft, sich gelegentlich mit den Auswüchsen der Pseudomedizin kritisch zu beschäftigen, nicht gelitten hat.

Deshalb gleich zum Jahresbeginn ein Beitrag zu einem Thema, das mich immer wieder außerordentlich ärgert, wenn ich darauf stoße: Die Berufung der selbsternannten Heilsbringer der Menschheit auf Erkenntnisse der neueren Physik, insbesondere der Quantenphysik, von denen diese garantiert noch weniger verstanden haben als ich. Ich bin weiß Gott niemand, der von sich behaupten könnte, er habe die physikalisch-mathematischen Grundlagen der Quantenphysik verstanden, aber ich behaupte, dass ich immer noch in der Lage bin, unsinnige Argumentationen und Beweislagen von Evidenz zu unterscheiden. Eben Bullshit von frischer Luft.

Deshalb seien Sie, liebe Leser, erst einmal versichert: Diejenigen, die sich für pseudomedizinische Methoden bzw. deren Wirksamkeitserklärung auf Quantenphysik und dergleichen (hierzu gehört auch jegliches Geschwurbel von Feinstofflichkeit und Energie) berufen, sind auch genau diejenigen, denen man guten Gewissens bauernfängerische Absicht unterstellen darf. Denn: Hätten sie die Grundlagen der Quantenphysik verstanden, würden sie sie nicht als Evidenzbeleg anführen. Und haben sie sie nicht verstanden, ist es unredlich, sie ins Feld zu führen – dann operieren sie offensichtlich mit einer Scheinargumentation.

Dass es sich hier nicht um eine gelegentlich hier und da einmal auftretende Exotenargumentation handelt, zeigen die Google-Treffer: Unter „Quantenheilung“ sind es sage und schreibe 318.000. Darin rund 1.000 speziell mit dem Begriff „Quantenhomöopathie“ – interessanterweise vielfach unter direkter Berufung auf Samuel Hahnemann…

Dass sich die Homöopathie hier anfällig zeigt, ist sogar irgendwie verständlich, denn auch bei ihr geht es um Wirkungen im „Kleinsten“, in hoher und höchster Potenzierung, womit der gedankliche Kurzschluss, dies könne irgendwie mit der Physik des Allerkleinsten, dem atomaren und subatomaren Bereich, zusammengebracht werden, für ein heiteres und unbelastetes Gemüt naheliegen mag. Folglich wird von Begriffen wie „Informationsübertragung auf quantenmechanischer Ebene“, dem berühmten „Wassergedächtnis“,  und dergleichen frei fantasiert. Auch und vor allem in der sogenannten homöopathischen Grundlagenforschung. Es ist und bleibt aber Bullshit – niemand hat bisher eine irgendwie plausibel darlegen können, wie das eine mit dem anderen konkret zusammenhängen soll. Es ist gar so weit gekommen, dass der einschlägig wohlbekannte Prof. Harald Walach, ehemals Lehrstuhlinhaber in Hogwarts an der Oder, mehr oder weniger eine eigene Quantentheorie zurechtgezimmert hat, um sie für homöopathische „Beweisführungen“ nutzbar zu machen. Leider auch hier mal wieder mit wenig bis keinem zustimmenden Echo in der Fachwelt. Der physikalisch-wissenschaftlichen natürlich, nicht der homöopathisch-pseudomedizinischen.

Wobei wir schon bei der Erkenntnis angekommen sind, dass sich auf der ganzen großen weiten Welt bislang nicht ein einziger Teilchenphysiker vom Fach gefunden hat, der den wirren Fantasien über den Zusammenhang von neuesten physikalischen Erkenntnissen und pseudomedizischen Zwangs- … äh Wunschvorstellungen irgendeine Grundlage gegeben hätte. Es sei hier nur der weltweit angesehene Quantenphysiker Prof. Anton Zeilinger angeführt, der zu den Versuchen, ihn für die Propaganda der Quantenheiler-Fraktion in Anspruch zu nehmen, äußerte:

„Dass ein Bezug zwischen meiner Arbeit und der Homöopathie hergestellt wird, ist wissenschaftlich unbegründet. Ich bedaure es sehr, dass mein Name damit in Verbindung gebracht wird. Dafür dass ein Wirkstoff Informationen in einer Lösung hinterlässt, in der er selbst nicht mehr enthalten ist, gibt es keinerlei wissenschaftliche Beweise. Homöopathie ist in meinen Augen ein reiner Placeboeffekt.” (Süddeutsche Zeitung vom 7.3.2012).

Kurz gesagt: Wo nichts mehr von einem Stoff ist, ist auch nix mehr mit Quantenphysik. Nix drin, nix dran. Nicht mal mehr Quanteneffekte. Oder so.

Mein Tipp für Debatten: Keine physikalischen Details erörtern, davon verstehen wir nicht nur nicht genug, es verunsichert nur das Publikum. Es hilft die dialektische Methode, siehe oben. Hast Du es verstanden? Dann kannst Du unmöglich Quantenheilung propagieren. Hast Du es nicht verstanden? Dann operierst Du unredlich mit einem Scheinargument.

Quantenphysik in der Pseudomedizin ist ein argumentum ad verecundiam, ein Autoritäts- oder Ehrfurchts“beweis“. In diesem Fall nicht einmal mit Ehrfurcht vor einer personalen Autorität, sondern vor einem Wort, einem Begriff, wo gerade auf das Nichtverstehenkönnen als Autoritätshintergrund abgehoben wird. Wie billig.

Fachlich weitaus versierter als ich gemeiner Dialektiker hat das heutige Thema der geschätzte Dr. Holm Hümmler in einem aktuellen Artikel seines Blogs Relativer Quantenquark behandelt. Lesebefehl!

 

 

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Homöopathie als Flüchtlingshilfe: Ein ethisches Problem?!

Das „Gutmenschentum“ der „Homöopathen ohne Grenzen“ (eine einigermaßen unverschämte Okkupation des guten Namens der „Ärzte ohne Grenzen“) stieß bekanntlich vor nicht allzulanger Zeit sogar in Westafrika auf kritischen Verstand, weshalb sie dort mit ihrem Ansinnen, Ebola mit Homöopathie behandeln zu wollen, gleich wieder auf den nächsten Seelenverkäufer in Richtung Europa verfrachtet wurden. Was diese Truppe von weiteren Aktivitäten nicht abhält (wer hätte das auch erwartet…). Und zwar vor Ort. Auch hier unter dem Etikett humanitärer Hilfe.

Unter der Flagge Homöopathie für Flüchtlinge in Deutschland bewerben die „Homöopathen ohne Grenzen“ zusammen mit der Initiative „Homöopathie in Aktion“ ein Netzwerk von Homöopathieangeboten, bundesweit, für die „Behandlung von Geflüchteten“.

Eine ähnliche Aktion des Projekts „Asyl Fürstenfeldbruck“, einer verdienstvollen Initiative vor Ort, ist dem Autor dieser Zeilen schon vor einiger Zeit bekannt geworden. Hier hat sich eine Homöopathin „ohne Grenzen“ der Initiative angeboten und „behandelt“ dort ebenfalls traumatisierte Flüchtlinge – vor dem Hintergrund des guten Namens von „Asyl Fürstenfeldbruck“. Leider hatte eine direkte Intervention dort keinerlei Reaktion zur Folge.

Auch die Süddeutsche Zeitung berichtete Anfang dieses Monats über ein Angebot homöopathischer Behandlungen für Flüchtlinge im Raum München.

Woraus gefolgert werden darf, dass es hier nicht nur um Einzelfälle geht.

Ganz abgesehen von allen bekannten Argumenten contra Homöopathie im Hinblick auf Unwirksamkeit, fehlende Evidenz et. al.:

Ergibt sich hier nicht ganz konkret ein ethisches Problem? Das sich auch -einmal mehr- an die Politik adressiert? Fakt ist: Hilfsbedürftige Menschen, die nun wirklich nicht als „mündige Patienten“ angesehen werden können, werden für homöopathische „Methoden“ regelrecht akquiriert. Menschen, die in aller Regel schwere Traumaschäden zu verarbeiten haben – was durchaus wohl auch im Vordergrund all dieser „homöopathischen Initiativen“ steht. Um Husten, Schnupfen, Heiserkeit dürfte es hier kaum gehen. Keine Frage: All diese Menschen psychologisch und psychotherapeutisch fachgerecht zu versorgen, ist eine fast unlösbare Aufgabe. Aber das Angebot einer Scheintherapie kann doch wohl keine Lösung sein! Bei traumatisierten Menschen, oft Kindern?

Abgesehen von der ethischen Unvertretbarkeit -gerade unter diesen Umständen-, eine unwirksame Methode anzubieten: Sicher wird sich der eine oder andere vordergründige „Erfolg“ einstellen, gerade wegen der psychologisch besetzten Gesamtsituation. Aber eine nicht fachgerechte Behandlung psychischer Störungen, zumal von Gewalttraumata, löst nie das Problem. Weder wird nachhaltig etwas für den Patienten getan, noch gewinnt man Erkenntnisse über eventuelle Fremd- oder Eigengefährdungen aufgrund der psychischen Störung. Wir erinnern uns, unseligen Angedenkens, der Behandlung des Attentäters von Ansbach mit einer völlig unzulänglichen „Therapie“ – hier durch einen Heilpraktiker, einen laut Gesetz gar „Ausübenden der Heilkunde“. Auch hierhin gehört meiner Meinung nach der Fall aus dem Beitrag von Spiegel.TV Wissen, bei dem ein höchstwahrscheinlich traumatisch-psychosomatisch erkranktes Kind rein symptomatisch per Phosporicum-Globuli „behandelt“ wurde.

Ich muss leider zugeben, dass ich ebenso verzweifelt wie hilflos vor dieser Geschichte stehe. Es dürfte kaum eine rechtliche Handhabe geben, dies hier zu unterbinden. Und warum nicht? Weil die Homöopathie durch den unsäglichen Binnenkonsens von der Politik „geadelt“ wurde. Und weil ja laut Bundesgesundheitsministerium  „in einem durch Freiberuflichkeit, Selbstverwaltung und Pluralität geprägten Gesundheitswesen“ die Bewertung von Behandlungsmethoden „nicht in der Zuständigkeit des Ministeriums, sondern bei den dieses Gesundheitswesen repräsentierenden Institutionen und Einrichtungen liege“.
Was uns offenbar von den Staaten Westafrikas unterscheidet.

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Es ist zum schreiend Weglaufen.

 

 

 

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Handreichung: Aufklärung über Homöopathie, kurz und knapp

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Kritisch denken Du sollst!

Auf gelegentlichen Wunsch hin nachstehend ein knapper Text, mit dem auf noch aufnahmefähige Homöopathie-Geneigte in Diskussionen geantwortet werden kann. Selbstverschuldet Wahrnehmungsblockierte sind damit natürlich nicht erreichbar. Aber die Zielgruppe der unkritisch-unwissenden Interessenten und Konsumenten, die berühmten 80 Prozent der Menschen, die Homöopathie zwar kennen, aber keine Ahnung von den Zusammenhängen haben, die könnte in diesem Rahmen vielleicht angesprochen werden.

Meine Meinung zur Homöopathie? Um Meinung geht es nicht, sondern ganz einfach um Fakten.

In 200 Jahren hat die Homöopathie keinen Nachweis einer Wirkung erbringen können, der über den bei jeder Art von Therapie auftretenden Placeboeffekt, die psychosomatische Wirkung, hinausgeht. Das ist schon zu Hahnemanns Lebzeiten nicht gelungen, ebensowenig zu Zeiten moderner Studien- und Analysemethoden. Die Methode war von Anfang an umstritten und niemals Mittel der ersten Wahl; verschiedentlich ist die Homöopathie sogar verboten gewesen.

Die großen Untersuchungen zur Hömöopathie (Versuchsreihen und zusammenfassende Auswertungen), aktuell das zusammenfassende Review der Australischen Gesundheitsbehörde von 2015 (die größte zusammenfassende Betrachtung von Studien zur Homöopathie, die je durchgeführt wurde)  sind klar zu dem Ergebnis gekommen, dass eine spezifische (d.h. der Methode eigene) Wirksamkeit nicht gegeben ist. An allen diesen Untersuchungen und Reviews haben führende Homöopathen ihrer Zeit selbst mitgewirkt.

Ein anderes Ergebnis kann auch gar nicht erwartet werden. Tragende Aspekte der homöopathischen Methode verstoßen gegen naturgesetzliche Gegebenheiten (z.B. Wirkungszunahme durch „Potenzierung“, Annahme einer „geistigen Lebenskraft“, die es zu beeinflussen gelte). Die Homöopathie als System kann nicht bruchlos in das sich täglich bewährende Gesamtsystem der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse eingegliedert werden. Große Teile des täglich -auch im Alltag- bewährten naturwissenschaftlichen Wissens in Physik, Chemie und Biologie würden unhaltbar sein, träfen die Annahmen der Homöopathie zu. Andere Aspekte der Methode entstammen dem Animismus, der Vorstellung einer „Allbeseeltheit“ einer vorwissenschaftlichen Zeit, die auf reine Spekulationen statt fundierter Erkenntnisse angewiesen war.

Einzelne Studien, die immer wieder ins Feld geführt werden, entpuppen sich bei näherer Betrachtung wieder und wieder als methodisch unbrauchbar oder als fehl- bzw. überinterpretiert. Gleiches gilt für die „homöopathische Grundlagenforschung„, deren Ergebnisse sich entweder als Scharlatanerie entpuppten („Wassergedächtnis“, „Nanopartikel“ in Hochpotenzen) oder aber aus fachfremden Gebieten unverstanden übernommen und uminterpretiert werden (z.B. Wirkung durch „Quanteneffekte“). Kein Wissenschaftler aus diesen Fachgebieten wird diesen Interpretationen eine Stütze geben.

Homöopathie ist keine Naturheilkunde. Sie verwendet als Ursubstanzen beliebig neben Pflanzen und nichtpflanzlichen organischen Stoffen eine Vielzahl von anorganischen Substanzen; chemische Elemente in Reinform wie auch chemische Zusammensetzungen und Dinge aus dem Alltagsleben („Berliner Mauer“). Sanft und nebenwirkungsfrei ist sie nur insofern, als dass sie auch frei von Wirkungen ist. Mittel, die in den Körperstoffwechsel eingreifen und dabei keinerlei nicht gewünschte Wirkungen erzeugen, gibt es nicht.

Homöopathie ist ein reines Glaubenssystem, erfunden und erdacht, nicht entdeckt. Da jede Schein- und auch jede wirksame Therapie zusammen mit dem Placeboeffekt wirkt, muss dieser von jeder spezifischen Wirkung einer Methode bzw. eines Mittels „abgezogen“ werden. Im Falle der Homöopathie (nicht nur dieser) bleibt dann – nichts. Viele Länder haben die Homöopathie deshalb konsequent aus ihren öffentlichen Gesundheitssystemen verbannt.

 

 

Bildnachweis: gemeinfrei

Die Selbstentlarvungen des Monats! Heute: Homöopathie

Alles nur ein Irrtum … ?!?

Liebe Leser, fast jeder kennt Meditonsin. Das am meisten verbreitete Scheinmedikament gegen Erkältung. Sogar für Säuglinge empfohlen, da eh ohne Wirkung und ohne Nebenwirkung. Zur Beruhigung quengelnder Erkältungskinder durchaus geeignet, da eine häufig wiederholte Gabe völlig problemlos möglich ist, wg. Unwirksamkeit. Nur nebenher – die Ursubstanzen von Meditonsin sind Quecksilbercyanat, blauer Eisenhut und Tollkirsche. Unverdünnt genommen, bräuchte sich niemand mehr Sorgen um seine Erkältung zu machen. „Die Selbstentlarvungen des Monats! Heute: Homöopathie“ weiterlesen

Es gibt keine wissenschaftliche Kontroverse über die Homöopathie!

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Homöopathie? Wird da immer noch drüber diskutiert?

Die Ereignisse der letzten Tage und ihr Medienecho haben mich nochmals darüber nachdenken lassen, warum zum Kuckuck immer wieder der Eindruck einer „wissenschaftlichen Kontroverse“ zwischen Homöopathie und sogenannter „Schulmedizin“ aufrechterhalten wird, speziell in Bezug auf Medienberichterstattung. Ein wunderbares Beispiel ist der Beitrag von spiegel.tv-wissen vom 15.11.2016, der sich vom Titel her -„Hömöopathie – Heilung oder Humbug?“- aufklärerisch gab, aber Lichtjahre davon entfernt war, den Fakten gerecht zu werden (Zuschauerbrief hier). Selbst die gute Berichterstattung des BR (Kontrovers am 16.11.2016) über die Auswirkungen des Offenen Briefs von INH und GWUP-Wissenschaftsrat ließ Äußerungen von Protagonisten nachklingen, die dem nicht näher informierten Zuschauer suggerieren könnten, es sei wohl doch „irgendwie was dran“.

Nein. Es ist nichts dran. Überhaupt nichts.  Deshalb gibt es auch keine wissenschaftliche Kontroverse. Es kann auch keine geben, denn die Homöopathie bietet keine Grundlage für die Führung einer Diskussion auf wissenschaftlicher Ebene. Da hat Dr. Christian Weymayr durchaus völlig recht, wenn er in seinem Buch „Die Homöopathie-Lüge“ die Ansicht vertritt, der Ruf nach „mehr Forschung“ und generell die Auseinandersetzung mit „Forschungsergebnissen“ und „Studien“ der homöopathischen Szene seien völlig fruchtlos, da der Homöopathie die „Scientabilität“ fehle, die Art von wissenschaftlicher Grundplausibilität, die sinnvolle Ergebnisse überhaupt erst erwarten lässt.

  • Ich habe schon in meinem dreiteiligen Beitrag „El Cid und die Homöopathie“ aufgezeigt, dass Hahnemanns Gedankengebäude spätestens Mitte des 19. Jh. mit der Etablierung der Zellularpathologie und der modernen Ätiologie die Grundlagen entzogen waren. Hahnemanns Vorstellung vom Körper als einer zwar differenzierten, aber amorphen Masse, die nur durch eine „geistige Lebenskraft“ als Organismus existiere, war dahin. Und damit der zentrale Ansatzpunkt seines Gedankenmodells, die Einwirkung auf diese „geistige Lebenskraft“. Insofern bräuchte man sich in der Tat über die vitalistisch-esoterischen Begleitannahmen wie das Simile-Prinzip gar nicht mehr zu streiten.
  • Die Leugnung des Vorhandenseins von gleichförmig auftretenden Krankheiten, die Weigerung Hahnemanns, „Krankheiten“ überhaupt nur zu benennen, die These von der ausschließlich durch individuelle Symptome in Erscheinung tretenden „Verstimmung der geistigen Lebenskraft“ , wobei deren Ursache uninteressant war, konnte nicht mehr aufrechterhalten werden. Damit war auch der Ansatz für eine individuell-symptombezogene Behandlung ohne Krankheitsbegriff dahin. Die neue Ätiologie erklärte nicht nur die Krankheit des Körpers aus Fehlfunktionen der zellulären Bausteine und deren Ursachen, sondern konnte die Krankheiten auch klassifizieren und dadurch identifizierbar machen. Und war damit überwältigend erfolgreich, bis zum heutigen Tag.
  • Mit der Entdeckung der atomaren und molekularen Struktur der Materie wurden Hahnemanns Vorstellungen über eine prinzipiell unendliche, nicht völlig gegen Null gehende Verdünnungsmöglichkeit von Substanzen ad absurdum geführt; der Gehalt von Potenzen an Restursubstanz konnte exakt berechnet werden. Die moderne Pharmakologie widerlegte Hahnemanns „umgekehrte“ Dosis-Wirkungs-Beziehung, wonach Hochpotenzen auch hoch wirksam sein sollten, schlagend – ganz abgesehen, dass die „potenzierte Wirkung“ einer der Faktoren ist, die gegen naturgesetzliche Gegebenheiten verstoßen.
  • Dinge wie die Signaturlehre, aus der das Simileprinzip hervorgegangen war, wurden eindeutig als vorwissenschaftliche Vorstellungen entlarvt, die mangels wirklicher Forschungsmöglichkeiten auf symbolisch-mystische Inhalte, auf Analogien zurückgriffen. Die Berufung auf medizinische „Autoritäten“ wie Hippokrates und Paracelsus, deren Werk zum großen Teil auf derartigen Vorstellungen beruhte,  konnte damit nicht mehr ernstlich aufrechterhalten werden. Viele, zum Teil der Homöopathie gedanklich recht nahestehende Methoden der damaligen Zeit, die ebenso den vorwissenschaftlichen Gedanken verhaftet waren, haben heute nur noch einen Platz im medizinhistorischen Museum.
  • Und insbesondere, aber wenig überraschend: Schon zu Hahnemanns Lebzeiten, bis heute, konnte kein evident positiver Nachweis für eine spezifische arzneiliche Wirkung der Homöopathie erbracht werden. Belege dafür findet man allein in diesem Blog genug. Die wirklich großen Untersuchungen zur Homöopathie, die Untersuchungsreihen des Reichsgesundheitsamtes (1936 – 1939), die umfassenden Untersuchungen von Martini zur Arzneimittelprüfung an Gesunden (zwischen 1939 und 1955) und die große Vergleichsstudie der Austalischen Gesundheitsbehörde (2015), fielen für die Homöopathie vernichtend aus. Seltsamerweise werden die gigantischen Erfolge, die aus der Weiterentwicklung der modernen Medizin seit Mitte des 19. Jh. resultieren, vom homöopathiegeneigten Publikum offenbar nicht als der überwältigende Gegenpol wahrgenommen, die sie sind.
  • Alles ganz abgesehen davon, dass Hahnemanns Grundannahmen gegen naturgesetzliche Gegebenheiten verstoßen. Alle Versuche, einerseits Hahnemanns Lehre und andererseits die Naturgesetze so hinzubiegen, dass sie sich zumindest annähern, endeten im Desaster. Dies wird gelegentlich auch als „homöopathische Grundlagenforschung“ bezeichnet. Was auch soll man von einer Methode halten, für die nach 200 Jahren immer noch gierig nach jeden Strohhalm in Form von neuen wissenschaftlichen Ergebnissen gegriffen wird, um sie mit einer modern klingenden Begründung zu unterfüttern? Wenn die Milch sauer ist, ist sie sauer.
  • Die „Systematik“ des Hahnemannschen Gedankengebäudes, die seinerzeit so verführerisch auf die Mediziner wirkte, die mit ihren wenigen, kaum erfolgreichen „Methoden“ im Dunklen tappten, hat sich längst gegen die Homöopathie gewendet. Zur Aufrechterhaltung der Lehre werden seit 200 Jahren ständig neue Zusatzannahmen und Parameter eingeführt. Siehe allein die durch immer neue „Arzneimittelprüfungen“ immer dicker werdenden, zu einem sehr großen Prozentsatz aus Redundanzien bestehenden Materia medicae und Repertorien, die die Beliebigkeit der Methode widerspiegeln. Eine wissenschaftliche Todsünde, die ein schwerwiegender Beleg gegen die Gültigkeit einer Hypothese ist (Ockhams Rasiermesser).
  • Geradezu selbstzerstörerisch statt beweiskräftig ist die völlige Zerfaserung von Hahnemanns Lehre durch die immer wieder in den Ring geworfenen „Forschungsergebnisse“ der Homöopathie-Gemeinde, die mit aller Gewalt naturwissenschaftlich haltbare Ergebnisse hervorbringen wollen und dabei Hahnemanns Grundannahmen selbst umstoßen (beispielsweise wenn man sich nicht entscheiden kann, ob man nun in Hoch- und Höchstpotenzen arzneilich wirksame Reststoffe, Nanopartikel, hormonähnliche Substanzen oder elektromagnetische Schwingungsmuster nachweisen will). Hierzu gehören auch die nachgerade lächerlichen Bemühungen, Postulate der modernen Teilchenphysik (Quantenmechanik) in Verbindung mit dem angeblichen homöopathischen Wirkprinzip zu bringen. Es sind keine Physiker vom Fach zu finden, die diesen Bemühungen eine Stütze geben würden, im Gegenteil werden sie sich dagegen verwahren.

Ist das denn so schwer zu verstehen? Oder hängt man der in der Weltgeschichte vielfach widerlegten These an, dass so viele Anhänger sich doch nicht irren können?

Natürlich gibt es eine beträchtliche Zahl von Proponenten der Homöopathie, natürlich hat sie „Rückhalt“ in der Bevölkerung. Die Homöopathie-Lobby hat es nun mal geschafft, ein positives Image so breit im Bewusstsein der Menschen zu verankern, dass sie zur Scheinwahrheit geworden ist. Das ist aber kein Grund, der Homöopathie wohlwollend zu begegnen und sie ständig in den Adelsstand einer diskutablen Theorie zu erheben. Genau das geschieht aber andauernd, wofür der eingangs erwähnte Bericht auf spiegel.tv-wissen nur ein Beispiel ist (ein recht subtiles, denn hier wirkt das Gesamtbild des Beitrages tendenziös, zu einer wirklichen Konfrontation von Sachargumenten kommt es gar nicht).

 

Nochmals in aller Deutlichkeit: Evidenzbasierte Medizin und Homöopathie sind keine zwei irgendwie gleich diskutable Methoden. Die eine bewährt sich unter der strengen Qualitätskontrolle der Falsifikation und Reproduktion ihrer Annahmen jeden Tag aufs Neue und erzeugt dabei echte Innovation. Die andere ist ein 200 Jahre altes, auf vitalistisch-esoterischen Grundgedanken beruhendes Gedankengebäude, dass bis heute keinen falsifizierbaren und reproduzierbaren Wirkungsnachweis erbracht hat. Einen solchen kann man wegen der Unverträglichkeiten mit Naturgesetzen auch nicht erwarten.

Insofern hat Christian Weymayr schon recht, die weitere Auseinandersetzung lohnt unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten nicht. Die Methode ist längst obsolet, nicht aber ihre gesellschaftlichen und gesundheitspolitischen Implikationen. Nicht der Einfluss ihrer Befürworter und ihrer Lobbyorganisationen. Nicht die Durchdringung der Politik durch diese Lobby. Nicht das unheilvolle Vertrauen, das sehr viele Menschen inzwischen -fehlgeleitet durch Lobbyismus, womöglich zu ihrem persönlichen Schaden- der Homöopathie entgegenbringen. Und das sind die Gründe, weshalb sich einige Leute so entschieden gegen diese Implikationen stellen und immer aufs Neue die Geduld aufbringen, gegen die vorgeblichen Argumente und „Beweise“ zugunsten der Homöopathie anzugehen, um ihr nicht noch mehr das publizistisch-öffentliche Feld und auch das Feld der Gesundheitspolitik zu überlassen.

Außerdem stehen diese Leute auch gegen die unhaltbare Propaganda, die die Homöopathie „adeln“ soll und die uns nach wie vor ständig begegnet. Es wäre sehr hilfreich, wenn vor allem der Journalismus einmal zur Kenntnis nehmen würde, dass eine „ausgewogene Berichterstattung“ mit „Schulmedizin“ rechts und „Homöopathie“ links der Sache nicht gerecht wird. Parität und Pluralität kann es sinnvollerweise nur zwischen faktenbasierten Standpunkten geben, ansonsten wären beide schlicht Einfallstore für Unsinn. Es muss auch seitens der Medien endlich einmal erkannt und deutlich gemacht werden, dass es sich beim Ansehen der Homöopathie in weiten Kreisen der Bevölkerung um eine massive Fehlentwicklung handelt, der entschieden entgegen zu treten ist. Genau dazu möchte ich auch die Hochschulen in Deutschland aufrufen, die die Homöopathie als „komplementärmedizinische Methode“ im Programm haben.

 

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