Wakefield-Alarm: Die Times zu Wakefield und Trump

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In der britischen “Times” findet sich hier ein höchst informativer und aufschlussreicher Artikel über Andrew Wakefields neueste Aktivitäten:

Vollständiges Lesen erfordert kostenlose Registrierung. Ich verspreche, zu dem Link baldmöglichst eine deutsche Übersetzung hier abzuliefern.

Bitte verbreiten!

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Wakefield-Alarm: Mitmachen!

wakefield

Ich empfehle folgenden Text, nach eigenem Gusto natürlich auch abgewandelt / gekürzt, für einen Mailprotest an die Europa-Abgeordneten eurer Region bzw. eures Bundeslandes (Infos am Schluss):

Präsentation des Anti-Impf-Films „Vaxxed“ von Andrew Wakefield in Brüssel & Pressekonferenz beim Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) @ Europäisches Parlament

Sehr geehrte Frau … / Sehr geehrter Herr …

Bitte machen Sie Ihren gesamten Einfluss geltend, um die Präsentation des Anti-Impf-Films „Vaxxed“ von Andrew Wakefield am 9. Februar 2017 in Brüssel bei der Pressekonferenz beim Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI) zu verhindern. Bei dem Film handelt es sich um ein manipulatives, keineswegs dokumentarisches Werk ohne jeglichen wissenschaftlichen Hintergrund und ohne journalistische Qualitäten. Der Film verbreitet Desinformationen, die potenziell eine erhebliche Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellen.

Detaillierte Begründung:

Das Masernvirus zählt zu den größten Killern junger Kinder.  Im Jahr 2015 starben mehr als 134.000 Menschen an Masern, das entspricht 15 Toten pro Stunde.  Und das obwohl es eine sichere und günstige Impfung gibt. Die WHO schätzt, dass die Masernimpfung seit dem Jahr 2000 mehr als 20 Millionen Leben gerettet hat.  Eines der erklärten Ziele der WHO ist, die Masern bis zum Jahr 2020 auszurotten (siehe auch http://who.int/mediacentre/factsheets/fs286/en/).

Doch in Europa lassen immer weniger Eltern ihre Kinder impfen. Damit rückt das in den Vereinigten Staaten bereits erreichte (jedoch stets gefährdete) Ziel, die Masernerkrankung auszurotten, unnötigerweise in immer weitere Ferne. Eine der Ursache für dieses Entstehen einer „Impfmüdigkeit“ ist das verantwortungslose Treiben sogenannter Impfgegner, in den angelsächsischen Ländern „Anti-Vaxxer“ genannt.

Herr Andrew Wakefield ist Mitbegründer und Speerspitze der Impfgegner/Anti-Vaxx-Bewegung.  1998 veröffentlichte er eine Arbeit in der angesehenen wissenschaftlichen Zeitschrift The Lancet. An 12 Kindern (eine lächerlich geringe Kohorte für ein Forschungsvorhaben) zeigte er vermeintlich, dass die Masern-Mumps-Röteln-Impfung Autismus verursacht. Journalistische Nachforschungen und die langjährige Untersuchung des General Medical Councils (britische Ärztekammer) bewiesen, dass Herr Wakefields im Zuge seiner Arbeit mit den Kindern unethische Forschungsmethoden angewandt, die Daten eines jeden einzelnen Patienten manipuliert oder wichtige Daten unterschlagen hatte und dass er von Anwälten finanziert wurde, die Klagen gegen Impfhersteller vorbereiteten und damit ein explitiztes Interesse an seinen Forschungsergebnissen hatten. Fast alle Co-Autoren wandten sich von Herrn Wakefield ab. Die britische Ärztekammer entzog ihm die Berufslizenz und The Lancet zog die Veröffentlichung zurück (siehe auch http://www.bmj.com/content/342/bmj.c5347).

Epidemiologische Studien an hunderttausenden von Kindern konnten Wakefields „Ergebnisse“ nicht reproduzieren. Wakefields gefakte Studie gilt heute als einer der großen Medizinskandale des 20. Jahrhunderts. Nichts weist darauf hin, dass Impfungen Autismus verursachen können. Im Gegenteil: Mit der größtmöglichen wissenschaftlichen Evidenz kann heute die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenhangs zwischen Impfungen und Autismus verneint werden. Dies ist nicht nur das Ergebnis einzelner Wissenschaftler, sondern das abschließende Urteil der weltweit renommierten Cochrane Collaboration, einer unabhängigen Institution, deren Aufgabe die Prüfung und Bewertung der Evidenzlage medizinisch-wissenschaftlicher Forschungen ist. Das abschließende Review der Cochrane Collaboration kann jedermann unter http://www.cochrane.org/CD004407/ARI_using-combined-vaccine-protection-children-against-measles-mumps-and-rubella einsehen.

Doch nun verbreitet Herr Wakefield seinen gefährlichen Irrglauben nicht mehr als Mediziner, sondern als Filmregisseur. „Vaxxed – From Cover-Up to Catastrophe“ ist eine einseitige und manipulative Verschwörungstheorie und-Anti-Vaxx-Propaganda, bar jeglicher wissenschaftlicher Fakten. Wakefield propagiert das Nicht-Impfen und spielt manipulativ mit den Ängsten, die alle Eltern um ihre Kinder haben. Deshalb ist Wakefields-Anti-Vaxx-Kampagne außerordentlich gefährlich.

Überall in Europa rebellieren Wissenschaftler und Interessenvertreter autistischer Kinder gegen die Vorführung dieses manipulativen, unwissenschaftlichen „Dokumentarfilms“. In den USA stieß Wakefield  bislang ebenfalls auf Widerstand, so wurde die geplante Vorführung seines Films auf dem renommierten Tribeca-Festival, das unter der Mitverantwortung des bekannten Schauspielers Robert de Niro steht, aufgrund zahlreicher Proteste abgesagt.

Angesichts dessen bin ich zutiefst entsetzt darüber, zu erfahren, dass Herr Wakefield mit seinem Film am 9. Februar 2017 die Möglichkeit zu einer Vorführung vor Mitgliedern des Europäischen Parlaments gegeben wird. Ausweislich der Vorankündigung ist ihm die Gelegenheit hierzu gar von einem ordentlichen Mitglied des Europäischen Parlaments geboten worden, Frau Michèle Rivasi (Frankreich).

Dies ist in meinen Augen in hohem Grade verfehlt und unverantwortlich. Wenn der Lobby der Impfgegner, die mit ihrer ständigen Propaganda ohnehin schon Tag für Tag Schaden an Leben und Gesundheit der Bevölkerungen anrichtet, gestattet wird, sich bei einem so hochrangigen Organ wie dem Europäischen Parlament Gehör zu verschaffen, dann ist dies ein verheerendes Signal.

Ich bitte Sie daher eindringlich, Ihren gesamten Einfluss geltend zu machen, damit Herrn Andrew Wakefield, einem aus der Wissenschaftsgemeinschaft wegen unethischen und unredlichen Handelns ausgeschlossenen Propagandisten, dieses Forum nicht zur Verfügung gestellt wird. Bitte nutzen Sie Ihre Kontakte, damit die Veranstaltung des ENVI-sollte sie nicht mehr zu verhindern sein- auf möglichst breiter Basis boykottiert wird. Möglicherweise wäre auch eine deutliche Presseerklärung einer Gemeinschaft von kritisch-aufgeklärten EU-Parlamentariern hilfreich, die den Bemühungen von Wakefield, die EU vor seinen Karren zu spannen, eine deutliche Grenze setzt.

Es wird Ihnen möglicherweise nicht entgangen sein, dass die Vorstellungen von Herrn Wakefield beim neu gewählten US-Präsidenten auf fruchtbaren Boden zu fallen scheinen. Beide Herren sind persönlich miteinander bekannt und haben auch Austausch miteinander gepflegt. Umso mehr kommt es darauf an, Wakefield in Europa Grenzen zu setzen. Hierzu berichtet bereits die Londoner Times unter
http://www.thetimes.co.uk/article/trump-gives-anti-vaccine-zealots-a-shot-in-the-arm-lwtbhdcgq ,
eine deutsche Übersetzung des Artikels findet sich hier:
https://keineahnungvongarnix.com/2017/01/30/wakefield-alarm-der-times-artikel-uebersetzt/.

Hinter diesem Anliegen dürften neben der ganz überwältigenden Mehrheit der weltweiten Wissenschaftsgemeinde auch alle Gesundheitsbehörden der Mitgliedsländer der EU stehen. Es wäre eine Desavouierung all dieser Personen und Institutionen, wenn es Herrn Wakefield gelingen würde, das Ansehen und die Autorität des EU-Parlaments auch nur in geringstem Maße für seine Zwecke zu nutzen. Bitte bleiben Sie nicht untätig!

Mit Dank und mit freundlichen Grüßen

(Name)

 

_____________________________

Hier findet man die Kontaktdaten der deutschen EU-Parlamentsabgeordneten. Das Foto anklicken, dann öffnet sich eine Seite für den/die einzelne/n Abgeordnete/n, in der ein eMail-Kontakt angeklickt werden kann.

Hier die Übersicht nach Bundesländern (Eine direkte lokale Zuständigkeit der EU-Parlamentarier gibt es eigentlich nicht, die unterste Ebene der Vertretung ist offiziell das Bundesland. Deshalb wäre zu empfehlen, alle Abgeordneten des jeweiligen Bundeslandes anzumalen – die Zahl ist letztlich überschaubar, für das Bundesgebiet insgesamt gibt es 96 Abgeordnete). Die Links führen auf die individuellen Webseiten der Parlamentarier, die in aller Regel auch einen Menüpunkt “Kontakt” haben.

 

Wer twittert? Eine liebe Leserin hat an den ENVI (Gesundheits- und Umweltausschuss des EU-Parlaments, die eigentliche Veranstalterin) bereits unter @Verorth getwittert. Wer mag das aufgreifen / folgen / selbst twittern?

 

Danke an alle!

 

Nachtrag am 29.01.2017, 23.00 Uhr: Auch bei der Impfgegnerschaft scheint Trump ernst zu machen.

Nachtrag am 03.02.2017, 17.30 Uhr: Dies hier ist die originale Ankündigungsseite von Wakefields Veranstaltung. Sie gehört der französischen Impfgegnerorganisation “Surete Vaccins”, die wohl mit Mme Rivasi, der Organisatorin in Brüssel, verbunden ist.

 

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Link des Tages: Interview mit Dr. Jan Leidel, Vorsitzender der StIKo

Als Ergänzung zu den letzten Posts hier bei mir, die sich aus gegebenem Anlass mit dem Impfthema befassten:

Interview mit Dr. Jan Leidel, dem Vorsitzenden der Ständigen Impfkommission, mit vielen klaren Statements und Sachinformationen. Wie sagt man: Lesebefehl!

http://www.dw.com/de/kein-autismus-durch-impfungen/a-37123766


 

Für alle, die sich gruseln möchten, hier nochmal ein Special der Lanka-Gemeinde, bei der offenbar jede Fähigkeit zur Aufnahme und Verarbeitung von Informationen per deutscher Sprache verloren gegangen ist.

Ich entschuldige mich in aller Form für die Zumutung, diesen Beitrag verlinkt zu haben… aber wir sollten schon der Wahrheit ins Auge sehen… oder so…. Link des Tages ist das aber ausdrücklich nicht. Eher abschreckendes Beispiel des Tages.

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Mir ist schlecht…

lanka
“Newsletter” der Webseite wissenschafft plus

http://wissenschafftplus.de/cms/de/newsletter-archiv?caribaCMS=3223b0d295857bc61d8cccad3f8a0a16

 

Liebe Leserinnen und Leser,

heute abend ist mein Blutdruck heftig angestiegen. Uneigennützig wie ich bin, möchte ich Euch daran gern teilhaben lassen. Was ist los?

Das Umfeld des unsäglichen Virenleugners, Impfgegners und Freundes der Neuen Germanischen Medizin, Stefan Lanka, verbreitet triumphierend die Meldung, dass vor dem Bundesgerichtshof der “Masernprozess” gegenüber Dr. David Bardens, hinlänglich bekannt in der skeptischen Szene, “endgültig gewonnen” worden sei. Das wird nun unmittelbar mit der himmelschreiend verlogenen Aussage verbunden, dass die Juristen Lanka nun auch noch inhaltlich recht gegeben hätten – in seiner Aussage, ein Masernvirus existiere nicht und Dr. Bardens habe hierzu auch keinen Beweis beigebracht.

Diese Leute schrecken vor keiner Lüge und Verdrehung zurück.

Wir erinnern uns: Lanka hatte eine Summe von 100.000 Euro für denjenigen ausgelobt, der ihm durch Vorlage einer Studie beweise, dass ein Masernvirus existiere. Dr. Bardens legte eine Reihe von anerkannten Veröffentlichungen vor, was Lanka jedoch keineswegs veranlasste, sich geschlagen zu geben. Woraufhin David Bardens die ihm ausgelobte Zahlung einklagte. Erstinstanzlich bekam er Recht, zweitinstanzlich -vor dem OLG Stuttgart- nicht. Und zwar keineswegs, weil der geforderte inhaltliche Nachweis nicht erbracht sei. Nein, aus rein juristischen Gründen. Ein Anspruch aus einer Auslobung ist nämlich deshalb nicht einklagbar, weil bei einer Auslobung kein gegenseitiger Vertrag zustande kommt, der wechselseitige Ansprüche  begründet. Bei einer Auslobung entscheidet allein der Auslober, ob er die Auslobungskriterien für erfüllt hält oder nicht. Er kann sich gar aus mehreren Ergebnissen, die an sich gleich zu bewerten wären, nach seinem Gusto eines aussuchen und diesem die Prämie zugestehen – oder auch nicht. Das ist geltendes Recht und kann in jedem BGB-Kommentar nachgelesen werden.

Insofern hatte das OLG Stuttgart gar nicht inhaltlich zu urteilen, sondern konnte nur Lankas Erklärung entgegennehmen, nach seiner Ansicht seien die Auslobungskriterien nicht erfüllt – weil nicht eine (wie gefordert), sondern sechs Studien vorgelegt worden seien…

Es war offensichtlich dem OLG Stuttgart selbst peinlich, das Verfahren so enden lassen zu müssen. Weshalb der Vorsitzende Richter sich auch in seinem Schlusswort in aller Deutlichkeit dazu erklärt hat: Das Gericht habe inhaltlich keineswegs im Sinne von Lanka entschieden, darum sei es nicht gegangen. Die Impfgegner um Lanka wurden vom Gericht regelrecht ermahnt, dies nicht falsch auszuschlachten.

Eine Revision wurde nicht zugelassen – dies wäre nur möglich gewesen, wenn es sich um eine Angelegenheit von grundsätzlicher Bedeutung oder um eine bislang noch nie entschiedene Frage gehandelt hätte. Und hier nicht missverstehen: Um im JURISTISCHEN SINNE grundsätzlich bedeutsame bzw. noch nicht entschiedene Fragen, nicht um den Tatsacheninhalt des Prozesses! Die Rechtslage zu Auslobungen ist aber völlig klar, unumstritten und in jedem guten Lehrbuch zum Schuldrecht nachzulesen.

Dr. Bardens hat gegen die Nichtzulassung der Revision Rechtsbeschwerde eingelegt, also einen rein juristischen Weg eingeschlagen, die inhaltliche Auseinandersetzung um die Auslobung und die Masernvirenfrage war mit dem Sitzungsende beim OLG Stuttgart beendet. Ob das nun so klug war, mag überlegenswert sein.

Jedenfalls, auch mangels Veröffentlichung oder Pressemitteilung des BGH lässt sich festhalten:

  • Der BGH hat inhaltlich nicht im Sinne des Impfgegners und Virenleugners Lanka entschieden. Er hat überhaupt nicht inhaltlich entschieden.
  • Er hat -soweit bislang einschätzbar- eine Nichtzulassungsbeschwerde gegen die Verwehrung der Revision zum zweitinstanzlichen Urteil des OLG Stuttgart verworfen.
  • Das ist ein rein formaljuristischer Vorgang.
  • Bestätigt dürfte der BGH nur eines haben: Die Entscheidung über die Nichtzulassung der Revision beim OLG Stuttgart. Diese war rechtsfehlerfrei. Nicht mehr.
  • Zu den Tatsachen hat der BGH keine Entscheidung getroffen. Es bleibt beim Schlusswort des Vorsitzenden des Zivilsenats beim OLG Stuttgart, siehe oben.
  • Selbst wenn der Nichtzulassungsbeschwerde von Dr. Bardens entsprochen worden wäre, hätte es zu einer -erneuten- inhaltlichen Verhandlung nicht kommen können. Die Revision ist eine Überprüfung auf Rechtsfehler, sie ist keine Tatsacheninstanz.

Ich halte deshalb mal in aller Deutlichkeit fest:

Die aktuell bereits im Netz befindlichen Jubelarien der Lanka-Anhänger sind milde ausgedrückt eine mentale Fehlleistung, härter ausgedrückt eine intellektuelle Unverschämtheit ersten Ranges, eine Propagandalüge, für die sich die meisten Geheimdienste zu schade wären. Ich frage mich wirklich nach der mentalen Verfassung dieser Leute. Natürlich hängen sie nach wie vor den Irrlehren ihres Meisters an – aber die Zurückweisung der Nichtzulassungsbeschwerde durch den BGH als inhaltlichen Sieg über Dr. Bardens umzuinterpretieren, das ist, schlicht gesagt, allerunterste Schublade. Wenn ich nicht so ein freundlicher und zurückhaltender Mensch wäre, würde ich bestimmt noch ganz andere Worte dafür finden.

 

Nachtrag:
Der obenstehende Beitrag wurde verfasst, als Pressemitteilung und Beschlusstext des Bundesgerichtshofs noch nicht vorlagen. Die Aussagen des Beitrags wurden von den inzwischen vorliegenden Veröffentlichungen des BGH in vollem Umfang bestätigt und bedürfen keinerlei Korrektur.

 

Bildnachweis: Screenshot, aaO

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Nachtrag zum Impfthema…

… für alle Impfgegner und Verbreiter unsinniger Geschichten über die Nutzlosigkeit und Gefährlichkeit von Impfungen – hier ein Link:

https://www.washingtonpost.com/news/wonk/wp/2015/05/04/a-horrifying-reminder-of-what-life-without-vaccines-was-really-like/?postshare=2411484104685978&tid=ss_fb-bottom&utm_term=.73ef15c993da

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Kleiner Polio-Patient in der Eisernen Lunge. Habe ich bei Schulkameraden Anfang der 1960er Jahre noch miterlebt. Alles kein Problem und ganz harmlos… Kinderkrankheiten geben den Kids ja bekanntlich einen Entwicklungsschub.

 

Bildnachweis:  Hulton-Deutsch Collection/CORBIS via Washington Post

 

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Das Robert-Koch-Institut zu den aktuellen Impfratenerhebungen: Ein Trauerspiel

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Zeit, zu impfen. Zeit, etwas zu tun.

Dauerthema Impfen

Beim Impfthema, das man nicht oft genug an die Fahne heften kann, sieht es nicht gut aus. Eher schlecht. Und zwar nicht nur deshalb, weil in den Vereinigten Staaten Mr. President elect Donald Trump alles tut, um der Impfgegnerfraktion die Lufthoheit zu verschaffen, zum Beispiel mit der Berufung des Impfgegners Robert Kennedy jr. an die Spitze dessen, was in den USA so etwa der Ständigen Impfkommission entspricht. Nein, auch hier bei uns ist keine Entwarnung zu vermelden. Nicht so spektakulär, aber mindestens genauso besorgniserregend.

Am 5. Januar hat das Robert-Koch-Institut (RKI) sein neuestes “Epidemiologisches Bulletin” veröffentlicht. Und darin findet sich Bemerkenswertes.

Das RKI stellt schon seit 2001 die Durchimpfungsraten für die wichtigsten Impfungen zusammen. Ein Problem ist natürlich immer die Datenbasis. Bis 2016 stützte man sich auf die Einschulungserhebungen, was natürlich nur eine Momentaufnahme war (also z.B. spätere Impfungen nicht erfasste und ebensowenig erst mit massiver zeitlicher Verzögerung Impfungen, die für Säuglinge neu empfohlen wurden). Seit 2016 steht dem RKI mit der sogenannten KV-Impfsurveillance nun auch ein ergänzendes Instrument zur Verfügung, um die Datenbasis zu verbessern. Dazu wurde mit den Kassenärztlichen Vereinigungen ein System entwickelt und nun auch angewendet, das auf einem Monitoring der kassenärztlichen Abrechnungsdaten beruht. Damit wurde beispielsweise erstmals möglich, eine absolute Zahl nicht bzw. unvollständig gegen Masern geimpfter Kinder hochzurechnen.

Sehr schön.

Und wie sieht nun das aktuell veröffentlichte Ergebnis aus?

Die erste Masernimpfung wird zuerst für Kinder von 11 bis 14 Monaten empfohlen, die zweite ab dem 15. bis zum 23. Monat. Damit ist die Zahl der Kinder interessant, die älter sind als 23 Monate und ohne Impfschutz sind. Davon wurden -bundesweit-  150.000 (!) Kinder des Jahrgangs 2013 nicht vollständig und weitere 28.000 (!!) Kinder gar nicht gegen Masern geimpft.

Viel gehört wird das Argument, das liege vor allem an der schlechter werdenden ärztlichen Versorgung in ländlichen Gebieten. Das scheint nach den Angaben des RKI nicht haltbar zu sein, denn ganz offenbar liegen die Problemgebiete in den Ballungsräumen. Berlin hält unter den großen Städten den traurigen Negativrekord mit rd. 7.300 nicht oder nicht vollständig geimpften Kindern dieses Jahrgangs.

Bei der zweiten Masernimpfung liegt die Durchimpfung bei 73,7 Prozent beim Geburtsjahrgang 2013. Gegenüber den noch für den Jahrgang 2004 erhobenen Daten eine Steigerung – hier betrug der Wert noch 59,1 Prozent (allerdings noch auf der alten Datenbasis ohne Nutzung der KV-Surveillance). Nützt aber wenig, denn, siehe Kommentar des RKI-Präsidenten dazu:  „Schlimm, dass Deutschland inzwischen in Europa das Schlusslicht der Masernelimination darstellt“. Ich halte das für eine mittlere Katastrophe, an der Obergrenze des Mittels.

Die Daten für Grippeimpfungen bei Senioren haben mich (obwohl Berufspessimist) doch sehr überrascht. Die Zahlen sind seit 2009 drastisch rückläufig und zeigen aktuell nur eine Durchimpfungsrate bei dieser Patientengruppe von gerade mal 35,3 Prozent… Und das bei all den Kampagnen pro Grippeschutzimpfung, zumal bei einer der Gefährdetenzielgruppen.

Bei der Impfung gegen Rotaviren, für die durch die KV-Surveillance erstmals überhaupt valide Daten verfügbar wurden, sieht es nicht besser aus.  Die Impfquote für eine vollständige Impfserie gegen Rotaviren beträgt 66 Prozent für den Jahrgang 2014, bei enormen regionalen Schwankungen (zwischen 15 -!- und 90 Prozent).

Das alles ist mehr als unerfreulich.

Höflich ausgedrückt. Die Frage nach den lang- bis mittelfristigen Wirkungen brauche ich hier wohl nicht zu erörtern, die ersten Auswirkungen, vor allem bei den Masern, haben sich längst gezeigt. Bleibt die Frage nach a) den Ursachen und b) den Möglichkeiten, ihnen entgegenzuwirken.

Ich möchte mich hier nicht in soziologischen Hypothesen verlieren. Für mich liegt auf der Hand, dass es eine Verbindung zwischen der ohnehin grassierenden Irrationalität, besonders, was Gesundheitsfragen angeht, und den katastrophalen Impfquoten gibt. Und deren Grundlagen lassen sich in drei Kategorien zusammenfassen: Selbstüberschätzung, Unwissenheit und Gleichgültigkeit. Wobei die Unwissenden von den Selbstüberschätzern, denen, die alles (besser) zu wissen glauben, stark beeinflusst werden und dadurch selbst zu Selbstüberschätzern werden. Zum Beispiel so:

selbstuberschatzer

Oder so:

unwissender

Hier offenbaren sich der mündige Patient und der informierte Bürger in ihrer ganzen schonungslosen Unverantwortlichkeit. Und finden beispielsweise nichts dabei, einen allgemeinen Geltungsanspruch für etwas zu erheben, das sie selbst als ihre “Vermutung” bezeichnen.

Jedenfalls zeigt sich eines: Trotz aller Kampagnen für Impfungen, trotz Aufklärung, trotz der Bemühungen der Hausärzte (denen ich diese mal unterstelle) beginnt die haltlose Propaganda gegen Impfungen breite und nachhaltige Wirkung zu zeigen.

Auch die Politik sollte sich hier inzwischen angesprochen fühlen. Nicht vorrangig zum Aspekt einer möglichen Impfpflicht, obwohl ab einem gewissen Punkt auch hieran kaum ein Weg vorbeiführen wird. (Nebenbei, staatlicher Paternalismus ist mir prinzipiell ein Greuel. Aber wenn von der Pflicht zur Anbringung von Rauchmeldern bis hin zur Verwendung bestimmter Glühbirnentypen ein solcher Paternalismus für vertretbar gehalten wird, dann brauchen wir, wenn die Volksgesundheit ernsthaft gefährdet ist, wohl nicht allzusehr zu diskutieren.)

Hier noch ein wenig Konstruktives:

Ich hätte da noch einen bescheidenen Vorschlag. Es ist wohl keine unzulässige Unterstellung, dass Impfgegnerschaft und deren Verbreitung unter dem Heilpraktikerstand und in den berühmten Heilpraktikerschulen verbreitet ist. Wie wäre es, wenn die neuen Durchführungsbestimmungen zum novellierten Heilpraktikergesetz vorsehen würden, die Heilpraktiker auf eine Impfberatung nach den Leitlinien des RIK zu verpflichten und bei einem Verstoß als Sanktion den Verlust der Heilpraktikererlaubnis auszusprechen? Das fände ich gar nicht so schlecht, und sei es erst einmal nur als deutliches Signal aus der Richtung der Politik. Das wäre zudem endlich einmal eine konkrete Regelung zum Heilpraktikerwesen, eine Neuerung seit 1939, immerhin… Die kruden Impfgegner”argumente” im Internet als Fake News zu bekämpfen -was sie zweifellos sind- wäre vielleicht ein etwas weitgehender Vorschlag…

Solange Beiträge wie die obenstehenden offen im Internet nachzulesen sind, komme mir keiner damit, es gebe keinen Handlungsbedarf. Ihrer sind Legion.

 

Mehr zum Impfthema auf meinem Blog: „Erstaunlich an den Gegnern des Impfens ist vor allem, dass es sie gibt.“ (Ärztezeitung) Ein Zwischenruf.

Zur Unwissenheit und Irrationalität bei “Onkel Michaels kleiner Welt”: Ich habe endlich die Homöopathie begriffen!

 

 

Bildnachweise: (1) Fotolia_132025205_XS, (2, 3) Screenshots (anonymisiert)

 

 

 

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Homöopathie im Viehstall – kann nicht wahr sein…

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Nicht verraten: Ich wandere aus…

Heute komme ich zu einem Thema, das mich besonders bewegt: Der Propagierung von “Homöopathie in der Tierzucht” als vorgebliche Lösung der inzwischen breit problematisierten Methode des großflächigen Einsatzes von Antibiotika bei der Nutztierhaltung.

Homöopathische “Behandlung” von Tieren habe ich schon an anderer Stelle dieses Blogs  ganz klar als Tierquälerei gebrandmarkt. Die nötigen Informationen hält auch das Informationsnetzwerk Homöopathie bereit. Mit dem heutigen Thema ist aber noch einmal eine ganz andere Qualität erreicht. Zudem wird deutlich, dass allen Ernstes die Homöopathiegläubigkeit bis in die Amtsstuben der für Landwirtschaft und Viehzucht zuständigen Kammern und Behörden vorgedrungen ist – respektive unentschuldbare Unwissenheit sich dort eingenistet hat. Da die dortigen Rauchwarner auf diese Form heißer Luft offenbar nicht anschlagen, heute dazu ein paar klare Worte.

Wo ist das Problem?

Die heutigen Haltungsbedingungen in der Intensivviehzucht führen aus verschiedenen Gründen (vor allem durch die Standhaltung mit geringem Platzangebot, aber auch durch hygienische Mängel, die nicht so leicht zu beheben sind, und anderes) zu einer hohen Infektionsdichte im Viehbestand. Kann man sich leicht vorstellen. Inzwischen ist die vorbeugende Behandlung mit Antibiotika -auf gut deutsch, die Aufrechterhaltung eines Mindestwirkpegels im Körper der Tiere- das “Mittel der Wahl”. Folgen: Antibiotikaführendes Schlachtfleisch, alle mit dauernden Antibiotikagaben verbundenen Nebenwirkungen (z.B. Pilzinfekte) beim Tier, Antibiotikapegel unakzeptabler Größe in Abwässern, Resistenzentwicklung, hohe Kosten und anderes. Nicht wünschenswert, eine echte Fehlentwicklung, zweifellos. Das hat man, nachdem sich dieser Zustand über lange Zeit hin unter den Augen der Viehzüchter und der verantwortlichen Kammern und Behörden entwickelt hat, immerhin bemerkt.

Ja, und was ist jetzt mit Homöopathie?

Allerorten wird nun nach dem Stein der Weisen gesucht, der ja bekanntlich nicht nur Gold aus beliebigen Grundstoffen erzeugen, sondern auch jede Krankheit heilen konnte. Wegen der Geschichte mit den Amtsstuben der zuständigen Kammern und Behörden (siehe oben) tut sich nun plötzlich ein El Dorado (nie für möglich gehaltenes Goldland) für die Propagandisten der schonenden und sanften Tiertherapie mit Homöopathika auf. Zu erkennen beispielsweise an den von den Zuständigen organisierten Fortbildungsveranstaltungen für die interessierte Landwirtschaftsbranche (z.B. hier). Kein Einzelfall. Dort bekommen Leute eine Plattform, die schon länger versuchen, die Nutztierhaltung mit Zuckerkügelchen zu sabotieren.

Scheint auch niemanden zu interessieren, dass vor kurzer Zeit erst ein Milchbauer wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz verurteilt worden ist, weil er ein akut krankes Tier mit wirkungslosem Homöopathiezeugs misshandelt hat. Das arme Kälbchen hatte eine Kniegelenksentzündung, eine Allerweltssache für jeden guten Tierarzt, es ist durch die Zuckerkügelchen allen Ernstes daran gestorben.

Bekanntlich ist ja bei der Homöopathie das Nicht-Scheiternkönnen im System eingebaut. Diesmal könnte es aber ganz anders kommen, und das sage ich nicht aus Häme gegenüber den verhinderten Tortenverzierern.

Dass die Homöopathie  -einschließlich Tierhomöopathie- von vornherein eine unwirksame Methode ist, brauche ich in diesem Blog nicht mehr besonders zu betonen. Wer’s noch nicht mitgekriegt hat, ist herzlich zum Stöbern und Lesen in den Artikeln hier eingeladen (ein Überblick hier). Dass homöopathische Prophylaxe zur Gruppe des größtmöglichen Unsinns gehört und Hahnemann den Atem verschlagen hätte, habe ich auch schon dargelegt, beispielsweise hier und hier. Dieser Aberwitz, auch noch kombiniert, soll nun für das Problem der Überantibiotisierung im Viehstall herhalten…

Was wird geschehen, wenn das wirklich durchgezogen wird? Ganz einfach, eine Häufung von Infektionsfällen bis hin zu veritablen Stallseuchen, die womöglich auch noch in der Keulung von Beständen enden könnten (je nach Infektionsart und -umfang). Was sonst? Es entfällt ja jeder Schutz – durch eine unwissenschaftliche Hokuspokusmethode, die mit viel Geld und ebensoviel Lobbymacht viele, allzuviele Hirne besetzt hält. Die kritische Masse, bei der sich das Gefühl, etwas zu wissen, in einer Gruppe verselbständigt, ist längst überschritten.

Hinzu kommt die Gefahr, Fleisch von erkrankten Tieren auf dem Teller des Verbrauchers wiederzufinden. Sowohl bei einer Umstellung der Prophylaxe auf Homöopathika als auch bei der homöopathischen Behandlung akut erkrankter Tiere besteht selbst bei einem Verschwinden der Symptome ein hohes Risiko bakterieller Belastung der Tiere. Kommen diese in die Schlachtung oder werden sie wieder in den Milchkreislauf eingegliedert, dann viel Vergnügen. Auch der Verbraucherschutz spielt also beim heutigen Thema eine sehr große Rolle.

Ich kann deshalb, als kleiner Blogschreiber, nur alle warnen, die es angeht: Dieser haarstäubende, hinverbrannte “Weg”, das Antibiotikaproblem im Stall zu lösen, kann durchaus in wirtschaftlichen und auch ökologischen Katastrophenlagen enden. Und es wäre nicht mehr als recht und billig, wenn die qua Amt Verantwortlichen, die sich heute auf ihrer Verwaltung des Unheils (z.B. in Form der Organisation von “Fortbildungsveranstaltungen”) ausruhen statt ihre wirklichen Aufgaben wahrzunehmen, sich dann wirklich verantworten müssten.

Wie gesagt – keine Häme. Sondern Sorge. Obwohl diese Sache -konsequent durchgezogen- durchaus zum endgültigen Desaster für die Homöopathie werden könnte. Mir wäre es trotzdem lieber, wenn sich Leute, die etwas von der Sache verstehen, zusammensetzen und Alternativen entwickeln, die natürlich als erstes die bisherigen Formen der Intensivtierhaltung in den Blick nehmen müssten. Und die Großökonomen, die den Euro im Auge haben, seien nochmals gewarnt: Homöopathika im Stall können im Endeffekt wesentlich teurer kommen als Änderungen bei der Intensivtierhaltung. Was zudem passieren kann, wenn der Verbraucher das Vertrauen in die Fleisch- und die Milchwirtschaft verliert, dazu braucht man sich nur einmal die damalige “BSE-Panik” in Erinnerung rufen.

Übrigens schreibe ich diesen Artikel nicht nur als Homöopathiegegner, sondern auch als Tierfreund und Beinahe-Vegetarier.

Bildnachweis: Eigenes Bild

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Homöopathie und Impfen

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Wirklich nichts Homöopathisches???

Äh… echt jetzt?

Aber ja! Wusstet ihr noch nicht, dass die Homöopathen das Impfen erfunden haben und dass das Impfen sogar die Homöopathie beweist?

Nein? Dann impformier ich euch mal:

Similia similibus curentur. Ähnliches heilt ähnliches. Der Grundstein der homöopathischen Lehre. 

Ja seht ihr, ihr ignoranten Allopathen, da haben wir es doch! Ihr impft doch genau mit dem, was die Krankheit erzeugt, vor der ihr schützen wollt! Sagt ihr doch selbst! Also bitte – oder vielmehr danke, denn damit bestätigt ihr Hahnemann ja wohl komplett. Mit dem nach eurer eigenen Aussage erfolgreichsten Methode der “modernen Medizin”. Wir impfen ja auch, homöopathisch! Na, und jetzt?

Gemach, lieber Homöopath.

Es gibt keine homöopathische Prophylaxe und es kann keine geben.

Ich hätte da gleich zu Anfang einen klitzekleinen Einwand, der eigentlich schon reichen dürfte, eure schöne zuckersüße Wunschwelt zum Einsturz zu bringen. Nämlich:
Der Impfende “heilt” nicht. Er betreibt medizinische Prophylaxe, womit ihr Homöopathen nix, aber auch gar nix zu tun habt.

Laut Hahnemann ist die Homöopathie eine Heilkunst auf der Grundlage einer Arzneimittellehre. Einen näheren Begriff von Krankheit, von deren Entstehung und Verlauf, hatte Hahnemann nicht. Im Gegenteil, er war klar der Auffassung, dass von der “Krankheit”, der “verstimmten Lebenskraft”, nur die Summe der außen sichtbaren Symptome “zu wissen sei”, mehr nicht. Um möglichst viel über die “verstimmte Lebenskraft” zu erfahren, hielt er seine Jünger an, den Kranken (!) bis ins letzte Detail zu seiner Befindlichkeit zu befragen, damit nur ja das Mittel gefunden werden könne, das der verstimmten Lebenskraft exakt entgegenwirken möge. Akutbehandlung sozusagen (§ 17 und 18 Organon).

Wo bitte soll in diesem Modell ein Platz für eine Prophylaxe, eine medizinische Vorbeugung vor Erkrankungen sein? Wo der Meister doch postulierte, dass die Krankheit “an sich” nichts anderes sei als die “verstimmte geistige Lebenskraft”, von der nicht mehr als das Symptombild am Kranken erkennbar sei? Wenn ich etwas geraderücken will, muss es erst mal schief sein. Sollte klar sein. Also, merken: In der Homöopathie gibt es keinerlei Raum für eine vorbeugende Behandlung. Ähnlich wie bei anderen zeitgenössischen “Therapien”, wie dem Mesmerismus. All diese Dinge machen sich am Akutzustand des Erkrankten fest, Ätiologie -die Lehre von Entstehung und Verlauf von Krankheiten- spielt weder bei der Homöopathie noch beim Mesmerismus eine Rolle.

Bei dem Wort Immunisierung wäre Hahnemann vermutlich eh schon dem Schlagfluss erlegen. Denn die Krankheit als solche kennt man nicht, und gegen Symptome immunisiert man nicht. Nebenher: Falls jemand sauer ist, dass man die seriöse Hahnemannsche Methode mit dem magnetischen Mesmerismus, diesem okkulten Blödsinn, vergleicht: Hahnemann fand das echt gut. Eng verwandt mit seinen Vorstellungen. So eng, dass er selbst homöopathische Prüfungen mit Magneten betrieb, eine Unmenge von “Symptomen” fand und die auch noch unterschiedlich nach Nord- und Südpol. Lang und breit zu finden im Organon des Meisters, §§ 286 ff.  Bis so weit hinten scheint kaum jemand zu lesen…

Zudem bleibt bei der Annahme, die Impfung sei der Homöopathie ähnlich und auch die Homöopathie könne impfen, das Prinzip der Individualität bei Hahnemann unbeachtet. Er verwarf jede Ätiologie, jede systematische Lehre von Ursachen und Verlauf von Krankheiten, zugunsten der höchst individuellen “Verstimmung der geistigen Lebenskraft” im einzelnen Patienten. Wo sollte da geimpft oder vorgebeugt werden? in § 54 des Organon kritisiert er die Allopathen scharf und ausdrücklich dafür, dass “man die Krankheiten für Zustände ausgab, die immer auf ziemlich gleiche Art wieder erschienen.” Na, wenn es keine “auf ziemlich gleiche Art” wiederkehrenden Krankheiten gibt, dann kann man ja jede vorbeugende Impfung eh vergessen…

Ein paar winzige Details noch, und wir sind schon fertig…

Kommen wir noch mal auf das similibus hocuspocus zurück. Wer so argumentiert wie unser stolzer Homöopath zu Anfang, der hat den Impfmechanismus entweder gar nicht oder aber grundsätzlich missverstanden.

Die Impfdosis, das Mittel, das verabreicht wird, wirkt selbst nicht schützend. Es löst vielmehr eine Immunreaktion im Körper aus, veranlasst diesen, Antikörper gegen die ins Auge gefasste Erkrankung – und gegen die Impfdosis! zu bilden. ANTIkörper. Die “wirken” dann “gegen” die später vielleicht in den Körper gelangenden Krankheitserreger. Nun, was sagte Hahnemann doch gleich über die bösen Allopathen, die mit “Anti”-Mitteln die Menschen vergifteten?

Es überzeugt uns aber jede reine Erfahrung und jeder genaue Versuch, daß von entgegengesetzten Symptomen der Arznei (in der antipathischen, enantiopathischen oder palliativen Methode) anhaltende Krankheitssymptome so wenig aufgehoben und vernichtet werden, daß sie vielmehr, nach kurzdauernder, scheinbarer Linderung, dann nur in desto verstärkterem Grade wieder hervorbrechen und sich offenbar verschlimmern (siehe § 58 – 62 und 69).” (§ 23 Organon).

Der richtig betrachtete Impfmechanismus ist deshalb kein Zeuge und auch kein Bundesgenosse für die Homöopathie, sondern einer der zahlreichen Kronzeugen gegen sie.

Ein wenig historischer Exkurs muss noch sein.

Gelegentlich weisen die Hahnemann-Jünger auch auf dessen Erwähnung der Jennerschen Pockenimpfung im Organon hin. Dies lässt jedoch keine anderen Schlüsse zu als die oben ausgeführten. Wir wollen eine Antwort aber auch hier nicht schuldig bleiben.

Hahnemann waren die frühen Versuche, mit Kuhpocken zu impfen, durchaus bekannt. Er erwähnt Jenner und seine Erfolge durchaus, erkennt aber -tragischerweise- nicht den darin steckenden Ansatz einer sinnvollen Ätiologie und verfolgt Jenners Gedanken nicht weiter, ja, geht erstaunlicherweise ohne Umschweife über ihn hinweg – zugunsten einer fragwürdigen Begründung seiner Ähnlichkeitsregel mit „Heilung durch Krankheit“. Er entwickelt nicht etwa den Gedanken einer Immunisierung weiter, sondern ihm geht es um etwas ganz anderes. Dies zeigt die Erwähnung einer Reihe anderer Erkrankungen neben den Pocken ausschließlich im Zusammenhang, mit  der vorgeblichen Heilung oder Linderung von Symptomen, die der ausgebrochenen Krankheit ähnlich sind, aber schon vorher da waren. Hahnemann führt in § 46 des Organon, der auch die Erwähnung Jenners enthält, eine Reihe von Beispielen auf, etwa die „homöopathische Heilung“ von alten Hautaffektionen, Blindheit, ruhrähnlicher Zustände und sogar Hodenquetschungen durch die Pocken, Wechselfieber, Keuchhusten und fleckenartige Hautausschläge durch Masern (ihm waren bei den Masern “ätiologisch” nur die Hautausschläge, die er als Hauptsymptom ansah, wichtig).

Nein, Hahnemann kann bei alledem ganz sicher nicht als einer der Väter der modernen Immunologie, auf der die Schutzimpfungen beruhen, gesehen werden. Im Gegenteil – er hat Jenners Ergebnisse nicht aufgenommen und nicht weitergedacht. Er begann statt dessen mit den „Blindversuchen“ bei der Arzneimittelprüfung am Menschen, wahllos alle möglichen und unmöglichen Stoffe durchzuprobieren (was seine Jünger heute noch tun) – was zeigt, dass er den Jennerschen Gedanken, dass die Auslöser einer (Infektions-)Krankheit im Kranken, bei der Krankheit, zu suchen seien, überhaupt nicht in Betracht zog.

Gleichwohl betrachtete er, wenn man ihn fragte, die Vaccination mit Kuhpockenlymphe als “Homöopathie” – hatte also offensichtlich seine eigenen Maßstäbe nicht recht durchdacht. An begeisterten bis unkritischen Jüngern hat es Hahnemann nie gefehlt, und so kam es dazu, dass auch August Bier, der rührige Homöopath, der an der Universität Berlin einen homöopathischen Lehrstuhl durchgesetzt hatte (der später wegen fehlender positiver Ergebnisse wieder geschlossen wurde), dies ebenfalls für Homöopathie hielt und propagierte. Schon 1930 ließ sich die Münchner Medizinische Wochenschrift darüber folgendermaßen vernehmen:

Würde Bier einen Pockenkranken vaccinieren – entsprechend dem Similia similibus- wäre das Ergebnis vielleicht katastrophal. Es ist also für den Similebegriff entstellend, die Allergielehre (gemeint ist die Immunologie, die damals noch in dem Begriff Allergielehre aufging, UE) auf dem oben geschilderten Umweg der Homöopathie zunutze machen zu wollen, so als wäre Prophylaxe gleichbedeutend mit Therapie. Gemäß dem Similia similibus curantur soll doch ein Leiden oder ein Krankheitszustand – nicht ein Gesunder behandelt werden. Offensichtlich wollen die Homöopathen durch Inanspruchnahme serologischer Phänomene nur die Wirksamkeit kleiner und kleinster Dosen beweisen. Die Gedankengänge sind hier von ihnen weit gespannt worden.”

Mist. Wieder nix.

Immunsystem = Hahnemanns „geistartige Lebenskraft“?

Und kommt mir jetzt bloß nicht noch mit der Gleichsetzung des Immunsystems mit Hahnemanns “geistiger Lebenskraft”. Dann seid ihr aber richtig draußen. Zunächst einmal ist das Immunsystem nichts „Geistartiges“, sondern ganz handfest materiell und interagiert -auch bei der Impfung- auf materieller Basis. Das Immunsystem ist eine sehr komplexe Teilfunktion des Körpers, die aber keineswegs die Eigenschaften hat, die Hahnemann in seiner Vorstellung dem “Princip der geistigen Lebenskraft” zuschrieb:

Der materielle Organism, ohne Lebenskraft gedacht, ist keiner Empfindung, keiner Thätigkeit, keiner Selbsterhaltung fähig; nur das immaterielle, den materiellen Organism im gesunden und kranken Zustande belebende Wesen (das Lebensprincip, die Lebenskraft) verleiht ihm alle Empfindung und bewirkt seine Lebensverrichtungen.” (§ 10 Organon)

Macht doch euren Hahnemann nicht kaputt, sag ich doch immer.

Noch einen obendrauf…

Hahnemann wollen wir mal gar nicht in die Verantwortung nehmen für diese Irrwege des “homöpathischen Impfens”. Wie beispielsweise auch bei der Homöopathie für Tiere, ist das eine Entwicklung von Exegeten, die offenbar die Homöopathie zum “Stein der Weisen” -dem alles heilenden und verbessernden Mittel- hochstilisieren wollten.

Die homöopathische Impfung ist  von einem Doktor Lux schon in den 1820er Jahren „erfunden“ worden. Er kombinierte die Immunisierung nach Jenner mit dem homöopathischen Prinzip. Unbekümmert um die Unmöglichkeit einer homöopathischen Prophylaxe stellte er nach homöopathischen Grundsätzen -also durch Potenzierung- Mittel aus Blut und Ausscheidungsprodukten kranker Tiere her, die er dann verabreichte. Kurz darauf prägte der amerikanische Arzt Hering für diese besondere Form der „homöopathischen Zubereitung“ den Begriff „Nosoden“ (nach dem griechischen Wort für Krankheit). Es gibt heute serologische wie pathologische Nosoden (aus Sekreten oder aus Organen gewonnene), dazu auch die Sonderform der Eigenblutnosode.  “Nosodenimpfung” erfolgt meist in der Form von C200-Globuli nach „Impfplänen“. Es wird sogar die Nosodenimpfung gegen Tropenkrankheiten empfohlen, ebenso die parallele Anwendung zu Pflichtimpfungen, auf diese soll mit der „Nosodenimpfung“ „vorbereitet“ werden.

Es sei als Groteske am Rande erwähnt, dass die Hersteller die Ungefährlichkeit ihrer Nosodenpräparate betonen, indem sie darauf hinweisen, dass „dank der homöopathischen Aufbereitung bereits in Tiefpotenz von C6 das Vorkommen eines einzigen Erregers in der Nosode unwahrscheinlich ist, so dass der Erreger sich unter keinem denkbaren Umstand mehr reproduzieren könnte“ (Paracelsus-Magazin, 03/2009). Zudem sei durch die Sterilisierung (sic!) bei der Herstellung die Erkrankungsgefahr ausgeschlossen. Womit klar ist: Auch hier geht es nicht um eine physiologische, sondern wieder einmal um die „geistartige“ Wirkung. Keine Angst, wir garantieren für die völlige Wirkungslosigkeit!

So richtig verstanden scheint das Impfprinzip in Homöopathiekreisen auch gar nicht zu sein. So schreibt das Paracelsus-Magazin (aaO): „Eine homöopathische Nosoden Prophylaxe verhindert nicht ein Ausbrechen der Krankheit wie es beispielsweise die schulmedizinischen Impfungen versprechen, vielmehr wird der Organismus auf die entsprechende Erkrankung eingestimmt, sodass er bei einer Infektion zielgerichtet reagieren kann.“ Ach. Ich hatte das eher umgekehrt im Kopf… man lernt nie aus.

Kurz: Die Kombination einer von vornherein unwirksamen Methode (Homöopathie) mit einer falsch angewandten, unwirksam gemachten Methode (Immunologie, Serologie). Nicht nur “Nix drin, nix dran”, sondern sogar “Alles muss raus”.

 

Das war’s dann wohl.

Seht ihr? Ist nichts mit der Erfindung der Impfung durch die Homöopathie und auch nicht mit der Impfung als Beweis für deren Richtigkeit. Genauso könntet ihr behaupten, von 1949 bis 1960 wären in der ehemaligen DDR keine Impfungen notwendig gewesen, weil der Staatspräsident Wilhelm Pieck hieß…

Insgesamt ein krasses Beispiel dafür, wie durch nicht reflektierte Analogieschlüsse (immer gefährlich, da der Mensch zum Denken in Ähnlichkeiten neigt) in Verbindung mit unkritischem Wunschdenken Aussagen entstehen, die dem unvoreingenommenen Leser oder Zuhörer zunächst recht plausibel erscheinen. Aber Descartes’ berühmter Ausspruch heißt ja auch “Ich denke, also bin ich” und nicht “Mir fällt was ein, ich hab recht!”


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