VAXXED in London – Streng geheim!

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Nun hat er es doch noch geschafft. Wie die TIMES recherchierte, hat am Abend des 14. Februar doch noch eine Aufführung von Wakefields filmischen Exkrementen stattgefunden. Aber welchen Effekt man sich davon versprochen hat…

350 Karteninhaber, ganz offensichtlich alle namentlich bekannt und schnell erreichbar, wurden vor der Vorstellung in den Regent’s Park bestellt. Die TIMES schreibt:

„Das Publikum stürmte in einen Saal auf dem efeubewucherten Campus einer Privatuniversität – für ein Ereignis, das so geheimnisvoll war, dass nicht einmal der gastgebenden Institution bewusst war, was geschehen sollte. Die Organisatoren hatten die Art von Vorkehrungen getroffen, die normalerweise zum Schutz von Holocaust-Leugnern oder salafistischen Hasspredigern verwendet werden. Doch das Ereignis des Abends waren weder David Irving noch Abu Hamza: Es war ein ausgestoßener Arzt.“

Ein schöner Erfolg. Von der Absicht, Europas Öffentlichkeit und womöglich auch noch politische Entscheidungsträger zu beglücken, bis hin zu einem konspirativen Treffen unter Gleichgesinnten, so geheim, dass die TIMES investigativ recherchieren musste – wirklich sehr beeindruckend. Glückwunsch.

Wenig erfreulich für Wakefield war auch die Berichterstattung in der TIMES, als er nach über sieben Jahren wieder britischen Boden betrat. Sinnigerweise verband die TIMES dies gleich mit dem Hinweis darauf, dass die Internetriesen Amazon und Apple jetzt auch noch Geschäfte mit dem VAXXED-Film machen:

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Wir werden dranbleiben.

Bildnachweise: Screenshots THE TIMES, 16.02.2017

Für Impfgegner!

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Link dazu

Auch an anderen Stellen veröffentlicht:
Robert Kennedy jr. und Robert de Niro loben 100.000 Dollar für den aus, der die Unschädlichkeit von thiomersalhaltigen Impfstoffen bei Kindern und Schwangeren nachweist.

Dumm, perfide oder beides? Die klassische dumm-hinterlistige Forderung, etwas Nichtvorhandenes zu beweisen. Wieder mal wird eine Schleimspur gelegt, die zu einer Win-Win-Situation für die Impfgegner führen soll. Wie soll man die Nichtschädlichkeit beweisen, wenn eh klar ist, dass medizinstatistische Daten diese Herrschaften nicht beeindrucken werden? Und dann auch noch der Spezialfall von thiomersalhaltigen Impfungen (gibt es fast nicht mehr) bei Schwangeren und Kindern? Wie soll das denn gehen?

Was die Herrschaften oder vielleicht auch nur ihre Hintermänner wissen: Gar nicht. Sie werden, wenn jemand so verrückt ist, hierauf einzugehen, sich der Methode Lanka bedienen: Mit nichts zufrieden sein. Was ja aufgrund der Fragestellung, die nach dem Beweis von etwas Nichtvorhandenem fragt, auch naheliegt. Oder es legt überhaupt niemand etwas vor, weil man sich nicht auch noch intellektuell selbst beleidigen will..

Folge in beiden Fällen: Es wird messerscharf gefolgert, dass niemand die Unschädlichkeit von thiomersalhaltigen Impfungen bei Schwangeren und Kindern belegen kann. Und daraus wird triumphal abgeleitet, dass thiomersalhaltige Impfungen bei Schwangeren und Kleinkindern schädlich sind.

So.

Hiermit lobe ich demjenigen, der mir den wissenschaftlichen Beweis dafür erbringt, dass Robert Kennedy jr. und Robert de Niro keine Idioten sind, 100 Euro und einen Bund Bio-Knoblauch aus. Und wehe, keiner gewinnt die Auslobung hier! Dann steht nämlich klar fest, dass Robert Kennedy jr. und Robert de Niro ….

Genau.

 

 

Bildnachweis: Screenshot Buzzfeed

 

Wakefield-Alarm: „Vaxxed“ in Deutschland…

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Und es geht weiter. Ab April sind Aufführungen des „Vaxxed“-Machwerks, gelegentlich auch als Film bezeichnet, in Deutschland angekündigt, wie es aussieht, (zunächst) in Bayern. Über Einzelheiten ist bislang noch nicht viel bekannt. Aber bei Facebook wird die Werbetrommel gerührt:

https://www.facebook.com/events/1263465470355981/

Folgenden Kommentar habe ich dort hinterlassen – er wartet (vermutlich vergeblich) auf Freigabe durch die Moderation (das sagt ja auch schon wieder alles):
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Sind wir jetzt mal neugierig?

Bei näheren Informationen über Lokalitäten usw. gibt es einen aktuellen Blogbeitrag.

Zwei Meldungen des Tages…

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… die zusammenpassen wie die Faust auf das berühmte Auge.

Nummer eins:

Wie sicher schon viele aus den Medien erfahren haben, hat die Russische Akademie der Wissenschaften die Homöopathie offiziell als Pseudomedizin eingestuft und dem dortigen Gesundheitsministerium nahegelegt, Maßnahmen zu ergreifen mit dem Ziel, die Homöopathie aus dem öffentlichen Gesundheitssystem zu entfernen. Das Ministerium hat wohl bereits zugesagt, entsprechend zu verfahren. Ich zitiere hier die Pressemitteilung der Akademie der Wissenschaften:

Pressemitteilung
Die Kommission zur Bekämpfung von Pseudowissenschaften am Präsidium der Russischen Akademie der Wissenschaften (RAS) hat ein Memorandum „Über die Pseudowissenschaft Homöopathie“ herausgegeben (http://klnran.ru/2017/02/memorandum02-homeopathy/).
Das Dokument besagt: „Die Behandlung mit ultraniedrigen Dosen in homöopathischen Mitteln hat keine wissenschaftliche Grundlage und damit keine Rechtfertigung.“ Die Kommission empfahl dem Ministerium für Gesundheit, alle homöopathischen Arzneimittel aus öffentlichen Kliniken zurückzuziehen und über Maßnahmen des Kartellamtes die Bürger davor zu schützen, dass ihnen das Vorhandensein „therapeutischer Eigenschaften“ solcher Mittel suggeriert wird. Das Gesundheitsministerium hat zugesagt, auf die Argumente des Memorandums zu reagieren, sobald sie diese auf offiziellem Wege erhalten hat.

Das ist insofern nicht nur von hoher, sondern von höchster Bedeutung auch für das Grundanliegen dieses Blogs, als dass das Memorandum mit Gutachten exakt der Argumentationslinie der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft folgt und auch die wesentlichen Belege, die zur international weitestgehend konformen Einstufung der Homöopathie als Scheintherapie führen, seiner eigenen Argumentation zugrunde legt. Demzufolge wäre es auch völlig unangemessen, das russische Statement etwa als exotisch abzutun: Es ist auf der Höhe der wissenschaftlichen Erkenntnis, argumentiert völlig zutreffend und tritt damit an die Seite der Länder, die längst die fälligen Konsequenzen für ihre Gesundheitssysteme gezogen haben.

Bemerkenswert ist zudem, dass damit in Russland eine seit rund 20 Jahren existierende Verankerung der Homöopathie im öffentlichen Gesundheitssystems ausdrücklich rückgängig gemacht wird, unter Hinweis darauf, dass es bereits damals an einer wissenschaftlich haltbaren Begründung für eine solche Etablierung gefehlt hat. Hut ab.

In Kürze wird das Informationsnetzwerk Homöopathie auf seiner Webseite weitergehend berichten und eine deutsche Übersetzung des Memorandums und des zugehörigen Gutachtens einer hochkarätigen Wissenschaftskommission vorstellen. Lesebefehl!

 

Wie gesagt, höchst bemerkenswert. Wie steht es nun angesichts dessen um die Aussichten, die bislang gezeigte völlige Unempfindlichkeit gegen Fakten bei den deutschen Verantwortlichen zu beeinflussen? Damit kommen wir, bevor ich mich in längst dargelegten Ansichten zu diesem Thema erneut ergehe, zu

Nummer zwei:

Der Deutsche Zentralverein Homöopathischer Ärzte lädt ein zum 72. Homöopathischen Weltärztekongress unter dem Motto NETWORKING IN MEDICAL CARE – Ärztliche Zusammenarbeit zum Wohle der Patienten, vom 14. bis 17. Juni 2017, Kongresshalle Leipzig.

Schlimm genug. Aber jetzt ratet mal, wer laut DZVhÄ die Schirmherrschaft bei dieser Luftblase übernehmen wird, die zweifellos die doch eher leicht provinzielle Veranstaltung des DVZhÄ in Bremen 2016 aber mal so richtig überstrahlen soll (Schirmherrin damals, trotz Protestaktion der GWUP: Die Bremer Wissenschaftssenatorin, Pädagogin von Beruf und Anhängerin von Pluralismus). Na?

Schirmherrschaft: Annette Widmann-Mauz, Staatssekretärin beim Bundesministerium für Gesundheit.

Warum nicht gleich gar Herr Gröhe persönlich? Ah ja, ich erinnere mich dunkel, es gab mal Äußerungen von ihr, dass sie mit Homöopathie gute Erfahrungen gemacht habe und dass es doch so viele positive Studien gebe… oder so.

Wie taub, blind und ignorant muss man eigentlich sein, sich hierauf als politische Amtsträgerin der höchsten Gesundheitsbehörde des Landes einzulassen und sich womöglich auch noch geehrt zu fühlen? Das alles angesichts der mehr und mehr national wie international klar artikulierten Einstufung der Homöopathie als Scharlatanerie, siehe auch oben die erste Meldung? Geht es noch? Wer soll denn alles noch ermuntert werden, diesen ganzen Unsinn weiter ernst zu nehmen, Krankenkassen dafür zahlen und Apothekenkunden das Geld aus der Tasche ziehen zu lassen? Und vor allem, in Kauf zu nehmen, dass Behandlungen verschleppt oder verunmöglicht werden? Womöglich noch bei Kindern?

Liebes Gesundheitsministerium, liebe Frau Widmann-Mauz: NEIN. Das liegt außerhalb jeglicher Toleranzgrenze. Für mich jedenfalls.

Für euch auch?

Twitter: @BMG_Bund      @AWidmannMauz

Mail: poststelle@bmg.bund.de

 

 

 

 

Bildnachweis: dreamstime_xs_69305092

Wakefield: Scharlatan, Filmemacher, Hellseher!

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Auf der Ankündigungsseite des unsäglichen „Impf-Report“ (unter Mitregie des weithin bekannten Milchbauern und Alleswissers Hans Tolzin) gibt es bereits eine Veranstaltungs-Vorankündigung für September 2017 (!), wo ein gewisser Andrew Wakefield einen Vortrag mit dem Titel „Acht Monate Trump – Was hat sich an der Impfpolitik der USA bisher verändert?“ halten soll /wird/möchte?

Was sagt man dazu. Vielleicht, ob Mr Wakefield erstmal abwarten sollte, ob es in acht Monaten noch einen Präsidenten Trump gibt oder ob seine hellseherischen Fähigkeiten ihn doch täuschen?

Ich erlaube mir, auch auf die anderen illustren Teilnehmer und deren Vortragsthemen hinzuweisen. Jetzt ist auch Prof. Harald Walach bei den Impfgegnern angekommen.

Wie hat der Herakles das nochmal mit der Hydra hingekriegt? Ich muss mal wieder den alten Gustav Schwab aus dem Bücherschrank holen…

 

Bildnachweis: Screenshot aaO

Mir ist schlecht…

lanka
„Newsletter“ der Webseite wissenschafft plus

http://wissenschafftplus.de/cms/de/newsletter-archiv?caribaCMS=3223b0d295857bc61d8cccad3f8a0a16

 

Liebe Leserinnen und Leser,

heute abend ist mein Blutdruck heftig angestiegen. Uneigennützig wie ich bin, möchte ich Euch daran gern teilhaben lassen. Was ist los?

Das Umfeld des unsäglichen Virenleugners, Impfgegners und Freundes der Neuen Germanischen Medizin, Stefan Lanka, verbreitet triumphierend die Meldung, dass vor dem Bundesgerichtshof der „Masernprozess“ gegenüber Dr. David Bardens, hinlänglich bekannt in der skeptischen Szene, „endgültig gewonnen“ worden sei. Das wird nun unmittelbar mit der himmelschreiend verlogenen Aussage verbunden, dass die Juristen Lanka nun auch noch inhaltlich recht gegeben hätten – in seiner Aussage, ein Masernvirus existiere nicht und Dr. Bardens habe hierzu auch keinen Beweis beigebracht.

Diese Leute schrecken vor keiner Lüge und Verdrehung zurück.

Wir erinnern uns: Lanka hatte eine Summe von 100.000 Euro für denjenigen ausgelobt, der ihm durch Vorlage einer Studie beweise, dass ein Masernvirus existiere. Dr. Bardens legte eine Reihe von anerkannten Veröffentlichungen vor, was Lanka jedoch keineswegs veranlasste, sich geschlagen zu geben. Woraufhin David Bardens die ihm ausgelobte Zahlung einklagte. Erstinstanzlich bekam er Recht, zweitinstanzlich -vor dem OLG Stuttgart- nicht. Und zwar keineswegs, weil der geforderte inhaltliche Nachweis nicht erbracht sei. Nein, aus rein juristischen Gründen. Ein Anspruch aus einer Auslobung ist nämlich deshalb nicht einklagbar, weil bei einer Auslobung kein gegenseitiger Vertrag zustande kommt, der wechselseitige Ansprüche  begründet. Bei einer Auslobung entscheidet allein der Auslober, ob er die Auslobungskriterien für erfüllt hält oder nicht. Er kann sich gar aus mehreren Ergebnissen, die an sich gleich zu bewerten wären, nach seinem Gusto eines aussuchen und diesem die Prämie zugestehen – oder auch nicht. Das ist geltendes Recht und kann in jedem BGB-Kommentar nachgelesen werden.

Insofern hatte das OLG Stuttgart gar nicht inhaltlich zu urteilen, sondern konnte nur Lankas Erklärung entgegennehmen, nach seiner Ansicht seien die Auslobungskriterien nicht erfüllt – weil nicht eine (wie gefordert), sondern sechs Studien vorgelegt worden seien…

Es war offensichtlich dem OLG Stuttgart selbst peinlich, das Verfahren so enden lassen zu müssen. Weshalb der Vorsitzende Richter sich auch in seinem Schlusswort in aller Deutlichkeit dazu erklärt hat: Das Gericht habe inhaltlich keineswegs im Sinne von Lanka entschieden, darum sei es nicht gegangen. Die Impfgegner um Lanka wurden vom Gericht regelrecht ermahnt, dies nicht falsch auszuschlachten.

Eine Revision wurde nicht zugelassen – dies wäre nur möglich gewesen, wenn es sich um eine Angelegenheit von grundsätzlicher Bedeutung oder um eine bislang noch nie entschiedene Frage gehandelt hätte. Und hier nicht missverstehen: Um im JURISTISCHEN SINNE grundsätzlich bedeutsame bzw. noch nicht entschiedene Fragen, nicht um den Tatsacheninhalt des Prozesses! Die Rechtslage zu Auslobungen ist aber völlig klar, unumstritten und in jedem guten Lehrbuch zum Schuldrecht nachzulesen.

Dr. Bardens hat gegen die Nichtzulassung der Revision Rechtsbeschwerde eingelegt, also einen rein juristischen Weg eingeschlagen, die inhaltliche Auseinandersetzung um die Auslobung und die Masernvirenfrage war mit dem Sitzungsende beim OLG Stuttgart beendet. Ob das nun so klug war, mag überlegenswert sein.

Jedenfalls, auch mangels Veröffentlichung oder Pressemitteilung des BGH lässt sich festhalten:

  • Der BGH hat inhaltlich nicht im Sinne des Impfgegners und Virenleugners Lanka entschieden. Er hat überhaupt nicht inhaltlich entschieden.
  • Er hat -soweit bislang einschätzbar- eine Nichtzulassungsbeschwerde gegen die Verwehrung der Revision zum zweitinstanzlichen Urteil des OLG Stuttgart verworfen.
  • Das ist ein rein formaljuristischer Vorgang.
  • Bestätigt dürfte der BGH nur eines haben: Die Entscheidung über die Nichtzulassung der Revision beim OLG Stuttgart. Diese war rechtsfehlerfrei. Nicht mehr.
  • Zu den Tatsachen hat der BGH keine Entscheidung getroffen. Es bleibt beim Schlusswort des Vorsitzenden des Zivilsenats beim OLG Stuttgart, siehe oben.
  • Selbst wenn der Nichtzulassungsbeschwerde von Dr. Bardens entsprochen worden wäre, hätte es zu einer -erneuten- inhaltlichen Verhandlung nicht kommen können. Die Revision ist eine Überprüfung auf Rechtsfehler, sie ist keine Tatsacheninstanz.

Ich halte deshalb mal in aller Deutlichkeit fest:

Die aktuell bereits im Netz befindlichen Jubelarien der Lanka-Anhänger sind milde ausgedrückt eine mentale Fehlleistung, härter ausgedrückt eine intellektuelle Unverschämtheit ersten Ranges, eine Propagandalüge, für die sich die meisten Geheimdienste zu schade wären. Ich frage mich wirklich nach der mentalen Verfassung dieser Leute. Natürlich hängen sie nach wie vor den Irrlehren ihres Meisters an – aber die Zurückweisung der Nichtzulassungsbeschwerde durch den BGH als inhaltlichen Sieg über Dr. Bardens umzuinterpretieren, das ist, schlicht gesagt, allerunterste Schublade. Wenn ich nicht so ein freundlicher und zurückhaltender Mensch wäre, würde ich bestimmt noch ganz andere Worte dafür finden.

 

Nachtrag:
Der obenstehende Beitrag wurde verfasst, als Pressemitteilung und Beschlusstext des Bundesgerichtshofs noch nicht vorlagen. Die Aussagen des Beitrags wurden von den inzwischen vorliegenden Veröffentlichungen des BGH in vollem Umfang bestätigt und bedürfen keinerlei Korrektur.

 

Bildnachweis: Screenshot, aaO

Die Selbstentlarvungen des Monats! Heute: Homöopathie

Alles nur ein Irrtum … ?!?

Liebe Leser, fast jeder kennt Meditonsin. Das am meisten verbreitete Scheinmedikament gegen Erkältung. Sogar für Säuglinge empfohlen, da eh ohne Wirkung und ohne Nebenwirkung. Zur Beruhigung quengelnder Erkältungskinder durchaus geeignet, da eine häufig wiederholte Gabe völlig problemlos möglich ist, wg. Unwirksamkeit. Nur nebenher – die Ursubstanzen von Meditonsin sind Quecksilbercyanat, blauer Eisenhut und Tollkirsche. Unverdünnt genommen, bräuchte sich niemand mehr Sorgen um seine Erkältung zu machen. „Die Selbstentlarvungen des Monats! Heute: Homöopathie“ weiterlesen

Homöopathie im Viehstall – kann nicht wahr sein…

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Nicht verraten: Ich wandere aus…

Heute komme ich zu einem Thema, das mich besonders bewegt: Der Propagierung von „Homöopathie in der Tierzucht“ als vorgebliche Lösung der inzwischen breit problematisierten Methode des großflächigen Einsatzes von Antibiotika bei der Nutztierhaltung.

Homöopathische „Behandlung“ von Tieren habe ich schon an anderer Stelle dieses Blogs  ganz klar als Tierquälerei gebrandmarkt. Die nötigen Informationen hält auch das Informationsnetzwerk Homöopathie bereit. Mit dem heutigen Thema ist aber noch einmal eine ganz andere Qualität erreicht. Zudem wird deutlich, dass allen Ernstes die Homöopathiegläubigkeit bis in die Amtsstuben der für Landwirtschaft und Viehzucht zuständigen Kammern und Behörden vorgedrungen ist – respektive unentschuldbare Unwissenheit sich dort eingenistet hat. Da die dortigen Rauchwarner auf diese Form heißer Luft offenbar nicht anschlagen, heute dazu ein paar klare Worte.

Wo ist das Problem?

Die heutigen Haltungsbedingungen in der Intensivviehzucht führen aus verschiedenen Gründen (vor allem durch die Standhaltung mit geringem Platzangebot, aber auch durch hygienische Mängel, die nicht so leicht zu beheben sind, und anderes) zu einer hohen Infektionsdichte im Viehbestand. Kann man sich leicht vorstellen. Inzwischen ist die vorbeugende Behandlung mit Antibiotika -auf gut deutsch, die Aufrechterhaltung eines Mindestwirkpegels im Körper der Tiere- das „Mittel der Wahl“. Folgen: Antibiotikaführendes Schlachtfleisch, alle mit dauernden Antibiotikagaben verbundenen Nebenwirkungen (z.B. Pilzinfekte) beim Tier, Antibiotikapegel unakzeptabler Größe in Abwässern, Resistenzentwicklung, hohe Kosten und anderes. Nicht wünschenswert, eine echte Fehlentwicklung, zweifellos. Das hat man, nachdem sich dieser Zustand über lange Zeit hin unter den Augen der Viehzüchter und der verantwortlichen Kammern und Behörden entwickelt hat, immerhin bemerkt.

Ja, und was ist jetzt mit Homöopathie?

Allerorten wird nun nach dem Stein der Weisen gesucht, der ja bekanntlich nicht nur Gold aus beliebigen Grundstoffen erzeugen, sondern auch jede Krankheit heilen konnte. Wegen der Geschichte mit den Amtsstuben der zuständigen Kammern und Behörden (siehe oben) tut sich nun plötzlich ein El Dorado (nie für möglich gehaltenes Goldland) für die Propagandisten der schonenden und sanften Tiertherapie mit Homöopathika auf. Zu erkennen beispielsweise an den von den Zuständigen organisierten Fortbildungsveranstaltungen für die interessierte Landwirtschaftsbranche (z.B. hier). Kein Einzelfall. Dort bekommen Leute eine Plattform, die schon länger versuchen, die Nutztierhaltung mit Zuckerkügelchen zu sabotieren.

Scheint auch niemanden zu interessieren, dass vor kurzer Zeit erst ein Milchbauer wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz verurteilt worden ist, weil er ein akut krankes Tier mit wirkungslosem Homöopathiezeugs misshandelt hat. Das arme Kälbchen hatte eine Kniegelenksentzündung, eine Allerweltssache für jeden guten Tierarzt, es ist durch die Zuckerkügelchen allen Ernstes daran gestorben.

Bekanntlich ist ja bei der Homöopathie das Nicht-Scheiternkönnen im System eingebaut. Diesmal könnte es aber ganz anders kommen, und das sage ich nicht aus Häme gegenüber den verhinderten Tortenverzierern.

Dass die Homöopathie  -einschließlich Tierhomöopathie- von vornherein eine unwirksame Methode ist, brauche ich in diesem Blog nicht mehr besonders zu betonen. Wer’s noch nicht mitgekriegt hat, ist herzlich zum Stöbern und Lesen in den Artikeln hier eingeladen (ein Überblick hier). Dass homöopathische Prophylaxe zur Gruppe des größtmöglichen Unsinns gehört und Hahnemann den Atem verschlagen hätte, habe ich auch schon dargelegt, beispielsweise hier und hier. Dieser Aberwitz, auch noch kombiniert, soll nun für das Problem der Überantibiotisierung im Viehstall herhalten…

Was wird geschehen, wenn das wirklich durchgezogen wird? Ganz einfach, eine Häufung von Infektionsfällen bis hin zu veritablen Stallseuchen, die womöglich auch noch in der Keulung von Beständen enden könnten (je nach Infektionsart und -umfang). Was sonst? Es entfällt ja jeder Schutz – durch eine unwissenschaftliche Hokuspokusmethode, die mit viel Geld und ebensoviel Lobbymacht viele, allzuviele Hirne besetzt hält. Die kritische Masse, bei der sich das Gefühl, etwas zu wissen, in einer Gruppe verselbständigt, ist längst überschritten.

Hinzu kommt die Gefahr, Fleisch von erkrankten Tieren auf dem Teller des Verbrauchers wiederzufinden. Sowohl bei einer Umstellung der Prophylaxe auf Homöopathika als auch bei der homöopathischen Behandlung akut erkrankter Tiere besteht selbst bei einem Verschwinden der Symptome ein hohes Risiko bakterieller Belastung der Tiere. Kommen diese in die Schlachtung oder werden sie wieder in den Milchkreislauf eingegliedert, dann viel Vergnügen. Auch der Verbraucherschutz spielt also beim heutigen Thema eine sehr große Rolle.

Ich kann deshalb, als kleiner Blogschreiber, nur alle warnen, die es angeht: Dieser haarstäubende, hinverbrannte „Weg“, das Antibiotikaproblem im Stall zu lösen, kann durchaus in wirtschaftlichen und auch ökologischen Katastrophenlagen enden. Und es wäre nicht mehr als recht und billig, wenn die qua Amt Verantwortlichen, die sich heute auf ihrer Verwaltung des Unheils (z.B. in Form der Organisation von „Fortbildungsveranstaltungen“) ausruhen statt ihre wirklichen Aufgaben wahrzunehmen, sich dann wirklich verantworten müssten.

Wie gesagt – keine Häme. Sondern Sorge. Obwohl diese Sache -konsequent durchgezogen- durchaus zum endgültigen Desaster für die Homöopathie werden könnte. Mir wäre es trotzdem lieber, wenn sich Leute, die etwas von der Sache verstehen, zusammensetzen und Alternativen entwickeln, die natürlich als erstes die bisherigen Formen der Intensivtierhaltung in den Blick nehmen müssten. Und die Großökonomen, die den Euro im Auge haben, seien nochmals gewarnt: Homöopathika im Stall können im Endeffekt wesentlich teurer kommen als Änderungen bei der Intensivtierhaltung. Was zudem passieren kann, wenn der Verbraucher das Vertrauen in die Fleisch- und die Milchwirtschaft verliert, dazu braucht man sich nur einmal die damalige „BSE-Panik“ in Erinnerung rufen.

Übrigens schreibe ich diesen Artikel nicht nur als Homöopathiegegner, sondern auch als Tierfreund und Beinahe-Vegetarier.

DCF 1.0
Homöopathie für meine Freunde? Is Quatsch ne, weisste selbst…

Bildnachweis: Eigene Bilder