Heilpraktiker, Homöopathie & Co. – Politik als Kunst des Notwendigen

Immer dieser Wissenschaftskram!

In meinen aktuellen Beiträgen zur Heilpraktikerdiskussion auf Die Erde ist keine Scheibe habe ich die Notwendigkeit betont, Gesundheitspolitik und Aufklärung auf rationaler, will heißen, wissenschaftlich fundierter Basis zu betreiben und die vielfach offene Geringschätzung von Wissenschaftlichkeit und Rationalität als unvertretbar zurückzuweisen.

In mancher Reaktion musste ich zu meinem Bedauern und auch zu meinem Erschrecken feststellen, dass die darin liegende Botschaft, trotz deutlicher Gegenüberstellung der Positionen, offenbar nicht recht angekommen ist. Nicht die argumentativen Defizite der alternativmedizinischen Seite werden erkannt, ganz im Gegenteil werden „Argumente“ von der kritischen Seite eingefordert, was die Situation einigermaßen auf den Kopf stellt. Dies, obwohl diese kritischen Argumente seit langem -und aktuell nochmals präzisiert und wiederholt– offenliegen und darauf warten, in einem sinnvollen faktenbasierten Diskurs betrachtet zu werden. Allein- dies geschieht nicht. „Heilpraktiker, Homöopathie & Co. – Politik als Kunst des Notwendigen“ weiterlesen

Interview mit einem Homöopathen (3 und Schluss)

Liebe Leserinnen und Leser,

zunächst darf ich um Entschuldigung für die ziemlich lange Zeitspanne bitten, die seit dem Erscheinen des vorigen Teils unserer Betrachtung verstrichen ist. Ich weiß auch nicht, wo die Zeit geblieben ist… Aber unser Thema hier ist ja in der Zwischenzeit nicht durch die Streichung des Binnenkonsens und die Rücknahme der Erstattungsfähigkeit der Homöopathie obsolet geworden, obwohl -der Interessierte hat es zweifellos registriert- eine gewisse Bewegung in der Sache zu verzeichnen ist. Eine gewisse. Ein wenig. Ein kleines bisschen…

Nun aber zum Abschluss der Besprechung von Dr. Behnkes Interview mit sich selbst. „Interview mit einem Homöopathen (3 und Schluss)“ weiterlesen

Difficile est satiram non scribere (Juvenal)

Gute Nerven? Dann lest den hier verlinkten Bericht von Joseph Kuhn bei den scienceblogs über eine Podiumsdiskussion im Rahmen einer erneuten Ringvorlesung zur Homöopathie an der LMU München.

Wir wollen uns gar nicht erst darüber aufregen, dass ungeachtet der auch vom INH angestoßenen kritischen Diskussion zum Wintersemester 2016 die LMU  -auch diesmal unter der Regie des Haunerschen Kinderspitals, anscheinend einer Außenstelle der Homöopathie-Lobby – wiederum diese Veranstaltung geschehen lässt. Viel wichtiger erscheint mir, dass der Bericht von Joseph Kuhn ein bezeichnendes, ja grelles Schlaglicht auf die homöopathische Position wirft, wie sie von den großen Proponenten vertreten wird. Wer noch Illusionen gehabt haben sollte, der lese: „Difficile est satiram non scribere (Juvenal)“ weiterlesen

Von toten Pferden und falschen Perspektiven

Könnt ihr euch, liebe Leserinnen und Leser, vorstellen, dass man es manchmal einfach leid ist, immer wieder, entweder zum zighundertsten Mal auf die gleichen oder aber auf wieder neue unhaltbare Fantastereien der homöopathischen Szene einzugehen? Nicht nur auf diesem Blog.Ergebnis: Keinerlei vernünftiger Diskurs in Sicht.

Manchmal ist einem kaum noch bewusst (sollte es aber sein), dass man in Sachen Homöopathie speziell und Pseudomedizin allgemein eigentlich ein totes Pferd bekämpft und versucht, die Reiter vom Ableben ihres Transportmittels zu überzeugen. Sie simulieren aber lieber weiter vollen Galopp und wiehern dann eben selbst, notfalls keilen sie auch selbst aus. „Von toten Pferden und falschen Perspektiven“ weiterlesen

Wichtige Erinnerung! Dann: Ende der Debatte!

Zentralgebäude der Russischen Akademie – das “Goldene Hirn”

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

mir liegt etwas sehr am Herzen, an das ich heute dringend erinnern möchte. Etwas, dessen enorme Bedeutung für die Homöopathiediskussion mir viel zu sehr untergegangen scheint, obwohl durchaus einschlägig darüber berichtet wurde.  Ich spreche von dem Verdikt, das Anfang des Jahres von der Russischen Akademie der Wissenschaften über die Homöopathie gefällt worden ist.

Der Kernsatz hier noch einmal zum Hinter-die-Ohren-Schreiben:

“Dieses Memorandum stellt fest, dass die wissenschaftliche Gemeinschaft Homöopathie heute als Pseudowissenschaft betrachtet. Ihre Verwendung in der Medizin steht im Gegensatz zu den grundlegenden Zielen der nationalen Gesundheitspolitik, daher sollte ihr öffentlicher Widerstand entgegengesetzt werden.” „Wichtige Erinnerung! Dann: Ende der Debatte!“ weiterlesen

Flut der Pseudowissenschaft – ein Tidenstandsbericht

Der verdienstvolle David Gorski hat heute (22. Mai) auf sciencebasedmedicine.org einen ausführlichen Artikel veröffentlicht, der sich mit der schleichenden Ausbreitung pseudomedizinischen Unsinns in der (bislang) wissenschaftsbasierten Szene befasst. Er verdeutlicht dies im Besonderen an der Öffnung des British Medical Journal, eigentlich stets einer Bastion der Wissenschaftlichkeit,  für lang und breit ausgetretene pseudomedizinische “Forschung”. „Flut der Pseudowissenschaft – ein Tidenstandsbericht“ weiterlesen

Ich weiß es doch auch nicht…

 

… wie man mit der VAXXED-Geschichte noch umgehen soll.

Der Verleih, Buschmedia, ist voll in der Offensive, was die Verbreitung von Wakefields Machwerk angeht. Das Ganze wird massiv orchestriert von Jammern und Klagen der unschuldig verfolgten Impfgegner. Garniert zunehmend mit dem Vorwurf, die bösen Impfbefürworter würden zu nackter Gewalt greifen, um die Wahrheit und die Meinungsfreiheit zu unterdrücken.

Man stelle sich das bitte vor: In den angelsächsischen Ländern und einigen mehr ist Wakefields Film weitgehend als das entlarvt, als was er ist: Ein manipulatives Machwerk der allerschlimmsten Sorte, der die Schuld, die Wakefield schon lange wegen der Verunsicherung von Eltern auf sich geladen hat, noch einmal vervielfacht. Eine öffentliche Debatte unter Beteiligung der Presse hat zu dieser öffentlichen Wahrnehmung geführt. Vor kurzem ist es gelungen, diesen Schmutz aus dem Europaparlament herauszuhalten. Und hier, bei uns in Deutschland?

Könnte es kaum besser laufen für Wakefield. Der Verleih zieht die Sache durch. Die “Unterstützung” der “Presse” besteht bislang vor allem darin, dass über die angebliche Gewaltbereitschaft und Militanz der Gegner des Films berichtet wurde – unter anderem von einer so seriösen Publikation wie Epochtimes, auf die sich der Facebook-Auftritt von VAXXED ausdrücklich bezieht. Wer solche Verbündeten hat… naja. Selbst auf dem offiziellen Portal Berlin.de wird die übliche Propaganda weiterverbreitet. Es scheint sich auch niemand daran zu stören, dass Leute wie Tolzin sich für den Film stark machen.

Wo ist die kritische Presse? Ach, ich vergaß: Oberste journalistische Tugend ist ja bei uns bekanntlich die Ausgewogenheit. Eine Parteinahme kann man ja wohl nicht mehr erwarten.

Herrscht Unwissenheit? Völlige Gleichgültigkeit? Falsches Verständnis von Toleranz und Meinungsfreiheit? Muss es ein paar Leuten aus der Zivilgesellschaft überlassen bleiben, gegen diesen Wahnsinn zu protestieren? Ich weiß es auch nicht. Wirklich nicht.

Im Netz findet man dann Texte wie diesen:

Bedrohung von Kinos, die impfkritischen Film VAXXED ausstrahlen wollen

Homöopathie und Logik: Ein Rosenkrieg.

Es tut sich so einiges medial bei Homöopathie-Propaganda und Homöopathie-Kritik im Moment. Wenn man nicht gerade weghört, kann man sich den Beiträgen in den Medien derzeit kaum entziehen – und erstaunt registrieren, dass aktuell der Punktsieg klar auf Seiten der Kritiker sein dürfte.

Ausnahmen bestätigen die Regel. Was aber deutlich auffällt, ist ein bestimmtes Argumentationsmuster der Homöopathie-Verteidiger, ob bei den Krankenkassen (!) oder auch bei den Spitzenpropagandisten:

  • Homöopathie wirkt! Das zeigen unzählige Einzelerfahrungen!
  • Wir wissen nicht wie, das ist aber auch egal, denn sie wirkt!
  • Außerdem wissen wir aber doch, wie sie wirkt, hat doch Hahnemann erklärt, nur die Wissenschaft kann es nicht erklären!
  • Und ihr könnt die Nichtwirksamkeit nicht beweisen! Ätsch! Und hundertprozentig sowieso nicht!

 

So etwa sind derzeit die “Argumentationen” aus dem zuckerumhüllten Universum zu verorten.

Na denn:

Homöopathie wirkt nicht. Das zeigen alle großen Reviews von Einzelstudien zur Homöopathie, die jemals durchgeführt wurden. Scheinbar positive Ergebnisse einzelner Studien sind entweder methodische Fehler, statistische Artefakte oder regelrechte Fehldeutungen.

Eine einzelne Studie zählt zudem nicht viel. Einen Anhalt für einen Beleg liefert sie erst, wenn sie einem strengen Review unterzogen wurde, mehr als nur einmal reproduziert wurde und alle Versuche zur Falsifizierung fehlgeschlagen sind. Maßgeblich sind die großen Reviews und Metastudien, die die Fehler und Unzulänglichkeiten von Einzelstudien herausfiltern.

Warum ist das so? Schutzbehauptungen der Homöopathiegegner? Nein, klares Denken in Übereinstimmung mit dem, was man unter wissenschaftlicher Methodik versteht.