Von toten Pferden und falschen Perspektiven

Könnt ihr euch, liebe Leserinnen und Leser, vorstellen, dass man es manchmal einfach leid ist, immer wieder, entweder zum zighundertsten Mal auf die gleichen oder aber auf wieder neue unhaltbare Fantastereien der homöopathischen Szene einzugehen? Nicht nur auf diesem Blog.Ergebnis: Keinerlei vernünftiger Diskurs in Sicht.

Manchmal ist einem kaum noch bewusst (sollte es aber sein), dass man in Sachen Homöopathie speziell und Pseudomedizin allgemein eigentlich ein totes Pferd bekämpft und versucht, die Reiter  vom Ableben ihres Transportmittels zu überzeugen. Sie simulieren aber lieber weiter vollen Galopp und wiehern dann eben selbst, notfalls keilen sie auch selbst aus. „Von toten Pferden und falschen Perspektiven“ weiterlesen

Wichtige Erinnerung! Dann: Ende der Debatte!

Zentralgebäude der Russischen Akademie – das „Goldene Hirn“

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

mir liegt etwas sehr am Herzen, an das ich heute dringend erinnern möchte. Etwas, dessen enorme Bedeutung für die Homöopathiediskussion mir viel zu sehr untergegangen scheint, obwohl durchaus einschlägig darüber berichtet wurde.  Ich spreche von dem Verdikt, das Anfang des Jahres von der Russischen Akademie der Wissenschaften über die Homöopathie gefällt worden ist.

Der Kernsatz hier noch einmal zum Hinter-die-Ohren-Schreiben:

„Dieses Memorandum stellt fest, dass die wissenschaftliche Gemeinschaft Homöopathie heute als Pseudowissenschaft betrachtet. Ihre Verwendung in der Medizin steht im Gegensatz zu den grundlegenden Zielen der nationalen Gesundheitspolitik, daher sollte ihr öffentlicher Widerstand entgegengesetzt werden.“ „Wichtige Erinnerung! Dann: Ende der Debatte!“ weiterlesen

Flut der Pseudowissenschaft – ein Tidenstandsbericht

Der verdienstvolle David Gorski hat heute (22. Mai) auf sciencebasedmedicine.org einen ausführlichen Artikel veröffentlicht, der sich mit der schleichenden Ausbreitung pseudomedizinischen Unsinns in der (bislang) wissenschaftsbasierten Szene befasst. Er verdeutlicht dies im Besonderen an der Öffnung des British Medical Journal, eigentlich stets einer Bastion der Wissenschaftlichkeit,  für lang und breit ausgetretene pseudomedizinische „Forschung“. „Flut der Pseudowissenschaft – ein Tidenstandsbericht“ weiterlesen

Ich weiß es doch auch nicht…

 

… wie man mit der VAXXED-Geschichte noch umgehen soll.

Der Verleih, Buschmedia, ist voll in der Offensive, was die Verbreitung von Wakefields Machwerk angeht. Das Ganze wird massiv orchestriert von Jammern und Klagen der unschuldig verfolgten Impfgegner. Garniert zunehmend mit dem Vorwurf, die bösen Impfbefürworter würden zu nackter Gewalt greifen, um die Wahrheit und die Meinungsfreiheit zu unterdrücken.

Man stelle sich das bitte vor: In den angelsächsischen Ländern und einigen mehr ist Wakefields Film weitgehend als das entlarvt, als was er ist: Ein manipulatives Machwerk der allerschlimmsten Sorte, der die Schuld, die Wakefield schon lange wegen der Verunsicherung von Eltern auf sich geladen hat, noch einmal vervielfacht. Eine öffentliche Debatte unter Beteiligung der Presse hat zu dieser öffentlichen Wahrnehmung geführt. Vor kurzem ist es gelungen, diesen Schmutz aus dem Europaparlament herauszuhalten. Und hier, bei uns in Deutschland?

Könnte es kaum besser laufen für Wakefield. Der Verleih zieht die Sache durch. Die „Unterstützung“ der „Presse“ besteht bislang vor allem darin, dass über die angebliche Gewaltbereitschaft und Militanz der Gegner des Films berichtet wurde – unter anderem von einer so seriösen Publikation wie Epochtimes, auf die sich der Facebook-Auftritt von VAXXED ausdrücklich bezieht. Wer solche Verbündeten hat… naja. Selbst auf dem offiziellen Portal Berlin.de wird die übliche Propaganda weiterverbreitet. Es scheint sich auch niemand daran zu stören, dass Leute wie Tolzin sich für den Film stark machen.

Wo ist die kritische Presse? Ach, ich vergaß: Oberste journalistische Tugend ist ja bei uns bekanntlich die Ausgewogenheit. Eine Parteinahme kann man ja wohl nicht mehr erwarten.

Herrscht Unwissenheit? Völlige Gleichgültigkeit? Falsches Verständnis von Toleranz und Meinungsfreiheit? Muss es ein paar Leuten aus der Zivilgesellschaft überlassen bleiben, gegen diesen Wahnsinn zu protestieren? Ich weiß es auch nicht. Wirklich nicht.

Im Netz findet man dann Texte wie diesen:

Bedrohung von Kinos, die impfkritischen Film VAXXED ausstrahlen wollen

Homöopathie und Logik: Ein Rosenkrieg.

Es tut sich so einiges medial bei Homöopathie-Propaganda und Homöopathie-Kritik im Moment. Wenn man nicht gerade weghört, kann man sich den Beiträgen in den Medien derzeit kaum entziehen – und erstaunt registrieren, dass aktuell der Punktsieg klar auf Seiten der Kritiker sein dürfte.

Ausnahmen bestätigen die Regel. Was aber deutlich auffällt, ist ein bestimmtes Argumentationsmuster der Homöopathie-Verteidiger, ob bei den Krankenkassen (!) oder auch bei den Spitzenpropagandisten:

  • Homöopathie wirkt! Das zeigen unzählige Einzelerfahrungen!
  • Wir wissen nicht wie, das ist aber auch egal, denn sie wirkt!
  • Außerdem wissen wir aber doch, wie sie wirkt, hat doch Hahnemann erklärt, nur die Wissenschaft kann es nicht erklären!
  • Und ihr könnt die Nichtwirksamkeit nicht beweisen! Ätsch! Und hundertprozentig sowieso nicht!

 

So etwa sind derzeit die „Argumentationen“ aus dem zuckerumhüllten Universum zu verorten.

Na denn:

Homöopathie wirkt nicht. Das zeigen alle großen Reviews von Einzelstudien zur Homöopathie, die jemals durchgeführt wurden. Scheinbar positive Ergebnisse einzelner Studien sind entweder methodische Fehler, statistische Artefakte oder regelrechte Fehldeutungen.

Eine einzelne Studie zählt zudem nicht viel. Einen Anhalt für einen Beleg liefert sie erst, wenn sie einem strengen Review unterzogen wurde, mehr als nur einmal reproduziert wurde und alle Versuche zur Falsifizierung fehlgeschlagen sind. Maßgeblich sind die großen Reviews und Metastudien, die die Fehler und Unzulänglichkeiten von Einzelstudien herausfiltern.

Warum ist das so? Schutzbehauptungen der Homöopathiegegner? Nein, klares Denken in Übereinstimmung mit dem, was man unter wissenschaftlicher Methodik versteht.

Wir finden uns heute hier zusammen…

… aus traurigem Anlass. Wir verabschieden uns heute von einem Publikationsorgan, das über viele Jahre hinweg wertvolle Dienste bei der Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte in allgemeinverständlicher Form geleistet hat und dem dafür Anerkennung gebührte.

Der Abschied gilt zwar nicht dem Organ als solchem, aber seiner Verpflichtung auf wissenschaftliche Fakten und Standards und von der Verantwortung, die eine Publikation, die wichtiger Teil eines Fachverlages ist, gegenüber seinen Lesern hat.

Nun, nimm Deinen Abschied, Bild der Wissenschaft, vom Kreis der seriösen Publikationsorgane für wissenschaftliche Themen und Inhalte. Du hast schon im vergangenen Jahr erste Symptome gezeigt, als Du einen -sagen wir mal- sehr relativierenden Artikel mit dem Titel „Der Impf-Krieg“ veröffentlicht hast, der nun wirklich nicht sehr hilfreich bei der Information verunsicherter und zweifelnder Eltern war. Zudem davon gekrönt, den unsäglichen Herrn Hirte als Fürsprecher der „individuellen Impfentscheidung“ auftreten zu lassen. Schon dafür hast Du viel Kritik geerntet. Zu Recht.

Was Du Dir jetzt aber mit dem Hauptthema Deiner Ausgabe 3/2017 leistest, lässt nur den Schluss zu, dass auch der Impfartikel nicht zufällig irgendwie ins Heft gerutscht ist. Wir lesen nämlich ungläubig eine ganze Artikelreihe über das Lob der „Integrativen Medizin“, die im Kern eine Herabwürdigung der wissenschaftlich orientierten Medizin und eine völlig ungerechtfertigte Aufwertung integrativ-komplementär-alternativer, sprich unwirksamer und unlauterer, Methoden ist. Ja, sicher wird man wieder ins Feld führen, in den Artikeln stecke auch viel Wahres – das war beim Impfartikel auch so. Beispielsweise in der Kritik des Medizinethikers an der „Abfertigungsmedizin“, aber statt hier die wissenschaftliche Medizin in die Verantwortung zu nehmen, wäre es weitaus angemessener gewesen, auf die von der Politik gesetzten Rahmenbedingungen näher einzugehen, die sie für diese Unzulänglichkeiten gesetzt hat. Ganz abgesehen davon, dass die „sprechende Medizin“, der psychologische und psychosomatische Teil der Medizin, schon lange intensiv wissenschaftlich beforscht wird und sogar bereits in erste Leitlinien der Ärzteverbände Einzug hält.

Es ist schon gleich wieder symptomatisch, wenn sofort die „Schulmedizin“ mit eben diesem Begriff diskreditiert wird -und ja, Widerspruch zwecklos, dieser Begriff ist zur Diskreditierung der wissenschaftlichen Medizin erfunden worden und steht auch nach wie vor für diesen Kontext- und dem dann die „Naturheilkunde“ gegenübergestellt wird. Das zeigt in aller Deutlichkeit entweder die Unwissenheit oder aber die böse Absicht der Redaktion, die wissenschaftliche Medizin zu diskreditieren. Naturheilkunde ist schließlich kein im Gesundheitswesen vorkommender Begriff. Nicht zur Naturheilkunde gehören schon mal gleich Homöopathie, Akupunktur und Osteopathie. Nur so als Beispiel.

Und das ewige „mehr Forschung“ und „die Skeptiker liegen falsch, denn das ist nur wissenschaftlich noch nicht bewiesen…“ ist so was von billig, vielfach widerlegt und langweilig… Wo habt ihr das abgeschrieben? Bei den Homöopathen?

Dies aber nur als Anriss. Ich verspreche noch eine nähere Auseinandersetzung mit den Beiträgen, zumal es mir beim ersten Lesen auch so vorkam, als seien hier falsche Zeugen oder Zeugen falsch zitiert worden, was immer sehr problematisch ist.

Ich für mein Teil bin nicht nur erschrocken, ich bin entsetzt. Was habt ihr da getan?

BdW, eine Publikation, die mich selbst auch lange begleitet und auch das naturwissenschaftliche Interesse meines Sohnes mit geweckt hat – ab sofort ohne mich.

Bevor ich es vergesse: Kürzlich las ich in einem bekannten englischsprachigen Wissenschaftsorgan zum Thema integrative Medizin (dieses Wortgeklingel…) sinngemäß folgenden Hinweis:
Wenn ich Bologneser Sauce in eine Apfeltorte mische, ist das nicht integrativ. Sondern einfach eine Sauerei.

 

 

Bildnachweis Noten: Wikimedia Commons

 

Zwei Meldungen des Tages…

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… die zusammenpassen wie die Faust auf das berühmte Auge.

Nummer eins:

Wie sicher schon viele aus den Medien erfahren haben, hat die Russische Akademie der Wissenschaften die Homöopathie offiziell als Pseudomedizin eingestuft und dem dortigen Gesundheitsministerium nahegelegt, Maßnahmen zu ergreifen mit dem Ziel, die Homöopathie aus dem öffentlichen Gesundheitssystem zu entfernen. Das Ministerium hat wohl bereits zugesagt, entsprechend zu verfahren. Ich zitiere hier die Pressemitteilung der Akademie der Wissenschaften:

Pressemitteilung
Die Kommission zur Bekämpfung von Pseudowissenschaften am Präsidium der Russischen Akademie der Wissenschaften (RAS) hat ein Memorandum „Über die Pseudowissenschaft Homöopathie“ herausgegeben (http://klnran.ru/2017/02/memorandum02-homeopathy/).
Das Dokument besagt: „Die Behandlung mit ultraniedrigen Dosen in homöopathischen Mitteln hat keine wissenschaftliche Grundlage und damit keine Rechtfertigung.“ Die Kommission empfahl dem Ministerium für Gesundheit, alle homöopathischen Arzneimittel aus öffentlichen Kliniken zurückzuziehen und über Maßnahmen des Kartellamtes die Bürger davor zu schützen, dass ihnen das Vorhandensein „therapeutischer Eigenschaften“ solcher Mittel suggeriert wird. Das Gesundheitsministerium hat zugesagt, auf die Argumente des Memorandums zu reagieren, sobald sie diese auf offiziellem Wege erhalten hat.

Das ist insofern nicht nur von hoher, sondern von höchster Bedeutung auch für das Grundanliegen dieses Blogs, als dass das Memorandum mit Gutachten exakt der Argumentationslinie der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft folgt und auch die wesentlichen Belege, die zur international weitestgehend konformen Einstufung der Homöopathie als Scheintherapie führen, seiner eigenen Argumentation zugrunde legt. Demzufolge wäre es auch völlig unangemessen, das russische Statement etwa als exotisch abzutun: Es ist auf der Höhe der wissenschaftlichen Erkenntnis, argumentiert völlig zutreffend und tritt damit an die Seite der Länder, die längst die fälligen Konsequenzen für ihre Gesundheitssysteme gezogen haben.

Bemerkenswert ist zudem, dass damit in Russland eine seit rund 20 Jahren existierende Verankerung der Homöopathie im öffentlichen Gesundheitssystems ausdrücklich rückgängig gemacht wird, unter Hinweis darauf, dass es bereits damals an einer wissenschaftlich haltbaren Begründung für eine solche Etablierung gefehlt hat. Hut ab.

In Kürze wird das Informationsnetzwerk Homöopathie auf seiner Webseite weitergehend berichten und eine deutsche Übersetzung des Memorandums und des zugehörigen Gutachtens einer hochkarätigen Wissenschaftskommission vorstellen. Lesebefehl!

 

Wie gesagt, höchst bemerkenswert. Wie steht es nun angesichts dessen um die Aussichten, die bislang gezeigte völlige Unempfindlichkeit gegen Fakten bei den deutschen Verantwortlichen zu beeinflussen? Damit kommen wir, bevor ich mich in längst dargelegten Ansichten zu diesem Thema erneut ergehe, zu

Nummer zwei:

Der Deutsche Zentralverein Homöopathischer Ärzte lädt ein zum 72. Homöopathischen Weltärztekongress unter dem Motto NETWORKING IN MEDICAL CARE – Ärztliche Zusammenarbeit zum Wohle der Patienten, vom 14. bis 17. Juni 2017, Kongresshalle Leipzig.

Schlimm genug. Aber jetzt ratet mal, wer laut DZVhÄ die Schirmherrschaft bei dieser Luftblase übernehmen wird, die zweifellos die doch eher leicht provinzielle Veranstaltung des DVZhÄ in Bremen 2016 aber mal so richtig überstrahlen soll (Schirmherrin damals, trotz Protestaktion der GWUP: Die Bremer Wissenschaftssenatorin, Pädagogin von Beruf und Anhängerin von Pluralismus). Na?

Schirmherrschaft: Annette Widmann-Mauz, Staatssekretärin beim Bundesministerium für Gesundheit.

Warum nicht gleich gar Herr Gröhe persönlich? Ah ja, ich erinnere mich dunkel, es gab mal Äußerungen von ihr, dass sie mit Homöopathie gute Erfahrungen gemacht habe und dass es doch so viele positive Studien gebe… oder so.

Wie taub, blind und ignorant muss man eigentlich sein, sich hierauf als politische Amtsträgerin der höchsten Gesundheitsbehörde des Landes einzulassen und sich womöglich auch noch geehrt zu fühlen? Das alles angesichts der mehr und mehr national wie international klar artikulierten Einstufung der Homöopathie als Scharlatanerie, siehe auch oben die erste Meldung? Geht es noch? Wer soll denn alles noch ermuntert werden, diesen ganzen Unsinn weiter ernst zu nehmen, Krankenkassen dafür zahlen und Apothekenkunden das Geld aus der Tasche ziehen zu lassen? Und vor allem, in Kauf zu nehmen, dass Behandlungen verschleppt oder verunmöglicht werden? Womöglich noch bei Kindern?

Liebes Gesundheitsministerium, liebe Frau Widmann-Mauz: NEIN. Das liegt außerhalb jeglicher Toleranzgrenze. Für mich jedenfalls.

Für euch auch?

Twitter: @BMG_Bund      @AWidmannMauz

Mail: poststelle@bmg.bund.de

 

 

 

 

Bildnachweis: dreamstime_xs_69305092

Link des Tages: Interview mit Dr. Jan Leidel, Vorsitzender der StIKo

Als Ergänzung zu den letzten Posts hier bei mir, die sich aus gegebenem Anlass mit dem Impfthema befassten:

Interview mit Dr. Jan Leidel, dem Vorsitzenden der Ständigen Impfkommission, mit vielen klaren Statements und Sachinformationen. Wie sagt man: Lesebefehl!

http://www.dw.com/de/kein-autismus-durch-impfungen/a-37123766


 

Für alle, die sich gruseln möchten, hier nochmal ein Special der Lanka-Gemeinde, bei der offenbar jede Fähigkeit zur Aufnahme und Verarbeitung von Informationen per deutscher Sprache verloren gegangen ist.

Ich entschuldige mich in aller Form für die Zumutung, diesen Beitrag verlinkt zu haben… aber wir sollten schon der Wahrheit ins Auge sehen… oder so…. Link des Tages ist das aber ausdrücklich nicht. Eher abschreckendes Beispiel des Tages.