VAXXED und die Homöopathen

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Regent’s University, London. Respect.

Wer hätte das gedacht, dass mir die Verbindung mit meinem eigentlichen Hauptthema, der Homöopathie, und der aktuellen Impfgegnerschaft auch noch frei Haus geliefert wird?

Quackometer berichtet aktuell darüber, dass sich das Centre for Homeopathic Education (CHE), die größte Zuckerbäckerschule Großbritanniens, mit gewaltigem Mimimi auch zu Wort gemeldet und die böse Unterdrückung der wahren wirklichen echten Wahrheit bei ihnen und bei den verdienstvollen Impfgegnern beklagt…

Und wieso die jetzt auf einmal? Na, sieht so aus, dass die Homöopathen vom CHE das mit der Filmvorführung für Wakefield eingefädelt haben… Indem sie ihm ihren Rahmenmietvertrag bei der Regent’s Uni zur Verfügung gestellt haben, ohne die Uni zu informieren, wer da auflaufen würde. Woraufhin ihnen die Uni den  Rahmenmietvertrag gekündigt hat.

Die Zuständigen der Regent’s University (eine private Einrichtung, an der vor allem amerikanische Gaststudenten eingeschrieben sind) haben offensichtlich wirklich nicht gewusst, was da abging. Na, auf dem Wege haben sie wenigstens die Homöopathen auch gleich vor die Tür gesetzt.

Für alle, die es noch nicht wussten: Hier jammert zusammen, was zusammen gehört. Alles die gleiche Fraktion.

Mahlzeit.

Wakefield nochmal: Wie sieht’s aus?

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Martin Luther King Jr.

„Den Umständen entsprechend“ ganz gut sieht es aus. Soweit zu erfahren war, erfreute sich die Veranstaltung im Salle Lumen in Brüssel eines gewissen internen Interesses. Um das mal so auszudrücken. Jedenfalls hat Wakefield sein Ziel, sich das EU-Parlament oder seine Institutionen dienstbar zu machen, offensichtlich um 100 Prozent verfehlt.

Proteste hagelte es von allen Seiten. Die britischen Abgeordneten, die bestens mit der Wakefield-Story vertraut sind, waren sehr aktiv, ebenso die britische Wissenschaftsgemeinde. Der Präsident des Jenner-Instituts hat an den Fraktionsvorsitz der EU-Grünen geschrieben und nicht mit deutlichen Worten gespart. Irgendeinen bedeutungsvollen Pressebericht konnte ich ebenfalls nirgendwo finden, die Phalanx der Journalisten weiß offenbar wirklich längst, was sie von ihrem Wakefield zu halten hat.

Innerhalb der EU-Parlamentsgemeinschaft gab es viele Aufrufe, um Himmels Willen nicht an dieser Veranstaltung teilzunehmen, was offensichtlich Wirkung gezeigt hat. Stellvertretend hier der mir zugänglich gemachte Rundbrief des österreichischen EU-Abgeordneten Heinz Becker (ÖVP):

Dear friends and colleagues,

On invitation of MEP Michèle Rivasi Mr Wakefield will show his film Vaxxed in the European Parliament tomorrow morning. Mr Wakefield became infamous in the United Kingdom by publishing his flawed and misconducted study on the asserted relation between vaccination and autism in 1998 and is now prohibited from practicing medicine in the United Kingdom.

I urgently ask you to not take part this irresponsible campaign in order to avoid millions of deaths due to severe diseases!

All international reliable researchers confirm that vaccination is safe and one of the greatest health developments of the last century. Vaccines interact with the immune system to produce an immune response similar to that produced by the natural infecting. They do not cause the disease or put the immunized person at risk. In contrast, getting immunity through natural infection might be serious illnesses or even death. A gigantic number of deadly can now be prevented and hence, millions of children’s lives are saved.

Let me give some few examples:

  1. Smallpox ravaged and killed thousands of people in Europe in the 18th The survivors were left scarred or blinded. Thanks to vaccination it was officially wiped out in 1980. If it were still common, it would cause approx. 2 million deaths every year.
  2. Polio, incurable and deadly, has been eradicated from many parts of the world because of vaccination.
  3. Diphtheria led to more than 60,000 infections and 3,283 deaths in the UK in 1940. Blanket coverage of vaccinations almost eliminated the disease.

Today’s rareness of these diseases should not lead to an underestimation of the importance of vaccination for children nowadays. The infectious agents are still circulating in some parts of the world and can still infect anyone who is not protected. If children are not vaccinated the illness can return with vengeance.

The reactions to vaccinations are usually minor and temporary. Serious health events are extremely rare and are carefully monitored and investigated. Any serious injury or death caused by vaccines is one too many, but, the benefits of vaccination greatly outweigh the risk and many more injuries and deaths would occur without vaccines.

Let me therefore conclude by emphasising two key reasons to get vaccinated – to protect ourselves and to protect those around us. Successful vaccination programs depend on the cooperation of every individual to ensure the good for all.

I thank you for taking my wish into consideration NOT to participate in this event!

With kind regards,

Heinz K. Becker
Member of the European Parliament
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Na, wenn das nichts ist?

Was die Abgeordnete Rivasi angeht: Auch sie persönlich wurde von vielen Protestlern um eine Stellungnahme gebeten. Alle berichten, dass sie niemals eine Antwort bekommen hätten. Mme Rivasi hat sich völlig eingemauert, wie es aussieht. Dass ich mit der Bitte, doch einmal die Scheuklappen abzulegen und die Fakten zur Kenntnis zu nehmen, sofort gelöscht und gesperrt worden war, hatte ich ja schon berichtet.

Übrigens -wie die Londoner Times berichtet, ist der Folgetermin, der für kommenden Dienstag (14.2.) in London geplant war, geplatzt. Nach heftigsten Protesten hat der einzige Kinobetreiber, der eine „private Vorführung“ angekündigt hatte, einen Rückzieher gemacht. Offenbar ist Europa nach wie vor doch ein schlechtes Pflaster für Wakefield und seine Entourage. Dass er sich überhaupt traut, in England zu erscheinen, ist kaum zu begreifen. Naja, eigentlich, dass er sich überhaupt traut, öffentlich aufzutreten.

Was ihn nicht ungefährlich macht – er wird sich ohne jeden Zweifel jetzt an den US-Präsidenten halten. Was sich ja auch daran zeigt, dass er schon Vorträge für den Herbst über Veränderungen in der US-Impfpolitik ankündigt.

Also: Alle wachsam bleiben. Schließlich haben wir hier bei uns in Deutschland gerade genug Propagandisten, die Impfgegnerunsinn verbreiten und auch ein offenbar geneigtes Publikum, die jeden Unsinn in dieser Richtung aufnehmen wie ein Schwamm. Das Thema bleibt selbstverständlich auf der Agenda.

Ich danke allen, die sich in Sachen Wakefield engagiert haben, noch einmal ganz herzlich.

 

 

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Zwei Meldungen des Tages…

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… die zusammenpassen wie die Faust auf das berühmte Auge.

Nummer eins:

Wie sicher schon viele aus den Medien erfahren haben, hat die Russische Akademie der Wissenschaften die Homöopathie offiziell als Pseudomedizin eingestuft und dem dortigen Gesundheitsministerium nahegelegt, Maßnahmen zu ergreifen mit dem Ziel, die Homöopathie aus dem öffentlichen Gesundheitssystem zu entfernen. Das Ministerium hat wohl bereits zugesagt, entsprechend zu verfahren. Ich zitiere hier die Pressemitteilung der Akademie der Wissenschaften:

Pressemitteilung
Die Kommission zur Bekämpfung von Pseudowissenschaften am Präsidium der Russischen Akademie der Wissenschaften (RAS) hat ein Memorandum „Über die Pseudowissenschaft Homöopathie“ herausgegeben (http://klnran.ru/2017/02/memorandum02-homeopathy/).
Das Dokument besagt: „Die Behandlung mit ultraniedrigen Dosen in homöopathischen Mitteln hat keine wissenschaftliche Grundlage und damit keine Rechtfertigung.“ Die Kommission empfahl dem Ministerium für Gesundheit, alle homöopathischen Arzneimittel aus öffentlichen Kliniken zurückzuziehen und über Maßnahmen des Kartellamtes die Bürger davor zu schützen, dass ihnen das Vorhandensein „therapeutischer Eigenschaften“ solcher Mittel suggeriert wird. Das Gesundheitsministerium hat zugesagt, auf die Argumente des Memorandums zu reagieren, sobald sie diese auf offiziellem Wege erhalten hat.

Das ist insofern nicht nur von hoher, sondern von höchster Bedeutung auch für das Grundanliegen dieses Blogs, als dass das Memorandum mit Gutachten exakt der Argumentationslinie der internationalen Wissenschaftsgemeinschaft folgt und auch die wesentlichen Belege, die zur international weitestgehend konformen Einstufung der Homöopathie als Scheintherapie führen, seiner eigenen Argumentation zugrunde legt. Demzufolge wäre es auch völlig unangemessen, das russische Statement etwa als exotisch abzutun: Es ist auf der Höhe der wissenschaftlichen Erkenntnis, argumentiert völlig zutreffend und tritt damit an die Seite der Länder, die längst die fälligen Konsequenzen für ihre Gesundheitssysteme gezogen haben.

Bemerkenswert ist zudem, dass damit in Russland eine seit rund 20 Jahren existierende Verankerung der Homöopathie im öffentlichen Gesundheitssystems ausdrücklich rückgängig gemacht wird, unter Hinweis darauf, dass es bereits damals an einer wissenschaftlich haltbaren Begründung für eine solche Etablierung gefehlt hat. Hut ab.

In Kürze wird das Informationsnetzwerk Homöopathie auf seiner Webseite weitergehend berichten und eine deutsche Übersetzung des Memorandums und des zugehörigen Gutachtens einer hochkarätigen Wissenschaftskommission vorstellen. Lesebefehl!

 

Wie gesagt, höchst bemerkenswert. Wie steht es nun angesichts dessen um die Aussichten, die bislang gezeigte völlige Unempfindlichkeit gegen Fakten bei den deutschen Verantwortlichen zu beeinflussen? Damit kommen wir, bevor ich mich in längst dargelegten Ansichten zu diesem Thema erneut ergehe, zu

Nummer zwei:

Der Deutsche Zentralverein Homöopathischer Ärzte lädt ein zum 72. Homöopathischen Weltärztekongress unter dem Motto NETWORKING IN MEDICAL CARE – Ärztliche Zusammenarbeit zum Wohle der Patienten, vom 14. bis 17. Juni 2017, Kongresshalle Leipzig.

Schlimm genug. Aber jetzt ratet mal, wer laut DZVhÄ die Schirmherrschaft bei dieser Luftblase übernehmen wird, die zweifellos die doch eher leicht provinzielle Veranstaltung des DVZhÄ in Bremen 2016 aber mal so richtig überstrahlen soll (Schirmherrin damals, trotz Protestaktion der GWUP: Die Bremer Wissenschaftssenatorin, Pädagogin von Beruf und Anhängerin von Pluralismus). Na?

Schirmherrschaft: Annette Widmann-Mauz, Staatssekretärin beim Bundesministerium für Gesundheit.

Warum nicht gleich gar Herr Gröhe persönlich? Ah ja, ich erinnere mich dunkel, es gab mal Äußerungen von ihr, dass sie mit Homöopathie gute Erfahrungen gemacht habe und dass es doch so viele positive Studien gebe… oder so.

Wie taub, blind und ignorant muss man eigentlich sein, sich hierauf als politische Amtsträgerin der höchsten Gesundheitsbehörde des Landes einzulassen und sich womöglich auch noch geehrt zu fühlen? Das alles angesichts der mehr und mehr national wie international klar artikulierten Einstufung der Homöopathie als Scharlatanerie, siehe auch oben die erste Meldung? Geht es noch? Wer soll denn alles noch ermuntert werden, diesen ganzen Unsinn weiter ernst zu nehmen, Krankenkassen dafür zahlen und Apothekenkunden das Geld aus der Tasche ziehen zu lassen? Und vor allem, in Kauf zu nehmen, dass Behandlungen verschleppt oder verunmöglicht werden? Womöglich noch bei Kindern?

Liebes Gesundheitsministerium, liebe Frau Widmann-Mauz: NEIN. Das liegt außerhalb jeglicher Toleranzgrenze. Für mich jedenfalls.

Für euch auch?

Twitter: @BMG_Bund      @AWidmannMauz

Mail: poststelle@bmg.bund.de

 

 

 

 

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Deutsches Ärzteblatt zum Heilpraktikerproblem

 

Mal wieder nur ganz kurz, mit Dank an das Ärzteblatt:

Deutlichste Worte zum Thema Duldung von „Heilpraktikern“ im Sinne meiner Beiträge auf diesem Blog:

http://www.aerzteblatt.de/archiv/183771/Heilpraktiker-Kosmetische-Aenderungen

und eine fundierte Lesermeinung dazu:

http://www.aerzteblatt.de/forum/119041

Dem ist nicht das Geringste hinzuzufügen. Außer, dass es vielleicht eine gute Idee wäre, wenn die gesamte organisierte Ärzteschaft auf der Grundlage der beschriebenen Fakten und Argumente geschlossen Druck auf die Politik ausüben würde. Unter Inkaufnahme der Verärgerung der Schwurbel- und Experimentalfraktion. Das müsste doch möglich sein! Und ist dringend nötig, denn inzwischen hüllt man sich in dieser Sache mal wieder allseits in beredtes Schweigen. Dieses Schweigen ist allerdings weder Gold noch Silber.

 

Es gibt keine wissenschaftliche Kontroverse über die Homöopathie!

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Homöopathie? Wird da immer noch drüber diskutiert?

Die Ereignisse der letzten Tage und ihr Medienecho haben mich nochmals darüber nachdenken lassen, warum zum Kuckuck immer wieder der Eindruck einer „wissenschaftlichen Kontroverse“ zwischen Homöopathie und sogenannter „Schulmedizin“ aufrechterhalten wird, speziell in Bezug auf Medienberichterstattung. Ein wunderbares Beispiel ist der Beitrag von spiegel.tv-wissen vom 15.11.2016, der sich vom Titel her -„Hömöopathie – Heilung oder Humbug?“- aufklärerisch gab, aber Lichtjahre davon entfernt war, den Fakten gerecht zu werden (Zuschauerbrief hier). Selbst die gute Berichterstattung des BR (Kontrovers am 16.11.2016) über die Auswirkungen des Offenen Briefs von INH und GWUP-Wissenschaftsrat ließ Äußerungen von Protagonisten nachklingen, die dem nicht näher informierten Zuschauer suggerieren könnten, es sei wohl doch „irgendwie was dran“.

Nein. Es ist nichts dran. Überhaupt nichts.  Deshalb gibt es auch keine wissenschaftliche Kontroverse. Es kann auch keine geben, denn die Homöopathie bietet keine Grundlage für die Führung einer Diskussion auf wissenschaftlicher Ebene. Da hat Dr. Christian Weymayr durchaus völlig recht, wenn er in seinem Buch „Die Homöopathie-Lüge“ die Ansicht vertritt, der Ruf nach „mehr Forschung“ und generell die Auseinandersetzung mit „Forschungsergebnissen“ und „Studien“ der homöopathischen Szene seien völlig fruchtlos, da der Homöopathie die „Scientabilität“ fehle, die Art von wissenschaftlicher Grundplausibilität, die sinnvolle Ergebnisse überhaupt erst erwarten lässt.

  • Ich habe schon in meinem dreiteiligen Beitrag „El Cid und die Homöopathie“ aufgezeigt, dass Hahnemanns Gedankengebäude spätestens Mitte des 19. Jh. mit der Etablierung der Zellularpathologie und der modernen Ätiologie die Grundlagen entzogen waren. Hahnemanns Vorstellung vom Körper als einer zwar differenzierten, aber amorphen Masse, die nur durch eine „geistige Lebenskraft“ als Organismus existiere, war dahin. Und damit der zentrale Ansatzpunkt seines Gedankenmodells, die Einwirkung auf diese „geistige Lebenskraft“. Insofern bräuchte man sich in der Tat über die vitalistisch-esoterischen Begleitannahmen wie das Simile-Prinzip gar nicht mehr zu streiten.
  • Die Leugnung des Vorhandenseins von gleichförmig auftretenden Krankheiten, die Weigerung Hahnemanns, „Krankheiten“ überhaupt nur zu benennen, die These von der ausschließlich durch individuelle Symptome in Erscheinung tretenden „Verstimmung der geistigen Lebenskraft“ , wobei deren Ursache uninteressant war, konnte nicht mehr aufrechterhalten werden. Damit war auch der Ansatz für eine individuell-symptombezogene Behandlung ohne Krankheitsbegriff dahin. Die neue Ätiologie erklärte nicht nur die Krankheit des Körpers aus Fehlfunktionen der zellulären Bausteine und deren Ursachen, sondern konnte die Krankheiten auch klassifizieren und dadurch identifizierbar machen. Und war damit überwältigend erfolgreich, bis zum heutigen Tag.
  • Mit der Entdeckung der atomaren und molekularen Struktur der Materie wurden Hahnemanns Vorstellungen über eine prinzipiell unendliche, nicht völlig gegen Null gehende Verdünnungsmöglichkeit von Substanzen ad absurdum geführt; der Gehalt von Potenzen an Restursubstanz konnte exakt berechnet werden. Die moderne Pharmakologie widerlegte Hahnemanns „umgekehrte“ Dosis-Wirkungs-Beziehung, wonach Hochpotenzen auch hoch wirksam sein sollten, schlagend – ganz abgesehen, dass die „potenzierte Wirkung“ einer der Faktoren ist, die gegen naturgesetzliche Gegebenheiten verstoßen.
  • Dinge wie die Signaturlehre, aus der das Simileprinzip hervorgegangen war, wurden eindeutig als vorwissenschaftliche Vorstellungen entlarvt, die mangels wirklicher Forschungsmöglichkeiten auf symbolisch-mystische Inhalte, auf Analogien zurückgriffen. Die Berufung auf medizinische „Autoritäten“ wie Hippokrates und Paracelsus, deren Werk zum großen Teil auf derartigen Vorstellungen beruhte,  konnte damit nicht mehr ernstlich aufrechterhalten werden. Viele, zum Teil der Homöopathie gedanklich recht nahestehende Methoden der damaligen Zeit, die ebenso den vorwissenschaftlichen Gedanken verhaftet waren, haben heute nur noch einen Platz im medizinhistorischen Museum.
  • Und insbesondere, aber wenig überraschend: Schon zu Hahnemanns Lebzeiten, bis heute, konnte kein evident positiver Nachweis für eine spezifische arzneiliche Wirkung der Homöopathie erbracht werden. Belege dafür findet man allein in diesem Blog genug. Die wirklich großen Untersuchungen zur Homöopathie, die Untersuchungsreihen des Reichsgesundheitsamtes (1936 – 1939), die umfassenden Untersuchungen von Martini zur Arzneimittelprüfung an Gesunden (zwischen 1939 und 1955) und die große Vergleichsstudie der Austalischen Gesundheitsbehörde (2015), fielen für die Homöopathie vernichtend aus. Seltsamerweise werden die gigantischen Erfolge, die aus der Weiterentwicklung der modernen Medizin seit Mitte des 19. Jh. resultieren, vom homöopathiegeneigten Publikum offenbar nicht als der überwältigende Gegenpol wahrgenommen, die sie sind.
  • Alles ganz abgesehen davon, dass Hahnemanns Grundannahmen gegen naturgesetzliche Gegebenheiten verstoßen. Alle Versuche, einerseits Hahnemanns Lehre und andererseits die Naturgesetze so hinzubiegen, dass sie sich zumindest annähern, endeten im Desaster. Dies wird gelegentlich auch als „homöopathische Grundlagenforschung“ bezeichnet. Was auch soll man von einer Methode halten, für die nach 200 Jahren immer noch gierig nach jeden Strohhalm in Form von neuen wissenschaftlichen Ergebnissen gegriffen wird, um sie mit einer modern klingenden Begründung zu unterfüttern? Wenn die Milch sauer ist, ist sie sauer.
  • Die „Systematik“ des Hahnemannschen Gedankengebäudes, die seinerzeit so verführerisch auf die Mediziner wirkte, die mit ihren wenigen, kaum erfolgreichen „Methoden“ im Dunklen tappten, hat sich längst gegen die Homöopathie gewendet. Zur Aufrechterhaltung der Lehre werden seit 200 Jahren ständig neue Zusatzannahmen und Parameter eingeführt. Siehe allein die durch immer neue „Arzneimittelprüfungen“ immer dicker werdenden, zu einem sehr großen Prozentsatz aus Redundanzien bestehenden Materia medicae und Repertorien, die die Beliebigkeit der Methode widerspiegeln. Eine wissenschaftliche Todsünde, die ein schwerwiegender Beleg gegen die Gültigkeit einer Hypothese ist (Ockhams Rasiermesser).
  • Geradezu selbstzerstörerisch statt beweiskräftig ist die völlige Zerfaserung von Hahnemanns Lehre durch die immer wieder in den Ring geworfenen „Forschungsergebnisse“ der Homöopathie-Gemeinde, die mit aller Gewalt naturwissenschaftlich haltbare Ergebnisse hervorbringen wollen und dabei Hahnemanns Grundannahmen selbst umstoßen (beispielsweise wenn man sich nicht entscheiden kann, ob man nun in Hoch- und Höchstpotenzen arzneilich wirksame Reststoffe, Nanopartikel, hormonähnliche Substanzen oder elektromagnetische Schwingungsmuster nachweisen will). Hierzu gehören auch die nachgerade lächerlichen Bemühungen, Postulate der modernen Teilchenphysik (Quantenmechanik) in Verbindung mit dem angeblichen homöopathischen Wirkprinzip zu bringen. Es sind keine Physiker vom Fach zu finden, die diesen Bemühungen eine Stütze geben würden, im Gegenteil werden sie sich dagegen verwahren.

Ist das denn so schwer zu verstehen? Oder hängt man der in der Weltgeschichte vielfach widerlegten These an, dass so viele Anhänger sich doch nicht irren können?

Natürlich gibt es eine beträchtliche Zahl von Proponenten der Homöopathie, natürlich hat sie „Rückhalt“ in der Bevölkerung. Die Homöopathie-Lobby hat es nun mal geschafft, ein positives Image so breit im Bewusstsein der Menschen zu verankern, dass sie zur Scheinwahrheit geworden ist. Das ist aber kein Grund, der Homöopathie wohlwollend zu begegnen und sie ständig in den Adelsstand einer diskutablen Theorie zu erheben. Genau das geschieht aber andauernd, wofür der eingangs erwähnte Bericht auf spiegel.tv-wissen nur ein Beispiel ist (ein recht subtiles, denn hier wirkt das Gesamtbild des Beitrages tendenziös, zu einer wirklichen Konfrontation von Sachargumenten kommt es gar nicht).

 

Nochmals in aller Deutlichkeit: Evidenzbasierte Medizin und Homöopathie sind keine zwei irgendwie gleich diskutable Methoden. Die eine bewährt sich unter der strengen Qualitätskontrolle der Falsifikation und Reproduktion ihrer Annahmen jeden Tag aufs Neue und erzeugt dabei echte Innovation. Die andere ist ein 200 Jahre altes, auf vitalistisch-esoterischen Grundgedanken beruhendes Gedankengebäude, dass bis heute keinen falsifizierbaren und reproduzierbaren Wirkungsnachweis erbracht hat. Einen solchen kann man wegen der Unverträglichkeiten mit Naturgesetzen auch nicht erwarten.

Insofern hat Christian Weymayr schon recht, die weitere Auseinandersetzung lohnt unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten nicht. Die Methode ist längst obsolet, nicht aber ihre gesellschaftlichen und gesundheitspolitischen Implikationen. Nicht der Einfluss ihrer Befürworter und ihrer Lobbyorganisationen. Nicht die Durchdringung der Politik durch diese Lobby. Nicht das unheilvolle Vertrauen, das sehr viele Menschen inzwischen -fehlgeleitet durch Lobbyismus, womöglich zu ihrem persönlichen Schaden- der Homöopathie entgegenbringen. Und das sind die Gründe, weshalb sich einige Leute so entschieden gegen diese Implikationen stellen und immer aufs Neue die Geduld aufbringen, gegen die vorgeblichen Argumente und „Beweise“ zugunsten der Homöopathie anzugehen, um ihr nicht noch mehr das publizistisch-öffentliche Feld und auch das Feld der Gesundheitspolitik zu überlassen.

Außerdem stehen diese Leute auch gegen die unhaltbare Propaganda, die die Homöopathie „adeln“ soll und die uns nach wie vor ständig begegnet. Es wäre sehr hilfreich, wenn vor allem der Journalismus einmal zur Kenntnis nehmen würde, dass eine „ausgewogene Berichterstattung“ mit „Schulmedizin“ rechts und „Homöopathie“ links der Sache nicht gerecht wird. Parität und Pluralität kann es sinnvollerweise nur zwischen faktenbasierten Standpunkten geben, ansonsten wären beide schlicht Einfallstore für Unsinn. Es muss auch seitens der Medien endlich einmal erkannt und deutlich gemacht werden, dass es sich beim Ansehen der Homöopathie in weiten Kreisen der Bevölkerung um eine massive Fehlentwicklung handelt, der entschieden entgegen zu treten ist. Genau dazu möchte ich auch die Hochschulen in Deutschland aufrufen, die die Homöopathie als „komplementärmedizinische Methode“ im Programm haben.

 

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Bildnachweis: Eigenes Bild

Homöopathie – Heilung oder Humbug? Rhetorische Frage von spiegel.tv Wissen am 15.11.2016

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Blümchen und Sonnenschein überall… Der Eindruck täuscht nicht.

Mit einiger Erwartung habe ich diesem Beitrag, der gestern im Pay-TV lief und bald wohl auch kostenfrei verfügbar sein wird, entgegengesehen. Wenn auch nicht mit Optimismus. Letztlich habe ich mich dann über den Film derart geärgert, dass ich die Redaktion von spiegel.tv Wissen angeschrieben habe (als ob ich sonst nichts zu tun hätte).

Nachfolgend der Text meiner Kritik. Auch dem Leser, der den TV-Beitrag nicht gesehen hat, dürfte er einen gewissen Eindruck von dessen Tenor und Inhalt vermitteln können:

 

An die Redaktion spiegel.tv Wissen / 16.11.2016

Von einem Beitrag mit dem Titel „Homöopathie – Heilung oder Humbug?“ hätte ich mir gerade auf spiegel.tv Wissen nun doch eine Antwort auf die Titelfrage oder zumindest die klare Darstellung der jeweiligen Argumente erwartet, die dem Zuschauer einen wirklichen Anhalt zur Beantwortung dieser Frage gegeben hätte. In dieser Hinsicht war meine Enttäuschung umfassend.

Gleich zu Anfang die vielleicht wichtigste Kritik: Der Beitrag war insgesamt, bis hin zur optischen Darstellung, darauf ausgelegt, die Homöopathie als sanfte, schonende pflanzenbasierte Naturheilkunde darzustellen. Mehrfach wurde dies auch explizit geäußert, ohne dass irgendeine Klarstellung erfolgte.

Und damit haben sie mit dem Filmbeitrag gleich eines der größten Zerrbilder über die Homöopathie überhaupt nicht etwa geradegerückt, sondern auch noch unterstrichen. Schlechte Recherche? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, mit Frau Natalie Grams haben Sie eine anerkannte Expertin auf diesem Gebiet zur Verfügung gehabt, die ihnen über die Einordnung der Methode Homöopathie Fundiertes zu sagen gehabt hätte. Was dann? Falsche Ausgewogenheit, die keinen Unterschied beim Informationswert von Standpunkten macht, auch wenn der eine höchstmögliche und der andere geringstmögliche Evidenz für sich geltend machen kann? Und das -wie im Falle der Homöopathie- ohne Beachtung des Konsens der überwältigenden Mehrheit der weltweiten Wissenschaftsgemeinde, die die Homöopathie als spezifisch arzneilich unwirksam einstuft? Auch das will ich nicht hoffen, denn derartige Gleichmacherei ist gleichzusetzen mit der Propagierung von Unsinn.

Nein, Homöopathie ist KEINE Naturheilkunde. Sie ist auch KEINE Phytotherapie -also Pflanzenheilkunde. Eine einfache Begründung für beides ist, dass die Homöopathie -von Hahnemann so definiert- eine Arzneimittellehre ist, genauso wie die moderne Pharmazie auch. Sie setzt keineswegs auf pflanzliche Urstoffe. Sie verwendet ebenso anorganische Stoffe wie z.B. Quecksilber, Arsen, metallisches Kupfer, Meteoritstein, Berliner Mauer, Plutonium und metallisches Uran wie auch organische Stoffe nichtpflanzlicher Herkunft, beispielsweise verfaulendes Fleisch oder Eiter von Tripperkranken. Was hat das mit Naturheilkunde zu tun? Oder auch mit der -durchaus großteils in der evidenzbasierten Medizin anerkannten- Pflanzenheilkunde? Überhaupt nichts.

Allein durch die Vermittlung dieses Bildes geht der ganze Beitrag in eine völlig falsche, unhaltbare Richtung. Sie stützen dies auch noch massiv durch die Einbeziehung des Herrn Hevert als Partei „pro Homöopathie“, worauf ich weiter unten noch einmal zurückkommen möchte. Und Sie negieren durch den gesamten Tenor des Beitrags  die fundierten Aussagen von Frau Grams, der sie in ihrem Beitrag offenbar lediglich die Rolle der netten, sympathischen Außenseiterin zugedacht haben, obwohl sie zweifellos an Wissen und Erfahrung -und vor allem an Einsicht und Ehrlichkeit – den beiden anderen Protagonisten haushoch überlegen sein dürfte.

Zu den anderen Protagonisten:

Der Homöopath Dr. Schreiber konnte seine beiden Fälle recht eindrucksvoll aus seiner Sicht darstellen. Wo blieb hier ein kritischer, relativierender Kommentar? Obwohl es aufgrund dessen eigener Äußerungen hierzu allen Anlass gegeben hätte. Er hat ja selbst ausgeführt, dass eine spezifische Wirkung der homöopathischen Arznei nicht angenommen werden, dafür eine geistartige Wirkung (wie Hahnemann dies auch postulierte) gegeben sein müsse. Wo blieb denn da das Bild der sanften Arzneimittelkunde? (Wobei die erwähnte Gabe von Phosphoricum das Bild der sanften Naturmedizin nur unwesentlich beeinträchtigt haben dürfte…) Seine Erklärung und Demonstration von Repertorien und Materia Medica hätte doch hier eines kritischen Kommentars bedurft! Es verbleibt der Eindruck beim unbefangenen Zuschauer: Tatsächlich, die Homöopathie kann alles und ist auch noch individuell!

Andere Erklärungsmodelle für die „Heilungen“ der beiden Patientinnen wurden nicht einmal ansatzweise dargestellt. Wobei der ständige Hinweis auf „Zeit“ und „Geduld“ als „Grundvoraussetzung“ der Homöopathie ja allein schon eine solche Erklärung im Ansatz liefern würde. Dass die kleine Dame zu Anfang offenbar in einer traumatisch-psychosomatischen Schleife steckte und durch die regelmäßige Zuwendung des homöopathischen Therapeuten langsam wieder herausfand, liegt sehr nahe. Aber kein kritisches Wort dazu. Nun könnte man ja meinen, „wer heilt hat Recht“. Dieses dumme Argument geht allerdings nicht nur deshalb fehlt, weil nur der Heiler recht hat, der den kausalen Zusammenhang zwischen seiner Methode und der „Heilung“ nachweisen kann. In diesem Fall wäre sicher eine fachlich fundierte Kinderpsychotherapie angezeigt gewesen, allein deshalb, weil sich diese nicht mit dem einfachen Verschwinden der Symptomatik zufriedengegeben hätte.

Kommen wir zu Herrn Hevert und seiner Firma. Ein Schelm, der Böses dabei denkt, dass gerade die Firma Hevert ausschließlich pflanzenbasierte Homöopathika herstellt, die Grundstoffe aus dem eigenen Kräutergarten bezieht und eigentlich gar nicht zum Thema gehört, weil sie fast nur Niederpotenzen herstellt, die noch chemisch nachweisbare Stoffe enthalten und unter Umständen eine gewisse therapeutische Wirkung entfalten können. Das passt zwar wunderbar zu dem eingangs kritisierten Grundtenor Ihres Beitrags, aber nicht zur eigentlichen Homöopathie. Die spielt sich nämlich -wie erwähnt- auf der Grundlage nahezu beliebiger organischer und anorganischer Ursubstanzen im Bereich der Mittel- und Hochpotenzen ab. Und auf diesen Sektor zielt die weltweite Ablehnung der Homöopathie durch die Wissenschaftsgemeinde. Zu dieser Debatte hatte Herr Hevert außer einigen Unwahrheiten durchaus nichts beizutragen.

Ja. Unwahrheiten. Er hat sich allen Ernstes -in Opposition zur Beurteilung der weltweiten Forschergemeinde- zu der Aussage verstiegen, die Forschungen zur Wirksamkeit der Homöopathie würden diese auf die gleiche Evidenzstufe stellen wie die wissenschaftsbasierte Medizin (das Wort Schulmedizin, das von Hahnemann als abwertende Bezeichnung eingeführt wurde, verwende ich nicht). Das ist eine glatte Unwahrheit, was sich mit vielen Nachweisen belegen lässt. Nur eine wichtige Quelle dazu, die unbedingt in einem kritischen Beitrag zur Homöopathie hätte erwähnt werden müssen: Das Review der Australischen Gesundheitsbehörde NHRMC aus dem Jahre 2015. Und ganz aktuell gerade heute auf dem Portal sciencebasedmedicine.org:

“Unsurprisingly, rigorous clinical trials have shown that homeopathic potions in fact do not work.”  (https://www.sciencebasedmedicine.org/ftc-homeopathy-win/)

Alleine mit dem Stehenlassen der ungeheuerlichen Behauptung von Herrn Hevert ist Ihr Filmbeitrag bereits völlig entwertet.

Vielleicht aus den Ausführungen von Herrn Hevert noch zu erwähnen, dass er seine Fertigung als derart aufwendig und teuer darstellt, dass der Nachteil der Forschungs-, Entwicklungs- und Zulassungskosten für pharmazeutische Arzneimittel -die er nicht zu tragen hat- praktisch aufgehoben würde. Wenn ich mal die im Filmbeitrag enthaltene Information, die Fa. Hevert erziele einen Jahresumsatz von rund 400 Mio. Euro weltweit zugrunde lege -Umsatz wohlgemerkt!- dann dürfte dieser Betrag in der Pharmaforschung vielleicht knapp reichen, um beispielsweise ein weiterentwickeltes Statin auf den Markt zu bringen. Für Dinge wie Krebsmedikamente, AIDS-Pharmaka, neuartige Impfstoffe z.B. gegen Tropenkrankheiten kann man an diesen Betrag -wohlgemerkt, den Umsatz von Hevert, nicht den Gewinn- getrost eine Null anhängen. Vor diesem Hintergrund ist dieses Statement von Herrn Hevert ein Fall für verzweifeltes Kopfschütteln.

Hier fehlt es an Recherche, um Klarstellung im Verhältnis zu eindeutigen Fakten. Leider gibt der Beitrag den Proponenten der Homöopathie eine fröhliche und farbenfrohe Plattform, wo nichts, aber auch gar nichts von ihren Äußerungen und Ansichten relativiert wird. Wie erwähnt- Sie hatten mit Natalie Grams jemand zur Verfügung, die zu weitaus fundierteren Statements in der Lage und bereit gewesen wäre als zu denen, mit denen sie im Film zu Wort gekommen ist.

Wie gesagt, ich bin enttäuscht. Sehr enttäuscht. Denn dieser, durch seinen Titel als kritisch angekündigte Beitrag trägt nichts dazu bei, dem potenziellen Patienten eine sachlich fundierte Entscheidungshilfe zu geben. Im Gegenteil. Der „positive Touch“ pro Homöopathie durchzieht den gesamten Beitrag. Ich bedauere das sehr.

 

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Bildnachweis: Screenshot spiegel.tv wissen

Geht’s noch? Die Katastrophen der Woche. Zum Anklicken.

Erstmals heute auf diesem Blog: Aktuelle Links zum Lesen und Staunen.

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Echt jetzt?

http://news.doccheck.com/de/149600/zahnungspraeparate-giftige-globuli/?tag_id=245&context=post_tag

Wie unangenehm… passiert mal eine Panne bei der Herstellung und es ist relevanter Wirkstoff in den Globuli, wirken sie tatsächlich… Wie war das mit dem Umkehrschluss? 

„Sorry, aber wir können leider für die völlige Wirkungslosigkeit unserer Präparate nicht in jedem Fall garantieren. Ihre homöopathische Pharmazeutik.“

 

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https://www.pressetext.com/news/20161019007

Aus unserem Nachbarland, das ja immer die Tendenz hat, uns Piefkes noch zu überholen. „Parlamentarische Bürgerinitiative“ für die Zementierung der Homöopathie im Gesundheitswesen! Demokratie ist natürlich auch, Unsinn fordern zu dürfen. Ebenfalls Demokratie ist, den Unsinn öffentlich Unsinn nennen zu dürfen. Die Truppe wird angeführt vom bekannten Homöopathie-Propagandisten Prof. Frass. Angeführt…

 

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http://www.augsburger-allgemeine.de/aichach/Neue-Praxis-fuer-Homoeopathie-id39433517.html

Nur eine kleine Meldung aus einem regionalen Blatt. Die Homöopathin zieht um! Und alle Honoratioren sind da! Da freuen wir uns aber über die kostenlose Werbung im Lokalblatt. Wieder ein Globuli mehr auf den Zuckerhut der Begeisterung. Damit er weiter wächst.

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http://www.regiotrends.de/de/vorschau-anmeldungen/index.news.322924.fortbildungsveranstaltung-prophylaktische-behandlungsmoeglichkeiten-von-milchkuehen-durch-homoeopathie—anmeldungen-bis-27.-oktober-2016.html

Tierhomöopathie ist Unsinn und zudem Tierquälerei (http://www.netzwerk-homoeopathie.eu/kurz-erklaert/135-argument-tierhomoeopathie-funktioniert). Homöopathische Prophylaxe ist gesteigerter Unsinn. Wie erst kürzlich in diesem Blog dargelegt wurde (Homöopathie und Impfen). Beides zusammen ist hochpotenzierter Unsinn. Vulgo Schwachsinn. Naja, Aus- und Fortbildung kann ja nie schaden. Aber man sollte erst einmal bei den Ausbildern anfangen. 

 

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http://m.morgenpost.de/incoming/article208430093/Mit-der-Kraft-der-heilenden-Haende.html

Der erste Satz reicht schon völlig. „Osteopathie ist eine ganzheitliche Medizin.“ Wir brauchen gar nicht näher in die Osteopathie einsteigen, mit „ganzheitlich“ ist sie ausreichend abqualifiziert. (Trotzdem werde ich mich dieser Methode wohl auch noch annehmen müssen.)
Prof. Edzard Ernst meint zum Ganzheitlichkeitsargument unter anderem:

„Die Suggestion der Vorstellung, dass alternative Medizin sich des „ganzen Menschen“ annimmt, ist ein höchst attraktiver und leistungsfähiger Trick. Es spielt dabei gar keine Rolle, dass nichts von „Ganzheitlichkeit“ weiter entfernt sein könnte, als eine isolierte Methode wie zum Beispiel die Diagnose aller möglichen Dinge aus der Betrachtung der Iris  oder die Fokussierung auf die Wirbelsäule (Chiropraktik, Osteopathie) oder Massieren der Fußsohlen (Fußreflexzonenmassage). … 

Und es ist offenbar ebenso egal, dass andererseits jede Art von guter konventioneller Medizin per Definition ganzheitlich ist. Was (bei der Pseudomedizin) zählt, ist das Etikett, und „ganzheitlich“ ist in der Tat ein höchst attraktives und wünschenswertes. Nichts verkauft Quacksalberei besser als das Etikett der ‚Ganzheitlichkeit‘.

Mein Rat: Bietet Ihnen Ihr Therapeut seine Methode als „ganzheitlich“ an – nehmen Sie es nicht so wörtlich.“
(http://edzardernst.com/2016/07/the-tricks-of-the-quackery-trade-part-2/)

 

Der Interviewte in dem Morgenpost-Artikel schreit nach einer Adelung der Methode durch universitäre Anerkennung. Also dann: Glückwunsch, Dr. schwurb. ost., gaudeamus igitur!

 

DCF 1.0

 

https://www.meine-krankenkasse.de/naturheilkunde/?pk_campaign=facebook_Q4_2016&pk_kwd=baum_naturheilkunde_ads_03

Demnächst wird es Krankenkassen geben, die im Dunklen leuchten. Und der Patient des Jahres kriegt einen nächtlichen Besenritt auf den Brocken spendiert.

„Werden Sie Naturheilkunde.“  Was für ein Satz. Schnell ein Nux vomica einwerfen gegen „Überempfindlichkeit gegen sinnliche Eindrücke“.

 

DCF 1.0

 

Nee, reicht für heute. Nur ein kleiner Griff in die große Überraschungskiste des Internets.

Bis bald!

 

Bildnachweis: Eigene Bilder

 

 

Ein lauter Aufschrei: Gegen postfaktische Gesundheitspolitik!

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Immer eintreten in die schöne postfaktische Welt!

Dem Bemühen um sachliche Aufklärung, um Patientenschutz und um die sinnvolle Nutzung der Ressourcen des Gesundheitssystems, wie es das Informationsnetzwerk Homöopathie (INH) pflegt, ist ein ordentlicher Tritt versetzt worden. Nein, nicht von der üblichen Homöopathielobby. Sondern genau von der Stelle, deren Aufgabe das Bemühen um sachliche Aufklärung, um Patientenschutz und um die sinnvolle Nutzung der Ressourcen des Gesundheitssystems ist: Dem Bundesgesundheitsministerium.

Man wird sich erinnern: Das Informationsnetzwerk Homöopathie hatte sich bereits zwei Mal an den Bundesgesundheitsminister „in Sachen Homöopathie“ gewandt. Die Kernforderung darin war keineswegs die Abschaffung der Homöopathie. Minister Gröhe wurde lediglich aufgefordert, endlich an die Homöopathie die gleichen Maßstäbe anzulegen, wie sie für die evidenzbasierte Medizin gelten. Aus Anlass des Readers, den die Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie (WissHom), einem Teil der Lobbyistenverflechtung der Homöopathen, mit dem Anspruch wissenschaftlicher Beweisführung im Sommer vorgelegt hatte (und der außerhalb der Homöopathieszene zerrissen worden war), wäre es naheliegend gewesen, die Homöopathen endlich beim Wort zu nehmen. Der Vorschlag des INH ging deshalb dahin, dass Minister Gröhe eine unabhängige Einrichtung mit der objektiven Bewertung des WissHom-Papiers betrauen möge. Eine ebenso berechtigte wie bescheidene Forderung.

Nach nunmehr neun Wochen liegt die Antwort -nein, nicht des Ministers, eines seiner Referatsleiter, vor. Bevor ich damit ins Gericht gehe,  hier der dazu heute vom INH veröffentlichte Text eines erneuten offenen Briefes dazu:

Neun Wochen benötigte der Bundesgesundheitsminister, um durch einen Referatsleiter einen Brief des Informationsnetzwerks Homöopathie (INH) beantworten zu lassen. Das INH hatte am 19. Juli 2016 den Minister aufgefordert, ein Gutachten zur Aussagekraft des Forschungsreaders der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) bei einem neutralen wissenschaftlichen Institut in Auftrag zu geben. Zu dieser Forderung nimmt Gröhe keine Stellung. Stattdessen werden drei Argumente ins Feld geführt:

 – Homöopathie sei als besondere Therapierichtung im Sozialgesetzbuch ‚nicht ausgeschlossen‘. Das ist keine neue Information.

 – Die Bewertung von Behandlungsmethoden ‚in einem durch Freiberuflichkeit, Selbstverwaltung und Pluralität geprägten Gesundheitswesen‘ liege nicht in der Zuständigkeit des Ministeriums, sondern bei den dieses Gesundheitswesen repräsentierenden Institutionen und Einrichtungen.
Es mag ja sein, dass die Aufgabe selbst von einer der dem BMG nachgeordneten Behörden wahrgenommen wird, es darf aber bezweifelt werden, dass diese ohne Anstoß des Ministeriums von sich aus tätig werden.

 – Behandlungsmethoden dürften ‚nicht zu einer Patientengefährdung führen‘ und soweit ‚Schutzlücken der Patientensicherheit‘ bestünden, werde das Ministerium die Ursachen analysieren und bestehende Schutzlücken beseitigen.
Das hofft das INH doch sehr. Offenbar sieht Gröhe kein Risiko für die Gesundheit der Patienten darin, dass behauptet wird, unwirksame Methoden seien als wirksame Therapien wissenschaftlich belegt.

Das hat im BMG jedenfalls nicht zu der Überlegung geführt, endlich alte Zöpfe abzuschneiden und die doppelte Buchführung in der Bewertung von Behandlungsmethoden abzuschaffen. Stattdessen wird der Schutzzaun um die besonderen Therapierichtungen unbeirrt verteidigt. Jedes neue Medikament muss heute bewiesen haben, dass es besser als Placebo oder der schon vorhandene Behandlungsstandard wirkt. Nur Homöopathika, in den meisten Fällen reine Zuckerpillen, müssen das nicht.

Es gehört zu den ureigensten Aufgaben des BMG, die Rahmenvorschriften für die klinische Prüfung und die Zulassung der Arzneimittel zu gestalten, in deren Rahmen sich die nachgeordneten Behörden bewegen müssen. Sollen wir darauf warten, dass sich z.B. das BfArm über das Arzneimittelgesetz hinwegsetzt?

Wir fordern das Ministerium auf, den gegenwärtigen Unsinn zu beenden.

Die wissenschaftliche Überprüfung der Behauptungen von WissHom, einer reinen Lobbyinstitution der Homöopathen, hätte dem BMG die Chance geboten, den Anschluss an die Neuzeit zu gewinnen. Wir haben es ja auch geschafft, die Astrologie trotz ihrer großen Beliebtheit in der Bevölkerung dorthin zu verbannen, wohin sie gehört: in die Welt der Freizeitbeschäftigungen, die jedem Menschen in einer demokratischen Gesellschaft offen stehen. Kranken Menschen aber darf nicht mit behördlicher Genehmigung vorgegaukelt werden, Homöopathika seien ganz normale Medikamente.

„Mündige Versicherte und aufgeklärte Patienten gehören ebenso zu einem Gesundheitssystem wie Gesetze und Verordnungen.“ steht auf den Internetseiten des BMG zu lesen. Kann der Bundesgesundheitsminister da der gezielten Irreführung der Patienten durch eine Lobbyorganisation tatenlos zusehen?

Im Namen des INH:

Dr. Norbert Aust
Dr. Natalie Grams
Prof. Dr. Norbert Schmacke“

Mit Volldampf von der pluralistischen in die postfaktische Gesellschaft

So.

Um erstmal ein wenig Dampf abzulassen: Der für das öffentliche Gesundheitswesen, eine Angelegenheit von größter allgemeiner Bedeutung, zuständige Minister verweigert sich der wohlbegründeten Aufforderung, eine seit 200 Jahren unbewiesene Methode einer unabhängigen Prüfung durch anerkannte medizinische und pharmakologische Instututionen bewerten zu lassen, deren Auswahl ihm sogar freigestanden hätte.

Lieber argumentiert er, analog zu seinen letzten Äußerungen in Sachen Heilpraktikerwesen (hierzu mein Beitrag „Nachtrag zu: Zum Kuckuck! Ein Aufschrei aus aktuellem Anlass“ vom 5.10.16), mit der „Pluralität des Gesundheitswesens“, mit dem „mündigen Patienten“ (der diese Therapieform ja so schätzt – hierzu mein Beitrag „Warum Rationalität? Eine kleine Polemik“ vom 9.10.16), das alles vermischt mit scheinbaren Zuständigkeitsfragen, die ja wohl einen völligen Abschied von Verantwortlichkeit und Gestaltungskraft seitens des Ministeriums bedeuten.

Das ist der Abschied ins gesundheitspolitische Nirwana. In das faktenfreie Wohlfühlsystem, das zunehmend die Irrationalität zum Prinzip erhebt. Zugunsten eines indifferenten Pseudopluralismus, der allseits Blümchen regnen lässt. Sei es auf den schlichten Glauben des Konsumenten, der ja annimmt, es sei ja alles gesetzlich abgesegnet und damit in Ordnung, sei es auf eine Lobby, die sich inzwischen darauf verlassen kann, dass ihre Marketingabteilung in der Lage ist, jeglichen rationalen Ansatz in einer Wolke von Wohlfühlbotschaften zu ersticken.

Nach dem Motto: Wenn die alle wollen, dann sollen sie doch. Passiert doch nichts. Das ist der Antwort des Ministerums deutlich zu entnehmen. Welche Auswirkungen das beispielsweise auf unsere sogenannte Wissensgesellschaft hat, auf die Notwendigkeit rationalen Handelns in einer hochtechnisierten Gesellschaft, letztlich auf die Notwendigkeit, demokratische Sachentscheidungen allein auf der Basis von Fakten zu treffen, das scheint niemanden zu interessieren. Na klar, merkt ja auch keiner außer diesen lästigen Skeptikern…

So eine Haltung bei politischen Entscheidungsträgern ist inakzeptabel und unentschuldbar. Herr Gröhe ist über die Problematik der Pseudomedizin aus früherer Tätigkeit seit langem informiert. Man muss ihm also unterstellen, dass er in gewissem Maße wider besseres Wissen die Problematik der Pseudomedizin -hier speziell der homöopathischen Methode- verschleppt und nicht einmal bereit ist, eine fundierte fachliche Expertise zu beauftragen.

Und jetzt mal Butter bei die Fische.

Muss ich noch etwas zu den einzelnen Aussagen der Ministeriumsantwort sagen? Na gut…

Zu 1.: Dass die Homöopathie als „besondere Therapieeinrichtung“ im Sozialgesetzbuch aufgenommen ist, ist nicht nur dem INH geläufig. Geradezu niedlich ist aber die Formulierung, sie sei als solche „nicht ausgeschlossen“. Hier regnet es die eben erwähnten Blümchen in hoher Dichte. Fakt ist: Sie ist massiv privilegiert gegenüber den evidenzbasierten Mitteln und Methoden, weil sie nicht einmal einen Wirkungsnachweis erbringen muss.

Zu 2.: Bewertung von Behandlungsmethoden „in einem durch Freiberuflichkeit, Selbstverwaltung und Pluralität geprägten Gesundheitswesen“ – hier kommt der postfaktische Wohlfühlpluralismus so richtig durch. Blümchensturm von allen Seiten, sozusagen. Und da fühlt sich das Ministerium nicht zuständig? Von wo bitte stammt denn die Gesetzesvorlage, die seinerzeit die Homöopathie im öffentlichen Gesundheitswesen hoffähig gemacht hat? Was anderes war das denn als eine Bewertung von Behandlungsmethoden durch den Gesetzgeber selbst, verantwortet durch das Bundesgesundheitsministerium? Solange diese „Bewertung“, die Aufnahme in das Sozialgesetzbuch als „besondere Therapieeinrichtung“ auf Ministeriumsebene nicht angegangen wird, ist doch wohl klar, dass sich die Proponenten dieser Methode auf der ihnen zur Verfügung gestellten Blumen…. äh, Spielweise auch so richtig austoben.

Zu 3.: Offenbar ist immer noch nicht klar geworden, welche  potenzielle Patientengefährdung die Anwendung unwirksamer pseudowissenschaftlicher Methoden an gutgläubigen Menschen anrichten kann. Die Hauptgefahr liegt selbstverständlich in der verspäteten Einleitung oder gar Unterlassung einer wirksamen evidenzbasierten Behandlung von Erkrankungen! Das allein sollte den Verantwortlichen längst zu denken gegeben haben.
Um wieder einmal den Altmeister der deutschen Gerichtsmedizin, Prof. Otto Prokop, in den Zeugenstand zu rufen: Er schätzte die Zahl der Fälle, bei denen ein Schaden unterhalb der Todesschwelle durch Pseudomedizin jährlich entsteht, auf etwa 800.000 – bereits in den 1950er Jahren.

Es wird überdeutlich, dass eine Auseinandersetzung mit dem Anliegen des Informationsnetzwerks Homöopathie überhaupt nicht stattgefunden hat – ja, dass die Aussagen des Antwortschreibens des BGM eine geradezu erbärmliche Armut an Problembewusstsein zeigen.

Für heute reicht es erstmal. Aber es geht weiter, demnächst in diesem Blog.

Und bevor ich mit einem Schreibkrampf schließe, nochmal Prokop:
Der Staat, der Personen zu solchen (pseudomedizinischen) Praktiken […]  zulässt, nimmt es mit der Gesundheit seiner Bürger nicht ernst.

Dem kann ich nach den aktuellen Einblicken in die derzeitige Gesundheitspolitik nur anschließen.

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Es kommt eine Zeit nach dem Blümchensturm. Bestimmt.

Bildnachweise:

1: René Magritte,  „Les Mémoires d’un saint“, 1960
The Menil Collection, Houston / Texas

2.: dreamstime_xs_66958835