WO SIND WIR HIER EIGENTLICH?!?

Die Debatte über Homöopathie in Apotheken hat seit kurzer Zeit aufgrund eines bemerkenswerten Vorganges zusätzlich Fahrt aufgenommen:  Apothekerin Iris Hundertmark aus Weilheim in Oberbayern hat viel Zuspruch für ihre Entscheidung erfahren, in ihrem Betrieb keine Homöopathika mehr vorzuhalten und aktiv zu vertreiben. Diese Entscheidung ist selbstredend eine persönlich verantwortete und steht ihr im Rahmen ihrer Betriebsfreiheit fraglos zu, zumal sie die Belieferung rezeptierter Homöopathika weiterhin garantiert. Aber siehe da  – in nicht geringem Ausmaß (jedoch für den erfahrenen Kritiker nicht unerwartet) war sie persönlich gefärbten, unsachlichen und von Unkenntnis über die Homöopathie strotzenden Anwürfen von vielen Seiten, vorrangig gar der Kollegenschaft, ausgesetzt. Der Grad von Irrationalität, mit dem die Homöopathie in Deutschland vielfach „verteidigt“ wird, zeigt sich in diesem Vorgang einmal mehr mit bestürzender Deutlichkeit. „WO SIND WIR HIER EIGENTLICH?!?“ weiterlesen

Homöopathie, Gentechnik und das Vorsorgeprinzip nach EuGH™

Die Homöopathie muss vor den Europäischen Gerichtshof (EuGH). Jedenfalls nach den Maßstäben, die dieser gerade erst in Sachen Grüne Gentechnik für die Frage angelegt hat, ob und wie das „Vorsorgeprinzip“ in Anbetracht möglicher Risiken angewandt werden muss (d.h. der Staat zu Regulierungen verpflichtet werden kann).

Der EuGH hat sich dabei zu einer Art „bedingungslosem Vorsorgeprinzip“ in Sinne von Verbraucher- und Umweltschutz bekannt. So reagieren beispielsweise Bündnis 90/Die Grünen so auf das Urteil, unter der Überschrift „ES GILT DAS BEDINGUNGSLOSE VORSORGEPRINZIP – EUROPAWEIT!“:

„Sie (die EU-Kommission) muss endlich den Prozess für eine überfällige politische Entscheidung in die Hand nehmen, die keinesfalls außer Acht lassen darf: Dass sich einmal in die Natur entlassene Gentechnik-Pflanzen – erst recht ohne gentechnikrechtliche Auflagen zu Risikobewertung und Freisetzung – unkontrolliert in unsere Ökosysteme und über Ländergrenzen hinweg ausbreiten und nie mehr zurückgeholt werden können.“

Nun werde ich hier keine Gentechnik-Diskussion beginnen (der Titel ist natürlich reines Clickbaiting™), obwohl ich dazu eine dezidierte Meinung habe. Denn das ist nicht mein, nicht unser Thema. Mir geht es vielmehr um die Maßstäbe, die der EuGH und alle die, die diesen Urteilsspruch bejubeln, an das Vorsorgeprinzip und an Regulierungserfordernisse anlegen und die Frage, ob sie das wohl auch für andere ähnlich einzustufende „Risiken“ so sehen. „Homöopathie, Gentechnik und das Vorsorgeprinzip nach EuGH™“ weiterlesen

Homöopathie international: Die Reviews / die Statements / die Maßnahmen

Teil I:         Übersicht über die veröffentlichen Reviews / Metaanalysen zur Homöopathie (seit 1991)

Teil II:        Stellungnahmen von wissenschaftlichen Organisationen und staatlichen Stellen zur Homöopathie

Teil III:       Gesundheitspolitische / staatliche Maßnahmen zur Homöopathie im Gesundheitswesen (seit 2016)

Stand: 19. März 2019

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Irrungen, Wirrungen

Nein, keine Literatur-Leistungskurs-Aufgabe zu Theodor Fontane wartet hier. Schön wärs…

Dass die Vertreter der Homöopathie-Lobby den Kritikern mit dem Vorwurf eines „Wissenschaftsdogmatismus“ begegnen und ihre Positionen mit einem vorgeblichen Anspruch auf „Wissenschaftspluralismus“ legitimieren wollen, ist nicht neu. Wobei „Wissenschaftspluralismus“ nicht mehr allein den Anspruch enthält, „mehrere Medizinen“ als „pluralistisch“ anzuerkennen, sondern darüber hinaus den, gleich „mehreren Wissenschaften“ eine gleichberechtigte Existenz zuzusprechen.  „Irrungen, Wirrungen“ weiterlesen

Hightech-Medizin und homöopathische Sandkastenspiele

Ausdrücklich einmal eine Lanze für die „moderne, seelenlose Medizin“!

Ein Team um den Mitbegründer der Immuntherapie bei Krebs, Steven Rosenberg, hat einen großen Durchbruch bei Tumorerkrankungen erzielt, die bislang nicht gut durch Immuntherapie erreicht werden könnten. Dabei entnimmt man im Tumor bereits aktiv „arbeitende“ T-Lymphozyten und vermehrt sie in der Annahme, dass es Sinn macht, eine größere Menge dieser bereits auf den Tumor „trainierten“ T-Zellen wieder per Infusion zuzuführen.

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Favete linguis! *

*) „Enthaltet euch unheiliger Rede, schweigt!“ (Horaz)

Der 121. Deutsche Ärztetag ist inzwischen Geschichte. Die novellierte Muster-Weiterbildungsordnung ist verabschiedet.

Warum das wichtig ist? Wir erinnern uns: Anfang März dieses Jahres veröffentlichte der Münsteraner Kreis sein „Münsteraner Memorandum Homöopathie“, auf diesem Blog wurde ausführlich dazu kommentiert.  Es stellte einen wohlbegründeten Appell an den Ärztetag dar, bei der Novellierung der Musterweiterbildungsordnung die Streichung der „ärztlichen Zusatzbezeichnung Homöopathie“ zu beschließen. In einer auf Wissenschaftlichkeit verpflichteten Ärzteschaft könne eine nach nahezu einhelliger Auffasssung der weltweiten Wissenschaftscommunity wissenschaftlich nicht begründbare Methode keinen Platz haben.

Dazu ist es nicht gekommen. Es gab auf dem Ärztetag keinen Beschlussantrag zu einer Streichung der Zusatzbezeichnung Homöopathie, über den abzustimmen gewesen wäre. Es ist schlicht und einfach nichts anderes passiert, als dass die unverändert in der vorgelegten Beschlussvorlage enthaltene Zusatzbezeichnung unangetastet geblieben ist. Ich kann und will das an dieser Stelle nicht kommentieren und nicht bewerten – ich war nicht dabei und fühle mich nicht berufen, hierzu Interpretationen und Spekulationen zu liefern.

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Bieropathie!

Das Universum der Homöopathie steckt voller Überraschungen. Nur für Humor scheint dort durchaus wenig Platz zu sein – jedenfalls auf Seiten der Homöopathen.

Da ich mich ja ständig durch die weltweiten Publikationen zur Homöopathie wühle (soweit Zeit dafür da ist) und so manchen einschlägigen Newsletter empfange, bekomme ich da – von PubMed/NCBI bis zu Online-Vertreibern homöopathischer Mittel – so manches zu Gesicht. Diese Perle von einem großen Portal pro Homöopathie im fernen Downunder möchte ich euch, liebe Leser, nicht vorenthalten und bringe deshalb den kompletten Text als Übersetzung. Die Übersetzung ist zur besseren Verständlichkeit an einigen Stellen ein wenig frei, aber nicht im Inhalt, der ist genauso zu verstehen, wie er hier wiedergegeben ist. „Bieropathie!“ weiterlesen

Wie bloß wirbt man für Homöopathie? Heute: Die DHU

Die Deutsche Homöopathie Union (DHU), der deutsche Marktführer bei homöopathischen Mitteln und Tochtergesellschaft des Konzerns Dr. Willmar Schwabe (weltweiter Jahresumsatz nahe bei 1 Milliarde Euro) sieht sich veranlasst, eine große Werbekampagne zur Homöopathie auf den Weg zu bringen und wird in diesem Zusammenhang sogar erstmals auf Twitter aktiv. [1]

Über die Gründe dafür mag man spekulieren. Die Zwischenzahlen aus dem Jahr 2017 haben jedenfalls gezeigt, dass der Homöopathie-Umsatz rückläufig ist. [2] Homöopathiekritik „wirkt“ ja nun schon eine ganze Weile. Das Thema ist im Raum, ob durch die „Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie“ von Dr. Norbert Aust, die „Homöopathie-Lüge“ von Weymayr/Heißmann und sicher nicht zuletzt durch den enormen Schub für den Diskurs durch Dr. Natalie Grams‘  „Homöopathie neu gedacht – Was Patienten wirklich hilft“.  Jedenfalls ist der öffentliche Diskurs mit Macht in Gang gekommen – und hält unvermindert an. Darf man die Hoffnung haben, die richtigen Informationen zur Homöopathie wirklich dem Publikum etwas näher gebracht zu haben?

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