Hightech-Medizin und homöopathische Sandkastenspiele

Ausdrücklich einmal eine Lanze für die „moderne, seelenlose Medizin“!

Ein Team um den Mitbegründer der Immuntherapie bei Krebs, Steven Rosenberg, hat einen großen Durchbruch bei Tumorerkrankungen erzielt, die bislang nicht gut durch Immuntherapie erreicht werden könnten. Dabei entnimmt man im Tumor bereits aktiv „arbeitende“ T-Lymphozyten und vermehrt sie in der Annahme, dass es Sinn macht, eine größere Menge dieser bereits auf den Tumor „trainierten“ T-Zellen wieder per Infusion zuzuführen.

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Favete linguis! *

*) „Enthaltet euch unheiliger Rede, schweigt!“ (Horaz)

Der 121. Deutsche Ärztetag ist inzwischen Geschichte. Die novellierte Muster-Weiterbildungsordnung ist verabschiedet.

Warum das wichtig ist? Wir erinnern uns: Anfang März dieses Jahres veröffentlichte der Münsteraner Kreis sein „Münsteraner Memorandum Homöopathie“, auf diesem Blog wurde ausführlich dazu kommentiert.  Es stellte einen wohlbegründeten Appell an den Ärztetag dar, bei der Novellierung der Musterweiterbildungsordnung die Streichung der „ärztlichen Zusatzbezeichnung Homöopathie“ zu beschließen. In einer auf Wissenschaftlichkeit verpflichteten Ärzteschaft könne eine nach nahezu einhelliger Auffasssung der weltweiten Wissenschaftscommunity wissenschaftlich nicht begründbare Methode keinen Platz haben.

Dazu ist es nicht gekommen. Es gab auf dem Ärztetag keinen Beschlussantrag zu einer Streichung der Zusatzbezeichnung Homöopathie, über den abzustimmen gewesen wäre. Es ist schlicht und einfach nichts anderes passiert, als dass die unverändert in der vorgelegten Beschlussvorlage enthaltene Zusatzbezeichnung unangetastet geblieben ist. Ich kann und will das an dieser Stelle nicht kommentieren und nicht bewerten – ich war nicht dabei und fühle mich nicht berufen, hierzu Interpretationen und Spekulationen zu liefern.

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Bieropathie!

Das Universum der Homöopathie steckt voller Überraschungen. Nur für Humor scheint dort durchaus wenig Platz zu sein – jedenfalls auf Seiten der Homöopathen.

Da ich mich ja ständig durch die weltweiten Publikationen zur Homöopathie wühle (soweit Zeit dafür da ist) und so manchen einschlägigen Newsletter empfange, bekomme ich da – von PubMed/NCBI bis zu Online-Vertreibern homöopathischer Mittel – so manches zu Gesicht. Diese Perle von einem großen Portal pro Homöopathie im fernen Downunder möchte ich euch, liebe Leser, nicht vorenthalten und bringe deshalb den kompletten Text als Übersetzung. Die Übersetzung ist zur besseren Verständlichkeit an einigen Stellen ein wenig frei, aber nicht im Inhalt, der ist genauso zu verstehen, wie er hier wiedergegeben ist. „Bieropathie!“ weiterlesen

Wie bloß wirbt man für Homöopathie? Heute: Die DHU

Die Deutsche Homöopathie Union (DHU), der deutsche Marktführer bei homöopathischen Mitteln und Tochtergesellschaft des Konzerns Dr. Willmar Schwabe (weltweiter Jahresumsatz nahe bei 1 Milliarde Euro) sieht sich veranlasst, eine große Werbekampagne zur Homöopathie auf den Weg zu bringen und wird in diesem Zusammenhang sogar erstmals auf Twitter aktiv. [1]

Über die Gründe dafür mag man spekulieren. Die Zwischenzahlen aus dem Jahr 2017 haben jedenfalls gezeigt, dass der Homöopathie-Umsatz rückläufig ist. [2] Homöopathiekritik „wirkt“ ja nun schon eine ganze Weile. Das Thema ist im Raum, ob durch die „Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie“ von Dr. Norbert Aust, die „Homöopathie-Lüge“ von Weymayr/Heißmann und sicher nicht zuletzt durch den enormen Schub für den Diskurs durch Dr. Natalie Grams‘  „Homöopathie neu gedacht – Was Patienten wirklich hilft“.  Jedenfalls ist der öffentliche Diskurs mit Macht in Gang gekommen – und hält unvermindert an. Darf man die Hoffnung haben, die richtigen Informationen zur Homöopathie wirklich dem Publikum etwas näher gebracht zu haben?

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Der Preis ist heiß!

Die folgende Passage aus einer Pressemitteilung der Fa. Peithner, Österreich, verdient unser Augenmerk:

Wien (pts005/28.03.2018/08:00) – Die Homöopathie erfüllt alle Kriterien der evidenzbasierten Medizin! Zu diesem Ergebnis kommt die Allgemeinmedizinerin Dr. Melanie Wölk, die im Rahmen ihrer Masterarbeit zur Erlangung des akademischen Abschlusses Master of Science im Universitätslehrgang Natural Medicine, Donau-Universität Krems, die Frage untersucht hat, ob die Homöopathie den Regeln der Evidence based Medicine (EbM) entspricht. Für diese Arbeit wurde Wölk mit dem Dr. Peithner Sonderpreis für Forschung in der Homöopathie ausgezeichnet.

Das ist ja mal eine Sensation ersten Ranges, sicherlich höherer Würden wert als der eines schnöden Masterabschlusses und eines lumpigen 3000-Euro-Schecks vom Homöopathie-Fabrikanten Peithner (wie die DHU zum Konzern Willmar Schwabe gehörig). Finde ich übrigens auch ziemlich knausering, in Anbetracht eines derartigen Durchbruchs. Naja, auch Blinddärme können durchbrechen…

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Eigentor der Woche

Auf Twitter bekamen die Homöopathiekritiker in der vergangenen Woche dieses vernichtende Statement entgegengeschleudert:

„Liebe Skeptiker und schon wieder eine signifikant positive Studie zur Homöopathie bei Pubmed. Wenn ihr für die Homöopathie Kritik nicht bezahlt werdet, würde ich mir jetzt ein anderes Betätigungsfeld suchen, z.B. Impfkritik.“

Die Vielzahl von interessanten Implikationen und Schlussfolgerungen, die dieser eindrucksvolle Text enthält, wollen wir an dieser Stelle gar nicht weiter würdigen. Denn unser twitternder Freund aus der Zunft der Heilpraktiker verkennt unsere kritische Motivation: Wir warten doch darauf, dass endlich mal jemand mit etwas Handfestem zur Homöopathie um die Ecke käme (dann wäre es auch nicht mehr so langweilig). Sicher ist es für unseren Freund unvorstellbar, aber es ist so: Gäbe es endlich wirklich signifikante Nachweise für eine spezifische Wirksamkeit der Homöopathie, würden wir ohne Umschweife unsere Sachen packen und uns nach einer sinnvolleren Tätigkeit umschauen. (Impfkritik wäre das nicht, allenfalls Impfgegnerkritik.) Skepsis ist weder unverrückbare Überzeugung noch Allwissenheit, das verorten wir eher woanders.

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Was erlaube Homöopathen?

Zum 20. Jahrestag der legendären Münchner Pressekonferenz vom Meister des gepflegten Wutausbruchs Giovanni Trappatoni sei diese leicht abgewandelte Einleitung eines durchaus ernstgemeinten Artikels einmal gestattet – unpassend ist sie auf keinen Fall. Passend ist rein zufällig in unserem Zusammenhang auch ein anderes 20-jähriges Jubiläum, das mit dem Wort „Retracted“ in enger Verbindung steht.

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Münsteraner Memorandum Homöopathie – und ein Echo.

Evidenzbasierte Medizin

Ein überfälliges Thema für die Ärzteschaft

Am 9. März 2018 hat der „Münsteraner Kreis“ sein zweites Grundsatzpapier, das „Münsteraner Memorandum Homöopathie“ , veröffentlicht. Es stellt einen Appell an den im Mai d.J. stattfindenden 121. Deutschen Ärztetag dar, im Rahmen der dort anstehenden Diskussion über die Weiterbildungsregelungen der Ärzteschaft zu einer ersatzlosen Streichung der „Zusatzbezeichnung Homöopathie“ zu kommen.

Ein wohlüberlegter Schritt, will mir scheinen. Da es ja -entgegen dem voraussehbaren „Verständnis“ mancher – nicht um eine Abschaffung, ein Verbot der Homöopathie oder um eine „Einschränkung von Therapiefreiheit und Patientenautonomie“ geht und von der Politik jedenfalls ein kurzfristiges Handeln nicht zu erwarten ist, sollte zumindest die der wissenschaftlichen Medizin verpflichtete Ärzteschaft endlich einsehen, dass ihr Selbstverständnis mit dem Festhalten an einer unwirksamen Scheintherapie längst nicht mehr vereinbar ist. Ganz sicher nicht auch noch mit der Privilegierung durch eine „ärztliche Zusatzbezeichnung“, die dem Patienten ja nicht nur eine besondere Qualifikation der Ärztin / des Arztes vermittelt, sondern auch die Validität und Seriosität der Methode mehr als suggeriert.

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