Impfen? Na Mahlzeit…

Der nicht unbekannte „Ernährungsguru“ Udo Pollmer fühlt sich berufen, auf seinem Portal „EULE“, außerdem auch auf seinem Youtube-Kanal „Brotzeit.TV“ wo sonst durchaus lesens- und hörenswerte, auf jeden Fall unterhaltsame Beiträge zur Ernährungsforschung zu finden sind, Position zum Impfthema zu beziehen.

Pollmers Markenzeichen ist ein leicht sarkastisch eingefärbter Hang zur Kritik – will sagen, er steht – oft durchaus zu Recht – den stets neu durchs Dorf getriebenen Ergebnissen der „Ernährungsforschung“ recht generell kritisch gegenüber und hält damit nicht hinterm Berg. Was Wunder – die Ernährungsforschung schleppt gleich einen ganzen Sack von empirisch-methodologisch-statistischen Problemen mit sich herum, was Pollmer immer wieder auch gut erklärt.

Leider hält er diese Sicht- und Vorgehensweise nun auch für angemessen, um über das Impfthema zu referieren. Jedoch ist er damit auf dem Holzweg. Was Pollmer hier zum Impfthema präsentiert, ist – ich sage es mal gleich deutlich – meines Erachtens nicht nur unverantwortliches Cherrypicking, sondern zeigt insgesamt eine bestürzende Schieflage. „Impfen? Na Mahlzeit…“ weiterlesen

Der Gesetzgeber und die Anklagebank in Krefeld

I.

Das Urteil im Krefelder Landgerichtsprozess gegen den Heilpraktiker Klaus R. aus Brüggen-Bracht ist gesprochen. Das Gericht befand ihn der fahrlässigen Tötung schuldig und verhängte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Dies ist nach der Beweiswürdigung und unter den Regeln der Strafzumessung korrekt und entspricht bei Ersttätern einer solchen Straftat (wie beispielsweise auch für Verursacher schuldhafter Autounfälle mit Todesfolgen) gefestigter Rechtsprechung. Insofern habe ich keine Kritik am Schuldspruch und an der Strafzumessung zu üben.

Der Prozessführung durch das Gericht ist, soweit man sie der Berichterstattung entnehmen kann, Anerkennung auszusprechen (ich stütze mich hier auf Claudia Rubys exzellente Berichte auf MedWatch). Das Gericht war sich offensichtlich der Implikationen des Falles, die über die reine individuelle Tatfeststellung und Strafzumessung hinausgehen, durchaus bewusst. „Der Gesetzgeber und die Anklagebank in Krefeld“ weiterlesen

Homöopathie – Wunderglaube?

Die Homöopathieanhänger finden nichts dabei, einer Methode das Wort zu reden, die sich in ihrem eigenen Alltag ständig selbst widerlegt. Eine erstaunliche Form von Glaubensfestigkeit.

 

Häufig weisen Kritiker darauf hin, dass Homöopathie als Methode vor allem deshalb schon a priori obsolet sei, weil ihre Grundlagen gegen naturgesetzliche Gegebenheiten, gegen wissenschaftlich erstklassig abgesicherte Erkenntnisse verstoßen, die sich täglich, stündlich, sekündlich in unser aller Alltag manifestieren – nur für die Homöopathie jedoch suspendiert sein sollen. Häufig kommt die Frage nach genauerer Erläuterung dieser Position. Wir wollen es im Folgenden versuchen.

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Fake-Homöopathie-Fake

In Russland gibt es eine Firma namense OOO NPF Materia Medica Holding, unter Führung eines gewissen Oleg Epstein, die homöopathische Produkte herstellt. Wie nun offenbar wurde, stellte Epstein gleich auch die für diese Produkte passenden Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Journalen mit her. Und nicht nur das.

2018 hat PLOS ONE (Public Library of Science, ein Open-Access-Online-Journal) eine Arbeit von Epstein et al. mit dem Titel „Novel approach to activity evaluation for release-active forms of anti-interferon-gamma antibodies based on enzyme-linked immunoassay“ zurückgezogen. Für den Nichtfachmann ein Buch mit sieben Siegeln, dieser Titel. Jedoch, die Erklärung zum Retract von PLOS ONE hatte es in sich:

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Ein Einzelfall! – Ein Einzelfall?

Mal wieder hat ein Presseorgan der Heilpraktikerszene Gelegenheit zur Selbstdarstellung in einem redaktionellen Beitrag gegeben. Zugegeben, als „ausgewogene“ Replik zu einer kürzlich am gleich Ort erschienenen Kritik. Gleichwohl.

Ein Verbandsvertreter kam zu Wort, mit der Attitüde der „besseren Medizin“ und des guten (besseren?), empathischen Heilkünstlers, selbstverständlich. Dementsprechend auch mit den üblichen Whataboutisms und den Vorwürfen gegen die Ärzteschaft, es gehe ihr bei der Kritik an den HP nur um die Sicherung eigener Pfründe, ja, es sei eine „Hexenjagd“ zu konstatieren. Nun, dazu braucht man nichts mehr zu sagen, die Würdigung dieser immer wiederkehrenden, „sachbezogenen“ Sprechblasen findet sich z.B. hier, hier und hier.

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Evidenzkriterien und Schwalben – Nachschlag zur Akupunktur

Kürzlich hatte ich hier aus gegebenem Anlass dargelegt, dass die Beurteilung der Evidenzlage (nicht nur) für Akupunktur sich aus der Gesamtschau der vorliegenden Erkenntnisse ergibt und nicht aus Cherrypicking und / oder irgendwelchen Einzelarbeiten. Auf Twitter hat sich zum Beitrag hier und da eine Diskussion entsponnen, die leider einmal mehr zutage gefördert hat, dass man teils einfach vor Wände zu reden scheint.

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„Akupunktur ist mehr als Placebo“ – Quark bei Quarks

Gestern – am 21.02.19 – veröffentlichte das WDR-Wissenschaftsmagazin „Quarks“ einen Videobeitrag und den zugehörigen Text unter dem Titel „Akupunktur ist mehr als Placebo“. Wohlgemerkt, das mit einem wissenschaftlichen Anspruch antretende TV-Magazin „Quarks“ tat das, nicht das Zentrum der Gesundheit oder der Zentralverein der deutschen Pseudomediziner.

Nein, Akupunktur ist NICHT mehr als Placebo (worunter ich in diesem Falle mal „unpräzise“ die Gesamtheit der non-specific-Effects, aller Kontexteffekte, verstehe), darüber besteht in der seriös-kritischen wissenschaftlichen Gemeinde kein Dissens. Was Quarks in der Diskussion auf Facebook für eine Engstirnigkeit gegenüber einer Vielzahl fundierter und belegter Einwände demonstrierte, das hat mich mehr verstört als der Beitrag selbst.

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Mit Brettern ausgelegter Weg als Symbol für den sprichwörtlichen Holzweg

Paradigmenwechsel – so, so.

Heute mache ich es mal kurz.

Verehrte Kontrahenten von der homöopathischen Fraktion und Befürworter wissenschaftlicher Revolutionen. Euch scheint bei der Forderung nach einem „Paradigmenwechsel“ in der Medizin, gar einer wissenschaftlichen Revolution in eurem Sinne, etwas entgangen zu sein.

Es wäre hilfreich, die Realität wahrzunehmen. Wir erleben doch einen großen Paradigmenwechsel in der Medizin, einen grundlegenden, der seit längerem anhält und noch nicht abgeschlossen ist und der durchaus als Revolution im Sinne Thomas S. Kuhns angesehen werden kann:

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