Och nee… Schon wieder Heilpraktiker(reformen)…

jonglieren
Fröhliches Paragrafenjonglieren

Neues von der Heilpraktikerreformfront. Wie das Ärzteblatt berichtet, ist man in Berlin offenbar dabei, einen gewaltigen Anlauf zu einer grundlegenden Reform des Heilpraktikerwesens zu nehmen (zum Thema in diesem Blog siehe hier, hier und auch noch hier.

Worauf dürfen sich nun Skeptiker und Kritiker freuen, die in den letzten Wochen vielfach fundierte Kritik am Heilpraktikerwesen, diesem Wurmfortsatz am öffentlichen Gesundheitswesen, geäußert haben? Nun, ich zitiere das Ärzteblatt

„Die Gesundheitsämter können die Erlaubnis versagen, „wenn sich aus einer Überprü­fung der Kenntnisse und Fähigkeiten des Antragstellers ergibt, dass die Ausübung der Heilkunde durch den Betreffenden eine Gefahr für die Volksgesundheit bedeuten wür­de“, heißt es in den Leitlinien. Gemäß Änderungsanträgen von Union und SPD soll künf­tig eine Erlaubnis auch dann versagt werden können, wenn die Überprüfung ergibt, dass die Ausübung der Heilkunde durch den Betreffenden eine Gefahr für jeden einzelnen Pa­tienten bedeuten würde.“

Aha. Soso. Darum geht’s. Ich erlaube mir mal, das als belangloses Wortgeklingel abzutun. Doch halt: Der juristische Instinkt in mir spürt: Hier stimmt doch was nicht…

Rein sprachlogisch: Wie soll denn festgestellt werden, dass jemand für jeden einzelnen Patienten, den er in Zukunft haben wird, eine Gefahr darstellt? Das ist doch kompletter Unsinn. Ungefähr der umgekehrte Fall des alten Problems, wie man feststellt, warum eine bestimmte Einrichtung einen gewaltigen Besucherschwund aufweist: Gar nicht, denn die Leute, die weg sind, kann man ja nicht mehr fragen. Und: Es liegt ja auf der Hand, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit Wohlfühl-Patienten erscheinen werden, die entweder gar keine oder eine selbstlimitierende, harmlose Erkrankung haben und denen ein paar Globuli oder eine Pendelsitzung, meinetwegen auch eine anthroposophische Kräutermischung, sicher nicht gefährlich werden. Damit könnte dieser Ausschlussgrund niemals wirklich zum Tragen kommen.

Damit ist die geplante „Neuregelung“ schon mal eine unnötige und unwirksame Leerformel. Vermutlich schielt der Bund mit einem Auge darauf, dass die Länder per Durchführungsbestimmung dieses schöne Produkt intensiven gesetzgeberischen Nachdenkens schon noch irgendwie mit Inhalt füllen werden. Nur: Siehe den vorhergehenden Absatz. Der Unterschied zwischen Leerlauf und Stillstand besteht lediglich im Energieverbrauch, für die Fortbewegung ist er unwesentlich.

Wie soll vor einem solchen Hintergrund eine rechtssichere, einem verwaltungsgerichtlichen Verfahren standhaltende „Prüfung“ stattfinden? Eine derart unsinnig-verquaste Regelung wird eher dazu führen, dass die Prüfenden, da ihnen die Kriterien entgleiten, mit Aussicht auf unfruchtbare Widerspruchs- und Rechtsmittelverfahren eher mal Fünfe gerade sein lassen als bisher. Und das wäre schlimm, sehr schlimm.

Fazit: Ich gehe mal -in dubio pro legislator- davon aus, dass das nicht alles sein kann, was den Fraktionen zur „Reform“ des Heilpraktikerwesens einfällt. Das hier ist allerdings schon mal eine klassische Nullnummer.

Ich stelle fest: Keinen Schritt vor, einen halben zur Seite.

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Den Begleitchor zu den aktuellen „Reformbestrebungen“ gibt unter anderem der Verband klassischer Homöopathen Deutschlands e.V. (VKHD), der übrigens unter dem Motto „ganz Homöopathie – ganz Heilpraktiker“ steht und damit einmal mehr beweist, dass Homöopathie und Heilpraktiker symbiotisch zusammen gehören. Klar, ist doch die Homöopathie schon deshalb im Schatzkästlein der Heilpraktiker und als Aushängeschild unverzichtbar, weil sie -zu Unrecht- vergleichsweise am Wenigsten im Ruf einer halbseidenen esoterischen Methode steht.

Die aktuelle Pressemitteilung des VKHD ist betitelt mit „Viele Gesetze regeln den Heilpraktikerberuf  – Heilpraktiker bereichern das Gesundheitswesen und unterliegen strengen gesetzlichen Regelungen“. Klar, man möchte der letztlich doch beunruhigenden Erkenntnis entgegenwirken, dass der Heilpraktikerstand mehr oder weniger ungeregelt vor sich hinwerkelt. Was finden wir hier außer den üblichen Beteuerungen zur Wichtigkeit, ja Unverzichtbarkeit und Seriosität des Heilpraktikerstandes?

„Das Behandlungsspektrum von Heilpraktikern wird zum Beispiel durch den sogenannten Arztvorbehalt eingeschränkt, wie es u.a. im Infektionsschutz-,  Arzneimittel-,  Zahnheilkunde- und Betäubungsmittelgesetz geregelt ist. So darf ein Heilpraktiker beispielsweise weder Zahnheilkunde ausüben noch bestimmte übertragbare Erkrankungen behandeln oder rezeptpflichtige Arzneien verordnen.

Heilpraktiker müssen sich auch an die Vorgaben des Patientenrechtegesetzes, des Medizinprodukterechts und Arzneimittel- sowie des Infektionsschutz- und Heilmittelwerbegesetzes halten. Der öffentliche Auftritt eines Heilpraktikers wird darüber hinaus noch durch das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) geregelt. Zudem gelten auch für sie dieselben Haftungs-, Sorgfalts-, Aufklärungs-, Dokumentations- und Fortbildungspflichten wie für Ärzte. Neben der Schweigepflicht müssen Heilpraktiker auch die berufsgenossenschaftlichen Vorschriften, die gängigen Anforderungen an Hygiene (RKI-Hygienerichtlinie) und an Biologische Arbeitsstoffe (TRBA 250) einhalten.“

Ah ja. Wie mir scheint, eher eine quantitative Aufzählung. Dazu sei die Bemerkung erlaubt, dass sich Otto Normalstaatsbürger noch einer weitaus größeren Menge an zu beachtenden Regelungen gegenübersieht, vom Strafgesetzbuch bis zur örtlichen Lärmschutzregelung. Auch der Bäckermeister, der Kfz-Mechaniker, der Maurerpolier sehen sich einer vergleichbaren Regelungsfülle gegenüber. Aber: All das sind Rahmen- und Ordnungsregeln. Nicht mehr. Wo aber finde ich hier das Gebot, dass die Heilpraktiker ausschließlich im Rahmen wissenschaftlicher Standards „behandeln“ dürfen? Wo finde ich eine Positiv- oder Negativliste zugelassener bzw. ausgeschlossener Mittel und Methoden? Wo finde ich etwas zum „Heilen“ oder zur „Praxis“? Zudem wage ich zu bezweifeln, ob all diese aufgezählten Einzelaspekte tatsächlich praktische Bedeutung für den Heilpraktiker entfalten. Gerade der Aspekt der Haftungs-, Sorgfalts-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten würde für sich einer eingehenden Betrachtung bedürfen. Und Fortbildungspflicht? Es gibt ja nicht einmal eine Ausbildungspflicht, geschweige denn Ausbildungsinhalte, an die eine Fortbildung anknüpfen könnte! Die Beliebigkeitsfortbildung, wie sie die Heilpraktikerschulen anbieten, soll doch wohl nicht mit der Pflichtfortbildung der Ärzteschaft gleichgesetzt werden…

Potemkinsche Dörfer. Kulisse, die das Eigentliche verdeckt, nämlich die unter dem Begriff der „Therapiefreiheit“ weitestgehende Beliebigkeit bei der Ausübung der „Heilkunde“ durch nicht wissenschaftlich ausgebildete Menschen.

 

Bildnachweis:  dreamstime_xs_35303352

Vor der Unwirksamkeit der Homöopathie wird ausdrücklich gewarnt! Ein (mehr oder weniger heiterer) Zwischenruf.

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Hamburg, Jungfernstieg, 23.10.2016, 16.00 Uhr

In Berlin, Hamburg und München, in Österreich (St. Pölten) und in der Tschechischen Republik (u.a. in Prag) fanden in diesem Jahr wieder die „10^23-Aktionen – Homöopathie: Nix drin, nix dran“ statt. An der Veranstaltung der Hamburger Regionalgruppe der GWUP am 23.10. am Jungfernstieg hatte ich die Ehre und das Vergnügen, teilzunehmen. Übrigens stand die Veranstaltung in Hamburg unter dem Motto „Verdünnisiert euch aus den Apotheken!“, der Forderung, Pseudomedizin nicht auch noch durch eine Apothekenpflicht zu adeln. Ist doch bescheiden, oder?

Der Autor hat die Einnahme eines Globuli-Fläschchens Arsenicum album C30 völlig klaglos überstanden, er fühlte sich weder besser noch schlechter danach. Nur der Mund wollte ausgespült werden, das ganze Zuckerzeug ist schon übel… Vertreter von „Die Partei“ standen zu diesem Zweck übrigens mit homöopathischem Bier bereit – ein Tropfen auf 0,5 Liter Mineralwasser. Gut geschüttelt. Schmeckte und wirkte aber – wie Mineralwasser…

Schon im Vorfeld (!) gab es harsche Kritik an dieser netten Veranstaltung. Der bekannte und beliebte Deutsche Zentralverein der homöopathischen Ärzte (es sei hier mal die ausgeschriebene Fassung verwendet) hat eine Stellungnahme herausgegeben, die wohl als Grundlage für einen … äh, etwas unentschiedenen Artikel in der TAZ gedient hat. Zur Ehre der TAZ sei erwähnt, dass sie bei der Aktion vor Ort war und sich umfassend  hat informieren lassen. Vielleicht kommt da noch mal ein Artikel?

Wie dem auch sei, an dieser Stelle soll die Pressemitteilung des DZVhÄ nicht ohne eine kleine, teilweise auch ernsthafte Analyse davonkommen. Fangen wir mal an.

Der DZVhÄ bezeichnet die 10^23-Veranstaltungen als „aus medizinischer Sicht komplett sinnfrei“. Dem stimme ich gerne zu. Natürlich ist die Einnahme wirkungsloser Zuckerkugeln aus medizinischer Sicht völlig sinnfrei, was denn sonst? Und zwar ganz egal, ob als einzelner Globulus oder als ganzes 10-Gramm-Fläschchen. Null plus Null ist Null, und Null mal Null nun mal auch. Mit der medizinisch komplett sinnfreien Aktion soll ja gerade auf die komplette medizinische Sinnfreiheit der Homöopathie hingewiesen werden. Dem DVZhÄ scheint sich also weder die Logik der Aktion noch die in ihr zweifellos vorhandene feine Ironie offenbart zu haben… schade.

Nun begründet der DVZhÄ die „medizinische Sinnfreiheit“ aber aus seiner Sicht, nämlich aus der Sicht desjenigen, der die Homöopathie für eine wirkungsvolle Arzneimitteltherapie hält. Wir wollen das nicht übergehen, sondern uns damit einmal näher auseinandersetzen.

Zitat: „Bei der Einnahme von homöopathischen Hochpotenzen ist die Häufigkeit der Einnahme von Bedeutung, nicht die Menge. Die Aktion bringt keinen Erkenntnisgewinn.“

Aha. Nach Hahnemann, dem großen Altmeister, ist eine „Häufigkeit“, also eine Wiederholung der homöopathischen Gabe, nicht vorgesehen. Die erste Gabe -immer unterstellt, der „Heilkundige“ hat das richtige Mittel gewählt – stimmt die „geistige Lebenskraft“ bei erster Einnahme bereits um. Eine weitere Gabe trifft also auf einen veränderten Zustand der „geistigen Lebenskraft“ und kann damit nur als Störfaktor wirken:

Jede, in einer Cur merklich fortschreitende und auffallend zunehmende Besserung ist ein Zustand der, so lange er anhält, jede Wiederholung irgend eines Arznei-Gebrauchs durchgängig ausschließt, weil alles Gute, was die genommene Arznei auszurichten fortfährt, hier seiner Vollendung zueilt. Dies ist in acuten Krankheiten nicht selten der Fall; bei etwas chronischen Krankheiten hingegen, vollendet zwar auch bei langsam fortgehender Besserung, zuweilen Eine Gabe treffend gewählter, homöopathischer Arznei die Hülfe, die dieses Mittel in solchem Falle seiner Natur nach auszurichten im Stande ist, in einem Zeitraum von 40, 50, 60, 100 Tagen.

Hahnemann war das so wichtig, dass er sich auch angesichts des -verständlichen- Wunsches, zu einer möglichst schnellen Heilung zu gelangen, nicht zu einer wiederholten Gabe verstehen konnte. Nach seinem Gedankenmodell konsequent. Er fand einen „Ausweg“, indem er auf der Grundlage der Vorstellung , dass höhere Potenzen viel größere Wirkung ausüben, auf weit höhere „Potenzierungen“ auswich, als er jemals vorher in Betracht gezogen hatte (6. Auflage des „Organon“):

Aber theils ist dies sehr selten der Fall, theils muß dem Arzte, so wie dem Kranken viel daran liegen, daß, wäre es möglich, dieser Zeitraum bis zur Hälfte, zum Viertel, ja noch mehr abgekürzt und so weit schnellere Heilung erlangt werden könnte.

Und dieß läßt sich auch, wie neueste, vielfach wiederholte Erfahrungen mich gelehrt haben, recht glücklich ausführen, unter folgenden Bedingungen: erstens, wenn die Arznei mit aller Umsicht recht treffend homöopathisch gewählt war – zweitens, wenn sie hoch potenzirt, in Wasser aufgelöst und in gehörig kleiner Gabe in, von der Erfahrung als die schicklichsten, ausgesprochenen Zeiträumen zur möglichsten Beschleunigung der Cur gereicht wird, doch mit der Vorsicht, daß der Potenz-Grad jeder Gabe von dem der vorgängigen und nachgängigen Gaben um Etwas abweiche, damit das, zur ähnlichen Arzneikrankheit umzustimmende Lebensprincip, nie zu widrigen Gegenwirkungen sich aufgeregt und empört fühlen könne, wie bei unmodificirt erneuerten Gaben, vorzüglich schnell nach einander wiederholt, stets geschieht.

Was natürlich die Problematik, ob unterschiedliche Potenzen der gleichen Ursubstanz eine unterschiedliche Wirkung haben oder nicht und wenn ja, eine qualitativ oder quantitativ unterschiedliche, aufreißt.

Eine gewaltige Nuss für Hahnemanns Exegeten, die sich widersprechenden und gar gegenseitig ausschließenden Meinungen zu diesem Problem sind Legion. Allerdings – die Behauptung des DZVhÄ, „bei der Einnahme von homöopathischen Hochpotenzen ist die Häufigkeit der Einnahme von Bedeutung, nicht die Menge“ gehört in die Abteilung der „Kaputtdeutungen“ von Hahnemanns Konzept, sie hat mit dessen Gedankengebäude nichts mehr zu tun. Ich schrieb ja schon in einem anderen Beitrag , dass die Geschichte der Homöopathie letztlich eine Geschichte des Auseinandernehmens und wieder falsch Zusammensetzens ist, die das gedankliche Grundgebäude Hahnemanns letztlich in Trümmern zurücklässt.

Was den Erkenntnisgewinn betrifft: Größer könnte er gar nicht sein, denn -ganz im Sinne wissenschaftlicher Maßstäbe- ist doch die Hypothese der Skeptiker, es werde keinerlei Wirkung durch die Aktion eintreten, durch das Experiment glänzend bestätigt worden. Zudem bei einer Vielzahl von Teilnehmern und breit gestreuter Mittelauswahl. Das müssen die Homöopathievertreter erst mal nachmachen…

Weiteres Zitat: „Ebenfalls wird außer Acht gelassen, dass die Homöopathie auf dem Ähnlichkeitsprinzip basiert: ‚Würden die Aktionisten ihre individuellen Beschwerden einem homöopathischen Arzt schildern, könnte dieser ein heilendes Homöopathikum für den Einzelnen finden, eine Arzneigabe – ohne Bezug zum Beschwerdebild des Patienten – ist gar keine Homöopathie‘.“

Ochnee. Das macht ja gar keinen Spaß mehr. Auch hier fehlt es dem DZVhÄ am Verständnis für das wohldurchdachte Anliegen und den feinsinnigen Grundgedanken der Aktion. Niemand will bei einer 10^23 Aktion eine „Behandlung“ durchführen. Es soll lediglich gezeigt werden, dass homöopathische Mittel, gleichgültig, ob man die „stärkere Wirkung bei Verdünnung“ annimmt oder dem wissenschaftlichen Grundsatz der Dosis-Wirkungs-Beziehung folgt (der nur für die Homöopathen keine Geltung hat) keinerlei Wirkung haben, weder positive noch negative. Will man den Vorgang, der bei einer 10:23-Aktion stattfindet, in das Gedankengebäude der Homöopathie einordnen, so müsste man sie als „Arzneimittelprüfung am Gesunden“ ansehen, die keine Symptome zum Verschwinden bringt wie bei der Therapie, sondern sie -im Gegenteil- hervorrufen müsste. Dass genau dies nicht geschieht, wie jeder Teilnehmer an einer solchen Aktion bestätigen wird, ist ein Beweis für die Unhaltbarkeit der Methode und für die suggestive Subjektivität, die zu den „Ergebnissen“ bei den Arzneimittelprüfungen führt.

Ja, die Menge. Nun, was bei den Arzneimittelprüfungen gegeben wurde und wird, ist eh sehr unterschiedlich. Hahnemann ging anfangs noch von Niederpotenzen aus, die nur höher verdünnt wurden, wenn es um toxische Stoffe ging. Aber macht es denn überhaupt einen Unterschied, ob ich einen Globulus C30 nehme oder zehn Gramm davon? Mal ganz ketzerisch: Wenn in den Globuli die „Information“ gespeichert ist, die aus der Ursubstanz stammt und die „verstimmte geistige Lebenskraft“ umstimmen soll, dann ist es doch völlig egal, wie viele Globuli man nimmt – es gibt doch nur eine „Information“. So führt doch die ganze Potenziererei im Grunde den Hahnemannschen Gedanken der „geistigen Lebenskraft“ ad absurdum, weil ich von „Mengen“ und „Häufigkeit“ doch nur bei materiellen Wirkprozessen sprechen kann – was Hahnemanns Gedankengebäude völlig fremd war… Und schon sind wir wieder mittendrin im bunten Reich der Widersprüchlichkeit.

Meine C30-Kügelchen hatten einen Potenzierungsgrad von 1:10^60. Sehen wir einmal ganz davon ab, dass kein Molekül der Ausgangssubstanz überhaupt noch vorhanden ist und nehmen ein „Restvolumen“ an Wirkstoff an (au, tut das weh…).. Wenn ich 200 Stück davon auf einmal einnehme – macht das in Anbetracht des praktisch nicht mehr darstellbaren Volumens irgendeinen Unterschied? Die 200-fache Menge an „Wirkstoff“ würde sowieso immer noch Lichtjahre von der „Stärke“ der nächsten üblichen Potenz entfernt sein.Damit ist die 10:23-Aktion durchaus eine „Arzneimittelprüfung“ im Hahnemannschen Sinne.

Ich habe Arsenicum album C30 genommen. Wer sich dafür interessiert, mag die „Indikationen“ gängiger Repertorien hier und hier einmal nachlesen und vergleichen, denn sie decken sich durchaus nicht (es gibt noch weitaus mehr abweichende Indikationslisten).

Bei aller großen Auswahl – ich vermelde ein absolut negatives Testerlebnis. Wobei ich natürlich zu Babydurchfall und gynäkologischen Problemen nichts sagen kann… Warum einmal ins Repertorium schauen? Um das Absurde der „Arzneimittelbilder nach Arzneimittelprüfung am Gesunden“ noch einmal ganz deutlich zu machen. Systemlose Subjektivität wohin man schaut. Abweichungen zum Teil gravierendster Art. Von den Krankheitsbildern „Leukämie“ und „Magenkrebs“ mal ganz zu schweigen.  Will man wirklich annehmen, eine Arzneimittelprüfung mit Arsenicum habe Symptomatiken (womöglich akute Erkrankungen?) von Magenkrebs und Leukämie ursächlich hervorgebracht? An einen Homöopathen, der eine Perikarditis oder Scharlach mit Arsenicum behandeln will, möchte ich auch nicht geraten. Übrigens gehen hier, entgegen Hahnemann, für den nur Symptome wichtig waren und der nie Krankheiten namentlich bezeichnete, Symptom- und Krankheitsbezeichnungen wild durcheinander.

Angesichts solcher Absurditäten kann ich -Entschuldigung- über die Äußerung des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), „aus [seiner] Sicht tragen Aufrufe, Arzneimittel in Überdosierungen einzunehmen, nicht zur Aufklärung und Sensibilisierung von Patientinnen und Patienten bei“, nur traurig den Kopf schütteln. Niemand startet Aufrufe zur Einnahme von Arzneimitteln in Überdosierungen. Dies tun von der Widersinnigkeit der Homöopathie Überzeugte, die wissen, dass Globuli mit Ausnahme von Niederpotenzen keine Arzneimittel sind, von ganz allein, denn sie haben das positive Wissen über die völlige Harmlosigkeit des Verzehrs wirkungsloser Zuckerkugeln. In Anbetracht des vernichtenden Urteils, das die weltweite Wissenschaftsgemeinschaft über die Homöopathie längst gefällt hat, ist es vielmehr bedauerlich, dass das BfArM und seine vorgesetzte Dienststelle, das BMG, es ihrerseits nach wie vor an einer Aufklärung und Sensibilisierung von Patientinnen und Patienten fehlen lassen, siehe hier. Korrekterweise muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass das Zitat der BfArM aus dem Jahre 2011 stammt und bereits damals von der Carstens-Stiftung thematisiert wurde; damals war sogar die Rede von einer möglichen Genehmigungspflicht der Aktionen … und das vor dem Hintergrund, dass sich die Homöopathie selbst des Privilegs erfreut, innerhalb des Gesundheitssystems von jeglicher neutralen Wirkungsprüfung befreit zu sein. Absurdistan ließ grüßen, aktuell jedenfalls habe ich kein erneutes Statement des BfArM finden können. Die Erkenntnis schreitet eben fort.

Und über die furchtbare Misshandlung von Kindern bei der Aktion 2011 mag sich der geneigte Leser sein Urteil selbst bilden, wozu er zweifellos nach dieser Lektüre in der Lage sein wird. Klar ist nach einer solchen Aktion natürlich: Heute keine Süßigkeiten mehr. Und wegen der  üblichen Behauptungen des DVZhÄ zur angeblich positiven Studienlage brauchen wir an dieser Stelle den Artikel wirklich nicht weiter in die Länge zu ziehen.

Ceterum censeo: Homöopathie ist unwirksam. Und der Placeboeffekt ist kein Verdienst der Homöopathie. Er ist nur so freundlich, auch bei einem homöopathischen Behandlungsset vorbeizuschauen.

 

 

Bildnachweis: Regionalgruppe Hamburg der GWUP / Elkin Fricke

 

Homöopathie im Viehstall – kann nicht wahr sein…

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Nicht verraten: Ich wandere aus…

Heute komme ich zu einem Thema, das mich besonders bewegt: Der Propagierung von „Homöopathie in der Tierzucht“ als vorgebliche Lösung der inzwischen breit problematisierten Methode des großflächigen Einsatzes von Antibiotika bei der Nutztierhaltung.

Homöopathische „Behandlung“ von Tieren habe ich schon an anderer Stelle dieses Blogs  ganz klar als Tierquälerei gebrandmarkt. Die nötigen Informationen hält auch das Informationsnetzwerk Homöopathie bereit. Mit dem heutigen Thema ist aber noch einmal eine ganz andere Qualität erreicht. Zudem wird deutlich, dass allen Ernstes die Homöopathiegläubigkeit bis in die Amtsstuben der für Landwirtschaft und Viehzucht zuständigen Kammern und Behörden vorgedrungen ist – respektive unentschuldbare Unwissenheit sich dort eingenistet hat. Da die dortigen Rauchwarner auf diese Form heißer Luft offenbar nicht anschlagen, heute dazu ein paar klare Worte.

Wo ist das Problem?

Die heutigen Haltungsbedingungen in der Intensivviehzucht führen aus verschiedenen Gründen (vor allem durch die Standhaltung mit geringem Platzangebot, aber auch durch hygienische Mängel, die nicht so leicht zu beheben sind, und anderes) zu einer hohen Infektionsdichte im Viehbestand. Kann man sich leicht vorstellen. Inzwischen ist die vorbeugende Behandlung mit Antibiotika -auf gut deutsch, die Aufrechterhaltung eines Mindestwirkpegels im Körper der Tiere- das „Mittel der Wahl“. Folgen: Antibiotikaführendes Schlachtfleisch, alle mit dauernden Antibiotikagaben verbundenen Nebenwirkungen (z.B. Pilzinfekte) beim Tier, Antibiotikapegel unakzeptabler Größe in Abwässern, Resistenzentwicklung, hohe Kosten und anderes. Nicht wünschenswert, eine echte Fehlentwicklung, zweifellos. Das hat man, nachdem sich dieser Zustand über lange Zeit hin unter den Augen der Viehzüchter und der verantwortlichen Kammern und Behörden entwickelt hat, immerhin bemerkt.

Ja, und was ist jetzt mit Homöopathie?

Allerorten wird nun nach dem Stein der Weisen gesucht, der ja bekanntlich nicht nur Gold aus beliebigen Grundstoffen erzeugen, sondern auch jede Krankheit heilen konnte. Wegen der Geschichte mit den Amtsstuben der zuständigen Kammern und Behörden (siehe oben) tut sich nun plötzlich ein El Dorado (nie für möglich gehaltenes Goldland) für die Propagandisten der schonenden und sanften Tiertherapie mit Homöopathika auf. Zu erkennen beispielsweise an den von den Zuständigen organisierten Fortbildungsveranstaltungen für die interessierte Landwirtschaftsbranche (z.B. hier). Kein Einzelfall. Dort bekommen Leute eine Plattform, die schon länger versuchen, die Nutztierhaltung mit Zuckerkügelchen zu sabotieren.

Scheint auch niemanden zu interessieren, dass vor kurzer Zeit erst ein Milchbauer wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz verurteilt worden ist, weil er ein akut krankes Tier mit wirkungslosem Homöopathiezeugs misshandelt hat. Das arme Kälbchen hatte eine Kniegelenksentzündung, eine Allerweltssache für jeden guten Tierarzt, es ist durch die Zuckerkügelchen allen Ernstes daran gestorben.

Bekanntlich ist ja bei der Homöopathie das Nicht-Scheiternkönnen im System eingebaut. Diesmal könnte es aber ganz anders kommen, und das sage ich nicht aus Häme gegenüber den verhinderten Tortenverzierern.

Dass die Homöopathie  -einschließlich Tierhomöopathie- von vornherein eine unwirksame Methode ist, brauche ich in diesem Blog nicht mehr besonders zu betonen. Wer’s noch nicht mitgekriegt hat, ist herzlich zum Stöbern und Lesen in den Artikeln hier eingeladen (ein Überblick hier). Dass homöopathische Prophylaxe zur Gruppe des größtmöglichen Unsinns gehört und Hahnemann den Atem verschlagen hätte, habe ich auch schon dargelegt, beispielsweise hier und hier. Dieser Aberwitz, auch noch kombiniert, soll nun für das Problem der Überantibiotisierung im Viehstall herhalten…

Was wird geschehen, wenn das wirklich durchgezogen wird? Ganz einfach, eine Häufung von Infektionsfällen bis hin zu veritablen Stallseuchen, die womöglich auch noch in der Keulung von Beständen enden könnten (je nach Infektionsart und -umfang). Was sonst? Es entfällt ja jeder Schutz – durch eine unwissenschaftliche Hokuspokusmethode, die mit viel Geld und ebensoviel Lobbymacht viele, allzuviele Hirne besetzt hält. Die kritische Masse, bei der sich das Gefühl, etwas zu wissen, in einer Gruppe verselbständigt, ist längst überschritten.

Hinzu kommt die Gefahr, Fleisch von erkrankten Tieren auf dem Teller des Verbrauchers wiederzufinden. Sowohl bei einer Umstellung der Prophylaxe auf Homöopathika als auch bei der homöopathischen Behandlung akut erkrankter Tiere besteht selbst bei einem Verschwinden der Symptome ein hohes Risiko bakterieller Belastung der Tiere. Kommen diese in die Schlachtung oder werden sie wieder in den Milchkreislauf eingegliedert, dann viel Vergnügen. Auch der Verbraucherschutz spielt also beim heutigen Thema eine sehr große Rolle.

Ich kann deshalb, als kleiner Blogschreiber, nur alle warnen, die es angeht: Dieser haarstäubende, hinverbrannte „Weg“, das Antibiotikaproblem im Stall zu lösen, kann durchaus in wirtschaftlichen und auch ökologischen Katastrophenlagen enden. Und es wäre nicht mehr als recht und billig, wenn die qua Amt Verantwortlichen, die sich heute auf ihrer Verwaltung des Unheils (z.B. in Form der Organisation von „Fortbildungsveranstaltungen“) ausruhen statt ihre wirklichen Aufgaben wahrzunehmen, sich dann wirklich verantworten müssten.

Wie gesagt – keine Häme. Sondern Sorge. Obwohl diese Sache -konsequent durchgezogen- durchaus zum endgültigen Desaster für die Homöopathie werden könnte. Mir wäre es trotzdem lieber, wenn sich Leute, die etwas von der Sache verstehen, zusammensetzen und Alternativen entwickeln, die natürlich als erstes die bisherigen Formen der Intensivtierhaltung in den Blick nehmen müssten. Und die Großökonomen, die den Euro im Auge haben, seien nochmals gewarnt: Homöopathika im Stall können im Endeffekt wesentlich teurer kommen als Änderungen bei der Intensivtierhaltung. Was zudem passieren kann, wenn der Verbraucher das Vertrauen in die Fleisch- und die Milchwirtschaft verliert, dazu braucht man sich nur einmal die damalige „BSE-Panik“ in Erinnerung rufen.

Übrigens schreibe ich diesen Artikel nicht nur als Homöopathiegegner, sondern auch als Tierfreund und Beinahe-Vegetarier.

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Homöopathie für meine Freunde? Is Quatsch ne, weisste selbst…

Bildnachweis: Eigene Bilder

Geht’s noch? Die Katastrophen der Woche. Zum Anklicken.

Erstmals heute auf diesem Blog: Aktuelle Links zum Lesen und Staunen.

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Echt jetzt?

http://news.doccheck.com/de/149600/zahnungspraeparate-giftige-globuli/?tag_id=245&context=post_tag

Wie unangenehm… passiert mal eine Panne bei der Herstellung und es ist relevanter Wirkstoff in den Globuli, wirken sie tatsächlich… Wie war das mit dem Umkehrschluss? 

„Sorry, aber wir können leider für die völlige Wirkungslosigkeit unserer Präparate nicht in jedem Fall garantieren. Ihre homöopathische Pharmazeutik.“

 

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https://www.pressetext.com/news/20161019007

Aus unserem Nachbarland, das ja immer die Tendenz hat, uns Piefkes noch zu überholen. „Parlamentarische Bürgerinitiative“ für die Zementierung der Homöopathie im Gesundheitswesen! Demokratie ist natürlich auch, Unsinn fordern zu dürfen. Ebenfalls Demokratie ist, den Unsinn öffentlich Unsinn nennen zu dürfen. Die Truppe wird angeführt vom bekannten Homöopathie-Propagandisten Prof. Frass. Angeführt…

 

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http://www.augsburger-allgemeine.de/aichach/Neue-Praxis-fuer-Homoeopathie-id39433517.html

Nur eine kleine Meldung aus einem regionalen Blatt. Die Homöopathin zieht um! Und alle Honoratioren sind da! Da freuen wir uns aber über die kostenlose Werbung im Lokalblatt. Wieder ein Globuli mehr auf den Zuckerhut der Begeisterung. Damit er weiter wächst.

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http://www.regiotrends.de/de/vorschau-anmeldungen/index.news.322924.fortbildungsveranstaltung-prophylaktische-behandlungsmoeglichkeiten-von-milchkuehen-durch-homoeopathie—anmeldungen-bis-27.-oktober-2016.html

Tierhomöopathie ist Unsinn und zudem Tierquälerei (http://www.netzwerk-homoeopathie.eu/kurz-erklaert/135-argument-tierhomoeopathie-funktioniert). Homöopathische Prophylaxe ist gesteigerter Unsinn. Wie erst kürzlich in diesem Blog dargelegt wurde (Homöopathie und Impfen). Beides zusammen ist hochpotenzierter Unsinn. Vulgo Schwachsinn. Naja, Aus- und Fortbildung kann ja nie schaden. Aber man sollte erst einmal bei den Ausbildern anfangen. 

 

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http://m.morgenpost.de/incoming/article208430093/Mit-der-Kraft-der-heilenden-Haende.html

Der erste Satz reicht schon völlig. „Osteopathie ist eine ganzheitliche Medizin.“ Wir brauchen gar nicht näher in die Osteopathie einsteigen, mit „ganzheitlich“ ist sie ausreichend abqualifiziert. (Trotzdem werde ich mich dieser Methode wohl auch noch annehmen müssen.)
Prof. Edzard Ernst meint zum Ganzheitlichkeitsargument unter anderem:

„Die Suggestion der Vorstellung, dass alternative Medizin sich des „ganzen Menschen“ annimmt, ist ein höchst attraktiver und leistungsfähiger Trick. Es spielt dabei gar keine Rolle, dass nichts von „Ganzheitlichkeit“ weiter entfernt sein könnte, als eine isolierte Methode wie zum Beispiel die Diagnose aller möglichen Dinge aus der Betrachtung der Iris  oder die Fokussierung auf die Wirbelsäule (Chiropraktik, Osteopathie) oder Massieren der Fußsohlen (Fußreflexzonenmassage). … 

Und es ist offenbar ebenso egal, dass andererseits jede Art von guter konventioneller Medizin per Definition ganzheitlich ist. Was (bei der Pseudomedizin) zählt, ist das Etikett, und „ganzheitlich“ ist in der Tat ein höchst attraktives und wünschenswertes. Nichts verkauft Quacksalberei besser als das Etikett der ‚Ganzheitlichkeit‘.

Mein Rat: Bietet Ihnen Ihr Therapeut seine Methode als „ganzheitlich“ an – nehmen Sie es nicht so wörtlich.“
(http://edzardernst.com/2016/07/the-tricks-of-the-quackery-trade-part-2/)

 

Der Interviewte in dem Morgenpost-Artikel schreit nach einer Adelung der Methode durch universitäre Anerkennung. Also dann: Glückwunsch, Dr. schwurb. ost., gaudeamus igitur!

 

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https://www.meine-krankenkasse.de/naturheilkunde/?pk_campaign=facebook_Q4_2016&pk_kwd=baum_naturheilkunde_ads_03

Demnächst wird es Krankenkassen geben, die im Dunklen leuchten. Und der Patient des Jahres kriegt einen nächtlichen Besenritt auf den Brocken spendiert.

„Werden Sie Naturheilkunde.“  Was für ein Satz. Schnell ein Nux vomica einwerfen gegen „Überempfindlichkeit gegen sinnliche Eindrücke“.

 

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Nee, reicht für heute. Nur ein kleiner Griff in die große Überraschungskiste des Internets.

Bis bald!

 

Bildnachweis: Eigene Bilder

 

 

Ein lauter Aufschrei: Gegen postfaktische Gesundheitspolitik!

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Immer eintreten in die schöne postfaktische Welt!

Dem Bemühen um sachliche Aufklärung, um Patientenschutz und um die sinnvolle Nutzung der Ressourcen des Gesundheitssystems, wie es das Informationsnetzwerk Homöopathie (INH) pflegt, ist ein ordentlicher Tritt versetzt worden. Nein, nicht von der üblichen Homöopathielobby. Sondern genau von der Stelle, deren Aufgabe das Bemühen um sachliche Aufklärung, um Patientenschutz und um die sinnvolle Nutzung der Ressourcen des Gesundheitssystems ist: Dem Bundesgesundheitsministerium.

Man wird sich erinnern: Das Informationsnetzwerk Homöopathie hatte sich bereits zwei Mal an den Bundesgesundheitsminister „in Sachen Homöopathie“ gewandt. Die Kernforderung darin war keineswegs die Abschaffung der Homöopathie. Minister Gröhe wurde lediglich aufgefordert, endlich an die Homöopathie die gleichen Maßstäbe anzulegen, wie sie für die evidenzbasierte Medizin gelten. Aus Anlass des Readers, den die Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie (WissHom), einem Teil der Lobbyistenverflechtung der Homöopathen, mit dem Anspruch wissenschaftlicher Beweisführung im Sommer vorgelegt hatte (und der außerhalb der Homöopathieszene zerrissen worden war), wäre es naheliegend gewesen, die Homöopathen endlich beim Wort zu nehmen. Der Vorschlag des INH ging deshalb dahin, dass Minister Gröhe eine unabhängige Einrichtung mit der objektiven Bewertung des WissHom-Papiers betrauen möge. Eine ebenso berechtigte wie bescheidene Forderung.

Nach nunmehr neun Wochen liegt die Antwort -nein, nicht des Ministers, eines seiner Referatsleiter, vor. Bevor ich damit ins Gericht gehe,  hier der dazu heute vom INH veröffentlichte Text eines erneuten offenen Briefes dazu:

Neun Wochen benötigte der Bundesgesundheitsminister, um durch einen Referatsleiter einen Brief des Informationsnetzwerks Homöopathie (INH) beantworten zu lassen. Das INH hatte am 19. Juli 2016 den Minister aufgefordert, ein Gutachten zur Aussagekraft des Forschungsreaders der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) bei einem neutralen wissenschaftlichen Institut in Auftrag zu geben. Zu dieser Forderung nimmt Gröhe keine Stellung. Stattdessen werden drei Argumente ins Feld geführt:

 – Homöopathie sei als besondere Therapierichtung im Sozialgesetzbuch ‚nicht ausgeschlossen‘. Das ist keine neue Information.

 – Die Bewertung von Behandlungsmethoden ‚in einem durch Freiberuflichkeit, Selbstverwaltung und Pluralität geprägten Gesundheitswesen‘ liege nicht in der Zuständigkeit des Ministeriums, sondern bei den dieses Gesundheitswesen repräsentierenden Institutionen und Einrichtungen.
Es mag ja sein, dass die Aufgabe selbst von einer der dem BMG nachgeordneten Behörden wahrgenommen wird, es darf aber bezweifelt werden, dass diese ohne Anstoß des Ministeriums von sich aus tätig werden.

 – Behandlungsmethoden dürften ‚nicht zu einer Patientengefährdung führen‘ und soweit ‚Schutzlücken der Patientensicherheit‘ bestünden, werde das Ministerium die Ursachen analysieren und bestehende Schutzlücken beseitigen.
Das hofft das INH doch sehr. Offenbar sieht Gröhe kein Risiko für die Gesundheit der Patienten darin, dass behauptet wird, unwirksame Methoden seien als wirksame Therapien wissenschaftlich belegt.

Das hat im BMG jedenfalls nicht zu der Überlegung geführt, endlich alte Zöpfe abzuschneiden und die doppelte Buchführung in der Bewertung von Behandlungsmethoden abzuschaffen. Stattdessen wird der Schutzzaun um die besonderen Therapierichtungen unbeirrt verteidigt. Jedes neue Medikament muss heute bewiesen haben, dass es besser als Placebo oder der schon vorhandene Behandlungsstandard wirkt. Nur Homöopathika, in den meisten Fällen reine Zuckerpillen, müssen das nicht.

Es gehört zu den ureigensten Aufgaben des BMG, die Rahmenvorschriften für die klinische Prüfung und die Zulassung der Arzneimittel zu gestalten, in deren Rahmen sich die nachgeordneten Behörden bewegen müssen. Sollen wir darauf warten, dass sich z.B. das BfArm über das Arzneimittelgesetz hinwegsetzt?

Wir fordern das Ministerium auf, den gegenwärtigen Unsinn zu beenden.

Die wissenschaftliche Überprüfung der Behauptungen von WissHom, einer reinen Lobbyinstitution der Homöopathen, hätte dem BMG die Chance geboten, den Anschluss an die Neuzeit zu gewinnen. Wir haben es ja auch geschafft, die Astrologie trotz ihrer großen Beliebtheit in der Bevölkerung dorthin zu verbannen, wohin sie gehört: in die Welt der Freizeitbeschäftigungen, die jedem Menschen in einer demokratischen Gesellschaft offen stehen. Kranken Menschen aber darf nicht mit behördlicher Genehmigung vorgegaukelt werden, Homöopathika seien ganz normale Medikamente.

„Mündige Versicherte und aufgeklärte Patienten gehören ebenso zu einem Gesundheitssystem wie Gesetze und Verordnungen.“ steht auf den Internetseiten des BMG zu lesen. Kann der Bundesgesundheitsminister da der gezielten Irreführung der Patienten durch eine Lobbyorganisation tatenlos zusehen?

Im Namen des INH:

Dr. Norbert Aust
Dr. Natalie Grams
Prof. Dr. Norbert Schmacke“

Mit Volldampf von der pluralistischen in die postfaktische Gesellschaft

So.

Um erstmal ein wenig Dampf abzulassen: Der für das öffentliche Gesundheitswesen, eine Angelegenheit von größter allgemeiner Bedeutung, zuständige Minister verweigert sich der wohlbegründeten Aufforderung, eine seit 200 Jahren unbewiesene Methode einer unabhängigen Prüfung durch anerkannte medizinische und pharmakologische Instututionen bewerten zu lassen, deren Auswahl ihm sogar freigestanden hätte.

Lieber argumentiert er, analog zu seinen letzten Äußerungen in Sachen Heilpraktikerwesen (hierzu mein Beitrag „Nachtrag zu: Zum Kuckuck! Ein Aufschrei aus aktuellem Anlass“ vom 5.10.16), mit der „Pluralität des Gesundheitswesens“, mit dem „mündigen Patienten“ (der diese Therapieform ja so schätzt – hierzu mein Beitrag „Warum Rationalität? Eine kleine Polemik“ vom 9.10.16), das alles vermischt mit scheinbaren Zuständigkeitsfragen, die ja wohl einen völligen Abschied von Verantwortlichkeit und Gestaltungskraft seitens des Ministeriums bedeuten.

Das ist der Abschied ins gesundheitspolitische Nirwana. In das faktenfreie Wohlfühlsystem, das zunehmend die Irrationalität zum Prinzip erhebt. Zugunsten eines indifferenten Pseudopluralismus, der allseits Blümchen regnen lässt. Sei es auf den schlichten Glauben des Konsumenten, der ja annimmt, es sei ja alles gesetzlich abgesegnet und damit in Ordnung, sei es auf eine Lobby, die sich inzwischen darauf verlassen kann, dass ihre Marketingabteilung in der Lage ist, jeglichen rationalen Ansatz in einer Wolke von Wohlfühlbotschaften zu ersticken.

Nach dem Motto: Wenn die alle wollen, dann sollen sie doch. Passiert doch nichts. Das ist der Antwort des Ministerums deutlich zu entnehmen. Welche Auswirkungen das beispielsweise auf unsere sogenannte Wissensgesellschaft hat, auf die Notwendigkeit rationalen Handelns in einer hochtechnisierten Gesellschaft, letztlich auf die Notwendigkeit, demokratische Sachentscheidungen allein auf der Basis von Fakten zu treffen, das scheint niemanden zu interessieren. Na klar, merkt ja auch keiner außer diesen lästigen Skeptikern…

So eine Haltung bei politischen Entscheidungsträgern ist inakzeptabel und unentschuldbar. Herr Gröhe ist über die Problematik der Pseudomedizin aus früherer Tätigkeit seit langem informiert. Man muss ihm also unterstellen, dass er in gewissem Maße wider besseres Wissen die Problematik der Pseudomedizin -hier speziell der homöopathischen Methode- verschleppt und nicht einmal bereit ist, eine fundierte fachliche Expertise zu beauftragen.

Und jetzt mal Butter bei die Fische.

Muss ich noch etwas zu den einzelnen Aussagen der Ministeriumsantwort sagen? Na gut…

Zu 1.: Dass die Homöopathie als „besondere Therapieeinrichtung“ im Sozialgesetzbuch aufgenommen ist, ist nicht nur dem INH geläufig. Geradezu niedlich ist aber die Formulierung, sie sei als solche „nicht ausgeschlossen“. Hier regnet es die eben erwähnten Blümchen in hoher Dichte. Fakt ist: Sie ist massiv privilegiert gegenüber den evidenzbasierten Mitteln und Methoden, weil sie nicht einmal einen Wirkungsnachweis erbringen muss.

Zu 2.: Bewertung von Behandlungsmethoden „in einem durch Freiberuflichkeit, Selbstverwaltung und Pluralität geprägten Gesundheitswesen“ – hier kommt der postfaktische Wohlfühlpluralismus so richtig durch. Blümchensturm von allen Seiten, sozusagen. Und da fühlt sich das Ministerium nicht zuständig? Von wo bitte stammt denn die Gesetzesvorlage, die seinerzeit die Homöopathie im öffentlichen Gesundheitswesen hoffähig gemacht hat? Was anderes war das denn als eine Bewertung von Behandlungsmethoden durch den Gesetzgeber selbst, verantwortet durch das Bundesgesundheitsministerium? Solange diese „Bewertung“, die Aufnahme in das Sozialgesetzbuch als „besondere Therapieeinrichtung“ auf Ministeriumsebene nicht angegangen wird, ist doch wohl klar, dass sich die Proponenten dieser Methode auf der ihnen zur Verfügung gestellten Blumen…. äh, Spielweise auch so richtig austoben.

Zu 3.: Offenbar ist immer noch nicht klar geworden, welche  potenzielle Patientengefährdung die Anwendung unwirksamer pseudowissenschaftlicher Methoden an gutgläubigen Menschen anrichten kann. Die Hauptgefahr liegt selbstverständlich in der verspäteten Einleitung oder gar Unterlassung einer wirksamen evidenzbasierten Behandlung von Erkrankungen! Das allein sollte den Verantwortlichen längst zu denken gegeben haben.
Um wieder einmal den Altmeister der deutschen Gerichtsmedizin, Prof. Otto Prokop, in den Zeugenstand zu rufen: Er schätzte die Zahl der Fälle, bei denen ein Schaden unterhalb der Todesschwelle durch Pseudomedizin jährlich entsteht, auf etwa 800.000 – bereits in den 1950er Jahren.

Es wird überdeutlich, dass eine Auseinandersetzung mit dem Anliegen des Informationsnetzwerks Homöopathie überhaupt nicht stattgefunden hat – ja, dass die Aussagen des Antwortschreibens des BGM eine geradezu erbärmliche Armut an Problembewusstsein zeigen.

Für heute reicht es erstmal. Aber es geht weiter, demnächst in diesem Blog.

Und bevor ich mit einem Schreibkrampf schließe, nochmal Prokop:
Der Staat, der Personen zu solchen (pseudomedizinischen) Praktiken […]  zulässt, nimmt es mit der Gesundheit seiner Bürger nicht ernst.

Dem kann ich nach den aktuellen Einblicken in die derzeitige Gesundheitspolitik nur anschließen.

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Es kommt eine Zeit nach dem Blümchensturm. Bestimmt.

Bildnachweise:

1: René Magritte,  „Les Mémoires d’un saint“, 1960
The Menil Collection, Houston / Texas

2.: dreamstime_xs_66958835

 

Homöopathie – Kurz zerlegt. Ein Zwischenruf.

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Riesenglobuli – aufgepumpt durch 200 Jahre heißer Luft…

Die in diesem Blog bisher veröffentlichten Beiträge speziell zur Homöopathie umfassen bereits ein recht großes Spektrum. In Gesprächen und anderen Rückmeldungen dazu konnte ich feststellen, dass vielen Interessenten aber der konzentrierte Überblick über die Frage, was Homöopathie denn eigentlich sei und wo die „Knackpunkte“ liegen, fehlt. Gerne verweise ich auf die Informationssammlung beim Informationsnetzwerk Homöopathie, der eigentlich kaum etwas hinzuzufügen ist. Ich möchte aber die freundlichen Anregungen aufnehmen und auch an dieser Stelle einen solchen konzentrierten Überblick liefern. Es wird dabei zwangsläufig zu Wiederholungen von Dingen kommen, die ich bereits anderswo angesprochen habe, aber sie hier nochmals in den Gesamtzusammenhang zu stellen, ist sicher nicht falsch. Ich möchte dabei  versuchen, so grundlegend und damit so einfach wie möglich eine Vorstellung von der homöopathischen Methode zu vermitteln.

Also, auf geht’s. Wir stützen uns hier auf die Hahnemannsche Lehre, wie er sie in seinem Organon der Heilkunst niedergelegt hat. Die Verwicklungen und Verirrungen seiner Exegeten bis heute, die -nach den Worten des gern zitieren Prof. Otto Prokop- „gescheiterten Versuche, durch Angleichung des homöopathischen Systems an die Schulmeinungen an den Universitäten allgemeine Anerkennung zu erlangen“, waren teilweise schon Gegenstand in diesem Blog und werden -versprochen!- auch später noch genauer beleuchtet und entzaubert werden.

Was ist Homöopathie?

Homöopathie ist eine Arzneimittellehre, die nicht den Anspruch erhebt, „Krankheiten“ heilen zu wollen. „Heilen“ als homöopathischer Begriff bezieht sich auf den Patienten, nicht auf Krankheiten. Ärgerlicherweise wird dieser Umstand immer als Beleg für die „Ganzheitlichkeit“ (was ist das?) der homöopathischen Methode herangezogen. Nichts könnte falscher sein. Hahnemanns Methode ist rein symptombezogen, er strebte an, eine von ihm angenommene „verstimmte geistige Lebenskraft“, die sich durch Symptome -und nur durch Symptome!- bemerkbar macht, per Arzneimittelgabe wieder richtig zu „stimmen“ und damit den Patienten zu „heilen“.

Woraus sich die Frage ergibt,

Wie sieht die Homöopathie Krankheiten?

Nach Hahnemann kann niemand etwas über die „Krankheit“ eines Patienten wissen, denn sie ist ja die „Verstimmung“ der individuellen (wichtig!) „geistigen Lebenskraft“ des Patienten. Nur die Symptome werden nach außen sichtbar. Logischerweise benannte Hahnemann auch keine Krankheiten. Da er die Existenz bestimmter, wiederkehrender Krankheiten abstritt, kam es ihm (nur) darauf an, mit größtmöglicher Genauigkeit ein Gesamtbild der Symptome, im wörtlichen Sinne das individuelle „Symptombild“ des Patienten zu ermitteln – ein Bild der Verstimmung der „geistigen Lebenskraft“.. Über die Ursachen von Krankheiten äußerte Hahnemann sich nicht, dies war für ihn unwesentlich.

Deshalb ist es geradezu grotesk, von der Homöopathie als einer „ursachenbeseitigenden“ und von der wissenschaftlichen Medizin als einer „nur symptombekämpfenden“ Methode zu sprechen. Der umgekehrte Fall trifft zu.

Das führt zu der Frage:

Auf welche Weise soll den diese „verstimmte geistige Lebenskraft“ des Patienten wieder korrigiert werden?

Durch Hahnemanns Arzneimittellehre. Sie stützt sich wiederum auf eine gesonderte Grundannahme, nämlich, dass „Ähnliches durch Ähnliches“ geheilt werden könne. So sucht die „Arzneimittelprüfung“, der „Blindtest“ von allen möglichen Substanzen, organischer wie anorganischer, an Gesunden Symptome, die nach der Einnahme auftreten. Gefahndet wird dabei nach allen nur denkbaren Erscheinungen beim Probanden, auch den kleinsten, die nach der Einnahme der homöopathischen Stoffe auftreten – häufig noch viele Tage, gar Wochen, danach. Das sind die Symptombilder, die die Grundlage für die Behandlung gleicher Symptombilder beim Kranken herangezogen werden. Die Sammlung dieser Ergebnisse stellt die „Materia medica“ der Homöopathen dar. Die Symptombilder aus den Arzneimittelprüfungen werden in umfangreichen Nachschlagewerken, den Repertorien, festgehalten.Jeder Versuch mit neu hinzukommenden Mitteln lässt die Repertorien weiter anschwellen.

Der grundlegende Irrtum besteht in der Gleichsetzung von Krankheit und Symptom. Vergegenwärtigt man sich nur die simple Alltagserfahrung, muss dieses Hahnemannsche Dogma doch absonderlich erscheinen. Eine Lebensmittelvergiftung mag die gleichen Symptome hervorrufen wie ein Magenkarzinom eines bestimmten Stadiums. Wie will der Homöopath behandeln? Da er nur die Symptome sieht, mag er zu dem Ergebnis kommen, dass in beiden Fällen die Gabe beispielsweise von homöopathisch aufbereitetem verdorbenem Fleisch (das gibt es!) als Simile, also als „symptomenähnliches“ Mittel, anzuraten sei. So sähe die Praxis aus. Noch Fragen?
Ebenso kann ein und dieselbe Erkrankung bei verschiedenen Patienten durchaus unterschiedliche Symptombilder hervorrufen.
Zudem ist die Arzneimittelprüfung völlig subjektiv. Aus dem gleichen Versuch an Gesunden gehen -zwangsläufig, da nicht ursächlich mit der Mittelgabe verknüpft- alle möglichen Symptombilder hervor. Alles wird gesammelt und in der Materia Medica zusammengefasst. Wo soll da noch eine verlässliche Basis sein?
Die umfangreichen Studien von Prof. Martini, dem nachmaligen  Präsidenten der Gesellschaft für Innere Medizin, haben mit unterschiedlichsten Untersuchungsmethoden ein klares Ergebnis erbracht: Die Ergebnisse der Hahnemannschen Arzneimittelprüfungen sind wertlos.
Übrigens hat Hahnemann bei seinem Chinarindenversuch sage und schreibe 1143 Einzelsymptome an sich festgestellt… Für Pulsattilla (Kuh- oder Küchenschelle), eines der am häufigsten eingesetzten homöopathischen Mittel, wurden in mehreren Arzneimittelprüfungen mehrere tausend großenteils völlig unterschiedliche Symptome berichtet…
Wobei, man kann das in den Materia Medica nachlesen, die meisten Beschreibungen aus Arzneimittelprüfungen gar keine „Symptome“, sondern Befindlichkeitsschilderungen aufgrund völlig subjektiver, von äußeren Umständen jeweils abhängiger persönlicher Dispositionen sind.
(Quelle: O. Prokop / L. Prokop, Hömöopathie und Wissenschaft, Stuttgart 1957)

Das führt uns zur

Homöopathischen Anamnese

als der entscheidenden Säule für die homöopathischen Therapie. Ihre Basis ist das vielgelobte therapeutische Gespräch beim Homöopathen. Dies wird aber keineswegs mit dem Ziel einer persönlichen Zuwendung mit besonderer Empathie dem Patienten gegenüber geführt, wenn dieses Empfinden auch sicher eine wesentliche Bedingung für den homöopathischen „Heilerfolg“ und den „guten Ruf“ der Methode ist. Das Zuhören und gegebenenfalls das ergänzende „Ausfragen“ mag subjektiv beim Patienten den Eindruck der persönlichen Zuwendung und des Interesses erwecken, es hat aber einen völlig anderen Zweck.  Die homöopathische Anamnese stellt sozusagen das Spiegelbild der Arzneimittelprüfung am Gesunden dar, denn sie ist darauf aus, ein Symptombild ausfindig zu machen, das mit einem (oder mehreren) Symptombildern aus den Repertorien in Deckung gebracht werden kann. Geschieht dies -die Leistung dabei ist eher eine gedächtnistechnische –  so hat man das Gegenmittel gefunden.

Eine sehr feinsinnige gedankliche Konstruktion auf der Basis der Ähnlichkeitsregel, zweifellos. Aber eben nur eine Verfeinerung einer aus vorwissenschaftlichen Zeiten stammenden, magischem Denken angehörenden Vorstellung mit Wurzeln in der Frühantike. Die Ähnlichkeitsregel der Homöopathie konnte nie bewiesen, aber vielfach widerlegt werden. Schon Hahnemanns nie erfolgreich reproduzierter Chinarindenversuch ist eine Widerlegung der Regel: Niemals konnte beobachtet werden, dass Chinin Malariasymptome hervorruft. Weder als Urstoff noch als Verdünnung. Zudem wird kaum jemand ernsthaft annehmen, dass z.B. eine Vergiftung durch die weitere Gabe des Giftes -verdünnt oder nicht- behoben werden könnte. Oder eine akute Infektion durch eine Erhöhung der Erregerzahl. Die Beispiele sind Legion. Die sachlogischen Argumente dagegen ebenfalls.
Man bedenke: Mit der Ähnlichkeitsregel steht und fällt das Hahnemannsche Gedankengebäude! Obwohl selbst das bereiis von Hahnemannschen Exegeten relativiert wurde, als die Brüchigkeit des Gebäudes nicht mehr zu leugnen war.

Aber wie verhält es sich denn mit dieser sogenannten

Potenzierung?

Erst einmal die -offenbar notwendige- Klarstellung: Die Homöopathie benutzt den Begriff entgegen dem normalen Wortsinn, der ja eine Steigerung, eine Erhöhung bezeichnet. Die Potenzierungsmethode der Homöopathie ist jedoch eine massive Verdünnung des Wirkstoffs in einem Lösungsmittel. Sie will mit dem Begriff der Potenzierung zum Ausdruck bringen, dass die geringere Lösungskonzentration eine immer höhere Wirksamkeit entfalte. Hahnemann verband mit der Potenzierung nicht nur die reine Verdünnung, er verlangte, um der Wirkungssteigerung „sicher“ zu sein, rituelle Herstellungsvorschriften: Statt einfacher Verdünnung „Potenzierung“ in Zehnerschritten, Verreiben und Verschütteln der Ursubstanz, Schlagen der verdünnten Lösungen in bestimmter Art und Zahl auf bestimmte Untergründe…Er warnte bei einigen Mitteln sogar davor, dass zehn Schüttelschläge ein tödlich wirkendes Gift, zwanzig aber die gewünschte Medizin ergeben würden.

Wobei die Kernthese Hahnemanns ist, dass eine Arznei um so intensiver wirkt, desto höher sie „potenziert“ wird. Er warnte ausdrücklich vor der voreiligen Anwendung von Hochpotenzen, die er bei falscher Anwendung geradezu für tödliche Mittel hielt. Gegen Ende seines Lebens erwog er sogar noch eine ungeheure Erweitetung der Potenzierungsgrade über das bislang Übliche hinaus – wobei selbst dieses „Übliche“ bereits Verdünnungen erreichte, die einem Stück Würfelzucker auf alle Galaxien des Universums entsprachen.

Hier wird noch einmal die Nähe Hahnemanns zu vorwissenschaftlichen, mystischen Vorstellungen deutlich. Er selbst war auch Chemiker, für seine Zeit kein schlechter. Trotzdem ging er von der Richtigkeit seiner Potenzierungslehre aus. Das ist nur dadurch zu erklären, dass er wirklich nicht von einer physiologischen Wirkung, also einer Wechselwirkung zwischen Substanz und menschlichem Körper ausging, sondern ernsthaft glaubte, es ginge um die Beeinflussung der „geistartigen Lebenskraft“, bei der eine Wirkung der ebenfalls „geistigen Kräfte“ des eingesetzten Mittels – wobei die extreme Potenzierung dem (würde man heute in Eso-Kreisen sagen) „feinstofflichen Wirkungsmechanismus“ eben angemessen sei.
Die Behauptung der Wirksamkeit solcher „potenzierten Arzneien“, bei denen sich ab einer bestimmten Verdünnung mehr Lösungsmittelverunreinigungen als Ursubstanz in der Lösung befinden, irgendwann die Nachweisgrenze des Urstoffs überschritten wird und ab einer Verdünnung von 10^23 (durchaus üblich) keine Moleküle der Ursubstanz mehr in der Lösung vorhanden sind, ist eine der hauptsächlichsten Bemühungen der „homöopathischen Forschung“. Vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis heute. Außer Behauptungen, das Problem sei gelöst (die gab es schon um 1840, zuletzt 2016…) gab es aber nichts Substanzielles. Das hat auch niemand, der mit physikalisch-chemischen und pharmakologischen Grundlagen vertraut ist, erwartet.  

Und wenn’s nicht hilft?

Dann hat man doch noch nicht das richtige Mittel gefunden und setzt ein anderes an (die Repertorien sind ja dick genug…). Oder der Patient hat bei der Einnahme einen Fehler gemacht, entweder nicht richtig eingenommen oder etwas „Schädliches“ zu sich genommen, das die homöopathische Wirkung behindert. Möglicherweise ist der arme Patient auch von der „Schulmedizin“ vorher schon so traktiert worden, dass die Homöopathie nicht mehr hilft. Was dann gern mit einer Rücküberweisung zur „Schuldmedizin“ quittiert wird. Man sieht, Misserfolge der Hömöopathie kann es praktisch gar nicht geben. Zudem lässt die homöopathische Therapie den Krankheiten Zeit genug, sich abzuschwächen oder gar ganz zu verschwinden. Das tun nämlich gut und gerne achtzig Prozent der Krankheiten eh.

Also eine eher „lexikalische“ statt medizinische Methode, aufbauend nicht auf belastbarer Empirie, sondern ausschließlich als Gedankengebäude auf der Grundlage unhaltbarer Axiome und Spekulationen. Kurz gesagt – Nix drin, nix dran.

Die Kunst des Schreibens besteht bekanntlich im Weglassen. Was mir schwerfällt. Ich hoffe, die Mühe des Weglassens von näheren Erläuterungen und Abschweifungen macht diesen kleinen Beitrag zu einem informativen Quell für alle, die bislang nicht, nur unvollständig oder falsch über die Grundlagen der Homöopathie informiert waren – und bereit sind, sich mit der Kraft ihres Verstandes unvoreingenommen mit ihr auseinanderzusetzen. Sapere aude!

Ansonsten gilt für weiter Interessierte: Immer mal hier vorbeischauen!

Warum Rationalität? Eine kleine Polemik.

himmelerde

Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde…

Mag ja sein, mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar. Sehe ich auch so. Aber darüber wissen wir alle nichts. Weder die Wissenschaft, noch diejenigen, die sich auf diesen Satz ständig berufen. Erstere vielleicht sogar ein wenig mehr als die anderen.

Der Grund, warum so viele Menschen die unterschiedlichsten Formen von Pseudomedizin und -psychologie fasziniert, liegt in einem Hang zum Geheimnisvollen, im Willen zu „glauben“ und einer instinktiven Abneigung gegenüber dem „Wissen“, der Neigung, eher blind zu vertrauen (notfalls dem eigenen „Bauchgefühl“) als sich unvoreingenommen zu informieren. Kurz gesagt, in einer Geringschätzung von Rationalität. Diese Kräfte sind gewaltig, aber auch höchst erstaunlich – sie würden, auf alle Dinge angewandt, das praktische Leben nahezu unmöglich machen, worauf ich weiter unten noch eingehe.. Ich nehme hier gerne mein Zentralthema, die Homöopathie, zum Kronzeugen. Die weltweite Wissenschaftsgemeinde ist sich einig: Nix drin, nix dran. Und wie sieht es tatsächlich aus, hier bei uns? Dreistellige Millionenumsätze, ein Heer von Praktizierenden dieser Scheinmethode, in der Bevölkerung durchaus angesehen, politisch akzeptiert unter Verleihung von Sonderrechten im öffentlichen Gesundheitswesen und mit dem Anspruch auftretend, wissenschaftliche Relevanz für sich einzufordern. Das ist praktizierte Irrationalität. Praktiziert nicht nur von wenig bis nicht informierten Laien, sondern ebenso von akademisch ausgebildeten Menschen. Wobei es unter Letzteren einige geben mag, die das gegen besseres Wissen tun – was die Sache anders, aber nicht besser macht.

Hier soll einmal gar nicht die Rede sein von den näheren Ursachen für so etwas. Vielmehr möchte ich einmal verdeutlichen, warum wir uns eine solche Haltung überhaupt nicht leisten können.

Komplexe Welt

Die Welt ist so komplex geworden, hört man allenthalben. Gewiss zu Recht. Aber kann das eine Rechtfertigung, auch nur eine Begründung dafür sein, sich auf die sogenannten einfachen Lösungen zurückzuziehen, sich der Realität zu verweigern, Vertrauen in Dinge und Menschen zu setzen, gar in die eigene Unzulänglichkeit, die einfachste Auswege aus dem Dilemma der scheinbaren eigenen Unmündigkeit oder Unwissenheit anbieten?

Ganz sicher nicht. Das Schlüsselwort heißt – Vertrauen. Aber richtig eingesetztes Vertrauen. Wir leben schon eine ganze Weile in einer arbeitsteiligen Welt. Seitdem der einzelne Mensch nicht mehr autonom für sich und seine Familie sorgte, braucht es zum Funktionieren des alltäglichen Lebens Vertrauen. Vertrauen in die Fertigkeiten des Schmieds, des Bäckers, des Schneiders, des Installateurs, des Fernsehtechnikers, des PC-Fachmanns. Von all diesen Leuten erwarten wir zu Recht Professionalität. Wir vertrauen ihnen, weil sie Meisterprüfungen abgelegt, ihr Fach mit Erfolg studiert haben und sich in der Praxis bewähren. Auslese durch Empfehlung oder Kritik tut das ihre. Ohne dieses grundlegende Vertrauen in die Fähigkeiten, aber auch in die Redlichkeit anderer würde unser Zusammenleben ebensowenig funktionieren wie unser privates Dasein. Dieses Vertrauen ist Ausdruck eines notwendigen rationalen Denkens. Bei einer bis vor einiger Zeit laufenden Werbung für ein Infoportal wurde das ganz klar zum Ausdruck gebracht: Nach dem Scheitern, professionelle Aufgaben durch eigenes Herumprobieren zu erledigen, hieß es: Vielleicht hätte er jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt. Beifälliges Lächeln war wohl die Reaktion von 99 Prozent der Zuschauer dieses Spots.

Blinder Fleck – Ratio weg

So weit, so gut. Nur leider gibt es in dieser rationalen, jedem einleuchtenden Weltsicht offenbar bei Vielen ein gewaltigen blinden Fleck: Im Bereich des eigenen Wohlergehens, der eigenen physischen und psychischen Gesundheit.

Ja, auch da ist die Welt komplex. Komplexer als bei der Kunst, Backwaren herzustellen oder auch einen PC zu reparieren. Seltsamerweise gibt es aber sehr viele Menschen, die sich in diesem Bereich auf einmal nicht mehr an die rationalen Regeln halten, die sonst eine gewisse Garantie für ein einigermaßen funktionierendes Leben in einer arbeitsteiligen Gesellschaft bieten.

Wir haben hier einen professionellen Berufsstand, dessen Ausbildung und Auslese so umfangreich, langdauernd und professionell ist wie nur wenige andere im akademischen Bereich: Die Ärzte. Sie stehen aufgrund unserer weitgehenden Absicherung in den Sozialsystemen praktisch jedem kostenlos zur Verfügung. Wir haben sogar die freie Arztwahl, wir haben einen Anspruch auf Aufklärung über die empfohlenen Behandlungsmethoden und entscheiden aufgrund der Möglichkeit, uns eine fundierte Meinung bilden zu können, selbst darüber, ob und welche Behandlung wir über uns ergehen lassen wollen. Es steht uns sogar frei, bei ernsteren Angelegenheiten auf Kosten der Sozialversicherung eine zweite Meinung einzuholen, um eine rationale Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Behandlungsmethode treffen zu können. Dazu muss ich mir allerdings die Mühe machen, mich mit der Aufklärung durch den Arzt, die zu dessen Hauptpflichten gehören, auch auseinanderzusetzen.

Diese Entscheidungsfreiheit habe ich nicht mal beim Fernsehmechaniker. Wenn der sagt, kaputt, muss ein neuer her, werden wir das in aller Regel seufzend so hinnehmen. Trotz eines gewissen Grundmisstrauens wird kaum jemand eine „zweite Meinung“ einholen, schon deshalb nicht, weil das das eigene Geld kostet.

Fernseher wichtig, Gesundheit egal?

So weit, so gut. Und jetzt kommt das Phänomen, dass viele Menschen trotz des Angebotes praktisch kostenloser Gesundheitsversorgung, ausgeübt von lange theoretisch und praktisch ausgebildeten, durch -zig Prüfungen gegangenen, zu ständiger Fortbildung verpflichteten Menschen, vor deren Approbation -dem Loslassen auf die Menschheit- auch noch die Ärztekammern stehen, dieses Angebot zu großen Teilen geradezu verachten? Und in Scharen zu Menschen laufen, die die Profession der Heilkunst weder studiert haben noch irgendwelchen wissenschaftlichen oder ethischen Standards verpflichtet sind, bei denen eine Absicherung gegen „Behandlungsfehler“ rechtlich de facto nicht vorhanden ist und die Methoden weitgehend nach eigenem Gusto anwenden? Die über Risiken ihrer Methoden überhaupt nicht aufklären können, denn entweder sind diese unwirksam (und haben dann auch keine Nebenwirkungen und Risiken) oder es gibt gar keine belastbaren Erkenntnisse über Risiken?

Nein, das können wir uns nicht erlauben. Diese Form von Irrationalität ist ein Vergehen gegen sich selbst, gegen die Alltagsrationalität, die uns ansonsten recht gut leben lässt. Wer würde es begrüßen, wenn sich unterhalb der professionell tätigen Bäcker, Klempner, Informatiker und Kfz-Mechatroniker, nicht-handwerkliche Berufe wie Steuerberater oder Buchhalter natürlich ebenso, eine Szene bilden würde, die mit den nichtärztlichen „Ausübenden der Heilkunst“ (so stehts im Heilpraktikergesetz von 1939) vergleichbar wäre, also keine geregelte Ausbildung vorweisen kann, bei Beginn der Tätigkeit niemals einen Teig, einen offenen Fernseher oder ein kaputtes Klo gesehen haben muss, sich aber darauf beruft, eigene, geradezu unfehlbare Methoden zu haben, die denen der professionell tätigen mindestens ebenbürtig sind? Bei denen sich die Kundschaft ohne nähere Nachfragen mit einem nahezu grenzenlosen Vertrauen auf großartige Versprechungen einfangen lässt? Was da passieren würde, darauf gab es vor wenigen Jahren einen Vorgeschmack, als der Gedanke aufkam, die Qualifikationsvoraussetzungen für bestimmte Handwerksberufe abzusenken – sprich die Meisterprüfung abzuschaffen. Empörung ging durch die Reihen.

Aber im Gesundheitswesen soll es das geben? Ach nein -gibt es ja bereits, mit dem Stand der Heilpraktiker, mit der Adelung der Homöopathie als Teil des Gesundheitswesens… Noch eine Etage tiefer mit der praktisch unbeschränkten Szene der „Lebenshelfer“, Gurus, Fernheiler und sonstigen Rumprobierer am Menschen? Da schreit doch schon einfachste Logik laut : Irrational!

Der Mensch ist schwach

Ja, ich kann es nachvollziehen, aber wirklich verstehen oder gar gutheißen kann ich es nicht, die Einstellung zur Irrationalität, gerade wenn es um einen selbst, das körperliche und das geistig-seelische Wohlbefinden geht. Instinktiv wird das „mechanistische“ Bild von Medizin und Therapie abgelehnt, als mehr oder weniger unangemessen für eine so komplexe Entität wie den Menschen. Und das, obwohl in der Fachwelt das klassische Bild der mechanistischen Medizin längst als ausgedient gilt und die „soziale Medizin“ Forschungsgegenstand weltweit ist (worauf die Sozialversicherungssysteme allerdings erst einmal reagieren müssten).

Die alte Vorstellung von Leib-Seele-Dualismus, die in den meisten Menschen auch heute noch mehr oder weniger herrscht, spielt dabei eine große Rolle. Diese stets mitschwingende Vorstellung ist wohl in der Hauptsache verantwortlich dafür, dass die Ratio plötzlich in Bezug auf sich selbst nicht mehr funktioniert und -gefühlsmäßig scheinbar angemessen, aber irrational- auf Menschen und deren Methoden gesetzt wird, die uns glauben machen wollen, sie verstünden etwas von den „Dingen zwischen Himmel und Erde“, von dem, was über die rationale Betrachtung unserer menschlichen Möglichkeiten hinausgeht, auch und gerade beim Menschen selber. Tun sie aber nicht.

Was dem Menschen nachweislich hilft, wird von der Medizin und den sie umgebenden Humanwissenschaften auch aufgenommen und entwickelt, damit es in den Kanon der Wissenschaftlichkeit eingeht. Den „Wissenden“ über die Dinge zwischen Himmel und Erde bleiben zwangsläufig im günstigsten Falle unwirksame und im ungünstigsten Falle schädigende „Methoden“. Wir schließen uns Spekulanten an, wenn wir dem folgen. Spekulanten auf Kosten unseres leiblichen und seelischen Wohlergehens – und auf Kosten unseres Bankkontos.

Jeder sollte einmal darüber nachdenken, mit wie viel Vertrauen in die Fähigkeiten und die Integrität anderer wir jeden Tag durchs Leben gehen. Und sich dann Rechenschaft darüber ablegen, ob es vor sich selbst verantwortbar ist, diese Form der Rationalität genau dann, wenn es um uns selbst oder um Menschen in unserer Umgebung, für die wir in der einen oder anderen Form Verantwortung tragen, auszublenden.

Rationalität ist Verantwortung – Irrationalität kann Verantwortungslosigkeit sein

Niemand kann alles wissen und können. In jeder Sparte gibt es schwarze Schafe. Natürlich kann ich mich als Patient bei einem Arzt auch unverstanden und unwohl fühlen. Selbstverständlich ist es nicht schön, auch nur eine Zeitlang von der vielgeschmähten Apparatemedizin abhängig zu sein. Nur – wo ist die rationale, die sinnvoll begründbare Alternative? Wir sollten unsere materiellen und ideellen Ressourcen, unsere Fähigkeit, uns in der heutigen Welt zu orientieren, nicht dem Fetisch der Irrationalität opfern. Das dürfte, wenn sich diese Haltung ausbreitet, unsere Zukunft konkret gefährden.

Dieser Appell, der sich bis hierher an den Einzelnen richtete, gilt aber ebenso und vielleicht in noch höherem Maße für unsere politischen Entscheidungsträger. Ich kann diesen den Vorwurf nicht ersparen, durch Indifferenz (wir erleben es gerade wieder in der Heilpraktikerdiskussion), aber auch durch aktive Förderung (Homöopathie und anthroposophische Medizin im Gesundheitswesen!) die von mir hier kritisierte Irrationalität geradezu zu befördern.

Ich unterliege nicht der Illusion -und bin insofern rational- zu glauben, politische Entscheidungen und Diskurse würde im Sinne der aufklärerischen Ideale immer zu einem rationalen und nicht emotional bestimmten Ergebnis führen. Dies hieße, auch die Person des politischen Entscheiders zu überfordern. Aber von einer vernunftgesteuerten Politik kann erwartet werden, dass sie mit ihren Entscheidungen nicht einen kompletten Bruch mit der Rationalität in klar entscheidbaren Sachfragen -nicht etwa bei Richtungs- oder Prognoseentscheidungen, das ist etwas anderes- riskiert oder gar herbeiführt. In Bezug auf das Gesundheitswesen ist es aber leider so – was es schwermacht, den Einzelnen dazu aufzurufen, seine persönliche Neigung zur Irrationalität hintanzustellen. Ich sehe hier ein schweres Versagen der Politik, das zu korrigieren sie sich bald aufraffen sollte.

 

Subjektivismus ist ein dünnes Eis für die Entscheidungen eines demokratischen Gemeinwesens. Noch mehr ein Subjektivismus, der von Fakten weitgehend unberührt bleibt. Kants Kategorischer Imperativ, der unausgesprochen der Leitstern aller demokratischen Systeme ist,  beruht auf der Voraussetzung von Rationalität, ja, ist geradezu eine Gebrauchsanweisung, um zu weitgehend rationalen Entscheidungen zu kommen. Das Staatsziel von Kant und der Aufklärer, das „Wohlergehens möglichst vieler“ erfordert einen auf Ratio gestützten Abwägungs- und Entscheidungsprozess. Nicht Subjektivität.

Leute, strengt euch an. Einfache Lösungen und Wege habe ich nicht anzubieten. Aber fallt nicht auf jeden Sirenengesang herein, der euch auf eurem Lebensweg erreicht. Lasst euch lieber -wie Odysseus- am Mast festbinden, bis die Versuchung vorbei ist. Das gilt auch für die Entscheidungsträger der Politik.


Bildnachweis: Eigenes Bild

Homöopathie und Impfen

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Wirklich nichts Homöopathisches???

Äh… echt jetzt?

Aber ja! Wusstet ihr noch nicht, dass die Homöopathen das Impfen erfunden haben und dass das Impfen sogar die Homöopathie beweist?

Nein? Dann impformier ich euch mal:

Similia similibus curentur. Ähnliches heilt ähnliches. Der Grundstein der homöopathischen Lehre. 

Ja seht ihr, ihr ignoranten Allopathen, da haben wir es doch! Ihr impft doch genau mit dem, was die Krankheit erzeugt, vor der ihr schützen wollt! Sagt ihr doch selbst! Also bitte – oder vielmehr danke, denn damit bestätigt ihr Hahnemann ja wohl komplett. Mit dem nach eurer eigenen Aussage erfolgreichsten Methode der „modernen Medizin“. Wir impfen ja auch, homöopathisch! Na, und jetzt?

Gemach, lieber Homöopath.

Es gibt keine homöopathische Prophylaxe und es kann keine geben.

Ich hätte da gleich zu Anfang einen klitzekleinen Einwand, der eigentlich schon reichen dürfte, eure schöne zuckersüße Wunschwelt zum Einsturz zu bringen. Nämlich:
Der Impfende „heilt“ nicht. Er betreibt medizinische Prophylaxe, womit ihr Homöopathen nix, aber auch gar nix zu tun habt.

Laut Hahnemann ist die Homöopathie eine Heilkunst auf der Grundlage einer Arzneimittellehre. Einen näheren Begriff von Krankheit, von deren Entstehung und Verlauf, hatte Hahnemann nicht. Im Gegenteil, er war klar der Auffassung, dass von der „Krankheit“, der „verstimmten Lebenskraft“, nur die Summe der außen sichtbaren Symptome „zu wissen sei“, mehr nicht. Um möglichst viel über die „verstimmte Lebenskraft“ zu erfahren, hielt er seine Jünger an, den Kranken (!) bis ins letzte Detail zu seiner Befindlichkeit zu befragen, damit nur ja das Mittel gefunden werden könne, das der verstimmten Lebenskraft exakt entgegenwirken möge. Akutbehandlung sozusagen (§ 17 und 18 Organon).

Wo bitte soll in diesem Modell ein Platz für eine Prophylaxe, eine medizinische Vorbeugung vor Erkrankungen sein? Wo der Meister doch postulierte, dass die Krankheit „an sich“ nichts anderes sei als die „verstimmte geistige Lebenskraft“, von der nicht mehr als das Symptombild am Kranken erkennbar sei? Wenn ich etwas geraderücken will, muss es erst mal schief sein. Sollte klar sein. Also, merken: In der Homöopathie gibt es keinerlei Raum für eine vorbeugende Behandlung. Ähnlich wie bei anderen zeitgenössischen „Therapien“, wie dem Mesmerismus. All diese Dinge machen sich am Akutzustand des Erkrankten fest, Ätiologie -die Lehre von Entstehung und Verlauf von Krankheiten- spielt weder bei der Homöopathie noch beim Mesmerismus eine Rolle.

Bei dem Wort Immunisierung wäre Hahnemann vermutlich eh schon dem Schlagfluss erlegen. Denn die Krankheit als solche kennt man nicht, und gegen Symptome immunisiert man nicht. Nebenher: Falls jemand sauer ist, dass man die seriöse Hahnemannsche Methode mit dem magnetischen Mesmerismus, diesem okkulten Blödsinn, vergleicht: Hahnemann fand das echt gut. Eng verwandt mit seinen Vorstellungen. So eng, dass er selbst homöopathische Prüfungen mit Magneten betrieb, eine Unmenge von „Symptomen“ fand und die auch noch unterschiedlich nach Nord- und Südpol. Lang und breit zu finden im Organon des Meisters, §§ 286 ff.  Bis so weit hinten scheint kaum jemand zu lesen…

Zudem bleibt bei der Annahme, die Impfung sei der Homöopathie ähnlich und auch die Homöopathie könne impfen, das Prinzip der Individualität bei Hahnemann unbeachtet. Er verwarf jede Ätiologie, jede systematische Lehre von Ursachen und Verlauf von Krankheiten, zugunsten der höchst individuellen „Verstimmung der geistigen Lebenskraft“ im einzelnen Patienten. Wo sollte da geimpft oder vorgebeugt werden? in § 54 des Organon kritisiert er die Allopathen scharf und ausdrücklich dafür, dass „man die Krankheiten für Zustände ausgab, die immer auf ziemlich gleiche Art wieder erschienen.“ Na, wenn es keine „auf ziemlich gleiche Art“ wiederkehrenden Krankheiten gibt, dann kann man ja jede vorbeugende Impfung eh vergessen…

Ein paar winzige Details noch, und wir sind schon fertig…

Kommen wir noch mal auf das similibus hocuspocus zurück. Wer so argumentiert wie unser stolzer Homöopath zu Anfang, der hat den Impfmechanismus entweder gar nicht oder aber grundsätzlich missverstanden.

Die Impfdosis, das Mittel, das verabreicht wird, wirkt selbst nicht schützend. Es löst vielmehr eine Immunreaktion im Körper aus, veranlasst diesen, Antikörper gegen die ins Auge gefasste Erkrankung – und gegen die Impfdosis! zu bilden. ANTIkörper. Die „wirken“ dann „gegen“ die später vielleicht in den Körper gelangenden Krankheitserreger. Nun, was sagte Hahnemann doch gleich über die bösen Allopathen, die mit „Anti“-Mitteln die Menschen vergifteten?

Es überzeugt uns aber jede reine Erfahrung und jeder genaue Versuch, daß von entgegengesetzten Symptomen der Arznei (in der antipathischen, enantiopathischen oder palliativen Methode) anhaltende Krankheitssymptome so wenig aufgehoben und vernichtet werden, daß sie vielmehr, nach kurzdauernder, scheinbarer Linderung, dann nur in desto verstärkterem Grade wieder hervorbrechen und sich offenbar verschlimmern (siehe § 58 – 62 und 69).“ (§ 23 Organon).

Der richtig betrachtete Impfmechanismus ist deshalb kein Zeuge und auch kein Bundesgenosse für die Homöopathie, sondern einer der zahlreichen Kronzeugen gegen sie.

Ein wenig historischer Exkurs muss noch sein.

Gelegentlich weisen die Hahnemann-Jünger auch auf dessen Erwähnung der Jennerschen Pockenimpfung im Organon hin. Dies lässt jedoch keine anderen Schlüsse zu als die oben ausgeführten. Wir wollen eine Antwort aber auch hier nicht schuldig bleiben.

Hahnemann waren die frühen Versuche, mit Kuhpocken zu impfen, durchaus bekannt. Er erwähnt Jenner und seine Erfolge durchaus, erkennt aber -tragischerweise- nicht den darin steckenden Ansatz einer sinnvollen Ätiologie und verfolgt Jenners Gedanken nicht weiter, ja, geht erstaunlicherweise ohne Umschweife über ihn hinweg – zugunsten einer fragwürdigen Begründung seiner Ähnlichkeitsregel mit „Heilung durch Krankheit“. Er entwickelt nicht etwa den Gedanken einer Immunisierung weiter, sondern ihm geht es um etwas ganz anderes. Dies zeigt die Erwähnung einer Reihe anderer Erkrankungen neben den Pocken ausschließlich im Zusammenhang, mit  der vorgeblichen Heilung oder Linderung von Symptomen, die der ausgebrochenen Krankheit ähnlich sind, aber schon vorher da waren. Hahnemann führt in § 46 des Organon, der auch die Erwähnung Jenners enthält, eine Reihe von Beispielen auf, etwa die „homöopathische Heilung“ von alten Hautaffektionen, Blindheit, ruhrähnlicher Zustände und sogar Hodenquetschungen durch die Pocken, Wechselfieber, Keuchhusten und fleckenartige Hautausschläge durch Masern (ihm waren bei den Masern „ätiologisch“ nur die Hautausschläge, die er als Hauptsymptom ansah, wichtig).

Nein, Hahnemann kann bei alledem ganz sicher nicht als einer der Väter der modernen Immunologie, auf der die Schutzimpfungen beruhen, gesehen werden. Im Gegenteil – er hat Jenners Ergebnisse nicht aufgenommen und nicht weitergedacht. Er begann statt dessen mit den „Blindversuchen“ bei der Arzneimittelprüfung am Menschen, wahllos alle möglichen und unmöglichen Stoffe durchzuprobieren (was seine Jünger heute noch tun) – was zeigt, dass er den Jennerschen Gedanken, dass die Auslöser einer (Infektions-)Krankheit im Kranken, bei der Krankheit, zu suchen seien, überhaupt nicht in Betracht zog.

Gleichwohl betrachtete er, wenn man ihn fragte, die Vaccination mit Kuhpockenlymphe als „Homöopathie“ – hatte also offensichtlich seine eigenen Maßstäbe nicht recht durchdacht. An begeisterten bis unkritischen Jüngern hat es Hahnemann nie gefehlt, und so kam es dazu, dass auch August Bier, der rührige Homöopath, der an der Universität Berlin einen homöopathischen Lehrstuhl durchgesetzt hatte (der später wegen fehlender positiver Ergebnisse wieder geschlossen wurde), dies ebenfalls für Homöopathie hielt und propagierte. Schon 1930 ließ sich die Münchner Medizinische Wochenschrift darüber folgendermaßen vernehmen:

Würde Bier einen Pockenkranken vaccinieren – entsprechend dem Similia similibus- wäre das Ergebnis vielleicht katastrophal. Es ist also für den Similebegriff entstellend, die Allergielehre (gemeint ist die Immunologie, die damals noch in dem Begriff Allergielehre aufging, UE) auf dem oben geschilderten Umweg der Homöopathie zunutze machen zu wollen, so als wäre Prophylaxe gleichbedeutend mit Therapie. Gemäß dem Similia similibus curantur soll doch ein Leiden oder ein Krankheitszustand – nicht ein Gesunder behandelt werden. Offensichtlich wollen die Homöopathen durch Inanspruchnahme serologischer Phänomene nur die Wirksamkeit kleiner und kleinster Dosen beweisen. Die Gedankengänge sind hier von ihnen weit gespannt worden.“

Mist. Wieder nix.

Immunsystem = Hahnemanns „geistartige Lebenskraft“?

Und kommt mir jetzt bloß nicht noch mit der Gleichsetzung des Immunsystems mit Hahnemanns „geistiger Lebenskraft“. Dann seid ihr aber richtig draußen. Zunächst einmal ist das Immunsystem nichts „Geistartiges“, sondern ganz handfest materiell und interagiert -auch bei der Impfung- auf materieller Basis. Das Immunsystem ist eine sehr komplexe Teilfunktion des Körpers, die aber keineswegs die Eigenschaften hat, die Hahnemann in seiner Vorstellung dem „Princip der geistigen Lebenskraft“ zuschrieb:

Der materielle Organism, ohne Lebenskraft gedacht, ist keiner Empfindung, keiner Thätigkeit, keiner Selbsterhaltung fähig; nur das immaterielle, den materiellen Organism im gesunden und kranken Zustande belebende Wesen (das Lebensprincip, die Lebenskraft) verleiht ihm alle Empfindung und bewirkt seine Lebensverrichtungen.“ (§ 10 Organon)

Macht doch euren Hahnemann nicht kaputt, sag ich doch immer.

Noch einen obendrauf…

Hahnemann wollen wir mal gar nicht in die Verantwortung nehmen für diese Irrwege des „homöpathischen Impfens“. Wie beispielsweise auch bei der Homöopathie für Tiere, ist das eine Entwicklung von Exegeten, die offenbar die Homöopathie zum „Stein der Weisen“ -dem alles heilenden und verbessernden Mittel- hochstilisieren wollten.

Die homöopathische Impfung ist  von einem Doktor Lux schon in den 1820er Jahren „erfunden“ worden. Er kombinierte die Immunisierung nach Jenner mit dem homöopathischen Prinzip. Unbekümmert um die Unmöglichkeit einer homöopathischen Prophylaxe stellte er nach homöopathischen Grundsätzen -also durch Potenzierung- Mittel aus Blut und Ausscheidungsprodukten kranker Tiere her, die er dann verabreichte. Kurz darauf prägte der amerikanische Arzt Hering für diese besondere Form der „homöopathischen Zubereitung“ den Begriff „Nosoden“ (nach dem griechischen Wort für Krankheit). Es gibt heute serologische wie pathologische Nosoden (aus Sekreten oder aus Organen gewonnene), dazu auch die Sonderform der Eigenblutnosode.  „Nosodenimpfung“ erfolgt meist in der Form von C200-Globuli nach „Impfplänen“. Es wird sogar die Nosodenimpfung gegen Tropenkrankheiten empfohlen, ebenso die parallele Anwendung zu Pflichtimpfungen, auf diese soll mit der „Nosodenimpfung“ „vorbereitet“ werden.

Es sei als Groteske am Rande erwähnt, dass die Hersteller die Ungefährlichkeit ihrer Nosodenpräparate betonen, indem sie darauf hinweisen, dass „dank der homöopathischen Aufbereitung bereits in Tiefpotenz von C6 das Vorkommen eines einzigen Erregers in der Nosode unwahrscheinlich ist, so dass der Erreger sich unter keinem denkbaren Umstand mehr reproduzieren könnte“ (Paracelsus-Magazin, 03/2009). Zudem sei durch die Sterilisierung (sic!) bei der Herstellung die Erkrankungsgefahr ausgeschlossen. Womit klar ist: Auch hier geht es nicht um eine physiologische, sondern wieder einmal um die „geistartige“ Wirkung. Keine Angst, wir garantieren für die völlige Wirkungslosigkeit!

So richtig verstanden scheint das Impfprinzip in Homöopathiekreisen auch gar nicht zu sein. So schreibt das Paracelsus-Magazin (aaO): „Eine homöopathische Nosoden Prophylaxe verhindert nicht ein Ausbrechen der Krankheit wie es beispielsweise die schulmedizinischen Impfungen versprechen, vielmehr wird der Organismus auf die entsprechende Erkrankung eingestimmt, sodass er bei einer Infektion zielgerichtet reagieren kann.“ Ach. Ich hatte das eher umgekehrt im Kopf… man lernt nie aus.

Kurz: Die Kombination einer von vornherein unwirksamen Methode (Homöopathie) mit einer falsch angewandten, unwirksam gemachten Methode (Immunologie, Serologie). Nicht nur „Nix drin, nix dran“, sondern sogar „Alles muss raus“.

 

Das war’s dann wohl.

Seht ihr? Ist nichts mit der Erfindung der Impfung durch die Homöopathie und auch nicht mit der Impfung als Beweis für deren Richtigkeit. Genauso könntet ihr behaupten, von 1949 bis 1960 wären in der ehemaligen DDR keine Impfungen notwendig gewesen, weil der Staatspräsident Wilhelm Pieck hieß…

Insgesamt ein krasses Beispiel dafür, wie durch nicht reflektierte Analogieschlüsse (immer gefährlich, da der Mensch zum Denken in Ähnlichkeiten neigt) in Verbindung mit unkritischem Wunschdenken Aussagen entstehen, die dem unvoreingenommenen Leser oder Zuhörer zunächst recht plausibel erscheinen. Aber Descartes‘ berühmter Ausspruch heißt ja auch „Ich denke, also bin ich“ und nicht „Mir fällt was ein, ich hab recht!“


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