Handreichung: Aufklärung über Homöopathie, kurz und knapp

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Kritisch denken Du sollst!

Auf gelegentlichen Wunsch hin nachstehend ein knapper Text, mit dem auf noch aufnahmefähige Homöopathie-Geneigte in Diskussionen geantwortet werden kann. Selbstverschuldet Wahrnehmungsblockierte sind damit natürlich nicht erreichbar. Aber die Zielgruppe der unkritisch-unwissenden Interessenten und Konsumenten, die berühmten 80 Prozent der Menschen, die Homöopathie zwar kennen, aber keine Ahnung von den Zusammenhängen haben, die könnte in diesem Rahmen vielleicht angesprochen werden.

Meine Meinung zur Homöopathie? Um Meinung geht es nicht, sondern ganz einfach um Fakten.

In 200 Jahren hat die Homöopathie keinen Nachweis einer Wirkung erbringen können, der über den bei jeder Art von Therapie auftretenden Placeboeffekt, die psychosomatische Wirkung, hinausgeht. Das ist schon zu Hahnemanns Lebzeiten nicht gelungen, ebensowenig zu Zeiten moderner Studien- und Analysemethoden. Die Methode war von Anfang an umstritten und niemals Mittel der ersten Wahl; verschiedentlich ist die Homöopathie sogar verboten gewesen.

Die großen Untersuchungen zur Hömöopathie (Versuchsreihen und zusammenfassende Auswertungen), aktuell das zusammenfassende Review der Australischen Gesundheitsbehörde von 2015 (die größte zusammenfassende Betrachtung von Studien zur Homöopathie, die je durchgeführt wurde)  sind klar zu dem Ergebnis gekommen, dass eine spezifische (d.h. der Methode eigene) Wirksamkeit nicht gegeben ist. An allen diesen Untersuchungen und Reviews haben führende Homöopathen ihrer Zeit selbst mitgewirkt.

Ein anderes Ergebnis kann auch gar nicht erwartet werden. Tragende Aspekte der homöopathischen Methode verstoßen gegen naturgesetzliche Gegebenheiten (z.B. Wirkungszunahme durch „Potenzierung“, Annahme einer „geistigen Lebenskraft“, die es zu beeinflussen gelte). Die Homöopathie als System kann nicht bruchlos in das sich täglich bewährende Gesamtsystem der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse eingegliedert werden. Große Teile des täglich -auch im Alltag- bewährten naturwissenschaftlichen Wissens in Physik, Chemie und Biologie würden unhaltbar sein, träfen die Annahmen der Homöopathie zu. Andere Aspekte der Methode entstammen dem Animismus, der Vorstellung einer „Allbeseeltheit“ einer vorwissenschaftlichen Zeit, die auf reine Spekulationen statt fundierter Erkenntnisse angewiesen war.

Einzelne Studien, die immer wieder ins Feld geführt werden, entpuppen sich bei näherer Betrachtung wieder und wieder als methodisch unbrauchbar oder als fehl- bzw. überinterpretiert. Gleiches gilt für die „homöopathische Grundlagenforschung„, deren Ergebnisse sich entweder als Scharlatanerie entpuppten („Wassergedächtnis“, „Nanopartikel“ in Hochpotenzen) oder aber aus fachfremden Gebieten unverstanden übernommen und uminterpretiert werden (z.B. Wirkung durch „Quanteneffekte“). Kein Wissenschaftler aus diesen Fachgebieten wird diesen Interpretationen eine Stütze geben.

Homöopathie ist keine Naturheilkunde. Sie verwendet als Ursubstanzen beliebig neben Pflanzen und nichtpflanzlichen organischen Stoffen eine Vielzahl von anorganischen Substanzen; chemische Elemente in Reinform wie auch chemische Zusammensetzungen und Dinge aus dem Alltagsleben („Berliner Mauer“). Sanft und nebenwirkungsfrei ist sie nur insofern, als dass sie auch frei von Wirkungen ist. Mittel, die in den Körperstoffwechsel eingreifen und dabei keinerlei nicht gewünschte Wirkungen erzeugen, gibt es nicht.

Homöopathie ist ein reines Glaubenssystem, erfunden und erdacht, nicht entdeckt. Da jede Schein- und auch jede wirksame Therapie zusammen mit dem Placeboeffekt wirkt, muss dieser von jeder spezifischen Wirkung einer Methode bzw. eines Mittels „abgezogen“ werden. Im Falle der Homöopathie (nicht nur dieser) bleibt dann – nichts. Viele Länder haben die Homöopathie deshalb konsequent aus ihren öffentlichen Gesundheitssystemen verbannt.

 

 

Bildnachweis: gemeinfrei

Heilpraktikerwesen: Gesetzgebung in homöopathischer Hochpotenz!

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Synonym für die aktuelle Gesetzgebung: Vorhanden, aber wirkungslos.

Nach meinen diversen Zwischenrufen zum Handlungsbedarf in Sachen Heilpraktikerwesen (zuerst hier, dann auch hier und auch noch hier) ist wieder etwas zu vermelden. Und zwar wenig bis gar nichts Erfreuliches.

Wie in einem aktuellen Beitrag in der Deutschen Apotheker-Zeitung online berichtet wird, sieht alles danach aus, als sei -trotz aller öffentlichen Aufregung, trotz vieler Stellungnahmen aus fachlicher Sicht- das Thema einer höchst notwendigen durchgreifenden Reform des Heilpraktikerwesens vom Tisch. Allen Ernstes hat Gesundheitsminister Gröhe die lächerliche Änderung, dass

künf­tig eine Erlaubnis auch dann versagt werden können [soll], wenn die Überprüfung ergibt, dass die Ausübung der Heilkunde durch den Betreffenden eine Gefahr für jeden einzelnen Pa­tienten (statt bisher „nur“ für die Volksgesundheit) bedeuten würde“ 

als Wurmfortsatz an das „Dritte Pflegestärkungsgesetz“ angehängt – so beschlossen vom Deutschen Bundestag, ohne dass auch nur das Wort „Heilpraktiker“ irgendwo im Reichstagsgebäude gefallen wäre.

Ich habe mir schon früher erlaubt, dies als belangloses Wortgeklingel abzutun. Diese Regelung ist, zumal in der Form, in der sie jetzt Gesetzeskraft erlangt hat, wirklich nicht mehr als eine in homöopathischer Hochpotenz verabreichte, demgemäß wirkungslose Beruhigungspille.

Nun ja, das Ministerium steht unter dem Dach dieser höchst umwälzenden Änderung jetzt in der Pflicht, bis Ende 2017 „Leitlinien“ für die Heilpraktikerprüfung auszuarbeiten.  Nun könnte man ja sagen, das ist doch schon mal was (zumal hier der Bund endlich einmal seine zentrale Befugnis wahrnimmt und nicht gleich alles an die Länder abschiebt), aber es seien die folgenden -nicht neuen- Fragen gestattet:

  • Wird es wirklich nicht für notwendig gehalten, den Stand des „Heilpraktikers“ auch im Hinblick auf seine historische Entstehung grundsätzlich neu zu definieren und ihm einen angemessenen und vertretbaren Platz im Gesundheitswesen zuzuweisen? Anders gefragt: Werden die offen zutage liegenden und vielfach deutlich benannten Probleme nicht verstanden oder schlicht ignoriert?
  • Was sollen Prüfungsleitlinien ohne festgelegte Berufs-, Qualifikations- und Ausbildungsregeln?
  • Wie soll ohne neue Grundsatzregelungen eine Eindämmung der de-facto-Therapiefreiheit von Heilpraktikern, einem der Hauptprobleme, erreicht werden?
  • Weshalb wird weiterhin suggeriert, es gebe eine „Medizin“ unterhalb der Schwelle der akademischen, der Evidenz verpflichteten Medizin, die sich mit irgendeinem Recht „alternativ“ oder „komplementär“ nennen könnte? Wird immer noch nicht verstanden, dass es mehrere Medizinen ebenso wenig geben kann wie mehrere Physiken, Biologien, Chemien… ?
  • Ist -und das ist die Kernfrage- der Bundesregierung und dem Bundestag der Patientenschutz im Gesundheitsbereich so unwichtig? Gegen die hier zu schließenden Untiefen nehmen sich doch „Schutzmaßnahmen“ anderer Art, die der Gesetzgeber, oft gar die EU-Bürokratie, für notwendig gehalten hat, eher marginal aus! Vielleicht nicht in der Quantität, sicher aber in der Qualität.

 

Für mich folgt daraus: Ich muss mich korrigieren. In aller Form nehme ich hiermit den früher geäußerten Vorwurf zurück, die Gesundheitspolitik sei postfaktisch. Das ist sie nicht. Sie ist kontrafaktisch.

Ich kann nur hoffen, dass die öffentliche und die fachliche Diskussion zum Thema nicht verebbt, sondern durch sie weiter Druck auf die Entscheidungsträger ausgeübt wird, sich dem Handlungsbedarf zu stellen.

 

Vielleicht ist noch die folgende Information interessant.

In der öffentlichen Liste über die Registrierung von Verbänden und deren Vertretern (sog. Lobbyliste) des Deutschen Bundestages findet sich eine eigene Kategorie folgenden Namens:

„Allgemeines Gesundheitswesen, speziell alternative Heilweisen, hier Homöopathie und Heilpraktiker“.

Unter diesem Label finden sich die großen Dachverbände der Homöopathen und Heilpraktiker. Nach den zugänglichen Informationen haben darüber hinaus folgende Organisationen Hausausweise der Fraktionen von SPD, Grünen und Linken, die einen jederzeitigen und ungehinderten Zugang zum Bundestag und seinen Einrichtungen ermöglichen:

Dachverband Deutscher Heilpraktikerverbände e.V. (DDH) und Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland e.V.

Nur so, als reine Information.

Ach ja, welche Hausausweise die CDU/CSU-Fraktion ausgegeben hat, ist nicht bekannt. Noch nicht.

Zu Wahrsagern, Astrologen und sonst vergleichbaren Berufsgruppen konnte ich allerdings in den Lobby- und Hausausweisverzeichnissen keine Einträge finden. Immerhin.

 

 

 

Foto: GWUP

Die Selbstentlarvungen des Monats! Heute: Homöopathie

Alles nur ein Irrtum … ?!?

Liebe Leser, fast jeder kennt Meditonsin. Das am meisten verbreitete Scheinmedikament gegen Erkältung. Sogar für Säuglinge empfohlen, da eh ohne Wirkung und ohne Nebenwirkung. Zur Beruhigung quengelnder Erkältungskinder durchaus geeignet, da eine häufig wiederholte Gabe völlig problemlos möglich ist, wg. Unwirksamkeit. Nur nebenher – die Ursubstanzen von Meditonsin sind Quecksilbercyanat, blauer Eisenhut und Tollkirsche. Unverdünnt genommen, bräuchte sich niemand mehr Sorgen um seine Erkältung zu machen. „Die Selbstentlarvungen des Monats! Heute: Homöopathie“ weiterlesen

Deutsches Ärzteblatt zum Heilpraktikerproblem

 

Mal wieder nur ganz kurz, mit Dank an das Ärzteblatt:

Deutlichste Worte zum Thema Duldung von „Heilpraktikern“ im Sinne meiner Beiträge auf diesem Blog:

http://www.aerzteblatt.de/archiv/183771/Heilpraktiker-Kosmetische-Aenderungen

und eine fundierte Lesermeinung dazu:

http://www.aerzteblatt.de/forum/119041

Dem ist nicht das Geringste hinzuzufügen. Außer, dass es vielleicht eine gute Idee wäre, wenn die gesamte organisierte Ärzteschaft auf der Grundlage der beschriebenen Fakten und Argumente geschlossen Druck auf die Politik ausüben würde. Unter Inkaufnahme der Verärgerung der Schwurbel- und Experimentalfraktion. Das müsste doch möglich sein! Und ist dringend nötig, denn inzwischen hüllt man sich in dieser Sache mal wieder allseits in beredtes Schweigen. Dieses Schweigen ist allerdings weder Gold noch Silber.

 

Es gibt keine wissenschaftliche Kontroverse über die Homöopathie!

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Homöopathie? Wird da immer noch drüber diskutiert?

Die Ereignisse der letzten Tage und ihr Medienecho haben mich nochmals darüber nachdenken lassen, warum zum Kuckuck immer wieder der Eindruck einer „wissenschaftlichen Kontroverse“ zwischen Homöopathie und sogenannter „Schulmedizin“ aufrechterhalten wird, speziell in Bezug auf Medienberichterstattung. Ein wunderbares Beispiel ist der Beitrag von spiegel.tv-wissen vom 15.11.2016, der sich vom Titel her -„Hömöopathie – Heilung oder Humbug?“- aufklärerisch gab, aber Lichtjahre davon entfernt war, den Fakten gerecht zu werden (Zuschauerbrief hier). Selbst die gute Berichterstattung des BR (Kontrovers am 16.11.2016) über die Auswirkungen des Offenen Briefs von INH und GWUP-Wissenschaftsrat ließ Äußerungen von Protagonisten nachklingen, die dem nicht näher informierten Zuschauer suggerieren könnten, es sei wohl doch „irgendwie was dran“.

Nein. Es ist nichts dran. Überhaupt nichts.  Deshalb gibt es auch keine wissenschaftliche Kontroverse. Es kann auch keine geben, denn die Homöopathie bietet keine Grundlage für die Führung einer Diskussion auf wissenschaftlicher Ebene. Da hat Dr. Christian Weymayr durchaus völlig recht, wenn er in seinem Buch „Die Homöopathie-Lüge“ die Ansicht vertritt, der Ruf nach „mehr Forschung“ und generell die Auseinandersetzung mit „Forschungsergebnissen“ und „Studien“ der homöopathischen Szene seien völlig fruchtlos, da der Homöopathie die „Scientabilität“ fehle, die Art von wissenschaftlicher Grundplausibilität, die sinnvolle Ergebnisse überhaupt erst erwarten lässt.

  • Ich habe schon in meinem dreiteiligen Beitrag „El Cid und die Homöopathie“ aufgezeigt, dass Hahnemanns Gedankengebäude spätestens Mitte des 19. Jh. mit der Etablierung der Zellularpathologie und der modernen Ätiologie die Grundlagen entzogen waren. Hahnemanns Vorstellung vom Körper als einer zwar differenzierten, aber amorphen Masse, die nur durch eine „geistige Lebenskraft“ als Organismus existiere, war dahin. Und damit der zentrale Ansatzpunkt seines Gedankenmodells, die Einwirkung auf diese „geistige Lebenskraft“. Insofern bräuchte man sich in der Tat über die vitalistisch-esoterischen Begleitannahmen wie das Simile-Prinzip gar nicht mehr zu streiten.
  • Die Leugnung des Vorhandenseins von gleichförmig auftretenden Krankheiten, die Weigerung Hahnemanns, „Krankheiten“ überhaupt nur zu benennen, die These von der ausschließlich durch individuelle Symptome in Erscheinung tretenden „Verstimmung der geistigen Lebenskraft“ , wobei deren Ursache uninteressant war, konnte nicht mehr aufrechterhalten werden. Damit war auch der Ansatz für eine individuell-symptombezogene Behandlung ohne Krankheitsbegriff dahin. Die neue Ätiologie erklärte nicht nur die Krankheit des Körpers aus Fehlfunktionen der zellulären Bausteine und deren Ursachen, sondern konnte die Krankheiten auch klassifizieren und dadurch identifizierbar machen. Und war damit überwältigend erfolgreich, bis zum heutigen Tag.
  • Mit der Entdeckung der atomaren und molekularen Struktur der Materie wurden Hahnemanns Vorstellungen über eine prinzipiell unendliche, nicht völlig gegen Null gehende Verdünnungsmöglichkeit von Substanzen ad absurdum geführt; der Gehalt von Potenzen an Restursubstanz konnte exakt berechnet werden. Die moderne Pharmakologie widerlegte Hahnemanns „umgekehrte“ Dosis-Wirkungs-Beziehung, wonach Hochpotenzen auch hoch wirksam sein sollten, schlagend – ganz abgesehen, dass die „potenzierte Wirkung“ einer der Faktoren ist, die gegen naturgesetzliche Gegebenheiten verstoßen.
  • Dinge wie die Signaturlehre, aus der das Simileprinzip hervorgegangen war, wurden eindeutig als vorwissenschaftliche Vorstellungen entlarvt, die mangels wirklicher Forschungsmöglichkeiten auf symbolisch-mystische Inhalte, auf Analogien zurückgriffen. Die Berufung auf medizinische „Autoritäten“ wie Hippokrates und Paracelsus, deren Werk zum großen Teil auf derartigen Vorstellungen beruhte,  konnte damit nicht mehr ernstlich aufrechterhalten werden. Viele, zum Teil der Homöopathie gedanklich recht nahestehende Methoden der damaligen Zeit, die ebenso den vorwissenschaftlichen Gedanken verhaftet waren, haben heute nur noch einen Platz im medizinhistorischen Museum.
  • Und insbesondere, aber wenig überraschend: Schon zu Hahnemanns Lebzeiten, bis heute, konnte kein evident positiver Nachweis für eine spezifische arzneiliche Wirkung der Homöopathie erbracht werden. Belege dafür findet man allein in diesem Blog genug. Die wirklich großen Untersuchungen zur Homöopathie, die Untersuchungsreihen des Reichsgesundheitsamtes (1936 – 1939), die umfassenden Untersuchungen von Martini zur Arzneimittelprüfung an Gesunden (zwischen 1939 und 1955) und die große Vergleichsstudie der Austalischen Gesundheitsbehörde (2015), fielen für die Homöopathie vernichtend aus. Seltsamerweise werden die gigantischen Erfolge, die aus der Weiterentwicklung der modernen Medizin seit Mitte des 19. Jh. resultieren, vom homöopathiegeneigten Publikum offenbar nicht als der überwältigende Gegenpol wahrgenommen, die sie sind.
  • Alles ganz abgesehen davon, dass Hahnemanns Grundannahmen gegen naturgesetzliche Gegebenheiten verstoßen. Alle Versuche, einerseits Hahnemanns Lehre und andererseits die Naturgesetze so hinzubiegen, dass sie sich zumindest annähern, endeten im Desaster. Dies wird gelegentlich auch als „homöopathische Grundlagenforschung“ bezeichnet. Was auch soll man von einer Methode halten, für die nach 200 Jahren immer noch gierig nach jeden Strohhalm in Form von neuen wissenschaftlichen Ergebnissen gegriffen wird, um sie mit einer modern klingenden Begründung zu unterfüttern? Wenn die Milch sauer ist, ist sie sauer.
  • Die „Systematik“ des Hahnemannschen Gedankengebäudes, die seinerzeit so verführerisch auf die Mediziner wirkte, die mit ihren wenigen, kaum erfolgreichen „Methoden“ im Dunklen tappten, hat sich längst gegen die Homöopathie gewendet. Zur Aufrechterhaltung der Lehre werden seit 200 Jahren ständig neue Zusatzannahmen und Parameter eingeführt. Siehe allein die durch immer neue „Arzneimittelprüfungen“ immer dicker werdenden, zu einem sehr großen Prozentsatz aus Redundanzien bestehenden Materia medicae und Repertorien, die die Beliebigkeit der Methode widerspiegeln. Eine wissenschaftliche Todsünde, die ein schwerwiegender Beleg gegen die Gültigkeit einer Hypothese ist (Ockhams Rasiermesser).
  • Geradezu selbstzerstörerisch statt beweiskräftig ist die völlige Zerfaserung von Hahnemanns Lehre durch die immer wieder in den Ring geworfenen „Forschungsergebnisse“ der Homöopathie-Gemeinde, die mit aller Gewalt naturwissenschaftlich haltbare Ergebnisse hervorbringen wollen und dabei Hahnemanns Grundannahmen selbst umstoßen (beispielsweise wenn man sich nicht entscheiden kann, ob man nun in Hoch- und Höchstpotenzen arzneilich wirksame Reststoffe, Nanopartikel, hormonähnliche Substanzen oder elektromagnetische Schwingungsmuster nachweisen will). Hierzu gehören auch die nachgerade lächerlichen Bemühungen, Postulate der modernen Teilchenphysik (Quantenmechanik) in Verbindung mit dem angeblichen homöopathischen Wirkprinzip zu bringen. Es sind keine Physiker vom Fach zu finden, die diesen Bemühungen eine Stütze geben würden, im Gegenteil werden sie sich dagegen verwahren.

Ist das denn so schwer zu verstehen? Oder hängt man der in der Weltgeschichte vielfach widerlegten These an, dass so viele Anhänger sich doch nicht irren können?

Natürlich gibt es eine beträchtliche Zahl von Proponenten der Homöopathie, natürlich hat sie „Rückhalt“ in der Bevölkerung. Die Homöopathie-Lobby hat es nun mal geschafft, ein positives Image so breit im Bewusstsein der Menschen zu verankern, dass sie zur Scheinwahrheit geworden ist. Das ist aber kein Grund, der Homöopathie wohlwollend zu begegnen und sie ständig in den Adelsstand einer diskutablen Theorie zu erheben. Genau das geschieht aber andauernd, wofür der eingangs erwähnte Bericht auf spiegel.tv-wissen nur ein Beispiel ist (ein recht subtiles, denn hier wirkt das Gesamtbild des Beitrages tendenziös, zu einer wirklichen Konfrontation von Sachargumenten kommt es gar nicht).

 

Nochmals in aller Deutlichkeit: Evidenzbasierte Medizin und Homöopathie sind keine zwei irgendwie gleich diskutable Methoden. Die eine bewährt sich unter der strengen Qualitätskontrolle der Falsifikation und Reproduktion ihrer Annahmen jeden Tag aufs Neue und erzeugt dabei echte Innovation. Die andere ist ein 200 Jahre altes, auf vitalistisch-esoterischen Grundgedanken beruhendes Gedankengebäude, dass bis heute keinen falsifizierbaren und reproduzierbaren Wirkungsnachweis erbracht hat. Einen solchen kann man wegen der Unverträglichkeiten mit Naturgesetzen auch nicht erwarten.

Insofern hat Christian Weymayr schon recht, die weitere Auseinandersetzung lohnt unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten nicht. Die Methode ist längst obsolet, nicht aber ihre gesellschaftlichen und gesundheitspolitischen Implikationen. Nicht der Einfluss ihrer Befürworter und ihrer Lobbyorganisationen. Nicht die Durchdringung der Politik durch diese Lobby. Nicht das unheilvolle Vertrauen, das sehr viele Menschen inzwischen -fehlgeleitet durch Lobbyismus, womöglich zu ihrem persönlichen Schaden- der Homöopathie entgegenbringen. Und das sind die Gründe, weshalb sich einige Leute so entschieden gegen diese Implikationen stellen und immer aufs Neue die Geduld aufbringen, gegen die vorgeblichen Argumente und „Beweise“ zugunsten der Homöopathie anzugehen, um ihr nicht noch mehr das publizistisch-öffentliche Feld und auch das Feld der Gesundheitspolitik zu überlassen.

Außerdem stehen diese Leute auch gegen die unhaltbare Propaganda, die die Homöopathie „adeln“ soll und die uns nach wie vor ständig begegnet. Es wäre sehr hilfreich, wenn vor allem der Journalismus einmal zur Kenntnis nehmen würde, dass eine „ausgewogene Berichterstattung“ mit „Schulmedizin“ rechts und „Homöopathie“ links der Sache nicht gerecht wird. Parität und Pluralität kann es sinnvollerweise nur zwischen faktenbasierten Standpunkten geben, ansonsten wären beide schlicht Einfallstore für Unsinn. Es muss auch seitens der Medien endlich einmal erkannt und deutlich gemacht werden, dass es sich beim Ansehen der Homöopathie in weiten Kreisen der Bevölkerung um eine massive Fehlentwicklung handelt, der entschieden entgegen zu treten ist. Genau dazu möchte ich auch die Hochschulen in Deutschland aufrufen, die die Homöopathie als „komplementärmedizinische Methode“ im Programm haben.

 

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Bildnachweis: Eigenes Bild

Homöopathie – Heilung oder Humbug? Rhetorische Frage von spiegel.tv Wissen am 15.11.2016

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Blümchen und Sonnenschein überall… Der Eindruck täuscht nicht.

Mit einiger Erwartung habe ich diesem Beitrag, der gestern im Pay-TV lief und bald wohl auch kostenfrei verfügbar sein wird, entgegengesehen. Wenn auch nicht mit Optimismus. Letztlich habe ich mich dann über den Film derart geärgert, dass ich die Redaktion von spiegel.tv Wissen angeschrieben habe (als ob ich sonst nichts zu tun hätte).

Nachfolgend der Text meiner Kritik. Auch dem Leser, der den TV-Beitrag nicht gesehen hat, dürfte er einen gewissen Eindruck von dessen Tenor und Inhalt vermitteln können:

 

An die Redaktion spiegel.tv Wissen / 16.11.2016

Von einem Beitrag mit dem Titel „Homöopathie – Heilung oder Humbug?“ hätte ich mir gerade auf spiegel.tv Wissen nun doch eine Antwort auf die Titelfrage oder zumindest die klare Darstellung der jeweiligen Argumente erwartet, die dem Zuschauer einen wirklichen Anhalt zur Beantwortung dieser Frage gegeben hätte. In dieser Hinsicht war meine Enttäuschung umfassend.

Gleich zu Anfang die vielleicht wichtigste Kritik: Der Beitrag war insgesamt, bis hin zur optischen Darstellung, darauf ausgelegt, die Homöopathie als sanfte, schonende pflanzenbasierte Naturheilkunde darzustellen. Mehrfach wurde dies auch explizit geäußert, ohne dass irgendeine Klarstellung erfolgte.

Und damit haben sie mit dem Filmbeitrag gleich eines der größten Zerrbilder über die Homöopathie überhaupt nicht etwa geradegerückt, sondern auch noch unterstrichen. Schlechte Recherche? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, mit Frau Natalie Grams haben Sie eine anerkannte Expertin auf diesem Gebiet zur Verfügung gehabt, die ihnen über die Einordnung der Methode Homöopathie Fundiertes zu sagen gehabt hätte. Was dann? Falsche Ausgewogenheit, die keinen Unterschied beim Informationswert von Standpunkten macht, auch wenn der eine höchstmögliche und der andere geringstmögliche Evidenz für sich geltend machen kann? Und das -wie im Falle der Homöopathie- ohne Beachtung des Konsens der überwältigenden Mehrheit der weltweiten Wissenschaftsgemeinde, die die Homöopathie als spezifisch arzneilich unwirksam einstuft? Auch das will ich nicht hoffen, denn derartige Gleichmacherei ist gleichzusetzen mit der Propagierung von Unsinn.

Nein, Homöopathie ist KEINE Naturheilkunde. Sie ist auch KEINE Phytotherapie -also Pflanzenheilkunde. Eine einfache Begründung für beides ist, dass die Homöopathie -von Hahnemann so definiert- eine Arzneimittellehre ist, genauso wie die moderne Pharmazie auch. Sie setzt keineswegs auf pflanzliche Urstoffe. Sie verwendet ebenso anorganische Stoffe wie z.B. Quecksilber, Arsen, metallisches Kupfer, Meteoritstein, Berliner Mauer, Plutonium und metallisches Uran wie auch organische Stoffe nichtpflanzlicher Herkunft, beispielsweise verfaulendes Fleisch oder Eiter von Tripperkranken. Was hat das mit Naturheilkunde zu tun? Oder auch mit der -durchaus großteils in der evidenzbasierten Medizin anerkannten- Pflanzenheilkunde? Überhaupt nichts.

Allein durch die Vermittlung dieses Bildes geht der ganze Beitrag in eine völlig falsche, unhaltbare Richtung. Sie stützen dies auch noch massiv durch die Einbeziehung des Herrn Hevert als Partei „pro Homöopathie“, worauf ich weiter unten noch einmal zurückkommen möchte. Und Sie negieren durch den gesamten Tenor des Beitrags  die fundierten Aussagen von Frau Grams, der sie in ihrem Beitrag offenbar lediglich die Rolle der netten, sympathischen Außenseiterin zugedacht haben, obwohl sie zweifellos an Wissen und Erfahrung -und vor allem an Einsicht und Ehrlichkeit – den beiden anderen Protagonisten haushoch überlegen sein dürfte.

Zu den anderen Protagonisten:

Der Homöopath Dr. Schreiber konnte seine beiden Fälle recht eindrucksvoll aus seiner Sicht darstellen. Wo blieb hier ein kritischer, relativierender Kommentar? Obwohl es aufgrund dessen eigener Äußerungen hierzu allen Anlass gegeben hätte. Er hat ja selbst ausgeführt, dass eine spezifische Wirkung der homöopathischen Arznei nicht angenommen werden, dafür eine geistartige Wirkung (wie Hahnemann dies auch postulierte) gegeben sein müsse. Wo blieb denn da das Bild der sanften Arzneimittelkunde? (Wobei die erwähnte Gabe von Phosphoricum das Bild der sanften Naturmedizin nur unwesentlich beeinträchtigt haben dürfte…) Seine Erklärung und Demonstration von Repertorien und Materia Medica hätte doch hier eines kritischen Kommentars bedurft! Es verbleibt der Eindruck beim unbefangenen Zuschauer: Tatsächlich, die Homöopathie kann alles und ist auch noch individuell!

Andere Erklärungsmodelle für die „Heilungen“ der beiden Patientinnen wurden nicht einmal ansatzweise dargestellt. Wobei der ständige Hinweis auf „Zeit“ und „Geduld“ als „Grundvoraussetzung“ der Homöopathie ja allein schon eine solche Erklärung im Ansatz liefern würde. Dass die kleine Dame zu Anfang offenbar in einer traumatisch-psychosomatischen Schleife steckte und durch die regelmäßige Zuwendung des homöopathischen Therapeuten langsam wieder herausfand, liegt sehr nahe. Aber kein kritisches Wort dazu. Nun könnte man ja meinen, „wer heilt hat Recht“. Dieses dumme Argument geht allerdings nicht nur deshalb fehlt, weil nur der Heiler recht hat, der den kausalen Zusammenhang zwischen seiner Methode und der „Heilung“ nachweisen kann. In diesem Fall wäre sicher eine fachlich fundierte Kinderpsychotherapie angezeigt gewesen, allein deshalb, weil sich diese nicht mit dem einfachen Verschwinden der Symptomatik zufriedengegeben hätte.

Kommen wir zu Herrn Hevert und seiner Firma. Ein Schelm, der Böses dabei denkt, dass gerade die Firma Hevert ausschließlich pflanzenbasierte Homöopathika herstellt, die Grundstoffe aus dem eigenen Kräutergarten bezieht und eigentlich gar nicht zum Thema gehört, weil sie fast nur Niederpotenzen herstellt, die noch chemisch nachweisbare Stoffe enthalten und unter Umständen eine gewisse therapeutische Wirkung entfalten können. Das passt zwar wunderbar zu dem eingangs kritisierten Grundtenor Ihres Beitrags, aber nicht zur eigentlichen Homöopathie. Die spielt sich nämlich -wie erwähnt- auf der Grundlage nahezu beliebiger organischer und anorganischer Ursubstanzen im Bereich der Mittel- und Hochpotenzen ab. Und auf diesen Sektor zielt die weltweite Ablehnung der Homöopathie durch die Wissenschaftsgemeinde. Zu dieser Debatte hatte Herr Hevert außer einigen Unwahrheiten durchaus nichts beizutragen.

Ja. Unwahrheiten. Er hat sich allen Ernstes -in Opposition zur Beurteilung der weltweiten Forschergemeinde- zu der Aussage verstiegen, die Forschungen zur Wirksamkeit der Homöopathie würden diese auf die gleiche Evidenzstufe stellen wie die wissenschaftsbasierte Medizin (das Wort Schulmedizin, das von Hahnemann als abwertende Bezeichnung eingeführt wurde, verwende ich nicht). Das ist eine glatte Unwahrheit, was sich mit vielen Nachweisen belegen lässt. Nur eine wichtige Quelle dazu, die unbedingt in einem kritischen Beitrag zur Homöopathie hätte erwähnt werden müssen: Das Review der Australischen Gesundheitsbehörde NHRMC aus dem Jahre 2015. Und ganz aktuell gerade heute auf dem Portal sciencebasedmedicine.org:

“Unsurprisingly, rigorous clinical trials have shown that homeopathic potions in fact do not work.”  (https://www.sciencebasedmedicine.org/ftc-homeopathy-win/)

Alleine mit dem Stehenlassen der ungeheuerlichen Behauptung von Herrn Hevert ist Ihr Filmbeitrag bereits völlig entwertet.

Vielleicht aus den Ausführungen von Herrn Hevert noch zu erwähnen, dass er seine Fertigung als derart aufwendig und teuer darstellt, dass der Nachteil der Forschungs-, Entwicklungs- und Zulassungskosten für pharmazeutische Arzneimittel -die er nicht zu tragen hat- praktisch aufgehoben würde. Wenn ich den Jahresumsatz von Hevert Arzneimittel von rund 22,3 Mio. Euro (2016: Quelle Bundesanzeiger) zugrunde lege -Umsatz wohlgemerkt!- dann dürfte dieser Betrag in der Pharmaforschung vielleicht knapp reichen, um beispielsweise ein etwas weiterentwickeltes Statin auf den Markt zu bringen (wahrscheinlich selbst das nicht). Für Dinge wie Krebsmedikamente, AIDS-Pharmaka, neuartige Impfstoffe z.B. gegen Tropenkrankheiten wie Ebola kann man an diesen Betrag -wohlgemerkt, den Umsatz von Hevert, nicht den Gewinn- getrost verzehn- bis verhundertfachen. Vor diesem Hintergrund ist dieses Statement von Herrn Hevert ein Fall für verzweifeltes Kopfschütteln. Eine Firma im Pharmaziebereich mit einer derartigen Umsatz- und Bilanzsumme kann wohl nur im weitestgehend forschungsfreien Biotop der alternativen Medizin ohne Zulassungsverfahren existieren.

Hier fehlt es an Recherche, um Klarstellung im Verhältnis zu eindeutigen Fakten. Leider gibt der Beitrag den Proponenten der Homöopathie eine fröhliche und farbenfrohe Plattform, wo nichts, aber auch gar nichts von ihren Äußerungen und Ansichten relativiert wird. Wie erwähnt- Sie hatten mit Natalie Grams jemand zur Verfügung, die zu weitaus fundierteren Statements in der Lage und bereit gewesen wäre als zu denen, mit denen sie im Film zu Wort gekommen ist.

Wie gesagt, ich bin enttäuscht. Sehr enttäuscht. Denn dieser, durch seinen Titel als kritisch angekündigte Beitrag trägt nichts dazu bei, dem potenziellen Patienten eine sachlich fundierte Entscheidungshilfe zu geben. Im Gegenteil. Der „positive Touch“ pro Homöopathie durchzieht den gesamten Beitrag. Ich bedauere das sehr.

 

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Bildnachweis: Screenshot spiegel.tv wissen

Aktuell: Zur LMU und der Homöopathie.

Cut the nonsense
Kein weiterer Kommentar.

Den an meinem Blog Interessierten wird nicht entgangen sein, dass das Informationsnetzwerk Homöopathie und der GWUP-Wissenschaftsrat sich mit einem offenen Brief deutlich gegen die Homöopathie-Propaganda zur Wehr setzen, die an der „exzellenten“ Ludwig-Maximilians-Universität München stattfindet – konkret durch die Ankündigung einer Ringvorlesung in Zusammenarbeit mit dem DZVhÄ, die eine ganze Reihe „homöopathischer Behandlungsansätze“ für eine Reihe von -teilweise massiven- Krankheitsbildern vorstellt.

Erfreulicherweise hat dieser offene Brief ein deutliches Medienecho gefunden, wobei der Fairness halber darauf hingewiesen sei, dass als erster Dr. Werner Bartens in der Süddeutschen Zeitung auf die erneute Ankündigung einer solchen Veranstaltung an der LMU kritisch hingewiesen hat.

Nun ja. Bleibt ja gar nichts für diesen Blog. Nichts? Oh, die Deutsche Apotheker Zeitung, ein erfrischend kritisch eingestelltes Publikationsorgan, nimmt sich der Sache ebenfalls an und berichtet auch über die Stellungnahme der Pressestelle der LMU. Da sollte sich doch was zum Kommentieren finden lassen… auch unter dem Aspekt, wie verräterisch Sprache im Hinblick auf die dahinterstehende Einstellung sein kann.

Was sagt nun die Uni?

„Die Homöopathie ist eine komplementärmedizinische Behandlungsmethode, die auf dem Prinzip ‚similia similibus curentur‘ beruht“.

Bis auf den Begriff „komplementärmedizinisch“ könnte man den Satz ja als zumindest nicht falsch hinnehmen, abgesehen von seinem etwas begrenzten Informationsgehalt. Die Methode beruht ja schließlich noch auf einigen anderen Dingen. Und wieder die alte, bereits im allerersten Beitrag meines Blogs beantwortete Frage: Was um Himmels Willen ist eine „komplementärmedizinische Methode“?

„Sie wird kritisch diskutiert, da bis heute keine naturwissenschaftliche Begründung einer über einen Placebo Effekt hinausgehende Wirksamkeit belegbar ist.“

Dass die angekündigte Ringvorlesung irgendetwas mit einer kritischen Diskussion zu tun hat, erschließt sich auch dem unvoreingenommenen Betrachter keineswegs. Methodenunkritischer kann man eine universitäre Veranstaltung wohl kaum anlegen. Auch an anderer Stelle vermisst man die wirkliche methodenkritische Auseinandersetzung mit der Homöopathie, nämlich im Rahmen des Wahlpflichtfachs gleichen Namens im regulären Medizinstudium.
Und mal wieder: „Belegbar.“ Es muss heißen: „Nicht belegt“, denn „belegbar“ suggeriert lediglich, dass man sozusagen fieberhaft auf den nah bevorstehenden erlösenden Moment warte, an den das große „Heureka!“ der homöopathischen „Forschergemeinde “ ertönt. Suggestiver kann man kaum formulieren. Nämlich in die Richtung, es läge an der Wissenschaft und nicht an der Homöopathie, dass ihre Wirksamkeit „noch“ nicht „belegbar“ sei.
Noch genaueres Hinsehen aber offenbart eine rabulistische Spitzfindigkeit, die man so gar nicht erwartet hätte. Was bedeutet denn, „…keine naturwissenschaftliche Begründung einer … Wirksamkeit“ sprachlich? Genau, es postuliert mal eben so im Vorbeigehen auch noch das Vorliegen einer solchen Wirksamkeit, für das eben einfach nur noch die „naturwissenschaftliche Begründung“ fehle! So wird durch eine einfach sprachliche Wendung mal eben die Existenz der Wirksamkeit der Homöopathie vorausgesetzt, nur -leider- kenne man den Wirkungsmechanismus noch nicht… Damit wird die Homöopathie sozusagen im Vorbeigehen auf das Niveau einer ganzen Reihe von evidenzbasierten Mitteln und Methoden gehoben, die hochwirksam und im täglichen Einsatz sind, gleichwohl der Wirkungsmechanismus nicht oder nicht vollständig bekannt ist.
Ich will hier gar nicht von Unredlichkeit sprechen. Aber eine solche Formulierung sollte doch der Pressestelle einer hochangesehenen Universität eigentlich nicht ungewollt entschlüpfen.

200 Jahre kein Beleg, aber es wird „kritisch diskutiert“… seufz…

„Eine Veranstaltung zur Homöopathie anzubieten bedeutet entsprechend nicht, dass die Homöopathie in den gleichen Rang wie die evidenzbasierte Medizin erhoben wird.“

Das wollen wir ja nun wirklich nicht hoffen. Dafür gibt es andere Organisationen, Vereinigungen und Personen. Allerdings – bezogen auf die konkret kritisierte Ringveranstaltung tut die LMU geschieht genau das eben doch. Wie anders soll ich eine durchgängig unkritische „Präsentation“ von „homöopathischen Ansätzen“ in der Ringvorlesung denn sonst interpretieren? Sie ist mit dem Angebot einer Kaffeefahrt eher zu vergleichen als mit universitärer kritischer Methodenlehre.

Viele Patienten verbinden mit komplementärmedizinischen Therapien große Hoffnungen, Die klinische Medizin kann sich daher auch nicht auf eine rein naturwissenschaftliche Perspektive begrenzen.“

Jetzt wird es richtig ärgerlich. Es sollte ja wohl die Aufgabe universitärer Lehre in der Medizin sein, dem Entstehen solcher Hoffnungen und damit dem Risiko, dass sich Patienten unwirksamen und / oder schädlichen Verfahren zuwenden, in aller Deutlichkeit entgegenzuwirken. Statt dessen wird aus diesem bedauerlichen Umstand der Schluss gezogen, „die klinische Medizin könne sich daher auch nicht auf eine rein naturwissenschaftliche Perspektive begrenzen“? In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die Ringvorlesungen jedermann, auch Nichtmatrikulierten, offenstehen – zweifellos auch Menschen, die damit erst recht zu unbegründeten Hoffnungen verleitet werden.

Ein Offenbarungseid allererster Güte. Damit sind doch alle halbherzigen Relativierungen, die sich so durch die Stellungnahme der LMU-Pressestelle ziehen, komplett vom Tisch gefegt. Auch die Behauptung, man setze sich „kritisch“ mit Komplementärmedizin (ich hasse dieses Wort…) auseinander. Denn die kritische Auseinandersetzung gehört zweifellos zur naturwissenschaftlichen Perspektive – die man ja gern entgrenzen möchte.
Löst Hogwarts an der Isar jetzt Hogwarts an der Oder ab?

„Komplementärmedizinische Themen seien im Medizinstudium verankert und damit prüfungsrelevant für das Staatsexamen…“

…in der Form, wie sie hier propagiert und verteidigt werden, schlimm genug…

„… zudem müssen die Absolventen im klinischen Alltag diskussionsfähig sein auch hinsichtlich umstrittener Heilverfahren.“

Dem stimme ich aus ganzem Herzen zu, das ist auch eine zentrale Forderung des offenen Briefes von INH und GWUP. Nur wie die LMU das mit ihrer auch in der Pressemitteilung deutlich werdenden durchweg unkritischen Haltung zur Homöopathie leisten will, bleibt eines der großen Geheimnisse dieses Universums. Da bedürfte es sicher erst einmal einer Neujustierung.

„Wenn am Klinikum der LMU komplementärmedizinische Behandlungsmethoden zum Einsatz kommen, werden sie immer nur in Ergänzung evidenzbasierter Methoden angewendet – niemals an deren Stelle.“

Ah ja. Und welche belastbaren Schlüsse hinsichtlich der Wirksamkeit der Homöopathie will man ziehen, wenn sie ergänzend zu evidenzbasierten Methoden eingesetzt wird? Daran ist bis jetzt noch jede Studie gescheitert, die sich daran versucht hat (z.B. die Sepsis-Studie von Prof. Frass, Wien).
Ganz abgesehen von der Kleinigkeit, dass kaum etwas frasser… äh, krasser der Hahnemannschen Lehre widerspricht als eine parallele -ach, sagen wir ruhig mal komplementäre- Behandlung mit Homöopathie und evidenzbasierter Medizin. Das kann man auf diesem Blog beispielsweise hier schon eine ganze Weile nachlesen.

„Ziel eines Pilotprojektes ‚Integrative Pädiatrie‘ am Dr. von Haunerschen Kinderspital ist es, die wissenschaftstheoretischen Grundlagen zu erörtern und klinische Studien zu initiieren. Dies entspricht unserem akademischen Auftrag, die Phänomene der Natur und der Medizin einer kritischen Betrachtung zu unterziehen.“

Ah ja. Was soll man jetzt dazu sagen. Schon 2015 hat das Laborjournal recherchiert, dass nach 20-jährigem Pilotprojekt (…) keine einzige wissenschaftliche Studie aus den homöopathischen Bemühungen am von Haunerschen Kinderspital hervorgegangen ist. Von einer Erörterung der wissenschaftlichen Grundlagen der Methode ist mir auch nichts bekannt. Wie auch. Sie hat keine wissenschaftlichen Grundlagen.
Einen speziellen Kommentar zum allerletzten Satz erspare ich mir.

Was für eine schwache Vorstellung. Da bleibt nur noch ein Zitat des guten alten Louis Pasteur : „Die größte Störung des Geistes ist, an etwas zu glauben, weil man will, dass es so sei.“

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Bildnachweis: Fotolia_117661345_XS

Nur ganz kurz…

klopftherapie

Jetzt weiß ich, was Alternativmedizin ist:

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/england-diabetikerin-stirbt-nach-chinesischer-pruegeltherapie-a-1121182.html

Leider nicht kommentierbar. Deshalb vielleicht auf diesem Wege die Bitte an den Spiegel, künftig das Wort „Alternativmedizin“ zu vermeiden und in derartigen Zusammenhängen nur noch von „Pseudomedizin“ (oder von Kriminalfällen) zu sprechen.

Der Duden gibt folgende Bedeutungen für „alternativ“ an:

freie, aber unabdingbare Entscheidung zwischen zwei Möglichkeiten; das Entweder-oder;
zweite, andere Möglichkeit; Möglichkeit des Wählens zwischen zwei oder mehreren Dingen

Alternativ in unseren Fällen also die Wahl zwischen bewährter medizinischer Behandlung andererseits, von der schon Millionen profitiert haben, und völlig ungewisser, nicht beurteilbarer Methoden, die zudem richtig teuer sind, auf der anderen Seite. Als Ausdruck des Menschenrechts, die Freiheit zur Entscheidung für den eigenen Untergang treffen zu dürfen.
Ich vergaß – in Deutschland ja seit einiger Zeit durch § 217 StGB ziemlich eingeschränkt. Aber nicht bei der Inanspruchnahme von Scharlatanerie jeder Art. Da fällt mir ein – könnte man diese Leute nicht im Bedarfsfall nach § 217 StGB in Deutschland wegen geschäftsmäßiger Beihilfe zum Suizid belangen?

Um jedem Vorwurf der Unvergleichbarkeit mit der Geschichte im Link vorzubeugen: Der Unterschied ist gradueller Art. Im Falle homöopathischer oder heilpraktischer „Behandlung“ ernster Erkrankungen sind diese potenziell genauso gefährlich.

Demnächst an dieser Stelle wieder längere Beiträge von mir (ist keine Drohung).. Vielleicht auch mal zu der Frage, was Menschen dazu bringt, sich freiwillig in solche „Alternativen“ zu begeben.

Nachtrag, auf Anregung einer treuen Leserin:

Klopftherapie in allen erdenklichen Formen, mit oder ohne Bezug fernöstliche Weisheiten, ist im Programm jedes besseren Heilpraktikers gleich um die Ecke. Deshalb kriegt dieser Beitrag auch noch einen Tag zum Begriff „Heilpraktiker“. Passt ja zu meinen sonstigen Auslassungen zu diesem Spezialthema. Und ein Beitragsbild gibt es auch noch dazu: Google-Ergebnis zu Klopftherapie, Stand heute abend, 20:40 Uhr.

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