Was macht die Homöopathie zum großen Problem?

Der Drache des confirmation bias vor der Höhle der rationalen Erkenntnis

Vor kurzem postete das Informationsnetzwerk Homöopathie in den Sozialen Medien:

“Homöopathiekritik ist weder Hass noch Hetze.
Es ist einfach eine rationale Kritik an einer irrationalen Methode”.

Besser und kürzer kann man viele Aspekte des Umgangs mit der Homöopathie gleichzeitig wohl kaum auf den Punkt bringen. Und in der Tat braucht man es eigentlich auch gar nicht.

Die Homöopathie selbst wird fortexistieren, ein Aspekt, den jeder ernsthafte Homöopathiekritiker nicht bestreiten, ja, als Selbstverständlichkeit akzeptieren wird. Es wäre von daher seinerseits irrational, etwa ihre “Abschaffung” oder gar ein “Verbot” zu fordern und ein solches unsinniges Ziel gar mit “Hass” und “Hetze” zu verfolgen. Solches wird man deshalb in den Stellungnahmen von ernstzunehmenden, auf wissenschaftlichem Fundament stehenden Kritikern nirgends finden. Diese zielen auf die Wahrnehmung und die Rolle der Homöopathie in der Gegenwart ab.

Zum Objekt von “Hass” und “Hetze” wird die Homöopathie nur in der Wahrnehmung ihrer Verteidiger. Dies mag kognitiv sogar verständlich sein, geht es doch ganz offensichtlich nicht um eine Schicht rationaler, durch Argumente zugänglicher Wahrnehmung. Die Homöopathie sitzt bei der Mehrzahl ihrer Verteidiger “tiefer”, wird zum Teil eines Überzeugungssystems, unter Umständen zu einem Teil der Selbstwahrnehmung und damit für rationale Argumente immer unzugänglicher. Sie wäre längst dahin als Staub der Medizingeschichte, wäre das nicht so. Statt dessen legt sich der “confirmation bias” in all seinen Ausprägungen als Wächterdrachen vor die Wahrnehmung der Realität. Und dessen Stärke zu unterschätzen hieße eine große Macht zu unterschätzen.

Speziell in der Medizin hat uns der confirmation bias schon Fehlschlüsse und Irrtümer nicht marginalen Charakters wie die Vier-Säfte-Lehre und viele ihrer “Therapiemethoden” über 1.000 Jahre und mehr beschert. Es wäre daher wiederum irrational, sein Wirken bestreiten zu wollen. Jedoch: Kenne Deinen Feind! Die moderne Wissenschaft verwendet große Teile ihrer Werkzeuge und Ressourcen darauf, den confirmation bias in der Gewinnung von Erkenntnis zu entlarven und so gut wie möglich zu eliminieren. Das manifestiert sich in ihrem Anspruch auf Intersubjektivität, also der Nachvollziehbarkeit ihrer Ergebnisse unabhängig von Ort, Zeit und Person. Dieser Weg hat uns inzwischen bis zur Evidenzbasierten Medizin geführt.


Worüber also diskutieren wir eigentlich?

Homöopathie hat sich bei ihrer wissenschaftlichen Validierung als Musterbeispiel der Subjektivität entpuppt – und außerdem einer strengen intersubjektiven Prüfung auf Wirksamkeit als spezifische Methode (ihrer “zweiten Chance”) nicht standgehalten. Dies ist weitestgehender Konsens, bis zu einem validen Beweis des Gegenteils (zu dem wahrlich einiges gehören würde) der belegte Stand der Dinge und auf der Basis der vorhandenen Erkenntnis nicht mehr diskursfähig.


Dass dies vielen Laien nicht klar ist, liegt auf der Hand – beklagenswerterweise wissen sie es nicht besser (nein, ich werde nicht wieder das Klagelied des fehlenden Wissens der Allgemeinheit über Wissenschaft, was sie ist und besonders, was sie nicht ist, anstimmen). Hier ist durch Fehlinformation und durch das Bestärken falscher Haltungen bereits viel verloren, einziges Mittel ist jedoch Aufklärung und immer wieder Aufklärung. Ist es der Homöopathie gelungen, die Methode als “sanft, wirksam, nebenwirkungsfrei” in den Köpfen durch beständige Wiederholung zu verankern, ist es auch möglich, den wahren Fakten durch beständige Wiederholung Eingang in das allgemeine Bewusstsein zu verschaffen. Nach einer Sentenz von Dr. Natalie Grams muss und wird es möglich sein, dass Homöopathie und die Berufung auf sie als medizinische Methode gesellschaftlich-sozial in eine Rolle gelangt wie heute das Rauchen. Daran arbeitet die Aufklärung und darf sich darin nicht beirren lassen.


Der homöopathisch tätigen Ärzteschaft sei jedoch entgegengehalten: Es kann kein ärztliches Angebot geben, das gleichzeitig auf wissenschaftlicher Intersubjektivität und auf dem Ignorieren derselben beruht. Der Versuch, beides gleichzeitig zu praktizieren, trägt die Entwertung wissenschaftlich-rationalen Denkens in sich.

Dies bedarf der Richtigstellung durch die ärztliche Profession selbst. Es gibt Fortschritte – wie mühsam das ist, erfahren alle Landesärztekammern, die die Streichung der Homöopathie aus ihren Länderfortbildungsordnungen betreiben. Noch lange sind wir nicht so weit, dass die Ärzteschaft mit einer Stimme spricht. Dass es der studentische Nachwuchs ist, der sich klar und eindeutig positioniert, ist mehr als zu begrüßen. Es ist ein Zeichen dafür, dass die Evidenzbasierte Medizin dabei ist, beim Nachwuchs die ihr zukommende Rolle tatsächlich einzunehmen.


Aber ist nicht der Hinweis auf Wahrnehmungsfehler und daraus – bedauerlicherweise – resultierenden Inkonsistenzen des Handelns in Sachen Homöopathie allein nicht eine geradezu verharmlosende Betrachtungsweise? Muss nicht deutlich ausgesprochen werden, dass gerade (ausgerechnet) die evidenzbasierte Medizin, die ein notwendiges, irgendwann einmal hinreichendes Moment der Rationalität in die Medizin einbringen will, von der Homöopathie (und anderen Pseudomethoden) geradezu missbraucht wird?

Man möge zunächst nochmals realisieren, dass die Evidenzbasis der Homöopathie klar und so weit wie möglich belegt ist: Belastbare Belege für eine spezifische Wirkung der Methode existieren nicht, das ist das durchgängige Ergebnis der Arbeiten des höchsten Evidenzlevels, der Reviews und Metaanalysen. Es kann also erst einmal nicht so getan werden, als gebe es “Spielräume”, die auch die evidenzbasierte Medizin bei unzureichender Datenlage anerkennt und wo sie der “reinen Erfahrungsmedizin” ein gewisses Recht einräumt. Es sei klar festgestellt: In der Homöopathie gilt dies nicht. Hier ist Meinung von Wissen durch valide Evidenzprüfung hinreichend separiert. Worauf nun beruhen all diese ständigen Debatten und das Beharren auf einer invaliden, unter Umständen schädlichen Methode?

Es handelt sich dabei um eine Strategie oder, wenn mal will, um einen Mechanismus, den man im amerikanischen Sprachgebrauch “Denialism” nennt, also “Leugnung”. Er stammt aus der US-amerikanischen Bloggerszene und meint über die allgemeine Bedeutung hinaus etwas Spezielles: das systematische, wiederholte  und dauerhafte Leugnen und Bestreiten der bestehenden Evidenz zu einer wissenschaftlichen Thematik. An einer so klar definierten Eingrenzung des Problems scheint es im deutschsprachigen Raum bislang zu fehlen. Ändern wir das.

Diethelm/McKee (2009) haben im Zusammenhang mit der inzwischen weithin bekannten und geächteten Kampagne der Tabakindustrie zur wissenschaftlich verbrämten Leugnung der Schädlichkeit des Rauchens (kein Journal nimmt noch Papers an, die im Zusammenhang mit der Tabakindustrie stehen) Kriterien für ein solches “Denialism”, die systematisch betriebene Leugnung vorhandener Evidenz, definiert. Als da wären:

  • Identification of conspiracies (also die “Aufdeckung” angeblicher Verschwörungstheorien): Der wissenschaftliche Konsens sei nur ein scheinbarer, lediglich Ergebnis einer Verschwörung, bevorzugt der Pharmaindustrie, des selbstreferenzierenden wissenschaftlichen Mainstreams, bezahlter Propagandisten, auch und vor allem der skeptikerbewegungsgesteuerten Wikipedia und gar von sinistrer Einflussnahme auf Regierungen. Alltag in der Homöopathie, die Beispiele sind nahezu Legion. Wir haben dies – zweifellos in vollem Ernst – von Herrn Hevert (Hevert Arzneimittel) im Zusammenhang mit dem Abmahnungsversuch gegenüber Dr. Grams (2019) vernehmen können. Eine prominente, aber längst nicht die einzige Stimme, die Derartiges verlauten lässt. Solche Thesen erscheinen auf “Homöopathie online”, der Webseite des Zentralvereins Homöopathischer Ärzte, in gewisser Regelmäßigkeit und sind überhaupt ein ständiges Ostinato, geradezu ein Kennzeichen fast aller Verteidigungen der Homöopathie.
  • Fake Experts (also Scheinexperten): Ein breites Spektrum, das von um Selbstbestätigung bemühten Lobbyisten bis hin zu sinnfreien Testimonials reicht, wofür einfache Verwender ebenso herhalten müssen wie “Promis” (Goethe, Feldmarschall Radetzky, Gandhi, Yehudi Menuhin und neuerdings auch Chopin  stehen oben auf der Liste). Ganze Werbekampagnen der einschlägig interessierten Industrie beruhen darauf. Man schaue sich nur einmal die “Zitate zur Homöopathie” an, die die Deutsche Homöopathie Union (DHU) in jüngster Zeit zum Gegenstand einer PR-Kampagne auf Twitter gemacht hat.
  • Selectivity (also Selektivität, auch Cherry-Picking genannt): Eine “Königsdisziplin” der Homöopathie, immer wieder aufs Neue demonstriert. Die eigenen negativen Reviews werden bis auf Satzebene selektiv zitiert, vermutlich sogar, ohne dass das dies vom Zitierenden überhaupt in allen Fällen realisiert wird (Stichwort confirmation bias). Die Versuche, gegenüber der feststehenden Gesamtevidenz mit einzelnen Studien und Veröffentlichungen zu punkten, ja, aus einzelnen Reviews gar Detailergebnisse als Beleg pro Homöopathie zu exzerpieren, sind sämtlich Ausprägungen der “Selectivity”.
  • Impossible expectations (das Verlangen des Unmöglichen, ein “Überdehnen” des Wissenschaftsbegriffs): Ein prominentes Beispiel ist das – offene oder implizite – Verlangen, man möge “die Unwirksamkeit der Homöopathie beweisen”. Diese Umkehrung der Beweislast vom Behauptenden zum Zweifelnden ist ein immer wiederkehrendes Argumentationsmuster. In anderer Ausprägung wird dies als Aussage den Kritikern unterstellt und dann mit Widerlegungsversuchen ein Scheinangriff geführt. Auch die Ausdehnung des Wissenschaftsbegriffs ins Spekulative, wie es manche angeblich auf wissenschaftlichem Boden stehende Apologeten der Homöopathie einfordern, gehört hierhin, ebenso die Sentenz, man wisse noch nicht, wie Homöopathie wirke, jedoch man sehe, dass sie wirke.
  • Misrepresentation and logical fallacies (Irreführung und Trugschlüsse): Hier sammelt sich das ganze fast unüberschaubare Spektrum innerer und äußerer Inkonsistenzen der Homöopathie, die – man kann vieles davon auf diesem Blog nachlesen – nachgerade ein konstituierendes Merkmal der Methode sind: von den schon in Hahnemanns Urlehre vorhandenen Widersprüchen bis hin zum Zerfall der Lehre in eine Unzahl von sich z.T. in Kernpunkten widersprechenden “Varianten”. Auch das gesamte “Whataboutism” gegenüber der wissenschaftsbasierten Medizin und die Vorhaltungen gegen die Kritiker, sie würden sich mit deren Unzulänglichkeiten nicht befassen (eine Unwahrheit) gehören hierher. Ebenso die Uminterpretation der Homöopathiekritik zu einer vorgeblich reinen Kritik an den theoretischen Grundlagen, eine Reduzierung auf Plausibilitätskritik, was nicht den Tatsachen entspricht: primär beruht die wissenschaftliche Homöopathiekritik auf dem fehlenden Nutzennachweis nach den Kritieren der Evidenzbasierten Medizin.

Alle Kriterien des “Denialism” nach dieser Definition werden von der Homöopathie mithin erfüllt. Hier liegen die Potenziale dafür, weshalb der Denalism der Homöopathie geeignet ist, die wissenschaftlichen Prinzipien zur Annäherung an eine möglichst genaue Beschreibung der Wirklichkeit zu untergraben. Ich werde unter Bezug auf den Begriff der “Science Based Medicine” (Steven Novella) noch im Detail zu beschreiben versuchen, wie so etwas vor sich geht.

Daher ist die Verteidigung der Homöopathie auf allen Ebenen Denialsm reinsten Wassers: die Leugnung der unbezweifelhaft fehlenden Evidenz. Dies ist zwangsläufig in unterschiedlichen Graden vorwerfbar. Keine oder nur sehr geringe Vorwürfe sind den Anwendern zu machen, die außerstande sind, die Probleme der “eigenen Erfahrung” zu erkennen und einzuordnen und der Homöopathie-Lobby allzu oft auch noch als willfährige Propagandisten zunutze sind. Zur Einordnung der Vertreter der homöopathischen Szene habe ich mich bereits an anderer Stelle ausführlich geäußert. Spoiler: Auch hier zeigen sich gravierende Auswirkungen des confirmation bias, allein durch Opportunismus, den es geben mag, ist die Existenz des homöopathischen Universums wohl kaum erklärbar.

Außerhalb dieses Universums wird man etwas andere Maßstäbe anlegen müssen. Manche Vertreter von Wissenschaft und medizinischer Praxis erliegen offensichtlich teils selbst Fehlwahrnehmungen, teils einer unbegründeten Toleranz, jedenfalls allzu viele einer noch unbegründeteren Gleichgültigkeit gegenüber einer scheinbaren Marginalie wie der Homöopathie. Und noch anders sieht es in der Politik und beim Gesetzgeber aus, die sich aus offensichtlich opportunistischen Gründen dazu bewegen lassen, die Bedeutung intersubjektiver Kriterien für allgemeine Regelungen zu missachten und einer widerlegten Methode den außergewöhnlichen Kredit einer Sonderrolle im Gesundheitswesen zu erhalten.

Homöopathie mag als solche im Gesamtkontext der heutigen Probleme eine Marginalie sein. Der politische, teils der wissenschaftliche und auch der gesellschaftliche Umgang mit ihr erweitert sie aber zu einem nicht marginalen Skandalon und zu einem unübersehbaren Fanal des Umgangs mit Rationalität, Wissenschaftlichkeit und allgemeiner Bildung. Wann wird dies dazu führen, dass die (medizinische) Wissenschaft sich endlich mit klaren und an den Patienten gerichteten Worten gegen die Komplizenschaft in ihren Reihen mit pseudowissenschaftlichen Mitteln und Methoden, allen voran der Irrlehre Homöopathie, wendet? Wann vor allem wird die Politik die Bedeutung dieses Skandalons erkennen und das “Beliebtheitsargument” zugunsten von gesamtgesellschaftlicher, nicht nur gesundheitspolitischer Verantwortung verwerfen? Ich sehe hier eine lange überfällige ethische wie intellektuelle Pflichtaufgabe für alle Entscheidungsträger und Gestalter, deren Erledigung es einzufordern gilt. Hierbei könnte eine noch ausstehende Stellungnahme des “Münsteraner Kreises” zur Pseudomedizin in der ärztlichen Profession als Anstoß hilfreich sein – der MK wendet sich nach seinem Selbstverständnis ja nicht an Berufsgruppen, sondern tritt davon unabhängig gegen die Verbreitung pseudomedizinischer Methoden ein.

Subjektivismus als Folge von Opportunismus oder von scheinbar wohlfeilem Pragmatismus ist ein dünnes Eis für die Entscheidungen eines demokratischen Gemeinwesens. Kants Kategorischer Imperativ, der unausgesprochen der Leitstern aller republikanisch-demokratischen Systeme ist,  postuliert die Notwendigkeit von Rationalität und Intersubjektivität in aller Deutlichkeit.  Das Staatsziel von Kant und der Aufklärer, das „Wohlergehens möglichst vieler“ erfordert einen auf den Primat von Ratio und Intersubjektivität gestützten Abwägungs- und Entscheidungsprozess. Wir sollten uns dem verpflichtet fühlen.

Ich hege die Hoffnung, dass die während der Coronakrise – nach anfänglicher Zurückhaltung – nicht unerwartet gezeigte Hybris der Homöopathie, “zum Problem Corona beitragen zu können”, zu gegebener Zeit als zusätzlicher Augenöffner dienen wird.


Bild von pendleburyannette auf Pixabay

4 Antworten auf „Was macht die Homöopathie zum großen Problem?“

  1. Schön auf den Punkt gebracht…
    …leider ist diese differenzierte, jedoch eigentlich garnicht so komplizierte Sichtweise selbst unter meinen ärztlichen und pflegenden Kollegen (beiderlei Geschlechts) nicht immer erkannt bzw. vermittelbar… Da wird dann eben doch die Evidenz bzw. der Verzicht auf dieselbe grad so ein- bzw. ausgeschaltet wie’s grad passt und dem emotional geprägten Wunschdenken gefällt…
    Und die selbst vorsichtig geführte Diskussion kommt oft an einen Punkt an dem man dem Gegenüber (eigentlich) sagen muss (müsste): Sorry, Du hast entweder keine Ahnung wovon wir hier reden oder Du bist ein Sklave Deiner emotionalen Verstrickung…oder auch einfach doof (liegt mir dann manchmal auf der Zunge auch wenn ich weiß, daß es unsachlich, meist falsch und vor allem nicht zielführend wäre, dies zu sagen…)

    1. Die Situation ist mir völlig klar, da mache ich mir absolut keine Illusionen. Das macht weder die Diskussion auf der individuellen Ebene leicht noch die Beantwortung der Frage, wie man alledem beikommen könnte. Es muss wohl eine Kombination einer mentalen Veränderung zwischen Top-Down und Bottom-Up sein. Die Entwicklung, dass sich innerhalb eines Jahres die Zahl der Landesärztekammern, die Homöopathie aus ihren Weiterbildungsordnungen gestrichen haben (teils mit drastisch-glasklaren Begründungen), von null auf neun gestiegen sind, ist höchst bemerkenswert. Die haben praktisch alle, wie ich ja im Artikel auch angedeutet habe, auch so ihre Erfahrungen mit den Vertretern der “sanften Medizin” gemacht…
      Ich persönlich fokussiere auf den Gesetzgeber und die Player im Gesundheitssystem. Derzeit kann man sie nicht einmal zum Jagen tragen. Was für einen krassen Missgriff hat Spahn im September 2019 getan, als er die Millionen für die Homöopathie im Gesundheitssystem “so okay” fand! Ohne Zweifel ist er sich über die Implikationen seines “Machtwortes” nicht im Klaren. Aber es bleibt dabei – die Homöopathie muss ihres Schutzzaunes beraubt werden, der Binnenkonsens muss fallen. Gleiches Recht für alle, mehr nicht. Dann wäre auch das Thema der Erstattung von Homöopathie per Satzungsleistungen automatisch vom Tisch.
      Damit könnte ein Bewusstwerdungsprozess, der vielleicht irgendwann eine Bottum-up-Dynamik entwickeln könnte, irgendwann in Gang kommen. Aber es ist wirklich entsetzlich, eine emotionale und intellektuelle Zumutung zugleich, zu sehen, wie völliger Unsinn besonders geschützter Teil eines modernen Gesundheitssystems ist. Und in der Diskussion von Auge zu Auge ist es nicht weniger entsetzlich.

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