Bullshitschleuder pro Homöopathie?!?

Schon mal vom BPH gehört? Der „Bundesverband Patienten für Homöopathie e.V“. Gibts schon lange, dümpelte aber meines Wissens seit Äonen so vor sich hin, auch auf dem Webauftritt tat sich praktisch nichts.
Offenbar hat sich jemand aus der homöopathischen Szene gefunden, der sich darangemacht hat, den Laden mal wieder zu beatmen. Dabei wird mächtig auf die Tube gedrückt. Anlässlich der bayerischen Landtagswahl wurde ordentlich gelärmt für den gesetzlichen Zuckerschutz. Vor kurzem wurde mal wieder das Geraune um das Review des australischen NHMRC aufgewärmt (Einzelheiten in meinem Blog, Suchwort NHMRC), wo Herr Tournier, Chef des Homeopathy Research Institute, angebliches Insiderwissen zum „Stand der Dinge“ von sich gab, von dem in Australien nichts bekannt ist… Naja.


Nun hat die Propagandaabteilung dort einen feinen Artikel veröffentlicht, der sich mit dem Thema des öffentlichen Angebots von Bullshit in überwiegend von Steuermitteln finanzierten Volkshochschulen befasst, also möchte, dass den „alternativen Heilmethoden“ angemessener Raum in deren Angebot eingeräumt werde – speziell der Homöopathie, selbstredend. Der SPIEGEL-Titelbeitrag vom 18. August d.J. muss mal wieder herhalten als Abgrund des Geifers, speziell in der Person von Edzard Ernst. Dieser hatte es  – nicht zum ersten Mal – dort unternommen, die Verbreitung von Blödsinn (sorry, Bullshit) in Einrichtungen, die „Hochschule“ in der Bezeichnung führen, scharf zu kritisieren. Das passt den Herrschaften vom BPH ja nun gar nicht und lässt sie offenbar sofort nach den Sodbrennen-Globuli suchen (äh – ist das jetzt ein Symptom oder eine Krankheit…?). 


Was einen allerdings sprachlos zurücklässt, ist die Mitteilung im Artikel, dass der Deutsche Volkshochschulverband auf Anfrage bestätigt habe, dass er diesem Ansinnen (auch weiterhin) folgen werde. Tja, da kann ich den Ländern nur empfehlen, ihre Finanzierung der Volkshochschulen stärker an die Seriösität von deren Angeboten zu binden. Denn die Hauptfinanzierung kommt aus den Landestöpfen, der Rest aus kommunalen Mitteln und nur der kleinste Teil aus Kursgebühren. Und es gibt in den Ländern Volkshochschulgesetze, die meines Wissens nicht auf die Verbreitung von Blödsinn (aka Bullshit) zugeschnitten sind.


Der BPH „begrüßt“ dies. Klar. Aber richtig sauer macht mich mal wieder, dass die Homöopathielobby in diesem Zusammenhang auch noch davon redet, es gehe um den mündigen und informierten Patienten. Wie bitte? Seit Jahrzehnten wird die Patientenschaft mit Fehl-, Des- und Nichtinformation zur Homöopathie zugedröhnt: Sie sei hoch wirksam, der Schulmedizin womöglich überlegen, sanft, natürlich und nebenwirkungsfrei, altbewährt und ohne Chemie und was dergleichen Unsinn da noch mehr unter dem Schutz des Arzneimittelgesetzes den Leuten wie das berühmte Shakespearesche „Gift in Othellos Ohr“ eingeträufelt wird. Deshalb, ceterum censeo: Wir brauchen endlich, endliiich ein klares Statement von deutschen Institutionen des Gesundheitswesens, nach dem Beispiel des englischen NHS, der russischen Akademie der Wissenschaften, der Ärztekammern Frankreichs und Spaniens, um nur die in letzter Zeit Aufgetretenen zu nennen. Sonst wird es nicht gelingen, das völlig ungerechtfertigte Vertrauen der Bevölkerung in das Lügengespinst der Homöopathie-Propaganda wirklich aufzubrechen. Die Informationsangebote sind da und werden auch angenommen (was man ja an den hektischen Aktivitäten der Lobbyisten sieht) – aber ohne die Beseitigung des gesetzlichen Schutzschildes über der Homöopathie wird der Bürger auch weiterhin eben darauf vertrauen. Wobei ich die Gelegenheit wahrnehmen möchte, dies auch gleich der organisierten Ärzteschaft ins Stammbuch zu schreiben, die mit der weiteren Duldung von Homöopathie als ärztlicher Therapieform per Adelung durch ärztliche Zusatzbezeichnungen ihren wissenschaftlichen Anspruch täglich weiter untergräbt. Ich nehme dabei natürlich die Ärzte aus, die gar keinen wissenschaftlichen Anspruch an ihre Tätigkeit stellen, selbstverständlich.


Was soll man dazu sagen? Der BPH – letztlich nur ein weiterer Lautsprecher der Homöopathie-Lobby, der in Stellung gebracht wird, nachdem man hier und da seine Felle langsam nass werden lässt. Was erstaunt, ist die hochtrabende Selbstüberzeugung, der Tenor, der am Rande ultimativer Forderungen entlangschrammt… Nun, wer wollte es den Homöopathen übelnehmen. (Ich zum Beispiel, ist nur eine Höflichkeitsfloskel.) Allerdings kam mir doch kurz der Gedanke, dass BPH möglicherweise für Bullshitschleuder pro Homöopathie stehen könnte… aber nein, es geht ja um die Patienten. Die selbstbestimmten, informierten. Für die man sogar Mitglied im Europäischen Patientenverband pro Homöopathie ist.

Achso, ja – einen Beleg für die erhaltene Auskunft führt die BPH-Seite nicht an. Ich werde mal beim Volkshochschulverband eine kleine Anfrage starten. Nicht dass ich die Auskunft bezweifeln würde, die der BPH so stolz kolportiert. Nein, einfach so. Grundsätzlich.

Muss sein.


Zum Trost und zur Selbstbesinnung empfehle ich hier die Lektüre von Harry G. Frankfurts kleinem Bändchen „Bullshit“. Das kleine Büchlein eignet sich zum ständigen Trost für Skeptiker und kann ob seines kleinen Formates immer mit dabei sein.

Zu Harry Frankfurts „Bullshit“ möchte ich auch auf die „Kurzfassung“ auf dem – interessanten – Blog von Patrick Kirchhofer hinweisen: 
https://www.patrickkirchhofer.ch/2018/02/27/bullshit/ 

Bildnachweis: AZ QUOTES

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