Homöopathie international: Die Reviews / die Statements / die Maßnahmen

 

Teil I:         Übersicht über die veröffentlichen Reviews / Metaanalysen zur Homöopathie (seit 1991)

Teil II:        Stellungnahmen von wissenschaftlichen Organisationen und staatlichen Stellen zur Homöopathie

Teil III:       Gesundheitspolitische / staatliche Maßnahmen zur Homöopathie im Gesundheitswesen (seit 2016)

  

Stand: 9. November 2018 


I
Übersicht über die veröffentlichen Reviews / Metaanalysen zur Homöopathie

 

(1) Kleijnen (1991) „Derzeit sind die Nachweise aus klinischen Studien positiv, aber sie sind nicht ausreichend, endgültige Schlussfolgerungen zu ziehen, weil die Methodik in den meisten Studien von geringer Qualität sind und der Einfluss des „Publication bias“ unbekannt ist.“

Kleijnen J et al: Clinical trials of homeopathy, BMJ 1991; 302:316-23 [1]

__________

(2) Linde (1997) „Das Ergebnis unserer Meta-Analyse liefert keine Bestätigung für die Hypothese, die klinischen Effekte der Homöopathie bestünden alleine aus einer Placebowirkung. Wir fanden in diesen Studien jedoch nur unzureichende Nachweise dafür, dass die Homöopathie auch nur bei einem einzigen Krankheitsbild wirksam wäre.“

Linde K et al.: Are the clinical effects of homeopathy placebo effects? A metaanalysis of placebo-controlled trials, The Lancet 1997;350:834-43 [2]

__________

(3) Linde (1998) „Die Ergebnisse der vorliegenden randomisierten kontrollierten Studien deuten darauf hin, dass die Homöopathie eine über Placebo hinausgehende Wirkung aufweist. Die Nachweise sind jedoch wegen methodischer Schwächen und Widersprüchlichkeit nicht überzeugend.“

Linde K et al: Randomized controlled trials of individualized homeopathy: A state-of-the-art review, Journal of Alternative and Complementary Medicine 1998; 4(4):371-388 [3]

__________

(4) Cucherat (2000) „Es gibt ein paar wenige Nachweise dafür, dass homöopathische Therapien wirksamer sind als Placebos; die Aussagekraft dieser Nachweise ist wegen der nur geringen methodischen Qualität der Studien nur gering. Studien von höherer methodischer Qualität waren eher ungünstiger als solche mit geringer Qualität.“

Cucherat M et al.: Evidence of clinical efficacy of homeopathy, Eur. J Clin Pharmacol 2000;56:27-33 [4]

__________

(5) Shang (2005) „… es zeigten sich schwache Nachweise für einen spezifischen Effekt der homöopathischen Arzneien (…) Die Ergebnisse bestätigen den Eindruck, dass es sich bei den klinischen Effekten der Homöopathie um Placeboeffekte handelt.“

Shang A et al. Are the clinical effects of homeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homeopathy and allopathy, Lancet 2005;366:726-32 [5]

__________

(6) Mathie (2014) „Arzneien, die als Homöopathika individuell verordnet wurden, haben vielleicht einen kleinen spezifischen Effekt. (…) Die generell niedrige und unklare Qualität der Nachweise gebietet aber, diese Ergebnisse nur vorsichtig zu interpretieren.“

Mathie RT et al.: Randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis, Systematic Reviews 2014;3:142 [6]

__________

(7) NHMRC (2015) „Es gibt keine zuverlässigen Nachweise dafür, dass die Homöopathie bei der Behandlung von Gesundheitsproblemen wirkungsvoll wäre.“

National Health and Medical Research Council. 2015. NHMRC Information Paper: Evidence on the effectiveness of homeopathy for treating health conditions. Canberra: NHMRC;2015 [7]

__________

(8) Mathie (2017) „Die Qualität der Nachweise als Ganzes ist gering. Eine Meta-Analyse aller ermittelbaren Daten führt zu einer Ablehnung unserer Nullhypothese [dass das Ergebnis einer Behandlung mit nicht-individuell verordneten Homöopathika nicht von Placebo unterscheidbar ist], aber eine Analyse der kleinen Gruppe der zuverlässigen Nachweise stützt diese Ablehnung nicht. Meta-Analysen für einzelne Krankheitsbilder ergeben keine zuverlässigen Nachweise, was klare Schlussfolgerungen verhindert.“

Mathie RT et al.: Randomised, double blind, placebo-controlled trials of nonindividualised homeopathic treatment: Systematic review and meta-analysis, Systematic Reviews 2017;6:663 [8]

__________

(9) Mathie (2018) „“Aufgrund der geringen Qualität, der geringen Anzahl und der Heterogenität der Studien lassen die aktuellen Daten einen entscheidenden Rückschluss auf die Wirksamkeit von IHT (individualisierten homöopathischen Therapien) nicht zu. Die Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse wird durch die insgesamt identifizierte variable externe Validität eingeschränkt […]. Künftige OTP-kontrollierte Studien (Anm: other than placebo, also gegen Standardtherapien oder ganz ohne Behandlung getestet) in der Homöopathie sollten so weit wie möglich darauf abzielen, sowohl die interne Validität als auch die externe Validität zu fördern.“

Mathie RT et al.: Systematic Review and Meta-Analysis of Randomised, Other-than-Placebo Controlled, Trials of Individualised Homeopathic Treatment. Homeopathy 2018; DOI: 10.1055/s-0038-1667129 [44]

__________

Reviews / Metaanalysen stellen die zuverlässigste Quelle für die Beurteilung von Evidenz dar. Sie fassen Einzelstudien bzw. vorherige Analysen unter Berücksichtigung der Qualität und Validität ihrer Ergebnisse zusammen und ermöglichen so eine Gesamtschau auf die Evidenzlage zu medizinischen Methoden / Mitteln.

Die Ergebnisse der Reviews zur Homöopathie ergeben durchweg ein einheitliches Fazit: Man erhält auf den ersten Blick den Eindruck, dass es einen gewissen Nutzen geben könnte. Aber bei Einbeziehung der Qualität der Aussagen in die Betrachtung oder bei dem Versuch, konkret festzustellen, für wen sich unter welchen Bedingungen sich ein Nutzen ergibt, verschwindet der positive Eindruck und zeigt sich als Trugschluss. Zusammengefasst: Es gibt keinen belastbaren Nachweis dafür, dass Homöopathie stärker wirkt als Placebo. Alle zitierten Arbeiten kommen zu dem gleichen Schluss, sowohl die von Homöopathenseite heftig kritisierten Arbeiten von Shang und dem NHMRC als auch die Arbeiten Mathies, der -soweit bekannt- für das Homeopathy Research Institute arbeitet, das zu den ständigen Kritikern der nicht von Homöopathen erstellten Reviews gehört. Die vielfach euphemistisch-ausweichend formulierten „Conclusions“ dürfen über die nirgends belegte Evidenz für die Homöopathie nicht hinwegtäuschen.


II
Stellungnahmen von wissenschaftlichen Organisationen und staatlichen Stellen zur Homöopathie

Nach oben

Dieses Memorandum stellt fest, dass die wissenschaftliche Gemeinschaft Homöopathie heute als Pseudowissenschaft betrachtet. Ihre Verwendung in der Medizin steht im Gegensatz zu den grundlegenden Zielen der nationalen Gesundheitspolitik […].
Somit basiert die Homöopathie auf theoretischen Positionen, die in großen Teilen direkt grundlegenden wissenschaftlichen Prinzipien und Gesetzen der Physik, Chemie, Biologie und Medizin widersprechen. Keinerlei empirische Daten aus unabhängigen, hochqualitativen klinischen Studien bestätigen die klinische Wirksamkeit von homöopathischen Mitteln.

Russische Akademie der Wissenschaften, 2017 [9] [10]

__________

 Die Homöopathie sollte nicht zur Behandlung chronischer, ernster oder schwerwiegender Gesundheitszustände eingesetzt werden. Menschen, die sich für die Homöopathie entscheiden, können ihre Gesundheit gefährden, wenn sie Behandlungen ablehnen oder verzögern, für die es gute Beweise für Sicherheit und Wirksamkeit gibt.

National Health and Medical Research Council, Australien, 2015[11]

__________

Homöopathische Mittel erfüllen nicht die Kriterien der evidenzbasierten Medizin.

Ungarische Akademie der Wissenschaften [12]

__________

Die Aufnahme anthroposophischer und homöopathischer Produkte in die schwedische Arzneimittelrichtlinie würde mehreren Grundprinzipien für Arzneimittel und evidenzbasierte Medizin zuwiderlaufen.

Schwedische Akademie der Wissenschaften [13]

__________

Wir empfehlen Eltern und Betreuungspersonen, Kindern keine homöopathischen Kinderzahntabletten und -gele zu geben und sich von ihrem Arzt beraten zu lassen, um sichere Alternativen zu finden.

US Food and Drug Administration (FDA) [14]

__________

Es gibt kaum Belege dafür, dass die Homöopathie eine wirksame Behandlung für eine bestimmte Erkrankung ist.

NCCIH (Nationales Zentrum für komplementäre und integrative Gesundheit), USA [15]

__________

„Es gibt keine wissenschaftliche Evidenz dafür, dass das Produkt wirkt
Die Erklärungen zum Produkt basieren ausschließlich auf den Theorien der Homöopathie aus dem 18. Jahrhundert, die von der Mehrzahl der heutigen medizinischen Fachleute nicht akzeptiert werden.“

Von der US-amerikanischen Verbraucherschutzbehörde FTC geforderte Standardkennzeichnung homöopathischer Mittel, 2016 [16]

__________

Homöopathische Mittel sind nicht besser als Placebos, und die Prinzipien, auf denen die Homöopathie beruht, sind wissenschaftlich nicht plausibel.
Schlussfolgerung: Homöopathie sollte nicht vom National Health Service unterstützt werden und die MHRA (Arzneimittel-Zulassungsbehörde) sollte die Lizensierung homöopathischer Produkte beenden.

The House of Commons, Science and Technology Committee, 2009 [17]

__________

Es gibt keine qualitativ hochwertigen Beweise dafür, dass die Homöopathie als Behandlung für irgendeine medizinische Indikation wirksam ist. Homöopathie ist im besten Falle Placebo.

National Health Service, Vereinigtes Königreich [18]

__________

Die Royal Pharmaceutical Society (RPS) unterstützt die Homöopathie als Behandlungsform nicht, da es weder eine wissenschaftliche Grundlage für die Homöopathie noch Belege für eine klinische Wirksamkeit homöopathischer Produkte über den Placebo-Effekt hinaus gibt.

Die RPS unterstützt keine Verschreibung homöopathischer Produkte im Rahmen des NHS (inzwischen erledigt mit der Übernahme der NHS-Empfehlungen zur Homöopathie durch sämtliche englischen Regionalorganisationen).

Apotheker sollten sicherstellen, dass Patienten die Einnahme ihrer verschriebenen konventionellen Medikamente nicht einstellen, wenn sie ein homöopathisches Produkt einnehmen oder dies in Erwägung ziehen.

Apotheker müssen sich darüber im Klaren sein, dass Patienten, die nach homöopathischen Produkten fragen, schwere, nicht diagnostizierte Krankheiten haben können, die die Inanspruchnahme eines Arztes erfordern.

Apotheker müssen Patienten, die ein homöopathisches Produkt in Betracht ziehen, über dessen mangelnde Wirksamkeit über Placeboeffekte hinaus beraten.

Royal Pharmaceutical Society, Großbritannien, 2017

__________

Die Homöopathie hat ihre Wirksamkeit in keiner bestimmten Indikation oder klinischen Situation endgültig bewiesen.

Ministerium für Gesundheit, Spanien [19]

__________

Es gibt eine stetige Zunahme an Beweisen und die Überzeugung der wissenschaftlichen Gemeinschaft in der Medizin, dass die Homöopathie als eine der unwissenschaftlichen Methoden der so genannten „alternativen Medizin“ behandelt werden sollte, die wertlose Produkte ohne wissenschaftlich nachgewiesene Wirksamkeit anbietet.

Nationale Ärztekammer, Polen [20] [21]

__________

Aus rein klinischer Sicht bleibt festzuhalten, dass es keinen gültigen empirischen Nachweis für die Wirksamkeit der Homöopathie (evidenzbasierte Medizin) über den Placeboeffekt hinaus gibt.

Federaal Kenniscentrum voor de Gezondheidszorg, Belgien [22] [23]

__________

Wir erkennen an, dass ein Placebo-Effekt bei einzelnen Patienten auftreten kann, aber wir stimmen mit früheren umfangreichen Evaluierungen überein, die zu dem Schluss kommen, dass es keine bekannten Krankheiten gibt, für die robuste, reproduzierbare Beweise existieren, dass Homöopathie über den Placebo-Effekt hinaus wirksam ist.

European Academies Science Advisiory Council (EASAC) [24]

__________

Homöopathie ist eine Methode, die vor zwei Jahrhunderten auf der Grundlage von a-priori-Konzepten ohne wissenschaftliche Grundlagen entwickelt wurde.

Akademie der medizinischen Wissenschaften, Frankreich [25]

__________

Ohne die Freiheit kritischer oder divergierender Meinungen jedes Einzelnen im öffentlichen Raum in Frage zu stellen, fordert der Nationalrat der Ärztekammer:

– dass der Begriff „Medizin“ als Voraussetzung für jedes therapeutische Vorgehen als erstes einen medizinischen Prozess der klinischen Diagnose beinhaltet, der gegebenenfalls durch zusätzliche Untersuchungen unter Hinzuziehung kompetenter Dritter ergänzt wird;

– dass jeder Arzt Medizin nach wissenschaftlich gewonnenen Erkenntnissen und Daten sowohl bei der Erstellung der Diagnose als auch beim Therapievorschlag praktizieren muss.

Nationaler Rat der französischen Ärztekammern
zur Homöopathie-Debatte 2018 in Frankreich
[26]

__________

ÜBER HOMÖOPATHISCHE PRODUKTE

[Die Ärztekammer …] sieht es insofern als unethisch an, dass Methoden, aber auch Verschreibungen von Arzneimitteln als wirksame Therapien dargestellt und vorgeschlagen werden, bei denen wissenschaftliche Grundlagen fehlen, denen illusionäre Vorstellungen zugrunde liegen oder die sich praktisch unzureichend bewährt haben.

Aus diesen Gründen wird die Verantwortung des Arztes öffentlich eingefordert und an seine Pflichten gegenüber dem Patienten und dem Berufsstand gegenüber erinnert.

Zentrale Ärztekammer der Region Madrid (ICOMEM) [27]


III
Gesundheitspolitische / staatliche Maßnahmen
zur Homöopathie im Gesundheitswesen

Nach oben

2016: USA – Federal Trade Commission (US-Verbraucherschutzbehörde)

Die FTC fordert in einem „Enforcement Policy Statement on Marketing Claims for OTC Homeopathic Drugs“ [28] vor dem Hintergrund, dass ein Vertrieb als Arzneimittel ohne Evidenznachweise nicht hingenommen werden könne, eindeutige Kennzeichnungen von homöopathischen Präparaten:

„Diese Irreführung der Kunden (Verkauf als Arzneimittel ohne wissenschaftlichen Wirkungsnachweis) könne dadurch beseitigt werden, dass die Hersteller in ihren Begleitmaterialien („marketing materials“) angeben, dass es

  1. keine wissenschaftlichen Belege dafür gäbe, dass das Produkt wirkt und dass sich
  2. die Angaben lediglich auf die Theorien der Homöopathie, die aus dem 18. Jahrhundert datieren, abstützen, die von den meisten modernen medizinischen Fachleuten nicht akzeptiert werden.“ [29]

__________

2017: Russische Föderation, Russische Akademie der Wissenschaften / Gesundheitsministerium

Die Russische Akademie der Wissenschaften hat 2017 die Homöopathie als Pseudomedizin eingestuft und erklärt, dass künftige Erkenntnisse, die dies revidieren könnten, nicht zu erwarten sei. [30] [31] Die Homöopathie soll aus allen Ebenen des öffentlichen Gesundheitswesens entfernt werden. Als Maßnahmen wurden dem Gesundheitsministerium zur Umsetzung u.a. vorgeschlagen:

[…] Die postgraduale Ausbildung zukünftiger Ärztinnen und Ärzte hat darauf abzuzielen, diese mit den Grundannahmen pseudowissenschaftlicher Methoden – einschließlich Homöopathie – und der Kritik daran, die zur Einstufung als Pseudowissenschaft führt, vertraut zu machen.

Versicherungen haben sich an die gängige Praxis zu halten, die keine Leistungserbringung für Homöopathie vorsieht.

Kein gleichberechtigter Apothekenverkauf von Arzneimitteln und homöopathischen Präparaten. Homöopathische Medikamente sollten in einer separaten Vitrine vorgehalten werden.

Keine Beratung von Patienten mehr zu homöopathischen Mitteln. Pflichtberatung in Apotheken bei Patienten, die homöopathische Mittel verlangen, dahingehend, dass die Homöopathie nach wissenschaftlichen Kriterien keinen Wirkungsnachweis erbringen konnte.

Verpflichtung der Ärzte zur Information von Patienten über die Wirkungslosigkeit der Homöopathie und ihre Einstufung als Pseudomedizin. Keine Zusammenarbeit mit Organisationen, die weiterhin Homöopathie fördern und verbreiten. Eine Verschreibung homöopathischer Mittel ist als unethisch anzusehen, und zwar auch dann, wenn nur der Placebo-Effekt erreicht werden soll. […]

__________

2017: Australien, Gesundheitsministerium und Verband der Versicherungsanbieter / Pharmaceutical Society of Australia)

Homöopathie wurde bislang nur innerhalb von privaten Zusatzmodulen zur gesetzlichen Krankenversicherung angeboten. Das australische Gesundheitsministerium und die Versicherungsträger haben sich 2017 darauf geeinigt, Homöopathie-Erstattungen (neben anderen Methoden ohne Wirkungsnachweis) auch im Bereich der privaten Zusatzversicherung nicht mehr zuzulassen. [32] [33] Damit wurde einer Empfehlung des Royal Australian College of General Practitioners (der Allgemeinärzteorganisation Australiens) [34] als Konsequenz aus dem NHMRC-Review von 2015 gefolgt.

Gesundheitsministerium und Apothekerverband haben als Fazit einer gemeinsamen Begutachtung erklärt, dass „diese Produkte (Homöopathika) keine Evidenzbasis hätten und ausreichende Beweise für ihre Nichtwirksamkeit bestünden, um aus ethischen Gründen ihren Verkauf in öffentlichen Apotheken auszuschließen. Die Pharmaceutical Society of Australia und andere Berufsvereinigungen haben ergänzend erklärt, dass sie den Verkauf und das Vorhalten von Homöopathika in öffentlichen Apotheken nicht unterstützen. [35] [36] [37]

__________

2017: Vereinigtes Königreich, National Health Service

Der National Health Service (NHS), der Träger des Gesundheitssystems in Großbritannien, hat die Verschreibungsfähigkeit von Homöopathika (und 17 weiteren Mitteln, durchweg pflanzliche Remedia) beendet. Die Regionalorganisationen des NHS erhielten entsprechende „Blacklists“. Der Schritt erfolgte wegen „geringer klinischer Wirksamkeit“ und/oder „geringer Kosteneffizienz“. Speziell die Homöopathie sei „im besten Fall Placebo. [38]

Der NHS folgt damit einer bereits aus dem Jahre 2009 stammenden Empfehlung des Science and Technology Committee des House of Commons: „Homeopathy should not be funded on the NHS and the MHRA should stop licensing homeopathic products… We conclude that the Government’s policies on the provision of homeopathy through the NHS and licensing of homeopathic products are not evidence-based“). [39]

Das frühere Royal Homeopathic Hospital (jetzt Royal Hospital for Integrative Medicine) hat die Abgabe von Homöopathika bei durch den NHS finanzierten Therapien inzwischen eingestellt, auf Betreiben der zuständigen NHS-Regionalagentur Camden.

__________

2017: Spanisches Gesundheitsministerium

Die spanische Gesundheitsministerin hat den Regionen per Erlass die Erstattung von Homöopathie im Krankenversicherungssystem ausdrücklich untersagt und wiederholte Verstöße der Regionen gegen die entsprechende bisherige Weisung gerügt. [40] Noch bestehende Genehmigungen für Homöopathika-Erstattungen in der Region Valencia (nach dem sog. Königl. Dekret 1/2015 [41]) wurden zurückgezogen.

__________

2017: Food and Drug Administration, USA

Die Food and Drug Administration (FDA), die US-amerikanische Arzneimittelbehörde, hat in einer Pressemitteilung vom 18.12.2017 [42] erstmals Regulationsvorschriften für den Vertrieb und Verkauf von Arzneimitteln ohne Wirkungsnachweis, insbesondere der Homöopathie [43], angekündigt. Sie erkennt damit ausdrücklich die Risiken an, die damit verbunden sind, dass Patienten Mitteln ohne Wirkungsnachweis auch bei schwereren Erkrankungen vertrauen könnten. Aus der Pressemitteilung:

„Bis vor relativ kurzer Zeit war die Homöopathie ein kleiner Markt für Spezialprodukte. Im Laufe des letzten Jahrzehnts ist der Markt für homöopathische Arzneimittel exponentiell gewachsen. Dies hat eine Industrie mit einem Volumen von fast 3 Milliarden US-Dollar hervorgebracht, was entsprechend mehr Patienten den potenziellen Risiken aussetzt, die mit der Verbreitung von unbelegten, nicht getesteten Produkten und unbegründeten gesundheitsbezogenen Angaben verbunden sind. […]

Der Leitlinienentwurf ist ein wichtiger Schritt in der Arbeit der Agentur zum Schutz der Patienten vor unbewiesenen und potenziell gefährlichen Produkten. […]“

__________

2017: Schweiz – Einführung der Erstattungsfähigkeit von Homöopathie als „politischer Kompromiss“ ohne Wirksamkeitsnachweis

Die Situation in der Schweiz stellt einen Sonderfall dar. Derzeit ist die allgemeine Krankenversicherung ermächtigt, Kostenerstattungen für fünf „komplementärmedizinische Methoden“ (darunter die Homöopathie) zu leisten. Dies geschieht jedoch nicht aufgrund von Evidenznachweisen.

Parallel zu einer ersten „probeweisen“ Einführung der Kostenerstattung für fünf „komplementäre“ Methoden (darunter Homöopathie) wurde 1999  in der Schweiz ein Programm zur Evaluation gestartet, von dem die zukünftige Handhabung abhängen sollte (PEK – Programm Evaluierung Komplementärmedizin). Bezüglich der Homöopathie führte dieses Programm zu der unter I.5 gelisteten Studie Shang et al. Diese erbrachte (ebenfalls) keinen belastbaren Wirkungsnachweis für die Homöopathie (sie verursachte jahrelang massive Kontroversen in der Fachwelt, ist bis heute noch Gegenstand von Diskussionen, die Richtigkeit der Gesamtaussage konnte jedoch niemals erschüttert werden). Daraufhin wurde die Erstattungsfähigkeit der fünf Verfahren – einschließlich der Homöopathie – in der Schweiz wieder beendet.

Per Volksentscheid „Für den Erhalt von Komplementärmedizin“ wurde dessen ungeachtet erreicht, die Komplementärmedizin als Teil der Gesundheitsfürsorge in der schweizerischen Verfassung zu verankern. Die Umsetzung dieser Entscheidung nahm erhebliche Zeit in Anspruch und endete in einem politischen „Kompromiss“: In einem „Vertrauensbonus“ für die Komplementärmedizin. Ungeachtet der nach wie vor nicht belegten Evidenz der Wirksamkeit werden seit dem 01.07.2017 pauschal die in Rede stehenden fünf Therapien in den Leistungskatalog aufgenommen und erst dann, wenn Ärzte- oder Patientenorganisationen einen Antrag auf Überprüfung stellen, sollen diese im Einzelfall „auf ihren therapeutischen Nutzen“ untersucht werden.

Die derzeit bestehende Kostenerstattungsfähigkeit für Homöopathie im Schweizer Gesundheitssystem ist also keineswegs ein Beleg für eine anerkannte Evidenz der Methode, wie oft und gern behauptet wird. Die derzeitige Situation in der Schweiz ist mit den Ergebnissen der eigenen Evaluation (Arbeit Shang et al.) unvereinbar.

Die Neue Zürcher Zeitung hat zu den wiederholten Versuchen deutscher Homöopathie-Organisationen, das „Schweizer Modell“ als Beleg pro Homöopathie darzustellen, einen umfassenden klarstellenden Artikel veröffentlicht: https://www.nzz.ch/schweiz/homoeopathie-schweiz-als-eldorado-fuer-globuli-fans-ld.1387741

__________

2018: Spanisches Gesundheitsministerium

Die spanische Gesundheitsministerin hat sich im Interview mit La Vanguardia  [45], klar zur Homöopathie als Pseudowissenschaft positioniert:

„Die Homöopathie ist eine „alternative Therapie“, die wissenschaftlich nicht belegt ist.

Gesundheitseinrichtungen haben die Pflicht, Produkte mit nachgewiesener Wirkung zu verwenden, d.h. Medikamente, die strengen klinischen Studien und Kriterien unterzogen wurden. Wenn homöopathische Arzneimittel wissenschaftliche Nachweise erbringen, werden sie als solche angesehen. Das ist nicht mehr der Fall.

Wir arbeiten mit dem Wissenschaftsministerium an einer Strategie zur Bekämpfung der Pseudowissenschaften. Sobald diese Strategie vorliegt, werden wir Maßnahmen zu einzelnen Methoden / Mitteln vorlegen, aber es ist klar, dass es vordringlich ist, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und aufzuzeigen, welche Produkte für die Gesundheit nützlich sind und welche nicht, und den Schaden zu erklären, den die Entscheidung für eine alternative Therapie anrichten kann.“

__________

Nach oben


[1] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1825800

[2] http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(97)02293-9/abstract

[3] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9884175

[4] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK68085/

[5] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16125589

[6] https://systematicreviewsjournal.biomedcentral.com/articles/10.1186/2046-4053-3-142

[7] https://nhmrc.gov.au/about-us/publications/evidence-effectiveness-homeopathy-treating-health-conditions (Alle Materialien zum Download)

https://nhmrc.gov.au/file/3151/download?token=k5i905u3 (Das Statement des NHMRC)

[8] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28340607

[9] http://klnran.ru/2017/02/memorandum02-homeopathy/

[10] https://www.netzwerk-homoeopathie.eu/standpunkte/194-homoepathie-ist-pseudowissenschaft-nun-offiziell-in-russland-uebersetzung-des-memorandums-und-der-pressemitteilung

[11] https://www.nhmrc.gov.au/guidelines-publications/cam02

[12] http://www.ecso.org/has_on_homeopathy/

[13] http://www.kva.se/en/nyheter/remissvar-om-homeopatiska-lakemedel

[14] https://www.fda.gov/downloads/drugs/newsevents/ucm443490.pdf

[15] https://nccih.nih.gov/sites/nccam.nih.gov/files/Homeopathy_08-03-2015.pdf

[16] https://www.ftc.gov/news-events/press-releases/2016/11/ftc-issues-enforcement-policy-statement-regarding-marketing

[17] https://publications.parliament.uk/pa/cm200910/cmselect/cmsctech/45/45.pdf

[18] https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2017/jul/21/a-misuse-of-scarce-funds-nhs-to-end-prescription-of-homeopathic-remedies

[19] https://www.rtnnewspaper.com/2017/08/no-more-homeopathy-on-the-spanish-nhs/

[20] http://awe.mol.uj.edu.pl/~jjb/izba.pdf

[21] http://www.nil.org.pl/__data/assets/pdf_file/0003/3936/rs0002-09-V.pdf

[22] https://skepp.be/nl/gezondheid/alternatieve-behandelingen/homeopathie-geen-bewijs-dat-het-werkt-en-toch-veel-gebruikt

[23] https://kce.fgov.be/sites/default/files/atoms/files/kce_154a_homeopathie_in_belgië_0.pdf (englischsprachiger Teil)

[24] http://www.easac.eu/fileadmin/PDF_s/reports_statements/EASAC_Homepathy_statement_web_final.pdf

[25] https://www.lemonde.fr/acces-restreint/sciences/article/2018/05/21/31b1324abb7a17267d6f099db0c2ba10_5302408_1650684.html

[26] https://www.conseil-national.medecin.fr/node/2836

[27] https://www.icomem.es/adjuntos/adjunto_1857.1529657489.pdf

[28] https://www.ftc.gov/system/files/documents/public_statements/996984/p114505_otc_homeopathic_drug_enforcement_policy_statement.pdf

[29] https://www.ftc.gov/news-events/press-releases/2016/11/ftc-issues-enforcement-policy-statement-regarding-marketing

[30] http://klnran.ru/2017/02/memorandum02-homeopathy/

[31] https://www.netzwerk-homoeopathie.eu/standpunkte/194-homoepathie-ist-pseudowissenschaft-nun-offiziell-in-russland-uebersetzung-des-memorandums-und-der-pressemitteilung

[32]http://www.health.gov.au/internet/main/publishing.nsf/Content/0E9129B3574FCA53CA257BF0001ACD11/$File/Natural%20Therapies%20Overview%20Report%20Final%20with%20copyright%2011%20March.pdf

[33] https://ajp.com.au/news/homeopathy-naturopathy-struck-off-private-insurance-list/

[34] https://www.racgp.org.au/download/Documents/Policies/Health%20systems/PPI-PositionStatement-Homeopathy-v1.pdf

[35] https://www.theguardian.com/australia-news/2017/jun/27/homeopathic-products-should-not-be-sold-in-pharmacies-review

[36] https://www.skeptics.com.au/2017/06/23/ban-homeopathy-in-pharmacies-says-industry-review/

[37]http://www.health.gov.au/internet/main/publishing.nsf/content/7E5846EB2D7BA299CA257F5C007C0E21/$File/interim-report-final.pdf – S. 67 f.

[38] https://goodthinkingsociety.org/nhs-england-calls-for-homeopathy-to-be-blacklisted-enfield-ccg-ends-homeopathy-funding/

[39] https://publications.parliament.uk/pa/cm200910/cmselect/cmsctech/45/45.pdf

[40] https://www.rtnnewspaper.com/2017/08/no-more-homeopathy-on-the-spanish-nhs/

[41] http://www.uria.com/de/abogados/BCO?iniciales=BCO&seccion=publicaciones&id=1714&pub=Colaboraciones

[42] https://www.fda.gov/NewsEvents/Newsroom/PressAnnouncements/UCM589243.htm

[43] https://www.fda.gov/downloads/Drugs/GuidanceComplianceRegulatoryInformation/Guidances/UCM589373.pdf

[44] https://www.thieme-connect.com/DOI/DOI?10.1055/s-0038-1667129

[45] https://www.lavanguardia.com/vida/20181028/452583308729/carcedo-sanidad-entrevista-pseudociencia-homeopatia-.html

9 thoughts on “Homöopathie international: Die Reviews / die Statements / die Maßnahmen”

  1. Vielen Dank für die Zusammenstellung. Ich werde mir auf alle ein Lesezeichen setzen, damit ich die Info bei kommenden Diskussionen schnell zur Hand habe.

    Und jetzt die Ironie: Diese Fakten werden die Homöopathiegläubigen natürlich nicht erschüttern. Um es in die Worte eines bekannten Zitats zu kleiden, das vermutlich nie so gefallen ist: „Und sie [die Homöopathie] wirkt doch!“ 🙂

  2. Aber, aber, Herr Endruscheit, im Geburtsland des Hahnemännchens, wo sogar gewisse politische Parteien (praktisch alle) sich zum „Wer-heult-hat-recht-Prinzip“ bekennen, auf daß kein einziger Wähler zur Konkurrenz wandere, in dieser Demokratie in Reinform, werden solch bösen Dinge, wie sie in den Monarchien Schweden, Spanien, Belgien, UK und Australien, dem Ersatzkaisertum Frankreich, den Autokratien USA, Polen, Ungarn und Rußland doch gewiß nicht passieren!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Zustimmung ist datenschutzrechtlich erforderlich.

Ich stimme zu.