Hightech-Medizin und homöopathische Sandkastenspiele

Ausdrücklich einmal eine Lanze für die „moderne, seelenlose Medizin“!

Ein Team um den Mitbegründer der Immuntherapie bei Krebs, Steven Rosenberg, hat einen großen Durchbruch bei Tumorerkrankungen erzielt, die bislang nicht gut durch Immuntherapie erreicht werden könnten. Dabei entnimmt man im Tumor bereits aktiv „arbeitende“ T-Lymphozyten und vermehrt sie in der Annahme, dass es Sinn macht, eine größere Menge dieser bereits auf den Tumor „trainierten“ T-Zellen wieder per Infusion zuzuführen.

In Nature ist ein Abstract zu einem Forschungsbericht erschienen, der eine ungewöhnlich dauerhafte Remission (Rückbildung) eines schon metastasierten Mammakarzinoms unter einer solchen Therapie beschreibt: „Die vollständige dauerhafte Regression von metastasierendem Brustkrebs, die nun seit >22 Monaten andauert, stellt einen neuen immuntherapeutischen Ansatz für die Behandlung dieser Patienten dar.“ Was für ein Understatement…
 
Irre. Wisst ihr, was das ist? Das ist großartig. Das ist Wissenschaft. Das ist eine gute Idee, ausgearbeitet und klinisch umgesetzt mit Können und Fleiß von einem Team, das eine Unmenge von Wissen bündelt und bei dem jede und jeder seinen Teil beiträgt. Wieviel schon vorhandenes, von anderen Wissenschaftlern zusammengetragenes Wissen ist in die praktische Umsetzung in Labor und Klinik eingeflossen! Ein weiterer Schritt nach vorn in das Land der Erkenntnis. Wissenschaft ist Neugier, Wissenschaft ist Unzufriedenheit mit dem Gegebenen!
 

Und die Homöopathen?

Haben von all diesen Dingen keinen Schimmer, halten sich aber als einzelne Therapeuten für nahezu allwissend, kompetent und erfahren, weil sie seit 30 Jahren und mehr beruflich Selbsttäuschung betreiben.
Wollen auch gar nichts von der „Schulmedizin“ wissen, vielfach erklärtermaßen. Denn sie verfügen ja über die „bessere“ Medizin:

 

  • Sie vertreten eine über 200 Jahre alte Lehre, die „Verstimmungen der geistigen Lebenskraft“ behandeln will.
  • Mit „geistigen Arzneikräften“, die in allen möglichen und unmöglichen Substanzen enthalten sein sollen. Man muss sie nur verdünnen und schütteln!
  • Dosierung? Ähja… mehr so persönliche Erfahrung…
  • Krankheit? Nee, Symptombild! Einschließlich des Zustands von „Geist und Gemüt“. Was sie dann als „ganzheitliche Methode“ ausgeben.
  • Wissenschaft! Ja klar, aber erst wenn sie nach ihren Regeln mitspielen dürfen!
  • Forschung? Im Prinzip wissen sie ja alles, Forschung gibts nur, um dieses Wissen endlich mal bestätigt zu bekommen.
  • Fortschritt? Welcher Fortschritt? Das Tolle an ihrer Lehre ist doch, dass sie „alt“ ist!
  • Anamnese und Repertorisierung zu mühsam? „Diagnose“ nach Konstitutionstyp!
  • Wirkt nicht? Ähja – Erstverschlimmerung. Immer noch nicht? Jaaa… dauert eben. IMMER NOCH NICHT? Irgendwas hat der Patient falsch gemacht, man kann ja nicht 24 Stunden auf ihn aufpassen…
  • Dem Patienten gehts richtig dreckig? Ab zur „Schulmedizin“ – wahrscheinlich hilft die Homöopathie eh deshalb nicht, weil der Patient schon vorher „schulmedizinisch verdorben“ war. (Diese Variante wird als besondere Qualifikation von Homöopathen verkauft: Als „Patientensicherheit“.)
Kann umfangreich fortgesetzt werden.

Merkt ihr was?

Das ist nicht nur lächerlich, das ist albern. Die Homöopathie steht zur modernen Medizin im gleichen Verhältnis wie das Förmchenbacken im Sandkasten zum Bau eines modernen Kraftwerks. Was eher untertrieben ist.
Das Vorhandensein der Homöopathie im Gesundheitswesen ist nicht nur eine medizinethische, sondern auch eine intellektuelle Zumutung.

 


Bildnachweis: Pixabay / Creative Commons Lizenz CC0

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