Ärzte und Homöopathie – eine Reputation?

Schön wärs… aber immerhin.

Ein viel gebrauchtes Argument der homöopathischen Fraktion ist, dass die Methode ja von approbierten Ärzten auch in nicht unerheblichem Umfang angewendet werde. Woraus man bitte doch auf die Seriosität der Homöopathie schließen möge, denn die Ärzte als akademisch-wissenschaftlich ausgebildete Fachleute würden das doch niemals tun, wenn sie nicht zutiefst von ihrer Richtigkeit und Evidenz überzeugt wären.

Gewisse Zweifel an dieser Konklusion hatte ich ja schon immer. Insofern fand ich es interessant, dass bei der Studiendatenbank PubMed eine Publikation eingestellt wurde, die sich genau mit diesem Thema befasst: „Beliefs, endorsement and application of homeopathy disclosed: a survey among ambulatory care physicians“, also „Glaube, Befürwortung und Anwendung der Homöopathie: Eine Umfrage unter Ärzten im ambulanten Bereich“.

Und was steht da so drin?

Befragt wurden alle Ärzte, die im Jahr 2015 im Schweizer Kanton Zürich ambulant tätig waren (n = 4072). Es ging um folgende Fragestellungen:

  • Zusammenhang der Verordnung von Homöopathie mit medizinischen Fachgebieten;
  • Welche Absichten mit den Verordnungen verfolgt wurden;
  • Inwieweit ergaben sich Übereinstimmungen mit bestimmten Einstellungen;
  • Ansichten zur Homöopathie einschließlich Erklärungsmodelle,
  • Bewertung der Evidenzbasis der Homöopathie;
  • Annahme der Eignung von Homöopathie bei bestimmten Indikationen,
  • Erstattungsfähigkeit der homöopathischen Behandlung durch die gesetzlichen Krankenkassen?

Die Teilnahmequote betrug 38%, das Durchschnittsalter 54 Jahre. 61 % der Befragten waren männlich. Bei 40 % handelte es sich um internistische Allgemeinärzte.

23% der Befragten verordneten Homöopathie mindestens einmal jährlich. Schwerpunktmäßig waren an medizinischen Fachgebieten besonders an den Verschreibungen die Bereiche Allgemeinmedizin (keine Spezialisierung), Pädiatrie und Gynäkologie/Geburtshilfe beteiligt.

Von den Verordnungen waren nur 50 % eindeutig dazu bestimmt, spezifische homöopathische Wirkungen hervorzurufen, nur 27 % der Verschreibenden hielten sich strikt an die homöopathische Verschreibungslehre (was ist das?) und nur 23 % glaubten, dass es wissenschaftliche Beweise für eine Wirksamkeit der Homöopathie gibt. Die Sicht auf die Homöopathie als Placebo-Methode fand die stärkste Zustimmung unter den Verordnern (!) und auch den Nichtanwendern (63% bzw. 74% Zustimmung). Eine Erstattung homöopathischer Heilmittel durch die gesetzliche Krankenversicherung wurde von 61% aller Befragten abgelehnt (was immerhin im Hinblick auf die momentane Gesetzeslage in der Schweiz bemerkenswert ist).

Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass medizinische Fachgebiete die Homöopathie mit deutlich unterschiedlicher Häufigkeit anwenden und nur die Hälfte der Verordnungen dazu bestimmt war, homöopathie-spezifische Wirkungen erzielen zu wollen. Darüber hinaus erkennt die Mehrheit der Verordner (!) an, dass die Wirksamkeit der Homöopathie nicht bewiesen ist und misst ihren traditionellen Prinzipien wenig Bedeutung bei.

Bestimmte medizinische Spezialgebiete (wen wundert es, dass es sich dabei um Pädiatrie und Gynäkologie/Geburtshilfe handelt?) und die damit verbundenen Anforderungen der Patienten, aber auch die Offenheit der Ärzte gegenüber Placeboeingriffen können bei homöopathischen Verschreibungen eine Rolle spielen. Die ärztliche Fortbildung sollte daher nicht nur die Evidenzgrundlage der Homöopathie, sondern auch ethische Dilemmata mit Placebo-Interventionen thematisieren.

Man darf hiernach sicher festhalten, dass von einem Rückhalt der Homöopathie in der Ärzteschaft zumindest bei dieser Untersuchung keine Rede sein kann. Allerdings gibt es trotz dieses irgendwie ermutigenden Ergebnisses immer noch zuviel davon. Beispielsweise konzentriert in der Mitgliederschaft des Deutschen Zentralvereins homöopatischer Ärzte, was die Ärztekammern in die Lage versetzen könnte, Fortbildungen sehr gezielt anzubieten…

 

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