Interview mit einem Homöopathen (3 und Schluss)

In Auflösung begriffen…

Liebe Leserinnen und Leser,

zunächst darf ich um Entschuldigung für die ziemlich lange Zeitspanne bitten, die seit dem Erscheinen des vorigen Teils unserer Betrachtung verstrichen ist. Ich weiß auch nicht, wo die Zeit geblieben ist… Aber unser Thema hier ist ja in der Zwischenzeit nicht durch die Streichung des Binnenkonsens und die Rücknahme der Erstattungsfähigkeit der Homöopathie obsolet geworden, obwohl -der Interessierte hat es zweifellos registriert- eine gewisse Bewegung in der Sache zu verzeichnen ist. Eine gewisse. Ein wenig. Ein kleines bisschen…

Nun aber zum Abschluss der Besprechung von Dr. Behnkes Interview mit sich selbst.

Im letzten Teil möchte ich die strenge Form der Abfolge nach den Themen des Interviews verlassen und ziehe es vor, auf die wichtigsten grundsätzlichen Ausführungen aus Dr. Behnkes restlichem Text einzugehen. Dabei scheinen mir zwei Aspekte bedeutungsvoll: Die angeblichen Kostenvorteile einer homöopathischen Behandlung und die Abschweifungen in die Wissenschafts- und  Erkenntnistheorie.

Kostenersparnis gegenüber wissenschaftlichen Behandlungen

Damit wollen wir uns auch nicht allzulange aufhalten:

  • Behnke führt hier Untersuchungen an, die primär auf die Verschreibungshäufigkeit von pharmazeutischen Arzneimitteln bei Gruppen mit und ohne homöopathische Behandlungen abheben. Daraus nun einen Kostenvorteil für die Homöopathie abzuleiten, scheint gewagt.  Was hier ableitbar sein könnte, ist -vor allem im Hinblick auf die weniger gravierenden Gesundheitsstörungen, die hier erfasst wurden- dass letzten Endes wohl unnötig viel pharmazeutische Arzneimittel verordnet wurden, die für die Heilung nicht notwendig waren.
  • Die entscheidende Studie zur Kosteneffektivität der Homöopathie wird durch Nichterwähnung geadelt:  Die Studie „Can Additional Homeopathic Treatment Save Costs? A Retrospective Cost-Analysis Based on 44500 Insured Persons“ von C. Witt et.al. (2015). Dies ist die bei weitem umfassendste und langfristigste Untersuchung einer Kosteneffektivität der Homöopathie überhaupt. In Zusammenarbeit mit einer namhaften Krankenkasse. Und zu welchem Ergebnis kommt sie?“Daten von 44.550 Patienten wurden ausgewertet. Die Gesamtkosten lagen in der Homöopathiegruppe nach 18 Monaten höher (im Mittel bei 7.207 EUR) als in der Vergleichsgruppe (5.857 EUR). […] Das galt für alle Diagnosen.“
  • Ceterum censeo: Für unwirksame Mittel und Methoden ist per se jeder Cent zuviel. Unter dieser Prämisse kann die Homöopathie niemals einen Kostenvorteil gegenüber „notwendigen, zweckmäßigen und wirtschaftlichen“ Behandlungen haben, wie sie das Sozialgesetzbuch fordert.

 

Zur Wissenschaftlichkeit

Hier greife ich zwei wesentliche Aspekte heraus, die in Dr. Behnkes Ausführungen eine Rolle spielen.

Der erste ist der Appell an den Ehrgeiz „wahrer Wissenschaftler“ sich auch und gerade der Anomalien, die nicht in die Erkenntnislage passen wollen, anzunehmen. Keine ungeschickte Argumentation, wenn man bedenkt, dass „Anomalien“ in Poppers Wissenschaftstheorie der klassische Ansatz sind, die zu einem Widerruf bisheriger Theorien oder gar einem Paradigmenwechsel führen können. Allerdings unter dem Aspekt absolut zwingender Evidenz, als ultima ratio sozusagen, vor allem, wenn sich das in Frage gestellte System bislang bewährt hat. Thomas S. Kuhn weist denn auch ausdrücklich darauf hin, dass es erst bei einer starken „Häufung“ von Anomalien zu einer „Krise“ kommen kann, die dann in eine „wissenschaftliche Revolution“ mit Ersatz des alten Paradigmas inklusive zentraler Begriffe (!) münde.

„Inklusive zentraler Begriffe“ – mit anderen Worten ist Voraussetzung für einen derartigen Umbruch, dass durch den Paradigmenwechsel das bisherige Gesamtsystem durch ein mindestens genauso bruchfreies, konsistentes ersetzt wird.  Nur leider liegt bei der Homöopathie gar keine Anomalie vor – niemand hat jemals eine spezifische arzneiliche Wirksamkeit der Homöopathie belegt, damit fehlt es am tatsächlichen Tatbestandsmerkmal einer den bisherigen Paradigmen widersprechenden Anomalie. Womit wir wieder beim vielfach erwähnten Grundproblem wären… der Existenz der Homöopathie auf dem brüchigen Untergrund reiner, verzweifelt wiederholter Behauptungen. Und durch welches geschlossene System das heutige Gesamtbild von Physik, Chemie, Biologie und Medizin ersetzt werden soll, wenn die Homöopathie einen Paradigmenwechsel erzwingen würde, diese Frage bleibt seit jeher ohne Antwort. Aber wenn schon mit Wissenschaftstheorie argumentiert wird, darf man nicht auf halbem Wege stehenbleiben und sich auch noch triumphierend umdrehen. Man muss den Weg zu Ende gehen und darf keine Angst vor der eigenen Courage, sprich vor einem Scheitern der eigenen Grundhypothesen, haben. Alles andere ist ein Scheingefecht und ein schwerer Missbrauch des mühsam errungenen wissenschafts- und erkenntnistheoretischen Instrumentariums.

Bei der Homöopathie mit dem Anomaliebegriff zu operieren, entbehrt auch nicht einer gewissen Absurdität. Die Methode ist 200 Jahre alt und beruht selbst auf Hypothesen und Paradigmen, die ihrerseits von den überwältigenden Anomalien (ja, zur Zeit ihrer Entdeckung waren sie das, denn sie widersprachen den bisherigen medizinischen Grundannahmen) der Zelluluarpathologie, der Bakteriologie, der Virologie und mehr verdrängt wurden. (Warum das nicht die Zuweisung eines ruhigen Plätzchens für die Homöopathie im medizinhistorischen Museum bedeutet hat, ist wieder eine andere Sache.) Und heute wird verlangt, dass die Homöopathie als Anomalie anerkannt wird und die heutigen Paradigmen der modernen Wissenschaften (nicht nur der Medizin!) seinerseits verdrängen soll, als späte Rache sozusagen? Ein Treppenwitz, wenn mich jemand fragt. Zumal das heutige Paradigmengebäude von Medizin, Biologie, Physik und Chemie um Zehner-, wenn nicht Hunderterpotenzen (damit kennen sich die Homöopathen doch so gut aus) geschlossener und konsistenter ist als das, was zu Hahnemanns Zeiten vorherrschte. Siehe die Ausführungen zur inneren und äußeren Widerspruchsfreiheit im zweiten Teil dieser Besprechung.

 

Der zweite Aspekt, der noch behandelt werden soll, ist der Versuch Behnkes, Inhalt und Bedeutung des Begriffes der Ausgangsplausibilität (bzw. Scientabilität) zu relativieren. Wir haben diesen Begriff schon im Exkurs zu Beginn des zweiten Teils dieser Besprechung kennengelernt und sind deshalb für das Folgende gut gerüstet.

Ja, die Relevanz der sogenannten Ausgangsplausibiltät für die wissenschaftliche Forschung ist nicht in Stein gemeißelt, wie nichts in der Wissenschaft, sie wird diskutiert. Das sollte aber nicht zum Anlass genommen werden, wie Dr. Behnke es im Ansatz tut, diese missliebige Neuerung nun mal gleich an die Seite zu schieben. Es gibt schon gute Gründe dafür, weshalb diese Diskussion in der Wissenschaftsgemeinde geführt wird.

Einer davon ist der Wunsch, die immer begrenzteren Mittel für wissenschaftliche Forschung auf wirklich erfolgversprechende Forschungslinien zu konzentrieren. Ich finde das angesichts schwindenden Rückhalts für freie Forschung durch öffentliche Mittel sehr wichtig. Die Diskussion hat schon vor längerer Zeit ihre Schatten vorausgeworfen, beispielsweise dadurch, dass das British Medical Journal  Artikel mit dem pauschalen Ruf nach „mehr Forschung“ nicht mehr reviewt, sondern gleich zurückgibt. Angenommen werden nur Arbeiten, die die Notwendigkeit weiterer Forschung auf einem bestimmten Gebiet genau im Hinblick auf das Warum und das Was begründen. Ob das angesichts neuerer Entwicklungen noch immer so ist, vermag ich allerdings nur zu mutmaßen.

Nun war es ja -zumindest nach meiner und einiger anderer Ansichten- einer der Gründe für das Überleben der Homöopathie, dass immer und immer wieder nach „mehr Forschung“ gerufen und in Aussicht gestellt wurde, die Homöopathie werde der Wissenschaft noch „einiges zu sagen haben“.  Wären die Grundsätze der Anfangsplausibilität schon früher beherzigt worden, gäbe es die Homöopathie womöglich nur noch als eines von etlichen Nischenprodukten des medizinischen Jahrmarktes. Verständlich, dass man in der Diskussion über die Anfangsplausibilität eine große Gefahr für die Zukunft der Homöopathie sieht. Denn wie sieht es denn aus mit ihrer Ausgangsplausibilität?

  • Das Simileprinzip ist widerlegt. Die Natur schafft keine Ähnlichkeiten, um den Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass es bei genauer Beobachtung dort etwss zu holen gebe. Die Natur ist nicht menschenzentriert und verfolgt auch keine „Absichten“ – das anthropozentrische Weltbild ist von vorgestern.
  • Die Arzneimittelprüfung am Gesunden ist ein herausragendes Beispiel völliger Subjektivität, was allein ihre ständig wachsenden Ergebnisse zeigen. „Das“ Repertorium oder „die“ Materia Medica gibt es gar nicht. Ockhams Rasiermesser hat reichlich zu tun auf diesem Gebiet. Spätestens seit Martinis großangelegten Untersuchungen zur Arzneimittelprüfung, die im Blindversuch gegen Placebo die wildesten Symptomschilderungen, aber keinerlei erkennbares, geschweige denn reproduzierbares Muster ergaben, ist die Arzneimittelprüfung auch empirisch als unwissenschaftlich und wertlos entlarvt. Ganz zu schweigen davon, dass Homöopathen noch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von der Arzneimittelprüfung als einer „Frage an die Natur“ schwärmten, deren „beständige Antworten“ beständig aufgezeichnet würden… Siehe das Thema Anthropozentrismus.
  • Verdünnung ist Verdünnung. Anderes zu behaupten bedeutet, seine eigenen Alltagserfahrungen zu leugnen.
  • Potenzierung durch Rituale ist Esoterik. Es gibt keine auch nur annähernde Erklärung dafür, was dort sich wie potenziert, woher dieses Was weiß, dass es ein Arzneistoff ist und die Verunreinigungen im Lösungsmittel eben nicht, wie eine „geistige Substanz“ materiell nun doch gespeichert werden und wie das Ganze dann über besprühte Zuckerkügelchen, die ihren Weg durch den Verdauungstrakt des Menschen nehmen, irgendeine Wirkung entfalten soll.
  • Last but not least – die bisherige Studienlage, nicht ein paar Einzelstudien bei selbstlimitierenden Krankheiten, sondern die systematischen Reviews, teilweise von Vertretern der Homöopathie selbst durchgeführt und beurteilt – sprechen, da kann so viel drumherumgeredet werden wie man will, eine eindeutige Sprache: Es fehlt an einem Wirkungsnachweis. Nach den vorstehenden Prämissen wäre alles andere in der Tat eine Anomalie, die sofort das allergrößte Interesse der Wissenschaftsgemeinde erregen würde – nicht Misstrauen, Interesse, denn so ist die Wissenschaft.  Aber – die Verhältnisse, sie sind nicht so, wie schon Brecht zu Recht konstatierte.

Würden Sie, liebe Leser, angesichts einer solchen Ausgangssituation einem Fundraising beitreten, dass „mehr Forschung“ für die Homöopathie finanzieren soll? Na?

 

Fazit

Mit erheblichem rhetorischem Aufwand unternimmt Behnke einen weiteren Rettungsversuch zugunsten der Homöopathie, dem man Geschick und vor allem Aufwand zweifellos nicht absprechen kann. Aber: Es bleibt bei unbelegten Prämissen, dem Relativieren oder Wegdeuten gewichtiger Argumente (teils unter Inkaufnahme der Beschädigung von Hahnemanns Gebäude), dem Anbieten von reinen Narrativen aus der homöopathischen Filterblase, die keinen Erklärungswert besitzen und von philosophischen Bemühungen am Rande dessen, für die Homöopathie auch noch einen eigenen Wissenschaftsbegriff zu fordern. Vielfach belegt Behnke selbst in 200 Jahren nicht zu behebende Unstimmigkeiten innerhalb der Methode, was allein schon geeignet ist, sie unter wissenschaftlichen Blickwinkel zu diskreditieren.

Denn es ist doch ganz einfach: All der rhetorische Aufwand bedarf im Grunde so lange keiner näheren Betrachtung, wie nicht die Wirksamkeit der Homöopathie belegt ist. Wohlgemerkt, die Wirksamkeit, nicht der Wirkungsmechanismus. Und das ist nicht der Fall. Gerade an so umfassenden Ausführungen wie die im Interview von Herrn Behnke wird überdeutlich, dass sie überhaupt nur eine Bedeutung über leere Worte hinaus hätten, wenn die Prämisse einer spezifischen Wirksamkeit der Homöopathie zuträfe. Genau an dieser Stelle setzt aber die Immunisierungsstrategie an. Und zwar eine vergleichsweise primitive: Die Strategie der immer wiederholten Behauptung, von der man hofft, dass sie zur wahrgenommenen Wahrheit wird und das papierene rhetorische Gebäude darüber in Gold erglänzen lässt. Aber da sei die Wissenschaft und die wissenschaftsbasierte Homöopathiekritik vor: Die Behauptung einer spezifischen Wirksamkeit ist der eigentliche Prüfstein, an dem die Homöopathie scheitert, mit welcher Begründung, Philosophie oder was sonst auch immer noch angeführt werden mag.

Man muss sich immer vor Augen halten, welcher Aufwand für die Aufrechterhaltung eines längst obsolet gewordenen Gedankengebäudes getrieben wird, das zur Zeit seiner Entstehung durchaus gewisse Meriten einfahren konnte (im Sinne von Schadensbegrenzung). Natürlich ist dieser Aufwand auch ein Prozess der Selbstbestätigung für die homöopathische Gemeinde, die ja angesichts zunehmender Kritik nach solchen Ausführungen lechzt, meist, um sie unkritisch (und unverstanden) weiterzuverbreiten.

Es hat sicher seine Gründe, weshalb die Homöopathie -wie viele andere Gedankenmodelle aus ihrer Zeit- nicht längst verdientermaßen im medizinhistorischen Museum verschwunden ist – mit anderen Worten, weshalb man sie immer wieder hat gewähren lassen. Einer davon ist, wie beispielsweise die Russische Akademie der Wissenschaften mutmaßt, der ständige Anspruch der Homöopathie über die Jahrhunderte, sie habe der Wissenschaft letztlich doch etwas zu sagen oder es gebe Aufklärungsbedarf, für den die Wissenschaft in die Pflicht zu nehmen sei. Nun kann keineswegs die Rede davon sein, dass die Wissenschaft sich nicht mit der Homöopathie befasst habe, das hat sie seit jeher bis zum heutigen Tag getan. Es wäre nur an die schon zu Hahnemanns Zeiten recht konstruktiven Ansätze zu ihrer Überprüfung zu erinnern, die schon damals nicht als Ruhmesblatt für die Methode zu gebrauchen waren.

Es ist Dr. Behnke nicht entgangen, dass längst auch fundierte wissenschafts- und erkenntnistheoretische Argumente gegen die Homöopathie und ihren „wissenschaftlichen Anspruch“ vorgebracht werden. An den von ihm aufgegriffenen Gesichtspunkten der Anfangsplausibilität und der Behandlung von Anomalien in der kritisch-rationalen Methode wird dies deutlich. Die Homöopathen versuchen, auch das Terrain der Wissenschaftstheorie zu beackern, müssen aber -wie im vorstehenden Abschnitt ausgeführt- mit ihrer hölzernen Pflugschar aus dem späten 18. Jahrhundert an dem durch 170 Jahre methodischer Wissenschaft bereiteten festen Boden scheitern.

Längst gibt es das abschließende Urteil: Die Grundlagen der Homöopathie sind unvereinbar mit den Erkenntnissen der Humanmedizin, der Ätiologie, der Zellbiologie, der Biochemie, von Physik und Chemie und auch noch anderen Wissenschaftszweigen. Warum? Weil sie sich mit ihren Annahmen nicht widerspruchsfrei in das jeden Tag sich bewährende Gesamtbild der Summe dieser Wissenschaften einfügen lässt. Damit sind die Grenzen der Homöopathie abschließend aufgezeigt. Denn das von der Wissenschaft unter großen Mühen bis heute erarbeitete Gesamtbild ist die bestmögliche Annäherung an die Wirklichkeit, über die wir verfügen, die am besten begründete Kosmologie aller Zeiten. Es besteht kein Anlass, zugunsten einer Rechtfertigung der Homöopathie dieses Gebäude zu beschädigen oder gar einzureißen. Wie erwähnt, ist die Homöopathie keine wissenschaftstheoretische Anomalie, sondern eine beleglose freie Hypothese.

Ein weiteres Merkmal für die Unmöglichkeit, die Homöopathie sinnvoll zu verorten, ist, dass die Wissenschaft die Homöopathie nicht braucht, um die von ihr vorgewiesenen Effekte zu erklären. Das ist ein völlig normaler Vorgang im Fortschreiten menschlicher Erkenntnis: Dass alte Vorstellungen, die einmal ihre Meriten gehabt haben, heute nicht mehr gebraucht werden, weil bessere Erklärungsmodelle verfügbar sind. Wie auch früher für das Wetter die Götter als zuständig angesehen wurden und die darauf fußende Priesterschaft durchaus angesehen war – weil sie „Erfolge“ vorzuweisen hatte, von denen heute klar ist, dass sie auf statistischen und auch psychologischen (Vergessen von Misserfolgen) Effekten beruhten. Wetterkunde betreiben wir noch heute, niemand aber käme auf die Idee, das Wetter als göttliche Macht „beschwören“ zu wollen.

„Die Wissenschaft“ weiß, dass sie nicht alles weiß. Ihr Gebäude ist aber inzwischen so bewährt, dass die Anforderungen an neue Bausteine, die Lücken füllen und Grenzen weiter hinausschieben können, klar definierbar sind. Deshalb kann die Wissenschaft heute auch gesichert darüber urteilen, dass die Homöopathie in ihr Gesamtgebäude nicht eingefügt werden kann. Das darf man einer Wissenschaft, die in der Lage ist, die tatsächliche Existenz von Elementarteilchen theoretisch vorauszusagen und dann auch den experimentellen Beweis für die Vorhersage zu liefern, durchaus zutrauen. Aber: Kreisrunde Bausteine passen nun mal nicht in rechteckige Lücken. Die Zeit der Homöopathie ist genau deshalb heute endgültig abgelaufen.

Erinnern wir uns aber zum Schluss noch einmal selbst daran, dass auch all unsere Betrachtungen an dieser Stelle letztlich viel Wirbel buchstäblich um Nichts sind. Denn an welcher Stelle bitte bietet Dr. Behnke uns stichhaltige Belege für die Wirksamkeit oder einen plausiblen Ansatz für einen Wirkungsmechanismus an, über das Drumherumgerede an Mutmaßungen, Unterstellungen, unzulässigen Vergleichen und dergleichen mehr hinaus, das schon tausendmal widerlegt worden ist? Nirgends. Was bleibt? Die alte Erkenntnis, dass wo Nichts ist, nichts ist und auch Nichts hinzugeredet oder -geschrieben werden kann. Mehr ist eigentlich gar nicht zu sagen. Ist das so schwer einzusehen?

Nun ist es doch noch so eine Art Generalabrechnung geworden… Allen Leserinnen und Lesern Dank für die große Geduld. Ich werde mich (vielleicht) bessern.

Eines sei den Verteidigern der Homöopathie aber noch ins wissenschaftstheoretische Notizbuch geschrieben, nämlich der von Karl Popper stammende Kernsatz, der heute die Grundlage jeglicher seriösen wissenschaftlichen Bemühungen bildet:

Wann immer wir nämlich glauben, die Lösung eines Problems gefunden zu haben, sollten wir unsere Lösung nicht verteidigen, sondern mit allen Mitteln versuchen, sie selbst umzustoßen.” (Logik der Forschung, 11. Auflage, Mohr Siebeck, Tübingen 2005, Seite XX).

 

 

Bildnachweis: Gemeinfrei / eigenes Bild

4 Gedanken zu „Interview mit einem Homöopathen (3 und Schluss)

  1. Ich kann mich dem Kommentar von „sternenmond“ nur anschließen.
    Allerdings wird ja all dies leider nicht gelesen von den „Gläubigen“ in ihren Filterblasen. Und diskutieren kann man erfahrungsgemäß mit denen auch nicht.
    Was tun?!?

    1. Ja, was tun? Steter Tropfen wird vermutlich auch diesen Stein höhlen. Natürlich weniger auf der Grundlage derart langer Ausführungen…
      Aber was soll man machen. Behnke verbreitet sich über 15 Druckseiten (ich musste es mir ja ausdrucken)…, erreicht damit natürlich wieder viele Gläubige, die eh an seiner Feder hängen und hat, wie ich schrieb, damit den Anscheinsbeweis der vielen Worte für sich. Das kann man kurz abtun, wie es am Anfang des 1. und am Ende des 3. Teils ja angedeutet wird, man kann sich aber auch die Mühe machen, aufzuzeigen, dass das ganze Zeug heiße Luft ist. Heiße Luft von neuer Qualität – denn er versucht ja nicht nur, das wissenschaftliche Mäntelchen umzuhängen sondern gar das wissenschaftstheoretische. Das geht natürlich über die eher allgemeinverständliche Ebene weit hinaus – was sich auch an den Leserzahlen meines „Romans“ hier zeigt.
      Trotzdem, es musste sein, schon mir selbst gegenüber. Es hätte ansonsten an mir genagt.
      Was tun? Aufklärung jeden Tag, wenn es geht, in verdaulichen Häppchen. Beteiligung an der öffentlichen Debatte, die ja in einem gewissen Grad in Gang gekommen ist (z.B. Apothekenpflicht), zu Wort melden in den Kommentarforen der Zeitungen und auf Facebook, gestern zB zu ZDF Zoom zur Frage der Erstattungsfähigkeit von Homöopathie durch die Krankenkassen.
      Darauf und auf Arbeit für das Informationsnetzwerk Homöopathie verwende ich meine Zeit eigentlich hauptsächlich, der Blog kommt eigentlich viel zu kurz. Er wird langsam zu einer Art Archiv für tiefergehende Analysen – ist ja auch nicht schlecht. Zudem schreibe ich ja als Gast noch auf dem Blog „Die Erde ist keine Scheibe“ (www.deiks.de), zuletzt recht erfolgreich über die Apothekenpflicht der Homöopathika und -noch erfolgreicher- über „böse Chemie“. Auch dort mal reinschauen!

      Und natürlich freue ich mich sehr über aufmerksame Leser meiner langen Ausführungen. Man ist ja auch nur ein schreibender Mensch, der gelesen werden möchte…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.