Aussetzer

Keine Angst, ich werde mich hier nicht in die Millionen von medizinisch-epidemiologisch-virologischen Experten einreihen. Ich versuche nur einmal, das hier kurz niederzulegen, was aus meiner bescheidenen Sicht einer gewissen Logik folgt.

AstraZeneca ist nun “ausgesetzt” per Deklaration unseres Gesundheitsministers. Auf Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts (ja, das stimmt so, das PEI hat diese Empfehlung explizit ausgesprochen). Und was bitte gibts da jetzt zu meckern?

Meine erste Reaktion: Das ist ein gewaltiger Schlag für die Akzeptanz von AstraZeneca, wahrscheinlich für das Impfwesen insgesamt. Zudem spielt es der aktuellen Variante der Corona-Impfgegner in die Hände, die sich vor allem darin gefallen, als sogenannte “Hundertprozenter” aufzutreten, gar ein absolut gedachtes “Vorsorgeprinzip” mit amtlich garantiertem Nullrisiko für medizinische Interventionen fordern und dergleichen Unsinn mehr – und damit die Neigung der Bevölkerung, “der Staat” habe gefälligst für ein Leben mit Nullrisiko zu sorgen, heftig befeuern.

Und? Ist diese Reaktion angemessen?

Halten wir mal gleich als erstes fest: Nullrisiko bei medizinischen Interventionen zu fordern, ist nicht bloß unrealistisch, es zeugt von einer  Borniertheit, in der Tat von einem Rundum-Sorglos-Denken  in fortgeschrittenem Stadium. Wahlweise gibt es – siehe oben – auch intelligente Menschen, die das durchaus wissen, aber trotzdem ihre Ego-Propaganda und ihre Scheinexpertise auf dieser Mentalität ihres Publikums aufbauen. Alles in der Naturwissenschaft ist kein absolutes Wissen, jede Entscheidung aufgrund naturwissenschaftlicher Erkenntnisse ist eine Abwägung zwischen Nutzen und Risiko.

So. Nachdem das hier jetzt ein für allemal geklärt ist, schauen wir uns die konkrete Causa mal an.

Impfstoffe müssen, da an Gesunde verabreicht, noch höhere Anforderungen an die Sicherheit erfüllen als Medikamente, die zur Heilung / Linderung manifester Erkrankungen bestimmt sind.

Impfstoffe sind deshalb nicht Teil der üblichen Arzneimittelzulassung, sondern einer ganz anderen Hierarchie zugeordnet. Der Staat bzw. Staatengemeinschaften haben das Impfen als öffentliche Gesundheitsaufgabe ersten Ranges definiert. Darum gibt es weltweit staatlich getragene Forschungs- und Zulassungsbehörden nur für das Impfwesen, die in der Regel in der staatlichen Hierarchie weit oben angesiedelt sind.

In Europa ist das die  EMA, die Europäische Arzneimittelzulassungsbehörde, die die arzneimittelrechtlichen Zulassungen für Impfstoffe ausspricht. Dass darüber hinaus das Paul-Ehrlich-Institut die pharmakologische Seite der Sache selbst betrachtet und das Robert-Koch-Institut mit der Ständigen Impfkommission die epidemiologische Sinnhaftigkeit für den Einzelnen UND die Gesamtbevölkerung prüft und ggf. in Impfempfehlungen umsetzt, kommt noch obendrauf. Wohlgemerkt – RKI und PEI haben ziemlich unterschiedliche Aufgaben, darauf kommen wir noch zurück.

Ich kann durchaus aus der Sicht des PEI nachvollziehen – aus seiner Sicht, wohlgemerkt – dass die unter der AstraZeneca-Impfung aufgetretenen Fälle einer Sinusvenenthrombose Aufmerksamkeit erregen. Vielleicht nicht so sehr wegen der reinen zahlenmäßigen Inzidenz, die allerdings offenbar durchaus wirklich höher sein kann als im Bevölkerungsdurchschnitt, aber gleichwohl in einem Bereich, wo die Zahl durchaus noch statistisches Rauschen sein kann. Aber – wie gesagt, ich kann das nachvollziehen – wegen des clusterartigen (nehmen wir mal diesen Begriff trotz der kleinen Zahlen) auftretenden speziellen Erkrankungsform. Das mag zu denken – und zu prüfen geben. Das ist ein Aufmerksamkeitfaktor, der angeschaut werden muss. Ergebnisoffen, keine Frage.

Das ist die pharmakologische Sichtweise, völlig  legitim. Aber kann dies in eine direkte Empfehlung an den Minister münden, die Impfaktion auszusetzen? Ich wäre da vorsichtig.

Denn wie erwähnt ist die epidemiologische Seite der Medaille nicht Sache des PEI. Das sollte Spahn wissen. Und da kommt irgendwie bereits so eine leise Ahnung auf, dass er eine Null-Risiko-Vollversorger-Strategie – Stichwort Selbstmord aus Angst vor dem Tod – fährt, ohne eine wirkliche Abwägung gegenüber den epidemiologischen Nachteilen seiner Entscheidung vorgenommen zu haben – jedenfalls kann ich in seiner Kommunikation das nicht erkennen. Womöglich ohne das RKI – wie das PEI eine Fachdienstelle im eigenen Hause! – aus epidemiologischer Sicht angehört zu haben, desavouiert Spahn  so nebenbei auch noch die EMA, die bislang keinen Anlass sah, ihre Entscheidung über die Zulassung von AstraZeneca zu verändern oder gar zu widerrufen. Das sollte doch wohl ein gewichtiger Aspekt sein, der zur Abwägung drängt! Statt dessen reiht er sich in eine Art Panikgemeinschaft anderer europäischer Länder ein, die es auch nicht besser machen.

Denn es ist absehbar, dass seine “reine Vorsichtsmaßnahme” des Impfstopps vermeidbare Infektionsfälle, damit auch schwere Verläufe und ja, auch Todesfälle, mit hinreichender Wahrscheinlichkeit konkret erwarten lässt. Und nicht nur während des Aussetzens der Kampagne. Sondern mit Sicherheit darüber hinaus. Mich beschleicht das Gefühl, dass Spahn bar jeder Vorstellung ist, was seine Entscheidung im Land auslöst. Auch langfristig. Nämlich neben einem gewissen “Leinen los” für die Pandemie (der ohnehin derzeit m.E. ziemlich unangemessen begegnet wird) einen massiven Vertrauensverlust in das Impfen per se einerseits, andererseits zudem – wie gestern schon in den Sozialen Medien erkennbar – auch einen massiven Vertrauensverlust in fundierte und nachvollziehbare Ministerentscheidungen. Und deshalb mag ich nicht die Ansicht teilen, dass Spahns Entscheidung deshalb zu rechtfertigen sei, weil sie Vertrauen erhalten soll. Bislang habe ich nur sehr vereinzelt so etwas vernommen. Nun ja, war ja erst gestern…

Sich hinzustellen, den Impfstopp zu verkünden und sich platt auf die  Empfehlung des PEI (die ich in ihrer Absolutheit für etwas… naja, absolut eben halte) zu berufen, das hat ein Geschmäckle sowohl in Richtung Unverständnis der Gesamtzusammenhänge als auch das eines “Vorschiebens” des PEI. Auch wenn ich hier nichts unberechtigt unterstellen möchte – Spahn ist derjenige, der eine Abwägungsentscheidung zu treffen hat und die auch kommunizieren muss. Wie man die Sache auch immer beurteilen will – hieran fehlt es. Und das ist mehr als kritikwürdig. Das ist kein Ministerhandeln, das ist kein Tragen und Ausüben von Verantwortung, das ist keine Kommunikation, die diese Bezeichnung verdient. Hätte ich auch nur das Gefühl, dass Spahn die epidemiologischen Folgen für uns alle bei seiner Entscheidung mitbedacht hätte, würde ich mich wohl darauf beschränken, seine Desavouierung der EMA zu kritisieren. Aber das Gefühl habe ich leider nicht.

Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Finde ich. Ich kann nicht erkennen, dass neben den pharmakologischen auch die epidemiologischen Risiken ausreichend mit berücksichtigt wurden. Darüber hinaus werde ich mein Urteil nicht ausdehnen.

Und allen, die sagen, dann werde doch Gesundheitsminister, sage ich: Mir ist das Erfordernis einer Abwägung der Bestimmungsfaktoren und einer fundierten Kommunikation meiner Entscheidung jedenfalls klar. Ob ich es richtig machen würde – ich weiß es nicht. Aber ich würde versuchen, alle Faktoren einzubeziehen und das auch zu kommunizieren, auch wenns ein paar Stunden länger dauert.


Bild von RebeccaAnneCain auf Pixabay

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Impfen – Jabitteneindanke!

In der Krise zeigen sich einmal mehr die Wunder der menschlichen Wandlungsfähigkeit. Wütete man noch vor kurzem breit gegen den menschheitsvernichtenden mRNA-Impfstoff, so ist er nun die Quelle allen Heils und die kollektive Abneigung richtet sich auf den AstraZeneca-Impfstoff. Ein Vorgang übrigens, der so manchen “Impfexperten” ex post als Dampfplauderer entlarvt. Wer dafür eine Erklärung sucht, dem empfehle ich die Lektüre von Gustave LeBons “Psychologie der Massen” (kostenlos auf ResearchGate, aber für den Bücherschrank auch günstig zu erwerben), auch nach 100 Jahren immer noch das Grundlagenwerk zu diesem Thema.

Nun ist dies leider nicht mit einem Kopfschütteln zu quittieren. Das eine wie – aktuell – das andere gefährdet jede Impfstrategie, zumal eine, die sich nun mal faktisch mit einer Mangelsituation herumschlagen muss.

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Bodensatz der Verblendung – das Update

Es geht um Covid. Lasst uns mal gleich mit Zitaten anfangen.

Auf Bryonia/Stannum besserte sich der Zustand schnell, waren fast alle Symptome nach drei Tagen der Einnahme nahezu verschwunden und sie selber erstaunt ob der Wirkung. Ähnlich erging es anderen.“

Oft habe sich schon nach den ersten zwei Gaben der Husten gelindert, die Geschmacksstörungen oder der Geruchssinn gebessert, die Last von der Lunge gelegt und die Post-Corona-Schwäche zügig verbessert.

Nur selten seien andere Heilmittel vonnöten gewesen. Dabei habe bei Schwäche in Verbindung mit starken Kopfschmerzen noch das homöopathische Mittel Chininum arsenicoscum D12 besonders geholfen und bei nächtlichem Husten und Alpträumen Cuprum arsenicosum D12 (Schüssler Salz Nr. 19). Überhaupt könnten bei Covid-19 Arsenverbindungen sinnvoll sein, denn Arsen helfe immer bei Ängsten, die gerade in diesen Zeiten erstaunlich viele Menschen haben.

Zinn (Stannum) sei in der Therapie wenig bekannt, noch weniger die Verbindung mit Bryonia. Aus der homöopathischen Erfahrung sei aber gerade Zinn bei enormer Erschöpfung in Verbindung mit schweren Lungenerkrankungen sowie Geschmacks- und Geruchsstörungen – drei zentralen Symptomen von Corona – wirksam.

Bryonia hingegen sei das Mittel schlechthin für den schmerzhaften Husten und Kopfschmerz. „Faktisch ist mit dieser Kombination eine erste Arznei zumindest für die Folgen einer Corona-Erkrankung gefunden.“

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Infektionsschutz-Ermächtigungsgesetz?

Ausfertigung des Ermächtigungsgesetzes 1933 – Präambel

Das Thema brauche ich nicht mit einer langen Einleitung zu versehen – wer es nicht mitbekommen hat, dass Bundestag und Bundesrat heute (18.11.2020) über eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes beschließen und Bundespräsident Steinmeier wohl auch heute noch das Gesetz ausfertigen wird, der wird sich vermutlich ohnehin nicht für die nachstehenden Ausführungen interessieren.

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Heilpraktikerleistungen in der Beihilfe? – Laut GEW Hamburg unverzichtbar!

Heilkohle.

Sachen gibts…

Hamburg, durchaus ein Vorreiter bei Reformen im öffentlichen Dienstrecht, beabsichtigt, Heilpraktikerleistungen aus der Beihilfefähigkeit für Beamte herauszunehmen. Ungefähr seit 300 Jahren überfällig, würde ich sagen.

Die Beihilfe ergänzt in unterschiedlichem Umfang – je nach Familienstand – die private Krankenversicherung – oder auch umgekehrt, wie mans nimmt. Ein mit Vor- und Nachteilen verbundenes System, je nach Sichtweise und Situation.  Dass sich das eine oder andere, was sich für Außenstehende nach “Privileg” anfühlt, ganz schnell wieder relativiert – siehe weiter unten – kennt wohl jeder Beihilfeberechtigte, zu denen auch der Autor gehört. Der im Übrigen das Hamburger Modell einer Wahlfreiheit von Beamten zwischen Beihilfe-/PKV-Modell und Wechsel in die GKV (ggfl. plus Zusatzversicherung) für höchst begrüßenswert hält und auch dem Gedanken einer Bürgerversicherung nicht unbedingt abgeneigt ist.

Ein garantiert überflüssiges “Privileg” ist aber seit jeher die Erstattungsfähigkeit von Heilpraktikerleistungen und Homöopathie. Die HP-Leistungen sind natürlich ein gravierender Unterschied zur gesetzlichen KV (die aber diese nur deshalb nicht anbietet, weil sie befürchtet, dass dann alle Dämme des Anspruchsdenkens brächen, GKV-Kassen könnten das nach der derzeitigen Rechtslage nämlich durchaus im Rahmen von Satzungsleistungen!). Aber die  Erstattung von HP-Leistungen im Rahmen der Beihilfe ist eben auch nicht mehr und nicht weniger als herausgeschmissenes Steuerzahler-Geld. Das sei klar gesagt.

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Können Homöopathen “zur Behandlung von Covid-19 beitragen”?

Bei „Homöopathie online“, dem Portal des Zentralvereins homöopathischer Ärzte, ist ein längerer Beitrag mit dem Titel “Wir können zur Behandlung von Covid-19-Erkrankungen beitragen” erschienen. Es handelt sich um ein Interview mit dem homöopathischen Arzt Dr. Wolfgang Springer (1).

Ich habe früher schon darauf hingewiesen, dass es eine Frage der Zeit sei, bis die Vertreter der Homöopathie mit etwas Derartigem an die Öffentlichkeit treten würden, wenn es auch schon hier und da eher vorsichtige, nichtsdestoweniger obsolete Vorstöße gab. Auch diesem Interview wird vorangestellt, dass zuvörderst die Empfehlungen des RKI in der Corona-Krise Maßstab für ärztliches Handeln sein müssten. Was nach anfänglicher – sagen wir mal, Verwirrung in der homöopathischen Szene dann letztlich doch erst einmal zum vorläufigen Konsens erhoben wurde. Nun, man hätte ja auch schlecht etwas anderes schreiben können. Diese Einleitung ist jedoch in Bezug auf die sich inzwischen abzeichnende Entwicklung irrelevant und leicht als taktisches Schutzschild auszumachen.

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Homöopathie wirkt nicht über den Placebo-Effekt hinaus! – sagt wer… ?

Belastbar… ?!?

Dass es (inzwischen) allerorten Distanzierungen homöopathischer Vereinigungen von einer Behandlung (oder gar Prophylaxe) von Covid-19 mittels Homöopathie gibt, ist hinreichend bekannt. Dass es aber immer noch genug Verblendete gibt, die sich in ihrem Scheinwissen dem überlegen fühlen, wurde z.B. im letzten Blogbeitrag hier dokumentiert. „Homöopathie wirkt nicht über den Placebo-Effekt hinaus! – sagt wer… ?“ weiterlesen

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Bodensatz der Verblendung – Homöopathie in Corona-Zeiten

In der gegenwärtigen Situation, geprägt vom Diskurs zu SARS-CoV19 / Covid-19, tun sich Abgründe der Pseudomedizin auf, die man angesichts der aktuellen Zurückhaltung führender homöopathischer Vereine und Verbände eigentlich nicht mehr erwartet hätte. Nachdem anfänglich haarsträubende Statements aus vielen Quellen die Runde machten, bei denen homöopathische Mittel zu Prophylaxe und Behandlung von Covid-19 “empfohlen” wurden, gab es eine Reihe von Kurskorrekturen. So wurde die frühere Vorsitzende des Zentralvereins homöopathischer Ärzte, die in einer “Patientenmitteilung” zu Arsenicum album C30 gegen das Virus geraten hatte, von ihrem eigenen Verein komplett desavouiert, indem dieser kurz darauf mitteilte, dass eine homöopathische Behandlung oder Prävention dieser neuen Erkrankung nicht angezeigt sei. „Bodensatz der Verblendung – Homöopathie in Corona-Zeiten“ weiterlesen

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