Homöopathie international: Die Reviews / die Statements / die Urteile

Übersicht systematischer Reviews zur Homöopathie / Übernationale Stellungnahmen von Wissenschaftsorganisationen und staatlichen Stellen / Regulatorische Eingriffe zur Homöopathie

  

Teil I:         Übersicht über die veröffentlichen Reviews / Metastudien zur Homöopathie (seit 1991)

Teil II:        Stellungnahmen von wissenschaftlichen Organisation und staatlichen Stellen zur Homöopathie

Teil III:       Gesundheitspolitische / staatliche Maßnahmen gegen Homöopathie im Gesundheitswesen (seit 2016)

  

Stand: Juli 2018

 


I
Übersicht über die veröffentlichen Reviews / Metastudien zur Homöopathie

 

(1) Kleijnen (1991) „Derzeit sind die Nachweise aus klinischen Studien positiv, aber sie sind nicht ausreichend, endgültige Schlussfolgerungen zu ziehen, weil die Methodik in den meisten Studien von geringer Qualität sind und der Einfluss des „Publication bias“ unbekannt ist.“

Kleijnen J et al: Clinical trials of homeopathy, BMJ 1991; 302:316-23 [1]

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(2) Linde (1997) „Das Ergebnis unserer Meta-Analyse liefert keine Bestätigung für die Hypothese, die klinischen Effekte der Homöopathie bestünden alleine auf einer Placebowirkung. Wir fanden in diesen Studien jedoch nur unzureichende Nachweise dafür, dass die Homöopathie auch nur bei einem einzigen Krankheitsbild wirksam wäre.“

Linde K et al.: Are the clinical effects of homeopathy placebo effects? A metaanalysis of placebo-controlled trials, The Lancet 1997;350:834-43 [2]

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(3) Linde (1998) „Die Ergebnisse der vorliegenden randomisierten kontrollierten Studien deuten darauf hin, dass die Homöopathie eine über Placebo hinausgehende Wirkung aufweist. Die Nachweise sind jedoch wegen methodischer Schwächen und Widersprüchlichkeit nicht überzeugend.“

Linde K et al: Randomized controlled trials of individualized homeopathy: A state-of-the-art review, Journal of Alternative and Complementary Medicine 1998; 4(4):371-388 [3]

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(4) Cucherat (2000) „Es gibt ein paar wenige Nachweise dafür, dass homöopathische Therapien wirksamer sind als Placebos; die Aussagekraft dieser Nachweise ist wegen der nur geringen methodischen Qualität der Studien nur gering. Studien von höherer methodischer Qualität waren eher ungünstiger als solche mit geringer Qualität.“

Cucherat M et al.: Evidence of clinical efficacy of homeopathy, Eur. J Clin Pharmacol 2000;56:27-33 [4]

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(5) Shang (2005) „… es zeigten sich schwache Nachweise für einen spezifischen Effekt der homöopathischen Arzneien (…) Die Ergebnisse bestätigen den Eindruck, dass es sich bei den klinischen Effekten der Homöopathie um Placeboeffekte handelt.“

Shang A et al. Are the clinical effects of homeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homeopathy and allopathy, Lancet 2005;366:726-32 [5]

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(6) Mathie (2014) „Arzneien, die als Homöopathika individuell verordnet wurden, haben vielleicht einen kleinen spezifischen Effekt. (…) Die generell niedrige und unklare Qualität der Nachweise gebietet aber, diese Ergebnisse nur vorsichtig zu interpretieren.“

Mathie RT et al.: Randomised placebo-controlled trials of individualised homeopathic treatment: systematic review and meta-analysis, Systematic Reviews 2014;3:142 [6]

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(7) NHMRC (2015) „Es gibt keine zuverlässigen Nachweise dafür, dass die Homöopathie bei der Behandlung von Gesundheitsproblemen wirkungsvoll wäre.“

National Health and Medical Research Council. 2015. NHMRC Information Paper: Evidence on the effectiveness of homeopathy for treating health conditions. Canberra: NHMRC;2015 [7]

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(8) Mathie (2017) „Die Qualität der Nachweise als Ganzes ist gering. Eine Meta-Analyse aller ermittelbaren Daten führt zu einer Ablehnung unserer Nullhypothese [dass das Ergebnis einer Behandlung mit nicht-individuell verordneten Homöopathika nicht von Placebo unterscheidbar ist], aber eine Analyse der kleinen Gruppe der zuverlässigen Nachweise stützt diese Ablehnung nicht. Meta-Analysen für einzelne Krankheitsbilder ergeben keine zuverlässigen Nachweise, was klare Schlussfolgerungen verhindert.“

Mathie RT et al.: Randomised, double blind, placebo-controlled trials of nonindividualised homeopathic treatment: Systematic review and meta-analysis, Systematic Reviews 2017;6:663 [8]

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Die Ergebnisse der Reviews sind durchweg einheitlich: Man erhält auf den ersten Blick den Eindruck, dass es einen gewissen Nutzen geben könnte. Aber bei Einbeziehung der Qualität der Aussagen in die Betrachtung oder bei dem Versuch, konkret festzustellen, für wen sich unter welchen Bedingungen sich ein Nutzen ergibt, verschwindet der positive Eindruck und zeigt sich als Trugschluss. Zusammengefasst: Es gibt keinen belastbaren Nachweis dafür, dass Homöopathie stärker wirkt als Placebo. Alle zitierten Arbeiten kommen zu dem gleichen Schluss, sowohl die von Homöopathenseite heftig kritisierten Arbeiten von Shang und dem NHMRC als auch die Arbeiten Mathies, der -soweit bekannt- für das Homeopathy Research Institute arbeitet, das zu den ständigen Kritikern der nicht von Homöopathen erstellten Reviews gehört.


II
Stellungnahmen von wissenschaftlichen Organisation und staatlichen Stellen zur Homöopathie

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Dieses Memorandum stellt fest, dass die wissenschaftliche Gemeinschaft Homöopathie heute als Pseudowissenschaft betrachtet. Ihre Verwendung in der Medizin steht im Gegensatz zu den grundlegenden Zielen der nationalen Gesundheitspolitik […].
Somit basiert die Homöopathie auf theoretischen Positionen, die in großen Teilen direkt grundlegenden wissenschaftlichen Prinzipien und Gesetzen der Physik, Chemie, Biologie und Medizin widersprechen. Keinerlei empirische Daten aus unabhängigen, hochqualitativen klinischen Studien bestätigen die klinische Wirksamkeit von homöopathischen Mitteln.

Russische Akademie der Wissenschaften, 2017 [9] [10]

__________

 Die Homöopathie sollte nicht zur Behandlung chronischer, ernster oder schwerwiegender Gesundheitszustände eingesetzt werden. Menschen, die sich für die Homöopathie entscheiden, können ihre Gesundheit gefährden, wenn sie Behandlungen ablehnen oder verzögern, für die es gute Beweise für Sicherheit und Wirksamkeit gibt.

National Health and Medical Research Council, Australien, 2015[11]

__________

Homöopathische Mittel erfüllen nicht die Kriterien der evidenzbasierten Medizin.

Ungarische Akademie der Wissenschaften [12]

__________

Die Aufnahme anthroposophischer und homöopathischer Produkte in die schwedische Arzneimittelrichtlinie würde mehreren Grundprinzipien für Arzneimittel und evidenzbasierte Medizin zuwiderlaufen.

Schwedische Akademie der Wissenschaften [13]

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Wir empfehlen Eltern und Betreuungspersonen, Kindern keine homöopathischen Kinderzahntabletten und -gele zu geben und sich von ihrem Arzt beraten zu lassen, um sichere Alternativen zu finden.

US Food and Drug Administration (FDA) [14]

__________

Es gibt kaum Belege dafür, dass die Homöopathie eine wirksame Behandlung für eine bestimmte Erkrankung ist.

NCCIH (Nationales Zentrum für komplementäre und integrative Gesundheit), USA [15]

__________

„Es gibt keine wissenschaftliche Evidenz dafür, dass das Produkt wirkt
Die Erklärungen zum Produkt basieren ausschließlich auf den Theorien der Homöopathie aus dem 18. Jahrhundert, die von der Mehrzahl der heutigen medizinischen Fachleute nicht akzeptiert werden.“

Von der US-amerikanischen Verbraucherschutzbehörde FTC geforderte Standardkennzeichnung homöopathischer Mittel, 2016 [16]

__________

Homöopathische Mittel sind nicht besser als Placebos, und die Prinzipien, auf denen die Homöopathie beruht, sind wissenschaftlich nicht plausibel.
Schlussfolgerung: Homöopathie sollte nicht vom National Health Service unterstützt werden und die MHRA (Arzneimittel-Zulassungsbehörde) sollte die Lizensierung homöopathischer Produkte beenden.

The House of Commons, Science and Technology Committee, 2009 [17]

__________

Es gibt keine qualitativ hochwertigen Beweise dafür, dass die Homöopathie als Behandlung für irgendeine medizinische Indikation wirksam ist. Homöopathie ist im besten Falle Placebo.

National Health Service, Vereinigtes Königreich [18]

__________

Die Homöopathie hat ihre Wirksamkeit in keiner bestimmten Indikation oder klinischen Situation endgültig bewiesen.

Ministerium für Gesundheit, Spanien [19]

__________

Es gibt eine stetige Zunahme an Beweisen und die Überzeugung der wissenschaftlichen Gemeinschaft in der Medizin, dass die Homöopathie als eine der unwissenschaftlichen Methoden der so genannten „alternativen Medizin“ behandelt werden sollte, die wertlose Produkte ohne wissenschaftlich nachgewiesene Wirksamkeit anbietet.

Nationale Ärztekammer, Polen [20] [21]

__________

Aus rein klinischer Sicht bleibt festzuhalten, dass es keinen gültigen empirischen Nachweis für die Wirksamkeit der Homöopathie (evidenzbasierte Medizin) über den Placeboeffekt hinaus gibt.

Federaal Kenniscentrum voor de Gezondheidszorg, Belgien [22] [23]

__________

Wir erkennen an, dass ein Placebo-Effekt bei einzelnen Patienten auftreten kann, aber wir stimmen mit früheren umfangreichen Evaluierungen überein, die zu dem Schluss kommen, dass es keine bekannten Krankheiten gibt, für die robuste, reproduzierbare Beweise existieren, dass Homöopathie über den Placebo-Effekt hinaus wirksam ist.

European Academies Science Advisiory Council (EASAC) [24]

__________

Homöopathie ist eine Methode, die vor zwei Jahrhunderten auf der Grundlage von a-priori-Konzepten ohne wissenschaftliche Grundlagen entwickelt wurde.

Akademie der medizinischen Wissenschaften, Frankreich [25]

__________

Ohne die Freiheit kritischer oder divergierender Meinungen jedes Einzelnen im öffentlichen Raum in Frage zu stellen, fordert der Nationalrat der Ärztekammer:

– dass der Begriff „Medizin“ als Voraussetzung für jedes therapeutische Vorgehen als erstes einen medizinischen Prozess der klinischen Diagnose beinhaltet, der gegebenenfalls durch zusätzliche Untersuchungen unter Hinzuziehung kompetenter Dritter ergänzt wird;

– dass jeder Arzt Medizin nach wissenschaftlich gewonnenen Erkenntnissen und Daten sowohl bei der Erstellung der Diagnose als auch beim Therapievorschlag praktizieren muss.

Nationaler Rat der französischen Ärztekammern
zur Homöopathie-Debatte 2018 in Frankreich
[26]

__________

ÜBER HOMÖOPATHISCHE PRODUKTE

[Die Ärztekammer …] sieht es insofern als unethisch an, dass Methoden, aber auch Verschreibungen von Arzneimitteln als wirksame Therapien dargestellt und vorgeschlagen werden, bei denen wissenschaftliche Grundlagen fehlen, denen illusionäre Vorstellungen zugrunde liegen oder die sich praktisch unzureichend bewährt haben.

Aus diesen Gründen wird die Verantwortung des Arztes öffentlich eingefordert und an seine Pflichten gegenüber dem Patienten und dem Berufsstand gegenüber erinnert.

Zentrale Ärztekammer der Region Madrid (ICOMEM) [27]


III
Gesundheitspolitische / staatliche Maßnahmen
gegen Homöopathie im Gesundheitswesen

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2016: USA – Federal Trade Commission (US-Verbraucherschutzbehörde)

Die FTC fordert in einem „Enforcement Policy Statement on Marketing Claims for OTC Homeopathic Drugs“ [28] vor dem Hintergrund, dass ein Vertrieb als Arzneimittel ohne Evidenznachweise nicht hingenommen werden könne, eindeutige Kennzeichnungen von homöopathischen Präparaten:

„Diese Irreführung der Kunden (Verkauf als Arzneimittel ohne wissenschaftlichen Wirkungsnachweis) könne dadurch beseitigt werden, dass die Hersteller in ihren Begleitmaterialien („marketing materials“) angeben, dass es

  1. keine wissenschaftlichen Belege dafür gäbe, dass das Produkt wirkt und dass sich
  2. die Angaben lediglich auf die Theorien der Homöopathie, die aus dem 18. Jahrhundert datieren, abstützen, die von den meisten modernen medizinischen Fachleuten nicht akzeptiert werden.“ [29]

__________

2017: Russische Föderation, Russische Akademie der Wissenschaften / Gesundheitsministerium

Die Russische Akademie der Wissenschaften hat 2017 die Homöopathie als Pseudomedizin eingestuft und erklärt, dass künftige Erkenntnisse, die dies revidieren könnten, nicht zu erwarten sei. [30] [31] Die Homöopathie soll aus allen Ebenen des öffentlichen Gesundheitswesens entfernt werden. Als Maßnahmen wurden dem Gesundheitsministerium zur Umsetzung u.a. vorgeschlagen:

[…] Die postgraduale Ausbildung zukünftiger Ärztinnen und Ärzte hat darauf abzuzielen, diese mit den Grundannahmen pseudowissenschaftlicher Methoden – einschließlich Homöopathie – und der Kritik daran, die zur Einstufung als Pseudowissenschaft führt, vertraut zu machen.

Versicherungen haben sich an die gängige Praxis zu halten, die keine Leistungserbringung für Homöopathie vorsieht.

Kein gleichberechtigter Apothekenverkauf von Arzneimitteln und homöopathischen Präparaten. Homöopathische Medikamente sollten in einer separaten Vitrine vorgehalten werden.

Keine Beratung von Patienten mehr zu homöopathischen Mitteln. Pflichtberatung in Apotheken bei Patienten, die homöopathische Mittel verlangen, dahingehend, dass die Homöopathie nach wissenschaftlichen Kriterien keinen Wirkungsnachweis erbringen konnte.

Verpflichtung der Ärzte zur Information von Patienten über die Wirkungslosigkeit der Homöopathie und ihre Einstufung als Pseudomedizin. Keine Zusammenarbeit mit Organisationen, die weiterhin Homöopathie fördern und verbreiten. Eine Verschreibung homöopathischer Mittel ist als unethisch anzusehen, und zwar auch dann, wenn nur der Placebo-Effekt erreicht werden soll. […]

__________

2017: Australien, Gesundheitsministerium und Verband der Versicherungsanbieter / Pharmaceutical Society of Australia)

Homöopathie wurde bislang nur innerhalb von privaten Zusatzmodulen zur gesetzlichen Krankenversicherung angeboten. Das australische Gesundheitsministerium und die Versicherungsträger haben sich 2017 darauf geeinigt, Homöopathie-Erstattungen (neben anderen Methoden ohne Wirkungsnachweis) auch im Bereich der privaten Zusatzversicherung nicht mehr zuzulassen. [32] [33] Damit wurde einer Empfehlung des Royal Australian College of General Practitioners (der Allgemeinärzteorganisation Australiens) [34] als Konsequenz aus dem NHMRC-Review von 2015 gefolgt.

Gesundheitsministerium und Apothekerverband haben als Fazit einer gemeinsamen Begutachtung erklärt, dass „diese Produkte (Homöopathika) keine Evidenzbasis hätten und ausreichende Beweise für ihre Nichtwirksamkeit bestünden, um aus ethischen Gründen ihren Verkauf in öffentlichen Apotheken auszuschließen. Die Pharmaceutical Society of Australia und andere Berufsvereinigungen haben ergänzend erklärt, dass sie den Verkauf und das Vorhalten von Homöopathika in öffentlichen Apotheken nicht unterstützen. [35] [36] [37]

__________

2017: Vereinigtes Königreich, National Health Service

Der National Health Service (NHS), der Träger des Gesundheitssystems in Großbritannien, hat die Verschreibungsfähigkeit von Homöopathika (und 17 weiteren Mitteln, durchweg pflanzliche Remedia) beendet. Die Regionalorganisationen des NHS erhielten entsprechende „Blacklists“. Der Schritt erfolgte wegen „geringer klinischer Wirksamkeit“ und/oder „geringer Kosteneffizienz“. Speziell die Homöopathie sei „im besten Fall Placebo. [38]

Der NHS folgt damit einer bereits aus dem Jahre 2009 stammenden Empfehlung des Science and Technology Committee des House of Commons: „Homeopathy should not be funded on the NHS and the MHRA should stop licensing homeopathic products… We conclude that the Government’s policies on the provision of homeopathy through the NHS and licensing of homeopathic products are not evidence-based“). [39]

Das frühere Royal Homeopathic Hospital (jetzt Royal Hospital for Integrative Medicine) hat die Abgabe von Homöopathika bei durch den NHS finanzierten Therapien inzwischen eingestellt, auf Betreiben der zuständigen NHS-Regionalagentur Camden.

__________

2017: Spanisches Gesundheitsministerium

Die spanische Gesundheitsministerin hat den Regionen per Erlass die Erstattung von Homöopathie im Krankenversicherungssystem ausdrücklich untersagt und wiederholte Verstöße der Regionen gegen die entsprechende bisherige Weisung gerügt. [40] Noch bestehende Genehmigungen für Homöopathika-Erstattungen in der Region Valencia (nach dem sog. Königl. Dekret 1/2015 [41]) wurden zurückgezogen.

__________

 2017: Food and Drug Administration, USA

Die Food and Drug Administration (FDA), die US-amerikanische Arzneimittelbehörde, hat in einer Pressemitteilung vom 18.12.2017 [42] erstmals Regulationsvorschriften für den Vertrieb und Verkauf von Arzneimitteln ohne Wirkungsnachweis, insbesondere der Homöopathie [43], angekündigt. Sie erkennt damit ausdrücklich die Risiken an, die damit verbunden sind, dass Patienten Mitteln ohne Wirkungsnachweis auch bei schwereren Erkrankungen vertrauen könnten. Aus der Pressemitteilung:

„Bis vor relativ kurzer Zeit war die Homöopathie ein kleiner Markt für Spezialprodukte. Im Laufe des letzten Jahrzehnts ist der Markt für homöopathische Arzneimittel exponentiell gewachsen. Dies hat eine Industrie mit einem Volumen von fast 3 Milliarden US-Dollar hervorgebracht, was entsprechend mehr Patienten den potenziellen Risiken aussetzt, die mit der Verbreitung von unbelegten, nicht getesteten Produkten und unbegründeten gesundheitsbezogenen Angaben verbunden sind. […]

Der Leitlinienentwurf ist ein wichtiger Schritt in der Arbeit der Agentur zum Schutz der Patienten vor unbewiesenen und potenziell gefährlichen Produkten. […]“

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[1] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1825800

[2] http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(97)02293-9/abstract

[3] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9884175

[4] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK68085/

[5] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16125589

[6] https://systematicreviewsjournal.biomedcentral.com/articles/10.1186/2046-4053-3-142

[7] https://www.nhmrc.gov.au/_files_nhmrc/publications/attachments/cam02a_information_paper.pdf

[8] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28340607

[9] http://klnran.ru/2017/02/memorandum02-homeopathy/

[10] https://www.netzwerk-homoeopathie.eu/standpunkte/194-homoepathie-ist-pseudowissenschaft-nun-offiziell-in-russland-uebersetzung-des-memorandums-und-der-pressemitteilung

[11] https://www.nhmrc.gov.au/guidelines-publications/cam02

[12] http://www.ecso.org/has_on_homeopathy/

[13] http://www.kva.se/en/nyheter/remissvar-om-homeopatiska-lakemedel

[14] https://www.fda.gov/downloads/drugs/newsevents/ucm443490.pdf

[15] https://nccih.nih.gov/sites/nccam.nih.gov/files/Homeopathy_08-03-2015.pdf

[16] https://www.ftc.gov/news-events/press-releases/2016/11/ftc-issues-enforcement-policy-statement-regarding-marketing

[17] https://publications.parliament.uk/pa/cm200910/cmselect/cmsctech/45/45.pdf

[18] https://www.theguardian.com/lifeandstyle/2017/jul/21/a-misuse-of-scarce-funds-nhs-to-end-prescription-of-homeopathic-remedies

[19] https://www.rtnnewspaper.com/2017/08/no-more-homeopathy-on-the-spanish-nhs/

[20] http://awe.mol.uj.edu.pl/~jjb/izba.pdf

[21] http://www.nil.org.pl/__data/assets/pdf_file/0003/3936/rs0002-09-V.pdf

[22] https://skepp.be/nl/gezondheid/alternatieve-behandelingen/homeopathie-geen-bewijs-dat-het-werkt-en-toch-veel-gebruikt

[23] https://kce.fgov.be/sites/default/files/atoms/files/kce_154a_homeopathie_in_belgië_0.pdf (englischsprachiger Teil)

[24] http://www.easac.eu/fileadmin/PDF_s/reports_statements/EASAC_Homepathy_statement_web_final.pdf

[25] https://www.lemonde.fr/acces-restreint/sciences/article/2018/05/21/31b1324abb7a17267d6f099db0c2ba10_5302408_1650684.html

[26] https://www.conseil-national.medecin.fr/node/2836

[27] https://www.icomem.es/adjuntos/adjunto_1857.1529657489.pdf

[28] https://www.ftc.gov/system/files/documents/public_statements/996984/p114505_otc_homeopathic_drug_enforcement_policy_statement.pdf

[29] https://www.ftc.gov/news-events/press-releases/2016/11/ftc-issues-enforcement-policy-statement-regarding-marketing

[30] http://klnran.ru/2017/02/memorandum02-homeopathy/

[31] https://www.netzwerk-homoeopathie.eu/standpunkte/194-homoepathie-ist-pseudowissenschaft-nun-offiziell-in-russland-uebersetzung-des-memorandums-und-der-pressemitteilung

[32]http://www.health.gov.au/internet/main/publishing.nsf/Content/0E9129B3574FCA53CA257BF0001ACD11/$File/Natural%20Therapies%20Overview%20Report%20Final%20with%20copyright%2011%20March.pdf

[33] https://ajp.com.au/news/homeopathy-naturopathy-struck-off-private-insurance-list/

[34] https://www.racgp.org.au/download/Documents/Policies/Health%20systems/PPI-PositionStatement-Homeopathy-v1.pdf

[35] https://www.theguardian.com/australia-news/2017/jun/27/homeopathic-products-should-not-be-sold-in-pharmacies-review

[36] https://www.skeptics.com.au/2017/06/23/ban-homeopathy-in-pharmacies-says-industry-review/

[37]http://www.health.gov.au/internet/main/publishing.nsf/content/7E5846EB2D7BA299CA257F5C007C0E21/$File/interim-report-final.pdf – S. 67 f.

[38] https://goodthinkingsociety.org/nhs-england-calls-for-homeopathy-to-be-blacklisted-enfield-ccg-ends-homeopathy-funding/

[39] https://publications.parliament.uk/pa/cm200910/cmselect/cmsctech/45/45.pdf

[40] https://www.rtnnewspaper.com/2017/08/no-more-homeopathy-on-the-spanish-nhs/

[41] http://www.uria.com/de/abogados/BCO?iniciales=BCO&seccion=publicaciones&id=1714&pub=Colaboraciones

[42] https://www.fda.gov/NewsEvents/Newsroom/PressAnnouncements/UCM589243.htm

[43]https://www.fda.gov/downloads/Drugs/GuidanceComplianceRegulatoryInformation/Guidances/UCM589373.pdf

Hightech-Medizin und homöopathische Sandkastenspiele

Ausdrücklich einmal eine Lanze für die „moderne, seelenlose Medizin“!

Ein Team um den Mitbegründer der Immuntherapie bei Krebs, Steven Rosenberg, hat einen großen Durchbruch bei Tumorerkrankungen erzielt, die bislang nicht gut durch Immuntherapie erreicht werden könnten. Dabei entnimmt man im Tumor bereits aktiv „arbeitende“ T-Lymphozyten und vermehrt sie in der Annahme, dass es Sinn macht, eine größere Menge dieser bereits auf den Tumor „trainierten“ T-Zellen wieder per Infusion zuzuführen.

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Bieropathie!

Das Universum der Homöopathie steckt voller Überraschungen. Nur für Humor scheint dort durchaus wenig Platz zu sein – jedenfalls auf Seiten der Homöopathen.

Da ich mich ja ständig durch die weltweiten Publikationen zur Homöopathie wühle (soweit Zeit dafür da ist) und so manchen einschlägigen Newsletter empfange, bekomme ich da – von PubMed/NCBI bis zu Online-Vertreibern homöopathischer Mittel – so manches zu Gesicht. Diese Perle von einem großen Portal pro Homöopathie im fernen Downunder möchte ich euch, liebe Leser, nicht vorenthalten und bringe deshalb den kompletten Text als Übersetzung. Die Übersetzung ist zur besseren Verständlichkeit an einigen Stellen ein wenig frei, aber nicht im Inhalt, der ist genauso zu verstehen, wie er hier wiedergegeben ist.

Ich vermute mal, dass der einleitende Brief des „Besorgten Bürgers“ nicht so ganz ernst gemeint war – jedoch bei der Antwort der „Homöopathin in residence“ bei dem Portal bin ich mir sicher. Die war völlig ernst gemeint.

Also:


Re: Homöopathisches Bier

Liebe Redaktion,

Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, dass wenn Männer sich zum Biertrinken zusammenfinden, sich ihre Gespräche zwangsläufig dem edlen Ziel zuwenden, die Probleme der Welt zu lösen.

Nun ist das nicht nur eine gute Sache, sondern auch ein Beweis dafür, dass Biertrinken keineswegs die Quelle allen sozialen Übels ist, wie einige uns glauben machen wollen.

Es ist aber auch zu beobachten, dass mit fortschreitender Dauer dieser Treffen die Männer zunehmend ungebärdiger werden.

Das führt mich zu meinem eigentlichen Anliegen.

Nachdem ich in Ihrem letzten Newsletter über das homöopathische Mittel zur Hilfe bei „Kater“ gelesen habe, finde ich, dass die Homöopathen sofort damit beginnen sollten, die homöopathische Kraft des Biers im Hinblick darauf zu erforschen, dass es ja die Menschen dazu bringt, die Probleme der Welt lösen zu wollen.

Allerdings müsste man gleichzeitig natürlich versuchen, das Trinkritual von seinen negativen Auswirkungen wie Gewichtszunahme und unkontrolliertem Verhalten zu befreien.

Daher mein Vorschlag zu homöopathischem Bier. Es sollte vier Anforderungen erfüllen können:

  • Es muss natürlich / organisch sein, bis zur letzten Schaumblase.
  • Der Genuss sollte nicht zu einem Kater führen, egal welche Menge verbraucht wird.
  • Es muss auch im Rahmen eines Gewichtsreduzierungsprogramms eingesetzt werden können.
  • Es muss mit zunehmender Aufnahme beruhigend wirken statt als Katalysator für zur Unruhe und Unfrieden.

Nun, da ich weiß, dass die Homöopathie alle Substanzen in sicherer Form bereitstellt und gleichzeitig ihren gesundheitsfördernden Nutzen steigert, möchte ich wissen, ob sich bereits illustre Homöopathen der edlen Sache der Potenzierung von Bier angenommen haben!? Was wäre das für ein Glücksfall für den Planeten!

Gibt es ein homöopathisches Bier mit den wunderbaren Eigenschaften, die ich oben beschrieben habe?

Mit freundlichen Grüßen,

Besorgter Bürger


Dieser Brief wurde zur Stellungnahme an unsere Homöopathin Fran Sheffield weitergeleitet.

(Anm. KAvG: Fran Sheffield ist eine in Australien wohlbekannte und gerichtsnotorische Homöopathin, die sich schon einige Male wegen unzulässiger gesundheitlicher Aussagen / Versprechungen vor Gericht verantworten musste. Sie ist in Australien zudem die Vorreiterin einer „Homöopathischen Therapie bei Autismus“. Wer gute Nerven hat, suche mal bei YouTube nach „Fran Sheffield“, ich verzichte hier auf eine Verlinkung. Sie ist zudem eine der Leiterinnen von Homeopathy Plus, von deren Webseite diese Biergeschichte stammt.)


Lieber besorgter Bürger,

Ihr Brief wirft einige interessante Punkte auf.

Nach unserem Wissen ist Bier noch kein homöopathisches Heilmittel, aber Sie werden sich freuen zu hören, dass reiner Alkohol eine homöopathische Ursubstanz ist. In der Tat zeigen die Daten aus der homöopathischen Arzneimittelprüfung, dass homöopathischer Alkohol zur Behandlung von Symptomen geeignet ist, die denen der Trunkenheit ähnlich sind. Die Symptome, die bei den Arzneimittelprüfungen von reinem Alkohol auftraten, waren unter anderem:

  • Heiterkeit mit Lachen und Gesprächigkeit,
  • Enthemmung,
  • Gefühl des Schwebens,
  • Lust, sich zu amüsieren,
  • Albernheit und unreifes Verhalten,
  • Lügen, Stehlen, moralische Defizite,
  • Aggression, Lust, andere zu verletzen, Wut,
  • Verwirrung, Missverstehen, Vergesslichkeit,
  • Erhöhte Empfindlichkeit der Sinne, entweder schläfrig oder gereizt,
  • Lust auf Alleinsein wegen Verwirrung oder erhöhter Sinnesempfindlichkeit
  • Koordinationsprobleme, Unbeholfenheit, Tolpatschigkeit
  • Depression – Traurigkeit wegen der persönlichen Lebenssituaion,
  • Verlangen nach Koffein, Alkohol, Drogen oder anderen Stimulanzien,
  • Suche nach Stimulation durch Aktivitäten wie schnelles Fahren oder laute Musik.

Bevor Sie sich jetzt gleich Alkohol als homöopathisches Mittel besorgen, lassen sie mich ein wenig weiter erläutern.

Homöopathischer Alkohol wird gegen die beschriebenen Symptome höchst wirksam sein. Das setzt aber voraus, dass die Symptome der Patienten den oben genannten wirklich ähnlich sind. Wenn ja, dann passt der homöopathische Alkohol hervorragend zu Ihrem „Symptombild“, wie Homöopathen sagen, und er wird eine enorme Hilfe sein.

Aber: Wenn diese alkoholbedingten Symptome nur ein Teil dessen sind, was das gesamte Leiden ausmacht, weil auch Symptome anderer Gesundheitsprobleme im Patienten mit den beschriebenen zusammentreffen, wird das Symptombild des Patienten sehr verschieden von dem „reinen“ Symptombild homöopathischen Alkohols sein und ein ganz anderes Mittel benötigen. Leider hilft der homöopathische Alkohol in solchem Falle nicht weiter!

Und gehen Sie nicht davon aus, dass homöopathisches Bier törichte Männer zu Weltrettern machen könnte. Dies ist selbst ein zu behandelndes wahnhaftes Symptom des übermäßigen Konsums von Bier. In geeigneten homöopathischen Dosen, durch Mittel wie Bier oder anderem, werden solche Symptome wie diese Wahnvorstellungen nur normalisiert und der Betroffene wieder gesund. Sie können Wahnvorstellungen nicht in die Realität umsetzen.

Also, Besorgter Bürger, mir ist klar, dass dies vielleicht nicht die Nachricht ist, die Sie zu erhofft hatten, aber nicht verzweifeln. Hilfe ist immer da. Folgen Sie den Tutorials, die wir in jedem Newsletter vorstellen, dann werden Ihnen die Geheimnisse der Homöopathie enthüllt.

Sie werden herausfinden, was Ihr wirkliches Symptombild ist und wie es behandelt werden sollte. Sie werden vielleicht sogar lernen, wie Sie Ihr eigenes homöopathisches Mittel „Bier“ herstellen können, um dessen gesundheitsfördernde Wirkung besser zu erforschen. Nun, das wären dann wissenswerte Informationen und etwas, das man mit unserer Community teilen kann!

Homöopathische Grüße (ich fand keine bessere Übersetzung für „Yours in homeopathy“),

Fran Sheffield (Homöopath)


Kein weiterer Kommentar. Vielleicht nur, dass ich die Ausführungen zu Wahnvorstellungen ausgesprochen interessant fand. Und dass die Aussies offenbar nicht viel vertragen, wenn die beschriebenen Symptome bei ihnen schon in Prüfpotenz C30 auftraten…

Diesen Beitrag widme ich meinem Skeptiker-Freund und Bloggerkollegen Peter Biebl, der schon seit langem nicht müde wird, in unseren Landen die Bieropathie populär zu machen.


Bildnachweis: Pixabay / Creative Commons License CC0

Der Preis ist heiß!

Die folgende Passage aus einer Pressemitteilung der Fa. Peithner, Österreich, verdient unser Augenmerk:

Wien (pts005/28.03.2018/08:00) – Die Homöopathie erfüllt alle Kriterien der evidenzbasierten Medizin! Zu diesem Ergebnis kommt die Allgemeinmedizinerin Dr. Melanie Wölk, die im Rahmen ihrer Masterarbeit zur Erlangung des akademischen Abschlusses Master of Science im Universitätslehrgang Natural Medicine, Donau-Universität Krems, die Frage untersucht hat, ob die Homöopathie den Regeln der Evidence based Medicine (EbM) entspricht. Für diese Arbeit wurde Wölk mit dem Dr. Peithner Sonderpreis für Forschung in der Homöopathie ausgezeichnet.

Das ist ja mal eine Sensation ersten Ranges, sicherlich höherer Würden wert als der eines schnöden Masterabschlusses und eines lumpigen 3000-Euro-Schecks vom Homöopathie-Fabrikanten Peithner (wie die DHU zum Konzern Willmar Schwabe gehörig). Finde ich übrigens auch ziemlich knausering, in Anbetracht eines derartigen Durchbruchs. Naja, auch Blinddärme können durchbrechen…

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Was erlaube Homöopathen?

Zum 20. Jahrestag der legendären Münchner Pressekonferenz vom Meister des gepflegten Wutausbruchs Giovanni Trappatoni sei diese leicht abgewandelte Einleitung eines durchaus ernstgemeinten Artikels einmal gestattet – unpassend ist sie auf keinen Fall. Passend ist rein zufällig in unserem Zusammenhang auch ein anderes 20-jähriges Jubiläum, das mit dem Wort „Retracted“ in enger Verbindung steht.

Was erlaube Homöopathen? weiterlesen

Ärzte und Homöopathie – eine Reputation?

Ein viel gebrauchtes Argument der homöopathischen Fraktion ist, dass die Methode ja von approbierten Ärzten auch in nicht unerheblichem Umfang angewendet werde. Woraus man bitte doch auf die Seriosität der Homöopathie schließen möge, denn die Ärzte als akademisch-wissenschaftlich ausgebildete Fachleute würden das doch niemals tun, wenn sie nicht zutiefst von ihrer Richtigkeit und Evidenz überzeugt wären.

Gewisse Zweifel an dieser Konklusion hatte ich ja schon immer. Insofern fand ich es interessant, dass bei der Studiendatenbank PubMed eine Publikation eingestellt wurde, die sich genau mit diesem Thema befasst: „Beliefs, endorsement and application of homeopathy disclosed: a survey among ambulatory care physicians“, also „Glaube, Befürwortung und Anwendung der Homöopathie: Eine Umfrage unter Ärzten im ambulanten Bereich“.

Und was steht da so drin?

Befragt wurden alle Ärzte, die im Jahr 2015 im Schweizer Kanton Zürich ambulant tätig waren (n = 4072). Es ging um folgende Fragestellungen:

  • Zusammenhang der Verordnung von Homöopathie mit medizinischen Fachgebieten;
  • Welche Absichten mit den Verordnungen verfolgt wurden;
  • Inwieweit ergaben sich Übereinstimmungen mit bestimmten Einstellungen;
  • Ansichten zur Homöopathie einschließlich Erklärungsmodelle,
  • Bewertung der Evidenzbasis der Homöopathie;
  • Annahme der Eignung von Homöopathie bei bestimmten Indikationen,
  • Erstattungsfähigkeit der homöopathischen Behandlung durch die gesetzlichen Krankenkassen?

Die Teilnahmequote betrug 38%, das Durchschnittsalter 54 Jahre. 61 % der Befragten waren männlich. Bei 40 % handelte es sich um internistische Allgemeinärzte.

23% der Befragten verordneten Homöopathie mindestens einmal jährlich. Schwerpunktmäßig waren an medizinischen Fachgebieten besonders an den Verschreibungen die Bereiche Allgemeinmedizin (keine Spezialisierung), Pädiatrie und Gynäkologie/Geburtshilfe beteiligt.

Von den Verordnungen waren nur 50 % eindeutig dazu bestimmt, spezifische homöopathische Wirkungen hervorzurufen, nur 27 % der Verschreibenden hielten sich strikt an die homöopathische Verschreibungslehre (was ist das?) und nur 23 % glaubten, dass es wissenschaftliche Beweise für eine Wirksamkeit der Homöopathie gibt. Die Sicht auf die Homöopathie als Placebo-Methode fand die stärkste Zustimmung unter den Verordnern (!) und auch den Nichtanwendern (63% bzw. 74% Zustimmung). Eine Erstattung homöopathischer Heilmittel durch die gesetzliche Krankenversicherung wurde von 61% aller Befragten abgelehnt (was immerhin im Hinblick auf die momentane Gesetzeslage in der Schweiz bemerkenswert ist).

Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass medizinische Fachgebiete die Homöopathie mit deutlich unterschiedlicher Häufigkeit anwenden und nur die Hälfte der Verordnungen dazu bestimmt war, homöopathie-spezifische Wirkungen erzielen zu wollen. Darüber hinaus erkennt die Mehrheit der Verordner (!) an, dass die Wirksamkeit der Homöopathie nicht bewiesen ist und misst ihren traditionellen Prinzipien wenig Bedeutung bei.

Bestimmte medizinische Spezialgebiete (wen wundert es, dass es sich dabei um Pädiatrie und Gynäkologie/Geburtshilfe handelt?) und die damit verbundenen Anforderungen der Patienten, aber auch die Offenheit der Ärzte gegenüber Placeboeingriffen können bei homöopathischen Verschreibungen eine Rolle spielen. Die ärztliche Fortbildung sollte daher nicht nur die Evidenzgrundlage der Homöopathie, sondern auch ethische Dilemmata mit Placebo-Interventionen thematisieren.

Man darf hiernach sicher festhalten, dass von einem Rückhalt der Homöopathie in der Ärzteschaft zumindest bei dieser Untersuchung keine Rede sein kann. Allerdings gibt es trotz dieses irgendwie ermutigenden Ergebnisses immer noch zuviel davon. Beispielsweise konzentriert in der Mitgliederschaft des Deutschen Zentralvereins homöopatischer Ärzte, was die Ärztekammern in die Lage versetzen könnte, Fortbildungen sehr gezielt anzubieten…

 

„High dilution research“ – Forschung oder Verirrung?

Das Informationsnetzwerk Homöopathie hat vor kurzem die Frage erreicht, weshalb bei diesem keine Auseinandersetzung mit der Forschung zu ultrahohen Verdünnungen, dem sogenannten high dilution research, stattfinde. Das ist die Forschungsrichtung, die -soweit sie in Bezug auf Homöopathie stattfindet- in weit höherem Maße im „Nichts“ forscht als jeder Astrophysiker und in der Vorstellung lebt, irgendein Nachweis irgendeines auffälligen Verhaltens von hochverdünnten Lösungen sei per se der ultimative Nachweis der Richtigkeit von Hahnemanns Lehre.

Dass dem keineswegs so ist und weshalb sich eine Auseinandersetzung mit ihr im Rahmen von Homöopathiekritik nicht lohnt, hat Dr. Norbert Aust in einer Antwort begründet, die er auf seinem Blog veröffentlicht hat.

Der Blogbeitrag von Dr. Aust sei jedem am Homöopathieproblem Interessierten sehr zur Lektüre empfohlen. Kurz gesagt, wird dort dargelegt, dass selbst irgendwelche Ergebnisse, auch ohne diese zu qualifizieren, letzten Endes ohne Bedeutung für die zentrale Frage sind, ob Homöopathie wirkt oder nicht. „High dilution research“ – Forschung oder Verirrung? weiterlesen

Heilpraktiker, Homöopathie & Co. – Politik als Kunst des Notwendigen

Immer dieser Wissenschaftskram!

In meinen aktuellen Beiträgen zur Heilpraktikerdiskussion auf Die Erde ist keine Scheibe habe ich die Notwendigkeit betont, Gesundheitspolitik und Aufklärung auf rationaler, will heißen, wissenschaftlich fundierter Basis zu betreiben und die vielfach offene Geringschätzung von Wissenschaftlichkeit und Rationalität als unvertretbar zurückzuweisen.

In mancher Reaktion musste ich zu meinem Bedauern und auch zu meinem Erschrecken feststellen, dass die darin liegende Botschaft, trotz deutlicher Gegenüberstellung der Positionen, offenbar nicht recht angekommen ist. Nicht die argumentativen Defizite der alternativmedizinischen Seite werden erkannt, ganz im Gegenteil werden „Argumente“ von der kritischen Seite eingefordert, was die Situation einigermaßen auf den Kopf stellt. Dies, obwohl diese kritischen Argumente seit langem -und aktuell nochmals präzisiert und wiederholt– offenliegen und darauf warten, in einem sinnvollen faktenbasierten Diskurs betrachtet zu werden. Allein- dies geschieht nicht. Heilpraktiker, Homöopathie & Co. – Politik als Kunst des Notwendigen weiterlesen