Irrungen, Wirrungen

Nein, keine Literatur-Leistungskurs-Aufgabe zu Theodor Fontane wartet hier. Schön wärs…

Dass die Vertreter der Homöopathie-Lobby den Kritikern mit dem Vorwurf eines „Wissenschaftsdogmatismus“ begegnen und ihre Positionen mit einem vorgeblichen Anspruch auf „Wissenschaftspluralismus“ legitimieren wollen, ist nicht neu. Wobei „Wissenschaftspluralismus“ nicht mehr nur den Anspruch enthält, „mehrere Medizinen“ als „pluralistisch“ anzuerkennen, sondern darüber hinaus auch noch den, „mehreren Wissenschaften“ eine gleichberechtigte Existenz zuzusprechen. Irrungen, Wirrungen weiterlesen

Hightech-Medizin und homöopathische Sandkastenspiele

Ausdrücklich einmal eine Lanze für die „moderne, seelenlose Medizin“!

Ein Team um den Mitbegründer der Immuntherapie bei Krebs, Steven Rosenberg, hat einen großen Durchbruch bei Tumorerkrankungen erzielt, die bislang nicht gut durch Immuntherapie erreicht werden könnten. Dabei entnimmt man im Tumor bereits aktiv „arbeitende“ T-Lymphozyten und vermehrt sie in der Annahme, dass es Sinn macht, eine größere Menge dieser bereits auf den Tumor „trainierten“ T-Zellen wieder per Infusion zuzuführen.

Hightech-Medizin und homöopathische Sandkastenspiele weiterlesen

Nichtimpfen als okkulte Ideologie – die Schleimspur der „eigenverantwortlichen Impfentscheidung“

I

Auf diesem Blog ist schon reichlich viel zum Thema „Impfen“ erschienen, Grundsätzliches ebenso wie aus aktuellen Anlässen heraus. Ich bilde mir nicht ein, hiermit die Impfgegner-Szene irgendwie beeinflusst, aber vielleicht ein Fünkchen Licht in die Debatte gebracht zu haben

Im Abstand von über einem Jahr zu Andrew Wakefields faktischem Scheitern in Deutschland und Europa mit seinem Machwerk „Vaxxed“ meine ich nun allerdings eine Front der Impfgegnerschaft aktiv werden zu sehen, die aus einer anderen „ideologischen Ecke“ kommt: Aus der der Anthroposophie. Deren Paradepferd ist die berühmte „eigenverantwortliche Impfentscheidung“, die es entgegen den angeblich interessengeleiteten Empfehlungen der Ständigen Impfkommission, einer angeblich korrupten Ärzteschaft und fehlinformierten Eltern hochzuhalten gelte. Welche Kriterien bei einer solchen „eigenverantwortlichen Impfentscheidung“ gültig sein sollen, beanspruchen natürlich die von diesem Gedanken – und durchweg von der anthroposophischen Lehre – beseelten Mitglieder der Ärzteschaft. Und entpuppen sich damit nicht als Skeptiker, sondern als ideologisch verblendete Impfgegner reinsten Wassers. Zu der Frage, was solche Leute innerhalb des ärztlichen Standes zu suchen haben, lasse ich mich nicht weiter aus. Was zur Sache selbst anzumerken ist, enthält ausreichend deutlich dieser Blogbeitrag. Nichtimpfen als okkulte Ideologie – die Schleimspur der „eigenverantwortlichen Impfentscheidung“ weiterlesen

Favete linguis! *

*) „Enthaltet euch unheiliger Rede, schweigt!“ (Horaz)

Der 121. Deutsche Ärztetag ist inzwischen Geschichte. Die novellierte Muster-Weiterbildungsordnung ist verabschiedet.

Warum das wichtig ist? Wir erinnern uns: Anfang März dieses Jahres veröffentlichte der Münsteraner Kreis sein „Münsteraner Memorandum Homöopathie“, auf diesem Blog wurde ausführlich dazu kommentiert.  Es stellte einen wohlbegründeten Appell an den Ärztetag dar, bei der Novellierung der Musterweiterbildungsordnung die Streichung der „ärztlichen Zusatzbezeichnung Homöopathie“ zu beschließen. In einer auf Wissenschaftlichkeit verpflichteten Ärzteschaft könne eine nach nahezu einhelliger Auffasssung der weltweiten Wissenschaftscommunity wissenschaftlich nicht begründbare Methode keinen Platz haben.

Dazu ist es nicht gekommen. Es gab auf dem Ärztetag keinen Beschlussantrag zu einer Streichung der Zusatzbezeichnung Homöopathie, über den abzustimmen gewesen wäre. Es ist schlicht und einfach nichts anderes passiert, als dass die unverändert in der vorgelegten Beschlussvorlage enthaltene Zusatzbezeichnung unangetastet geblieben ist. Ich kann und will das an dieser Stelle nicht kommentieren und nicht bewerten – ich war nicht dabei und fühle mich nicht berufen, hierzu Interpretationen und Spekulationen zu liefern.

Favete linguis! * weiterlesen

Bieropathie!

Das Universum der Homöopathie steckt voller Überraschungen. Nur für Humor scheint dort durchaus wenig Platz zu sein – jedenfalls auf Seiten der Homöopathen.

Da ich mich ja ständig durch die weltweiten Publikationen zur Homöopathie wühle (soweit Zeit dafür da ist) und so manchen einschlägigen Newsletter empfange, bekomme ich da – von PubMed/NCBI bis zu Online-Vertreibern homöopathischer Mittel – so manches zu Gesicht. Diese Perle von einem großen Portal pro Homöopathie im fernen Downunder möchte ich euch, liebe Leser, nicht vorenthalten und bringe deshalb den kompletten Text als Übersetzung. Die Übersetzung ist zur besseren Verständlichkeit an einigen Stellen ein wenig frei, aber nicht im Inhalt, der ist genauso zu verstehen, wie er hier wiedergegeben ist.

Ich vermute mal, dass der einleitende Brief des „Besorgten Bürgers“ nicht so ganz ernst gemeint war – jedoch bei der Antwort der „Homöopathin in residence“ bei dem Portal bin ich mir sicher. Die war völlig ernst gemeint.

Also:


Re: Homöopathisches Bier

Liebe Redaktion,

Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, dass wenn Männer sich zum Biertrinken zusammenfinden, sich ihre Gespräche zwangsläufig dem edlen Ziel zuwenden, die Probleme der Welt zu lösen.

Nun ist das nicht nur eine gute Sache, sondern auch ein Beweis dafür, dass Biertrinken keineswegs die Quelle allen sozialen Übels ist, wie einige uns glauben machen wollen.

Es ist aber auch zu beobachten, dass mit fortschreitender Dauer dieser Treffen die Männer zunehmend ungebärdiger werden.

Das führt mich zu meinem eigentlichen Anliegen.

Nachdem ich in Ihrem letzten Newsletter über das homöopathische Mittel zur Hilfe bei „Kater“ gelesen habe, finde ich, dass die Homöopathen sofort damit beginnen sollten, die homöopathische Kraft des Biers im Hinblick darauf zu erforschen, dass es ja die Menschen dazu bringt, die Probleme der Welt lösen zu wollen.

Allerdings müsste man gleichzeitig natürlich versuchen, das Trinkritual von seinen negativen Auswirkungen wie Gewichtszunahme und unkontrolliertem Verhalten zu befreien.

Daher mein Vorschlag zu homöopathischem Bier. Es sollte vier Anforderungen erfüllen können:

  • Es muss natürlich / organisch sein, bis zur letzten Schaumblase.
  • Der Genuss sollte nicht zu einem Kater führen, egal welche Menge verbraucht wird.
  • Es muss auch im Rahmen eines Gewichtsreduzierungsprogramms eingesetzt werden können.
  • Es muss mit zunehmender Aufnahme beruhigend wirken statt als Katalysator für zur Unruhe und Unfrieden.

Nun, da ich weiß, dass die Homöopathie alle Substanzen in sicherer Form bereitstellt und gleichzeitig ihren gesundheitsfördernden Nutzen steigert, möchte ich wissen, ob sich bereits illustre Homöopathen der edlen Sache der Potenzierung von Bier angenommen haben!? Was wäre das für ein Glücksfall für den Planeten!

Gibt es ein homöopathisches Bier mit den wunderbaren Eigenschaften, die ich oben beschrieben habe?

Mit freundlichen Grüßen,

Besorgter Bürger


Dieser Brief wurde zur Stellungnahme an unsere Homöopathin Fran Sheffield weitergeleitet.

(Anm. KAvG: Fran Sheffield ist eine in Australien wohlbekannte und gerichtsnotorische Homöopathin, die sich schon einige Male wegen unzulässiger gesundheitlicher Aussagen / Versprechungen vor Gericht verantworten musste. Sie ist in Australien zudem die Vorreiterin einer „Homöopathischen Therapie bei Autismus“. Wer gute Nerven hat, suche mal bei YouTube nach „Fran Sheffield“, ich verzichte hier auf eine Verlinkung. Sie ist zudem eine der Leiterinnen von Homeopathy Plus, von deren Webseite diese Biergeschichte stammt.)


Lieber besorgter Bürger,

Ihr Brief wirft einige interessante Punkte auf.

Nach unserem Wissen ist Bier noch kein homöopathisches Heilmittel, aber Sie werden sich freuen zu hören, dass reiner Alkohol eine homöopathische Ursubstanz ist. In der Tat zeigen die Daten aus der homöopathischen Arzneimittelprüfung, dass homöopathischer Alkohol zur Behandlung von Symptomen geeignet ist, die denen der Trunkenheit ähnlich sind. Die Symptome, die bei den Arzneimittelprüfungen von reinem Alkohol auftraten, waren unter anderem:

  • Heiterkeit mit Lachen und Gesprächigkeit,
  • Enthemmung,
  • Gefühl des Schwebens,
  • Lust, sich zu amüsieren,
  • Albernheit und unreifes Verhalten,
  • Lügen, Stehlen, moralische Defizite,
  • Aggression, Lust, andere zu verletzen, Wut,
  • Verwirrung, Missverstehen, Vergesslichkeit,
  • Erhöhte Empfindlichkeit der Sinne, entweder schläfrig oder gereizt,
  • Lust auf Alleinsein wegen Verwirrung oder erhöhter Sinnesempfindlichkeit
  • Koordinationsprobleme, Unbeholfenheit, Tolpatschigkeit
  • Depression – Traurigkeit wegen der persönlichen Lebenssituaion,
  • Verlangen nach Koffein, Alkohol, Drogen oder anderen Stimulanzien,
  • Suche nach Stimulation durch Aktivitäten wie schnelles Fahren oder laute Musik.

Bevor Sie sich jetzt gleich Alkohol als homöopathisches Mittel besorgen, lassen sie mich ein wenig weiter erläutern.

Homöopathischer Alkohol wird gegen die beschriebenen Symptome höchst wirksam sein. Das setzt aber voraus, dass die Symptome der Patienten den oben genannten wirklich ähnlich sind. Wenn ja, dann passt der homöopathische Alkohol hervorragend zu Ihrem „Symptombild“, wie Homöopathen sagen, und er wird eine enorme Hilfe sein.

Aber: Wenn diese alkoholbedingten Symptome nur ein Teil dessen sind, was das gesamte Leiden ausmacht, weil auch Symptome anderer Gesundheitsprobleme im Patienten mit den beschriebenen zusammentreffen, wird das Symptombild des Patienten sehr verschieden von dem „reinen“ Symptombild homöopathischen Alkohols sein und ein ganz anderes Mittel benötigen. Leider hilft der homöopathische Alkohol in solchem Falle nicht weiter!

Und gehen Sie nicht davon aus, dass homöopathisches Bier törichte Männer zu Weltrettern machen könnte. Dies ist selbst ein zu behandelndes wahnhaftes Symptom des übermäßigen Konsums von Bier. In geeigneten homöopathischen Dosen, durch Mittel wie Bier oder anderem, werden solche Symptome wie diese Wahnvorstellungen nur normalisiert und der Betroffene wieder gesund. Sie können Wahnvorstellungen nicht in die Realität umsetzen.

Also, Besorgter Bürger, mir ist klar, dass dies vielleicht nicht die Nachricht ist, die Sie zu erhofft hatten, aber nicht verzweifeln. Hilfe ist immer da. Folgen Sie den Tutorials, die wir in jedem Newsletter vorstellen, dann werden Ihnen die Geheimnisse der Homöopathie enthüllt.

Sie werden herausfinden, was Ihr wirkliches Symptombild ist und wie es behandelt werden sollte. Sie werden vielleicht sogar lernen, wie Sie Ihr eigenes homöopathisches Mittel „Bier“ herstellen können, um dessen gesundheitsfördernde Wirkung besser zu erforschen. Nun, das wären dann wissenswerte Informationen und etwas, das man mit unserer Community teilen kann!

Homöopathische Grüße (ich fand keine bessere Übersetzung für „Yours in homeopathy“),

Fran Sheffield (Homöopath)


Kein weiterer Kommentar. Vielleicht nur, dass ich die Ausführungen zu Wahnvorstellungen ausgesprochen interessant fand. Und dass die Aussies offenbar nicht viel vertragen, wenn die beschriebenen Symptome bei ihnen schon in Prüfpotenz C30 auftraten…

Diesen Beitrag widme ich meinem Skeptiker-Freund und Bloggerkollegen Peter Biebl, der schon seit langem nicht müde wird, in unseren Landen die Bieropathie populär zu machen.


Bildnachweis: Pixabay / Creative Commons License CC0

Gedanken über IGeL

Ich find Wortspiele dooooof…

Wer ist ihnen nicht schon einmal begegnet, den IGeL-Angeboten in der Arztpraxis, den „individuellen Gesundheitsleistungen“, deren augenfälligster Aspekt erst einmal ist, dass man sie aus eigener Tasche bezahlen darf?

Zu diesem Thema überraschte kürzlich der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) mit einer sehr deutlichen Pressemitteilung [1] zu seinem „IGeL-Report 2018“. Dort heißt es u.a.:

„Jeder Zweite bekommt beim Arztbesuch Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) angeboten, die privat zu bezahlen sind. Der IGeL-Monitor hat in einer repräsentativen Umfrage erstmals die Top 10 der meistverkauften IGeL ermittelt. Fazit: In den Praxen werden häufig Früherkennungsuntersuchungen wie Ultraschall, Augeninnendruckmessung und Ähnliches verkauft. Viele der Topseller widersprechen Empfehlungen medizinischer Fachverbände, weil ihr Schaden den Nutzen überwiegt.“

Gedanken über IGeL weiterlesen

Wie bloß wirbt man für Homöopathie? Heute: Die DHU

Die Deutsche Homöopathie Union (DHU), der deutsche Marktführer bei homöopathischen Mitteln und Tochtergesellschaft des Konzerns Dr. Willmar Schwabe (weltweiter Jahresumsatz nahe bei 1 Milliarde Euro) sieht sich veranlasst, eine große Werbekampagne zur Homöopathie auf den Weg zu bringen und wird in diesem Zusammenhang sogar erstmals auf Twitter aktiv. [1]

Über die Gründe dafür mag man spekulieren. Die Zwischenzahlen aus dem Jahr 2017 haben jedenfalls gezeigt, dass der Homöopathie-Umsatz rückläufig ist. [2] Homöopathiekritik „wirkt“ ja nun schon eine ganze Weile. Das Thema ist im Raum, ob durch die „Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie“ von Dr. Norbert Aust, die „Homöopathie-Lüge“ von Weymayr/Heißmann und sicher nicht zuletzt durch den enormen Schub für den Diskurs durch Dr. Natalie Grams‘  „Homöopathie neu gedacht – Was Patienten wirklich hilft“.  Jedenfalls ist der öffentliche Diskurs mit Macht in Gang gekommen – und hält unvermindert an. Darf man die Hoffnung haben, die richtigen Informationen zur Homöopathie wirklich dem Publikum etwas näher gebracht zu haben?

Wie bloß wirbt man für Homöopathie? Heute: Die DHU weiterlesen

Der Preis ist heiß!

Die folgende Passage aus einer Pressemitteilung der Fa. Peithner, Österreich, verdient unser Augenmerk:

Wien (pts005/28.03.2018/08:00) – Die Homöopathie erfüllt alle Kriterien der evidenzbasierten Medizin! Zu diesem Ergebnis kommt die Allgemeinmedizinerin Dr. Melanie Wölk, die im Rahmen ihrer Masterarbeit zur Erlangung des akademischen Abschlusses Master of Science im Universitätslehrgang Natural Medicine, Donau-Universität Krems, die Frage untersucht hat, ob die Homöopathie den Regeln der Evidence based Medicine (EbM) entspricht. Für diese Arbeit wurde Wölk mit dem Dr. Peithner Sonderpreis für Forschung in der Homöopathie ausgezeichnet.

Das ist ja mal eine Sensation ersten Ranges, sicherlich höherer Würden wert als der eines schnöden Masterabschlusses und eines lumpigen 3000-Euro-Schecks vom Homöopathie-Fabrikanten Peithner (wie die DHU zum Konzern Willmar Schwabe gehörig). Finde ich übrigens auch ziemlich knausering, in Anbetracht eines derartigen Durchbruchs. Naja, auch Blinddärme können durchbrechen…

Der Preis ist heiß! weiterlesen